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Trentepohlia sp. ???

Begonnen von Erich Riedel, Juni 21, 2011, 11:53:48 VORMITTAG

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Erich Riedel

Hallo den Freunden der Mikroskopie,
an einer Mauer aus Sandstein wachsen die abgebildeten kleinen Pflanzenpolster. Die ca. 20 - 25 µm langen Zellen der ca. 10 - 15 µm breiten Fäden sind mit braunen Tröpfchen gefüllt. Diese bestehen wahrscheinlich aus Öl, in dem Haematochrome gelöst sind. Diese Tröpfchen überdecken die grüne Farbe der Chloroplasten, wie im "Wassertropfen" beschrieben wird. Diese braunen Tropfen lösen sich in Alkohol. Es dürfte ein Hinweis auf ein Fett sein.









In absterbenden oder stark ausgetrockneten Fäden laufen die Tröpfchen zu größeren Tropfen zusammen. Aus anderen absterbenden Fäden verschwinden die braunen Tröpfchen und die Chloroplasten werden sichtbar. Bis hierher sehen die Fotos nach Trentepohlia sp. aus und ähneln sehr der T. aurea:









An der Spitze und auch seitlich mancher Fäden bilden sich "Kapseln" (Durchmesser ca. 25 - 30 µm), welche der Vermehrung dienen. (Zoosporangien?). Da diesen "Kapseln" die im "Wassertropfen" beschriebenen Stiele fehlen, sind nicht nur Art und Gattung fraglich, sondern auch die Klasse Trentepohliophyceae.





Gegenüber der Stelle, an welcher die "Kapseln" angewachsen sind, befindet sich ein Kranz, in welchem zum Austreten winzigster ca. 1 µm großer "Schwärmer" (Zoosporen?) ein Riss entsteht. Diese Schwärmer schwimmen aktiv und verbreiten sich schnell im Wasser.



Aus anderen Kapseln floss eine zähe Masse aus,in welcher langsam ca. 10 - 12 µm große "Schwärmer" "erwachten" und rotierend und immer schneller werdend davon schwammen. Handelt es sich oben nicht um Zoosporen sondern, beide Beobachtungen zusammen genommen, um männliche und weibliche Zellen. (evtl. um Spermatozoide und Eizellen??).  Also auch hier kein Trentepohlia!? Ist eine außerhalb des Wassers lebende Braunalge, ähnlich Pleurocladia lacustris /Polster-Braunalge, möglich? Die Vermehrungs-Kapseln wären ähnlich.
Kann ein Kenner helfen?

Mit besten Grüßen
                Erich

Horst Wörmann

Hallo Erich,
da sich noch kein Experte gemeldet hat, hier der Beitrag des Laien.

Trentepohlia habe ich auch mal in Österreich an Felsen der Krimmeler Ache gefunden,
imponierende orangefarben leuchtende Beläge, die ich erst für Flechten gehalten habe.
Beim Transport nach Haus ist nicht viel übriggebleiben, siehe Foto:


Zu den Sporangien siehe Forstinger, "Eine luflebende Alge: Trentepohlia aurea"
Mikrokosmos 65, Seite 263-264 (1976).
"Die Vermehrung erfolgt einmal ungeschlechtlich durch begeißelte Zoosporen, die in sog. Hakensporangien gebildet werden....
Zum zweiten gibt es eine geschlechtliche Vermehrung, bei der die ebenfalls begeißelten Gameten in sog. Kugelsporangien gebildet werden...".
Bilder und Beschreibungen passen zu Deinen Beobachtungen.

Viele Grüße,
Horst



Erich Riedel

Hallo Horst,
ich bedanke mich für Deine Mitteilung und den Hinweis über die geschlechtliche Vermehrung dieser Algen.

Mit freundlichem Gruß
  Erich

Monsti

Hallo Erich,

zu Trentepohlia aurea gab es von mir mal eine Anfrage, wobei ich diese Art bisher nur auf Kalkstein finden konnte --> http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=5977.0

Liebe Grüße
Angie

Erich Riedel

#4
Hallo Angie,
alle Beiträge über Trentepohlia im Forum hab ich gelesen, bevor ich meine Anfrage geschrieben hab - auch Deinen.
In der Literatur fand ich nichts über saure oder basische Standorte. Auch "mein" Sandstein kann von Natur aus Kalk enthalten. Da die Mauer sehr alt ist, wäre auch möglich, dass im Laufe der Jahrzehnte durch Regenwasser vom Mörtel gelöster Kalk in den Sandstein eingedrungen ist. Deine Abbildung des Polsters unterscheidet sich von meinem Foto. Wegen dieser und anderer Abweichungen hab ich "Trentepohlia sp." geschrieben. Ich war sehr unsicher wegen der Bestimmung - wie immer. Horst`s Antwort hat mich eigentlich zumindest von Trentepohlia sp. bestärkt.
Im "Wassertropfen" werden oft nur die wichtigsten Arten beschrieben. In der Hoffnung, es gibt mehr als die beschriebenen zwei Arten, wählte ich Trentepohlia sp. Ist es nicht an dem, müssten wir uns, trotz des unterschiedlichen Aussehens der Polster, T. aurea "teilen".
Danke für die Antwort und viele Grüße!
 Erich

Erich Riedel

Hallo Horst,
an welchem Gestein hast Du in der Krimmeler Ache Deine Alge T. aurea gefunden?
Die Farbe der Öltröpfchen Deiner Alge sind viel leuchtender und gehen mehr ins Rot gegen über meines Fundes. Das könnte aber mit dem Standort zusammen hängen.
Nach Deiner Beschreibung aus der Literatur hab ich die geschlechtliche Vermehrung beobachtet und meine Fotos zeigen keine Zoosporangien. Das stärkt die Annahme Trentepohlia sp. oder sogar T. aurea.
Eine Anmerkung wegen des schlechten Zustandes Deiner Alge nach dem Transport: In meinem "Botanisier-Set" liegt immer ein ehemaliges Augentropfen -Fläschchen mit Leitungswasser. Die Objekte bekommen immer einige Tropfen Wasser oder etwas feuchten Zellstoff oder nasses Moos in den Transportbehälter.
Viele Grüße!
Erich

Horst Wörmann

Liebe Trentepohlia-Freunde,

meine Alge habe ich auf Gneis gefunden, und der ist normalerweise kalkfrei.

Bezüglich der Probenahme muß ich mich schämen, hatte ausnahmsweise überhaupt nichts passendes dabei.

Viele Grüße,
Horst