Leitz Objektivrevolver und Abgleichlänge von Leitz Objektiven

Begonnen von Carlos, Oktober 20, 2015, 19:31:05 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Carlos

Hallo Leitzexperten,
Meine beiden Leitz Ortholux Mikroskope sind beide mit einem fünffach Objektivrevolver  und Objektiven für die Tubuslänge 170 mm bestückt, einmal mit fünf Leitzobjektiven mit Abgleichlänge 45 mm für Phasenkontrast und einmal mit fünf Leitzobjektiven mit Abgleichlänge 37 mm für Hell- bzw. Dunkelfeld.
Da die Mikroskope mit unterschiedlichen Kameras bestückt sind, habe ich für Vergleiche der unterschiedlichen Betrachtungsweisen bisher die Objektivrevolver samt Objektiven und, wenn nötig, den Kondensor gewechselt.
Jetzt möchte ich einen weiteren vierfach Objektivrevolver mit unterschiedlichen Öl-Objektiven bestücken. Hier geht es mir darum, zu prüfen, welche Unterschiede in der Abbildungsleistung bestehen. Alle Leitz Objektive sind zwar auf die Tubuslänge 170 mm und die Deckglasstärke 0,170 mm ausgelegt, haben aber unterschiedliche Abgleichlänge (45 mm bzw. 37 mm). 
Wenn ich mich richtig erinnere, hat sogar Leitz für diesen Fall Zwischenringe (Plezy) zum Aufschrauben auf die Objektive mit 37 mm Abgleichlänge vertrieben.
Andererseits kann ich auch das Objektiv ohne Zwischenring einschrauben und beim Objektivwechsel durch Senken und anschließendem Anheben des Tisches das Objekt ,,scharf" einstellen.
Mir stellen sich also folgende Fragen:
Ist die Zwischenring Lösung ein ,,optischer" Kompromiss mit wenn auch nur geringer Auswirkung auf das Abbildungsergebnis ?
Müssten es dann nicht in den Abmessungen unterschiedliche Objektivrevolver, einmal für Objektive mit 37 mm Abgleichlänge und einmal für solche mit 45 mm Abgleichlänge geben?
In der ,,Mikrofibel" habe ich dazu keine klare Antwort gefunden, oder habe ich da was überlesen?
Leicht irritiert und
mit freundlichem Gruß Carlos

JB

Hallo Carlos,

Zitat von: Carlos in Oktober 20, 2015, 19:31:05 NACHMITTAGS
Ist die Zwischenring Lösung ein ,,optischer" Kompromiss mit wenn auch nur geringer Auswirkung auf das Abbildungsergebnis ?

Ja. Die Hauptfunktion war die, Objektive mit 37 und 45 mm Abgleich am gleichen Objektivrevolver zu benutzen.

Wenn Sie einen Revolver mit ausschiesslich 37 mm-Objektiven benutzen, sind die Zwischenringe nicht noetig, solang der Tisch genug Hub hat.

Zitat von: Carlos in Oktober 20, 2015, 19:31:05 NACHMITTAGS
Müssten es dann nicht in den Abmessungen unterschiedliche Objektivrevolver, einmal für Objektive mit 37 mm Abgleichlänge und einmal für solche mit 45 mm Abgleichlänge geben?

Solang der Tisch genug Hub hat um beide Abgleichlaengen zuzulassen, ist unterschiedliche Objektivrevolver nicht notwendig.

Beste Gruesse,

Jon

Carlos

Hallo Jon,
Der Tisch hat in beiden Mikroskopen genügend Hub. Sonst könnte ich ja nicht durch Wechsel der Revolver an beiden Mikroskopen problemlos mikroskopieren.
Allerdings stammt einer der Revolver aus der Zeit, als Leitz nur Objektive mit 37 mm Abgleichlänge herstellte, der andere Revolver (vermutlich) als Leitz (auch?) Objektive mit 45 mm Abgleichlänge herstellte. Bisher habe ich mir darüber, ob die Revolver geringfügige, unterschiedliche Abmessungen haben könnten, keine Gedanken gemacht. Jetzt aber kommen Zweifel auf. Allerdings kann ich mit meinen Möglichkeiten keine Unterschiede feststellen.
Gruß Carlos

JB

Hallo Carlos,

Entscheidend ist allein die Tubuslaenge. Da 37 mm und 45 mm-Objektive beide fuer 170 mm optische Tubuslaenge ausgelegt sind, sind sie auch voll kompatibel und untereinander austauschbar (solange die Okulare passen). 

Fuer das Ortholux (schwarz) gab es zeitweise 37 mm und 45 mm parallel zueinander, Mischungen waren vorgesehen, es sollte also gar keine Probleme geben.

Haben Sie Photos von den Objektivrevolvern?

Beste Gruesse,

Jon

Carlos

Hallo Jon,
So wie Du das beschrieben hast, habe ich das bisher auch gesehen. Fotos von den drei Revolvern werde ich versuchen, morgen mal einzustellen.
Ein Hinweis noch, wenn ich den Revolverdurchgang als Teil der mechanischen Tubuslänge betrachte, ist der bei allen drei Revolvern bis auf den mm genau gleich. (Das werde ich morgen noch mal nachmessen.) Alle Revolver haben als Abschluß eine Tubuslinse mit dem Faktor 1,25. Damit sollten sie auch  optisch auf die mechanische und optische Tubuslänge gleich wirken. Mache ich hier einen Denkfehler?
Wieso soll es dann keinen Unterschied im Zwischenbild geben, wenn ich ein Objektiv mit 37 mm Abgleichlänge einmal mit und einmal ohne Plezy einsetze?
Gruß Carlos 
   

JB


Carlos

Hallo zusammen,
Das Nachmessen der drei Revolver hat ergeben, das die Teil-tubuslänge (obererer Rand der Einsteckhülse für die Tubuslinse bis zur Auflage des Objektivs am Revolver) bei allen 41,8 mm beträgt. Als Tubuslinse verwende ich eine P 1,25 W. Bezüglich der Wirkung auf die optische und mechanische Tubuslänge bestehen danach aus meiner Sicht keine Unterschiede bei den drei Revolvern. Mein erstes Problem, ob es Unterschiede bei den drei Revolvern, die optische Tubuslänge betreffend, gibt, scheint mir damit geklärt.  (Bilder der Revolver einzustellen, erübrigt sich m.E.)   

Die Unterschiede in der Leistung folgender Öl-Objektive im Hell- und (soweit möglich) im Dunkelfeld möchte ich testen:
Pv Apo Öl 90/1,15 170/0,170, Abgleichlänge 37 mm,
Fl Oel 54/0,95 Abgleichlänge 37 mm
C Plan Oel 100:1 A1,32 Abgleichlänge 45 mm
Oel 100/1,30 Abgleichlänge 45 mm 
Als Oel-Kondensoren verwende ich die ,,Leitz Badewanne" mit A 1,25  und den Leitz Oel Dunkelfeld-Kondensor A 1,25.
Hallo Jon,
Hier nun mein nach wie vor vorhandenes Problem bzw. meine Frage bezüglich Objektivrevolver und Objektive mit unterschiedlicher Abgleichlänge:
Wie soll ich die Objektive mit kürzerer Abgleichlänge am Revolver befestigen, um die volle Leistung des Objektivs zu nutzen, mit ,,Plezy" oder ohne? Was sagt die ,,Theorie" dazu?
Ersteres ist natürlich einfacher beim Objektivwechsel zu handhaben, könnte jedoch m.E. das Testergebnis verfälschen.
Gruß Carlos

Peter V.

Hallo Carlos,

ehrlich gesagt, verstehe ich Dein Problem oder Deine Frage nicht. Wenn Du doch mit Objektiven gleicher AGL bestückte Revolver hast, wieso stellt sich denn dann überhaupt die Frage nach dem Plezy? Dann benutz doch alles so, wie vorgesehen und damit wirst Du zweifelsohne die besten Ergebnisse erzielen. In den Plezys ist noch irgendein "Glaselement" verbaut (ich weiß im Moment nicht mehr genau, welchen Sinn es hat). Aber es ist doch eigentlich logisch: Die optimalen Ergebnisse wirst Du ohne irgendwelche "Anpassungen" erzielen, also dann, wenn der Gebrauch bestimmungsgemäß stattfindet.
Es gab keine unterschiedlichen Revolver für die 37- und 45mm-Objektive.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Carlos

#8
Hallo Peter,
Ich habe zum Ausgleich der Abgleichlänge nur einen Zwischenring definierter Länge (6,0 mm)  ohne Glaseinbau (wurde mir als "Plezy" verkauft, war auch nicht teuer). Der funktioniert am Revolver zum Ausgleich der Unterschiede der Abgleichlänge 37 mm auf 45 mm ganz gut. M.E. bewirkt dieser Zwischenring aber nur eine Verlängerung der mechanischen Tubuslänge. Daher meine Frage.
Gruß Carlos
Zusatz: Mit Deiner Antwort ist mein Problem gelöst.

JB

Hallo,

Genau wie Peter sagt, wenn es wirklich um einen Test geht, dann einfach ohne Zwischenringe.

rhamvossen

Hallo,

ZitatDie Unterschiede in der Leistung folgender Öl-Objektive im Hell- und (soweit möglich) im Dunkelfeld möchte ich testen:
Pv Apo Öl 90/1,15 170/0,170, Abgleichlänge 37 mm,
Fl Oel 54/0,95 Abgleichlänge 37 mm
C Plan Oel 100:1 A1,32 Abgleichlänge 45 mm
Oel 100/1,30 Abgleichlänge 45 mm 

Das Fl Oel 54/0,95 ist der beste Kandidat für ein knackiges Hellfeld und ein pechschwarzes Dunkelfeld (mit ein Kardioid Dunkelfeldkondensor).
Beste Grüsse,

Rolf

Detlef Kramer

Hallo Peter,

ZitatIn den Plezys ist noch irgendein "Glaselement" verbaut (ich weiß im Moment nicht mehr genau, welchen Sinn es hat)
Das ist eine Linse mit sehr geringer negativer Brennweite (Zerstreungslinse), die genau die von Carlos angesprochene Korrektur der Tubuslänge vornimmt. Da Carlos' Plezy nach seinen Worten gar kein Plezy ist, sondern lediglich ein Zwischenring, wird sich natürlich eine geringe Veränderung der Vergrößerung einstellen, wenn er den Ring verwendet.

Carlos, Du kannst von mir gerne einmal leihweise ein echtes Plezy bekommen.

Herzliche Grüße
Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

Vorstellung: Hier klicken

Carlos

Hallo Detlef,
Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung. Mein Zwischenring ist also kein ,,echtes Plezy".  Die Verlängerung eines 37 mm Objektivs mit einem Zwischenring auf 45 mm ist eine Vergrößerung der Tubuslänge. Die Optik (Zerstreuungslinse) eines ,,echten Plezys" reduziert die Tubuslänge wieder auf 170 mm.
Meinen Zwischenring (ohne Optik) verwende ich normalerweise bei meinem 3,5-er  Übersichtsobjektiv am fünffach Revolver, wenn dieser zusätzlich mit vier Objektiven mit 45 mm Abgleichlänge bestückt ist. Ohne Zwischenring ,,dotzt" sonst beim Scharfstellen eins der Objektive auf die Objektträgerhalterung des Kreuztisches. (Die durch den Zwischenring bewirkte, geringfügige Verkürzung des (freien) Arbeitsabstandes des 3,5-er ergibt zudem keine erkennbare Verschlechterung des Bildes.)
Am vierfach Revolver, bestückt mit einem Mix aus 37-er und 45-er Oel Objektiven gibt es dies Problem nicht, lediglich beim Wechsel der Objektive muss ich den Tisch vorher absenken. Den Test werde ich also so durchführen.
Mit freundlichem Gruß Carlos       

ortholux

Lieber Carlos,

das hast Du richtig verstanden. Es ist im PLEZY eine Streulinse eingebaut, die man aber als solche oft nicht erkennt. Sie sieht aus wie eine dünne Glasplatte.

Beim 3,5er ist das alles aufgrund der kleinen Apertur relativ wurscht.

Übrigens gibt es keine verschiedenen Revolver, welche die Tubuslänge berücksichtigen. Die sind alle identisch. Anders, wenn Du Unendlich- (Auflicht-)Objektive nutzt. Dann erfordert das auch eine andere Tubuslinse.

Hier ist das alles nochmal erklärt: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10027.0

Viele Grüße
Wolfgang