Ringförmige Beleuchtung, diesmal mit Öl

Begonnen von Nomarski, April 03, 2011, 15:44:58 NACHMITTAGS

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Nomarski

Hallo,

was kürzlich beim Trockenen System schon zur Steigerung der Auflösung geführt hatte mittels der ringförmigen Beleuchtung habe ich nun mit einem 100er Achromaten und einem immergierten 1,4er Kondensor probiert:


1. Zunächst wieder die Surirella Gemma im Phasenkontrast. Die Punkte lassen sich schon mühelos zählen.


2. Selbes Objekt bei ringförmiger Beleuchtung mit VG9-Filter im Strahlengang, die Bildbearbeitungsprozedur angewendet wie von Gunther Chmela empfohlen.

Damit noch nicht genug, so habe ich mir noch eine Amphipleura pellucida geschnappt und an ihr dasselbe Verfahren angewendet:


Nicht schön, aber selten. ;D

Viele Grüße
Bernd

Gunther Chmela

Alle Achtung, Bernd!

Also - die Amphipleura hab ich so gut noch nie auflösen können, nicht einmal mit einem Planapo 63/1,4! Am nächsten Regentag werde ich mich damit einmal ein bisschen beschäftigen müssen.

Beste Grüße!
Gunther

Nomarski

Hallo Gunther,

nun bekomme ich es aber schon langsam mit der Angst zu tun, daß du diesmal keinen Einspruch erhebst. ;D

Nun habe nochmal folgendes gemacht: Den ganzen Plunder mit dem RAW-Format habe ich mir diesmal eingespart und in JPG. gespeichert, das spart Speicherplatz in der Kamera und auf der Festplatte.
Zum einen habe ich das Objekt ohne den VG9 fotografiert, was dem Eindruck aus der Beobachtung am nächsten kommt und ein Bild mit dem VG9, das ich eben in S/W gewandelt habe, sonst wäre es ja hier grün. Und aus dem Grünkanal ist dann dieses Bild entstanden:









Bei diesen Bildern hatte ich allerdings die Dunkelfeldblende aus dem 1,4er PH-Kondensor genommen für die Ringformige Beleuchtung.  Der Lichtring ist dabei für das 100er/1,25 noch etwas zu breit, so daß man eine größere Blende bräuchte. Bei der oberen Aufnahme hatte ich aber erstmal mit einer Zusatzblende im Filterhalter improvisiert, weil ich den Kondensor nicht extra aufschrauben wollte.

ZitatAlso - die Amphipleura hab ich so gut noch nie auflösen können, nicht einmal mit einem Planapo 63/1,4!
Ich übrigens auch nicht. ;D

Viele Grüße
Bernd


Thomas U

Hallo Bernd!

Willkommen im Club! - http://micro.sakura.ne.jp/bod/hrs_1.htm
Wenn alle Parameter stimmen, dann gibt es solche Fotos! Leider muß man einige Hardware Sachen selber basteln, die Firmen reagieren auf solche Wünsche gar nicht. Ich arbeite gerade an einem Universal-Kondensor, der diese Technik vereint (BF,DF,PH.COL,Oblique und deren Kombinationen) für ein modifiziertes Nikon Unendlichmikroskop. Für ein 160 Endlichsystem hab ich diesen Kondensor schon betriebsbereit fertig. Mal sehen ob mir das auch bei dem Nikon gelingt.

LG Thomas
YF

Holger Adelmann

#4
Hallo Gunther,

hier mein Ergebnis zur Amphipleura pellucida.

Leitz ORTHOPLAN PL APO 63:1 / 1.40 konzentrisches Hellfeld mittels Immersions-Dunkelfeldkondensor Ap 1.40 HBO 50 Interferenzfilter 405 nm SONY CCD XC-ST50 CE.
Fazit: Top Objektiv, kurze Wellenlänge, allseits schiefe Beleuchtung  - diese Kombi machte den Trick.

Herzliche Grüsse
Holger





Gunther Chmela

Hallo Bernd und alle, die es interessiert!

Was ich immer schon geahnt und sehr bald auch gewusst habe: Das Verfahren (RFB / COL, wie auch immer) kostet zwar nichts und ist mit jedem "anständigen" Mikroskop zu realisieren. Aber es setzt beim Anwender Geduld, Willen zur Perfektion, Basteltalent und eine gewisse Hartnäckigkeit voraus. Das Zusammenspiel von Objektivapertur, Kondensorapertur und Ringblenden-Durchmesser ist äußerst komplex und lässt sich kaum völlig befriedigend mit einer Art "Bedienungsanleitung" beschreiben. Gerade der Blendendurchmesser, passend zum verwendeten Objektiv, zum Kondensor und auch zur Dicke des Präparats, ist eine sehr empfindliche Größe! Oft entscheiden Bruchteile eines Millimeters über "optimal", "geht einigermaßen" und "unbrauchbar. Auch spielt beim Kondensor die Schnittweite eine Rolle. Je größer die ist, desto mehr Chancen hat man, ihn hoch genug einzustellen, um eine möglichst große Ringblende verwenden zu können.

Wenn man all diese Schwierigkeiten in den Griff bekommt, ja dann ... siehe Dein Amphipleura-Bild im ersten Beitrag, Bernd. (Und dann bleibt immer noch die Frage, ob der Erfolg jederzeit reproduzierbar ist...)

Es wundert mich schon längst nicht mehr, dass das Verfahren es nie zur Serienreife geschafft hat, obwohl darüber vor langer Zeit zumindest in einer namhaften Firma nachgedacht worden ist. Es ist, so kann man wohl sagen, nicht standardisierbar.

Wenn man allerdings bereit ist, zu probieren, zu probieren, zu probieren - dann kann man sehr viel Freude daran haben.

Beste Grüße an alle!
Gunther Chmela

Gunther Chmela

Zitat von: Holger Adelmann in April 03, 2011, 19:59:06 NACHMITTAGS
Hallo Gunther,
hier mein Ergebnis zur Amphipleura pellucida.

Hallo Holger,

Also allmählich kriege ich Minderwertigkeitsgefühle! Ich sehe schon, ich werde mich sehr anstrengen müssen in der nächsten Zeit!
Aber im Ernst: Ich freue mich sehr, dass dieses Verfahren, für das ich ja durchaus auch die Werbetrommel gerührt habe über die Jahre hinweg (Mikrokosmos-Artikel, Beiträge hier im Forum), Anhänger hat und findet - und dass so schöne Ergebnisse zu sehen sind!

Beste Grüße!
Gunther

Nomarski

Hallo Gunther, hallo Thomas,

ZitatWenn alle Parameter stimmen, dann gibt es solche Fotos!
Mit deiner Canon EOS 7D kann das nur noch besser werden. Ich schrieb ja schon, daß ich nur eine EOS 350 D verwende, der Unterschied wie zwischen einem Golf II zum Porsche Cayenne. Und wenn man zu sehr von einer Einstellung am Mikroskop abweicht, sieht man schon keine Feinstruktur mehr.

Zitat(Und dann bleibt immer noch die Frage, ob der Erfolg jederzeit reproduzierbar ist...)
Man muß nur einmal das Prinzip verstanden haben.

ZitatEs wundert mich schon längst nicht mehr, dass das Verfahren es nie zur Serienreife geschafft hat, obwohl darüber vor langer Zeit zumindest in einer namhaften Firma nachgedacht worden ist. Es ist, so kann man wohl sagen, nicht standardisierbar.
Das würde schon alleine einigen Anweisungsschritten in den Bedienungsanleitungen, insbesondere die Köhlerei, widersprechen, wie man sie eben bei den anderen gängigen Kontrastverfahren macht. Für die Routine wäre das zu aufwändig und zu umständlich, deswegen hat man es wohl seitens der Mikroskophersteller wohl gelassen.

Viele Grüße
Bernd


Thomas U

Hallo Gunther!
Genau so ist es. Wenn man das Prinzip einmal verstanden hat, kann man es für fast jedes Mikroskop adaptieren. Der eigentliche Aufwand liegt einerseits beim Lichtweg und andererseits beim genauen Maß der Blende, die an einem bestimmten Punkt liegen muß, da man sonst große Farbartefakte im Bild zu sehen bekommt. Ich habe bei ungefähr 10 Mikroskopen (160er) das Prinzip hinbekommen, mußte aber für jedes einzelne Objektiv eine eigene neue Blende produzieren. Apropos Reproduzierbarkeit-mit Meßskalen an der Hardware- ist das möglich! Es gibt nur einen einzigen Minuspunkt dieser ganzen Angelegenheit - das ganze kostet fast nichts (außer ein bischen Hirnarbeit und Bastelei)!! Auf jeden Fall ist die Bastelei bei den alten 160er Sytemen wesentlich einfacher und es eignen sich, wie Du schon geschrieben hast, nur wenig alte Kondensoren.

Viele Schiefe COL Grüße Thomas
YF

Gunther Chmela

Zitat von: Thomas U in April 03, 2011, 21:25:12 NACHMITTAGS
mußte aber für jedes einzelne Objektiv eine eigene neue Blende produzieren.

Ich arbeite mit einem ganzen Satz von Blenden mit Durchmessern von 8 bis 24 mm auf Objektträgern, die ich auf den Filterhalter schiebe und von Hand zentriere. Oft muss ich bei ein und demselben Objektiv je nach Präparat unterschiedliche Blenden verwenden.
In einem Phako-Kondensor habe ich allerdings auch fest eingebaute Blenden, die für bestimmte Objektive (meistens!) passen.

ZitatApropos Reproduzierbarkeit-mit Meßskalen an der Hardware- ist das möglich!
Das interessiert mich. Kannst Du das bitte genauer erläutern?

Beste Grüße!
Gunther

Thomas U

Hallo Gunther

Die Blenden selbst liegen bei den meisten Konstruktionen in einem quasi Phakokondensor, wobei jede einzelne Blende auch genau justierbar ist. Das ist sehr wichtig, die Blende muß bei jeder Kondensorhöhe genau im Zentrum liegen und darf nur minimal ausweichen, am besten garnicht! Obliquekontrast mache ich mit einer Linsenkonstruktion und nicht mit Blenden; das ergibt qualitativ ein besseres Ergebnis, die Farbsäume sind wesentlich geringer und bei hochwertigen Flour oder Apos fast nicht mehr zu sehen. Diese Linse befindet sich im Bereich zwischen Feldblende und Kondensor und kann ganz einfch mit Justierpunkten wie beim Kreuztisch abgelesen werden. Die eigentliche Kunst ist die Kombination Kondensor und Linse; das hat bei mir viel mit try and error zu tun gehabt und ist schon 40 Jahre aus und das ganze mit einem schwer modifizierten alten russischen Biolam. Gut Ding braucht also Weil!
LG Thomas
YF

liftboy

Hallo Thomas,
modifiziertes Biolam???
Das interessiert mich aber doch sehr!
Ich schraube ja auch viel an diesen Greäten und staune immer wieder, was man alles damit machen kann.
Wens geht, bitte eine kleine Info.
Danke
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

peter-h

Hallo Holger,

tolles Ergebnis ! Zum Jahresende werden dann von Dir Bilder folgen, so dass ich meine bisherigen Aufnahmen zum Schrottplatz bringen kann  ;)
Es geht also auch ohne UV-LED oder gelbes Medium !

Viele Grüße
Peter

Thomas U

Hallo Wolfgang!
Ich habe soviel wie alles an den Biolams verändert, was man nur irgendwie verändern konnte und es ist trotzdem immer ein Mikroskop geblieben. Besonders der Grob und Feintrieb, in all den Variationen die es gegeben hat, hat mich länger beschäftigt und ich begann diesen um 180 Grad auf den Kopf zu stellen; dann konnte man den Tisch in der Höhe verstellen um das Gewicht sämtlicher Adaptionen nicht auf den Trieb lasten zu lassen. Dazu wurden die Mikroskope radikal auseinander geschnitten und völlig neu aufgebaut.  Ich glaube ich habe nicht viel beim Modifizieren ausgelassen; alles was irgendwie möglich war, habe ich auch ausprobiert. Im Laufe meiner Jugend lernte ich viel von den Biolams, erst später im Studium hatte ich die Gelegenheit, die optischen Grenzen der Biolams zu erkennen, konnte aber meine Ideen und die Modifikationen auf andere hochwertigere Mikroskope umsetzen und anwenden. Durch die vielen Reparaturen dieser Geräte bekommt man dann ein ganz anderes Verhältnis zur Technik der Mikroskope, das wiederum hilft sehr bei den Umsetzungen der eigenen Ideen.
Die Grundidee COL mit Linsen stammt noch von den Biolams und konnte dann erfolgreich bei  Leitz Dialux, Laborlux und Diaplan, Reichert Biovar, Zetopan etc.. umgesetzt werden.
So Long !
LG Thomas
YF

Gunther Chmela

Hallo Thomas,

Zitat von: Thomas U in April 03, 2011, 21:56:58 NACHMITTAGS
...wobei jede einzelne Blende auch genau justierbar ist. Das ist sehr wichtig, die Blende muß bei jeder Kondensorhöhe genau im Zentrum liegen und darf nur minimal ausweichen, am besten garnicht!
So weit, so gut. War mir von Anfang an klar. Ich habe nie anders gearbeitet.

ZitatObliquekontrast mache ich mit einer Linsenkonstruktion und nicht mit Blenden
Ich fürchte, das übersteigt meine technischen und auch meine handwerklichen Möglichkeiten. Es würde mich aber trotzdem interessieren, wie die Konstruktion dieser Anordnung aussieht!

Zitatdie Farbsäume sind wesentlich geringer und bei hochwertigen Flour oder Apos fast nicht mehr zu sehen.
Ich habe bei optimaler Einstellung mit meinen Zentralblenden eigentlich keine Farbsäume - mit Achromaten vielleicht minimale.

ZitatDiese Linse befindet sich im Bereich zwischen Feldblende und Kondensor und kann ganz einfch mit Justierpunkten wie beim Kreuztisch abgelesen werden.
Wie sieht diese Linse aus? Welche optischen Merkmale hat sie? Ich kann mir die Wirkung auf den Beleuchtungsstrahlengang nicht vorstellen. Schließlich brauchen wir doch allseitig schiefe Beleuchtung.

ZitatDie eigentliche Kunst ist die Kombination Kondensor und Linse; das hat bei mir viel mit try and error zu tun gehabt
Das glaube ich gern!

Obwohl ich denke, dass ich nicht den Ehrgeiz haben werde, Ähnliches zu verwirklichen, würden mich aber doch die grundsätzlichen Einzelheiten sehr interessieren.

Beste Grüße!
Gunther