Drehtisch selbst reparieren?

Begonnen von Dünnschliffbohrer, Dezember 11, 2014, 19:19:08 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

olaf.med

Lieber Frank,

bei dieser Art der Befestigung des Tischs sehe ich gleichfalls keine Probleme mit der Ausrichtung. Schlimm wird es nur wenn man den Tischträger auch abbauen muss und der nicht durch Stifte o.Ä. zwangsgeführt wird.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Frank D.

Zitat von: olaf.med in Dezember 24, 2014, 08:37:44 VORMITTAG
.....Schlimm wird es nur wenn man den Tischträger auch abbauen muss und der nicht durch Stifte o.Ä. zwangsgeführt wird.

....

Hallo Olaf,

das wäre wirklich schlimm! Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass ein Polmikroskop aus den 60er Jahren, dazu noch von Wild, so etwas nicht besitzt.
Sind Dir Polmikroskope bekannt, die keine solchen Zentrierbolzen haben?

Übrigens, ..... heute Abend liegt das Themenbuch "Meteorite", der Mineralientage München (The Munich Show), auf dem Gabentisch. Ich durfte dem Christkind etwas helfen und habe in einem geeigneten Moment auch etwas spinksen können, und was soll ich sagen, ....... besonders freue ich mich schon auf Deinen erstklassig bebilderten Beitrag über die Polarisationsmikroskopie (mehr konnte ich in der kurzen Zeit nicht erhaschen).

Ich wünsche Dir ein schönes Weihnachtsfest
Frank

olaf.med

Lieber Frank,

ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich bei den moderneren Mikroskoptypen bzgl. dieser Problematik nicht auskenne. Bei denen die mich interessieren ist das aber schon ein Problem. Die Leitz Pol-Stative aus den 20iger und 30iger Jahren haben z. B. Schrauben im Tischträger zur lateralen Ausrichtungen, die Ausrichtung senkrecht zur Tubusachse musste aber immer noch per Autokollimation erfolgen.

Mit der Literatur wünsche ich Dir viel Freude! Sollte es Dich nach einer körperlichen Inspektion der beschriebenen Objekte verlangen, bist Du hier jederzeit herzlich willkommen. Vielleicht kommst Du einfach gelegentlich einmal mit Peter zm Kaffeetrinken. Es ist wirklich nicht weit.

Auch Dir ein ruhiges, besinnliches und glückliches Fest,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Dünnschliffbohrer

Lieber Frank, lieber Olaf,

den Tischträger muss man am Wild M21 nicht ausbauen. Der Tisch ist mit 4 Schrauben am Tischträger von unten befestigt. Meine ursprüngliche Sorge war, dass nach dem erneuten Festschrauben des Tisches auf dem Tischträger die "postoperative" Drehachse des Tisches gegenüber der ursprünglichen "präoperativen" in einem Ausmass parallel verschoben sein könnte, der über den Verstellbereich der Objektivzentrierungen hinaus geht. D.h., dass es aufgrund von Toleranzen bei den 4 Schrauben und Gewindebohrungen hinterher nicht mehr möglich sein könnte, zumindest die stärkeren Objektive zu zentrieren. Ich habe nämlich z.Zt. genau diesen Fall an einem anderen sehr schönen Polmi, wobei dort allerdings der Drehtisch prinzipiell gegen einen Gleittisch (durch den Benutzer) austauschbar ist. Das habe ich zwar noch nicht ausprobiert, aber dort sollte es irgenwelche Passungen geben, die nach dem Tischwechsel wieder die ursprüngliche Position garantieren sollten - es im meinem Fall aber offenbar doch nicht tun. Dadurch kamen mir erst die ganzen Bedenken.

Frohe Weihnachten

Dsb.
"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]

Peter V.

Hallo Dsb,

das kann man aber doch durch sorgfältige Demontage (genaues Markieren aller Positionen durch Strichmarkierungen, Aufkleber etc.) recht zuverlässig verhindern, oder? Wenn das bei einem anderen Mikroskop passiert ist, wurde vermutlich beim Ausbau zuvor die die exakte Position festgehalten. Ansonsten käme mir noch folgende Idee: Die Öffnung auf dem Drehtisch verkleben und darauf eine Markierung anbringen, die mit einem bereits ordentlich zentrierten hochvegrößernden Objektiv korrespondiert. Diese Markierung könnte man später wieder zur Zentrierung verwenden. Hat man den Tisch allerdings abgebaut, ohne vorher gut zu markieren, ist man wahrscheinlich ziemlich verloren  :-\ Bleibt zu hoffen, dass Du das auch an Deinem anderen Polmikroskop noch fertig bekommst.

Herzliche Grüße
Peter
(der total neidisch auf dein Wild M21 ist  :-[)
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Dünnschliffbohrer

Hallo Peter und Mitlesende,

ich hab noch ein Laborlux 11 Pol S. Bei diesem eiert bei den größten Vergrößerungen (40er und 50er Objektiv) der Tisch ein ganz kleines bischen hin und her. Obwohl nur gering, fällt es aber doch auf und stör mich manchmal ein klein wenig. Und obwohl der Tisch danach schnell wieder in seine Ruhelage "einpendelt". Irgenwie muss das Kugellager doch ein ganz klein wenig Spiel haben. Ich habe mir dann mal ein biologisches Präparat genommen, um mal das Ausmass des Spieles abzuschätzen. Es liegt ungefähr in der Größenordnung der Länge einer durchschnittlichen Bazille. Ein rotes Blutkörperchen wäre vieleicht ein besserer Massstab gewesen, die Abweichung dürfte aber kleiner als der Erythrozyten-Durchmesser sein. Dies nur mal zur Verdeutlichung, wie genau die Drehtische gefertigt sind. Eine selbstgemachte Markierung kann vieleicht ein erster Anhalt sein, mir selbst ist dabei aber doch nicht ganz wohl, mich nur darauf zu verlassen. Aber wenn die Zentrierung  ees Tisches ungefähr "im Bereich" liegt, ist es vieleicht doch über die Objektive auszugleichen?

So, jetzt schluss für heute,

dsb.
"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]

TPL

Hallo Dsb. und Peter,

nichts für ungut, aber ein Pol-Drehtisch darf nicht eiern, denn der ist die Referenz für Zentrizität. Deshalb ist es auch keine akzeptable Lösung, durch die Zentrierfähigkeit der Objektive "auszugleichen". Das mag für alle Anwendungen abseits der Pol-Mikroskopie ordentlich funktionieren, aber bei allen streng orthoskopischen Verfahren hätte man damit schon eine (unnötige) Abweichung vom bestimmungsgemäßen Zustand. Aus eben diesem Grunde sind werkseitig zentrierte Pol-Drehtische auch keine kostenträchtige Dreingabe, sondern eine wesentliche Eigenschaft dieser Stative. Etwas krass gesprochen: ein zentrierbarer Drehtisch ist kein Pol-Tisch. Ein Pol-Tisch ist zentriert.

Es ist durchaus möglich, einen solchen Pol-Drehtisch erneut zu zentrieren (s.o.), aber dazu sollte idealerweise ein perfekt zentriertes Objektiv oder aber gar keines im Strahlengang sein. Letzteres geht z.B. durch Fokussierung eines Referenzobjekts durch die Bertrand-Linse, allerdings nur bei deren schwacher Vergrößerung.

Herzliche Grüße und völlig unzentrierte, aber frohe Weihnachten ;)
Thomas

Peter V.

Lieber Thomas,

das habe ich (auch durch Dich!) ja schon gerlernt. Und dass gar "zentrierbare" Drehtische, wie man sie an Billig-China-Polmikroskopen findet, völliger Unfug sein müssen, war mir eigentlich schon immer klar  Ein scheinbares Feature ist tatsächlich ein Bug.
Mir ist auch klar, dass für ordentliche Messungen ein Poltisch exakt zentriert sein muss. Ich denke aber, dass es einem guten, "denkenden" Mechanicus möglich ist, das ordentlich zu bewerkstelligen, wenn er um die Problematik an sich weiß, bevor er sich ans Werk macht und VOR dem Auseinanderschrauben bereits entsprechende Vorkehrungen trifft. Ich glaube nur nicht, dass es eine spezielle "Mikroskopfirma" anders machen würde und dafür großartige Mess- und Justiereinrichtungen zum Einsatz bringt. Ich kann mich da natürlich irren.
Besser ist es sicher, einen werkszentrierten Poltisch überhaupt nicht auseinander zu nehmen, aber wenn er denn tatsächlich total verharzt ist, bleibt wohl keine Wahl.

Herzliche grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Frank D.

#23
Zitat von: Peter V. in Dezember 24, 2014, 22:53:33 NACHMITTAGS
..... Und dass gar "zentrierbare" Drehtische, wie man sie an Billig-China-Polmikroskopen findet, völliger Unfug sein müssen, war mir eigentlich schon immer klar  Ein scheinbares Feature ist tatsächlich ein Bug.
....

Hmm .... und gerade lese ich in Olafs Beitrag (The Munich Show/Themenbuch Meteorite) zur Geschichte der Fuess Polarisationsmikroskope, dass der Nachfolger des petrografischen Mikroskops nach Fuess-Rosenbusch einen zentrierbaren Drehtisch besaß.
http://www.musoptin.com/fuess_178.html

Herzlich Grüße
Frank

TPL

Lieber Frank,
ich habe mir dieses schiere Wunderwerk vorhin mal in Herrn Mappes' wunderbarer Darstellung zu Gemüte geführt. Das ist zwar ein inhaltlicher Genuss und Augenschmaus, aber ich glaube, das ist einfach eine andere "Auslegung" des gleichen Prinzips: eine Einrichtung des Stativs muss als unveränderliche, fest zentrierte Referenz dienen können, denn sonst kommt man vor lauter Justagen nicht zum Messen. Das scheint der Hersteller einfach (nein: komplex, aber hoch interessant) anders gelöst zu haben:

ZitatEntgegen der ursprünglich von Rosenbusch vorgeschlagenen Zentrierung des Tubus auf den Tisch wird hier der Tisch auf den Tubus eingestellt.

Ich liebe solche vermeintlichen konstruktiven "Abwege"; behaupte aber eben auch, dass sie einen solchen darstellen. Vielleicht kann uns Olaf etwas darüber erzählen, was diesen anderen Weg ausgelöst hat, wie er fertigungstechnich zur Zentrierung des Tisches steht und warum dieser Weg nicht in Großserie (na ja, was sich bei Pol-Mikroskopen so schimpft ;)) verfolgt wurde...

Herzlichen Gruß
Thomas

olaf.med

Lieber Thomas,

ZitatVielleicht kann uns Olaf etwas darüber erzählen, was diesen anderen Weg ausgelöst hat, wie er fertigungstechnich zur Zentrierung des Tisches steht und warum dieser Weg nicht in Großserie (na ja, was sich bei Pol-Mikroskopen so schimpft  ;) verfolgt wurde...

ja, kann der. Sieh Dir mal die Pol-Mikroskope der Fa. Seibert an, die auf diesem Gebiet bis mindestens 1920 viel bedeutender und verbreiteter selbst als die von Leitz waren. Die hatten alle zentrierbare Tische. Solange man keine Revolver mit mehreren Objektiven hatte (und das von Fuess von 1879 ist da die absolute Ausnahme), war es ja auch schließlich egal welche Achse man auf die andere zentrierte, die Tubusachse aud die Tischachse, oder eben die Tischachse auf die Tubusachse! Erst mit der flächendeckenden Einführung des Revolvers mit Einzelzentrierfassungen wurde die Tischzentrierung auch bei Seibert endgültig fallengelassen.

Hier ein Bild für alle, die das bahnbrechende Mikroskop mit dem zentrierbaren Tisch und dem zentrierbaren Revolver von Fuess aus dem Jahre 1879, das Frank erwähnte, nicht kennen:



Natürlich gehört es Timo Mappes, und ich freue mich schon jetzt auf seine Dokumentation dieses phantastischen Instruments, die wir hiermit anmahnen  ;D.

Herzliche Grüße,

Olaf





Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0