Wasserimmersion beim Kondensor NA 1,4

Begonnen von Martin Kreutz, Juni 18, 2020, 21:06:53 NACHMITTAGS

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JB

Zitat von: liftboy in Juni 22, 2020, 09:52:33 VORMITTAG
Zur Entlastung muss ich angeben, dass die Lieferung aus dem Jahr 1982 stammt. Aus Kostengründen (Mengenrabatt) und weil ich es mir damals leisten konnte, hatte ich eine Großmenge bestellt, von der ich heute noch zehre :-)

Hallo,

40 Jahre auf Vorrat gekauft, das nenne gut vorgesorgt  ;D ;D 

othum

Zitat von: JB in Juni 22, 2020, 11:46:39 VORMITTAG
Zitat von: liftboy in Juni 22, 2020, 09:52:33 VORMITTAG
Zur Entlastung muss ich angeben, dass die Lieferung aus dem Jahr 1982 stammt. Aus Kostengründen (Mengenrabatt) und weil ich es mir damals leisten konnte, hatte ich eine Großmenge bestellt, von der ich heute noch zehre :-)

Hallo,

40 Jahre auf Vorrat gekauft, das nenne gut vorgesorgt  ;D ;D

"Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein"

SCNR, Oliver
Zeiss Axiovert S100 HF/Ph/DF, Auflicht-FL
Zeiss Axioskop 50 HF/Ph/Pol, Auflicht-HF/DF/Pol
Kamera: Pentax K-1

liftboy

Na ja, ich gehöre noch zur Generation Sammler und Jäger; ohne Not schmeiß ich nix weg ;-)
immer schön geputzt, dann hat man auch lange was davon, sic :-)

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
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Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

spectator

Hallo, liebe Eintauchende

zum Thema Kondensor- aber auch Objektivimmersion habe ich einen Diskussions-Beitrag.
In einem älteren Mikroskopie-Lehrbuch (E.Schild, Praktische Mikroskopie 1955) habe ich einen Hinweis gefunden auf ein Immersionsmittel, von dem ich anderswo noch nie gehört oder gelesen habe: das Anisol (nicht: Anis-Öl), auch Phenyl-Methyläther.
Es ist nahezu farblos, dünnflüssig, angenehm riechend und hat einen Brechungsindex von 1,51503 lt. Literatur, 1,515 lt.Hersteller.
Das Beste aber ist der Dampfdruck von 3,6 hPa bei 20°C : dieses Mittel verdampft bei Raumtemperatur binnen 20 min ohne Rückstand ! Man muß also weder den Objektträger noch das Deckglas, weder die Frontlinse des Objektivs noch des Kondensors mit irgendeinem Lösungsmittel reinigen oder putzen!
Lt. der o.g.Literaturstelle soll es weder Glas noch Fassungen noch Einschlußmittel angreifen. Es ist weder toxisch noch als krebserregend eingestuft, lediglich entzündlich und wassergefährdend ( und außer Wasser selbst ist ja alles wassergefährdend).
Das schien mir dann doch zu phantastisch zu sein. Daher habe ich schleunigst im Netz danach gesucht und bin bei S3-Chemicals fündig gewurden. Als privater Kunde konnte ich 100ml für 11,99€ plus Versand bestellen.
Und was soll ich sagen: Die Angaben stimmen, ich bin begeistert!
Es stellt sich jetzt natürlich die Frage: Dieses Mittel wurde bereits 1926 von Prof. S. Becher in der Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie empfohlen als Ersatz für das damals verwendete Zedernholzöl. Warum hat es sich nicht durchgesetzt? Hat es irgendwelche unangenehmen Eigenschaften, die nicht offensichtlich sind? Ist irgend jemandem aus der Literatur oder einer Erfahrung ein Grund bekannt, warum es nicht angewendet werden sollte?
Ansonsten kann ich nur sagen: Mir war das "Ölen" bisher ein Greuel, wann immer eine Immersion unumgänglich war, habe ich Glyzerin benutzt. Ich denke, mit Anisol macht Dunkelfeld wieder Spaß, und auch das Immersionsobjektiv wird wieder öfter zum Einsatz kommen.

Viele Grüße

Helmut
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt!

bminer

Interessant! Hier findet man einen Artikel mit einigen weiteren Angaben zur Verwendung von Anisol (Link führt zu einem PDF):

https://apps.who.int/iris/handle/10665/265381

Da werden auch mögliche Nachteile beleuchtet, die aber nicht sehr gravierend erscheinen.

Viele Grüße

- Björn

ImperatorRex

Hallo Helmut,
folgender Hinweis findet sich bei "Zeiss"*:
"Der manchmal empfohlene Gebrauch von Anisol als Immersionsmittel bewirkt Schärfe- und Kontrastverluste und kann den Kitt von Frontlinsen, insbesondere bei älteren Objektivgenerationen, angreifen.

viele Grüße
Jochen

*Carl Zeiss: Das saubere Mikroskop
(https://asset-downloads.zeiss.com/catalogs/download/mic/4bba9a7d-5807-426e-8b54-8f206df967d5/DE_clean-microscope.pdf)

jochen53

Hallo Helmut,

der Brechungsindex (nD20) ist zwar das wichtigste, aber nicht das alleinige Kriterium dafür, daß eine Flüssigkeit als Immersionsflüssigkeit verwendet werden kann. Auch die Dispersion, d.h. die Abhängigkeit des Brecungsindes von der Wellenlänge des Lichts spielt eine Rolle. nD20 bedeutet ja, daß sich diese Brechzahl auf die D-Linie mit 589 nm Wellenlänge (genauer gesagt Doppellinie) im Sonnenspektrum bezieht, die vom Natrium herrührt. In der DIN Norm für Immersionsöle gibt es für die Dispersion auch eine Vorgabe. Ich habe zwar dazu keine Daten, aber ich vermute, eine ungünstige Dispersion könnte einer der Gründe sein, warum sie sich nicht weiter verbreitet haben.
Die Hinweise auf Methylbenzoat und Anisol findet man immer wieder mal in der Lieratur. Ihren Geruch muß man aber auch mögen. Diese Chemikalien sind übrigens gar nicht so freundlich zu manchen Kunststoffen und Lacken.

Viele Grüße, Jochen.

spectator

Hallo Jochen,

die abweichende Dispersion könnte ein Grund sein, das hat E.Schild in einem Nebensatz auch erwähnt. Das würde ja bedeuten, daß sich bei einem (mit "richtigem" Immersionsöl) chromatisch auskorrigierten System von Kondensor und Objektiv wieder Farbabweichungen zeigen würden, und zwar sowohl farbige Säume als auch Unschärfen, weil die Bilder der verschiedenen Farben nicht exakt in einer Ebene liegen. Das würde dann auch die bei Zeiss erwähnten Unschärfen und Kontrastveluste erklären.
Nun weiß man aber nicht, in welche Richtung sich diese Abweichungen bemerkbar machen. Gewöhnliche Achromate haben ja bekanntlich solche Abweichungen auch (sonst bräuchte es ja keine teuren Apos), und es ist die Frage: Addieren sich diese Fehler oder heben sie sich z.T. sogar auf? Mir sind bei visueller Betrachtung jedenfalls keine deutlichen Verschlechterungen aufgefallen. Bei der Fotografie mag das anders / deutlicher ausfallen.
Um die Wirkung der fehlerhaften Dispersion auszuschalten oder zu minimieren, gibt es natürlich eine einfache Möglichkeit: das Beobachtungs-Spektrum einzuschränken. Das muß ja nicht mit einem schmalbandigen Interferenzfilter passieren, ein gewöhnlicher
Tageslichfilter oder ein Grünfilter müßte ja schon ausreichen, um die beiden äußeren Enden des Spektrums so zu schwächen, daß störende Effekte weggefiltert bzw. abgemildert werden. Voraussetzung ist freilich, daß die Art des Präparates und das, was ich sehen will, eine solche Farbverfälschung zuläßt.
Der andere angesprochene Nachteil, daß der Frontlinsenkitt eventuell angegriffen werden könnte, ist sicher schwerwiegender. Ich würde es mir sicher verkneifen, einen Planapochromaten aus dem Kilo-Euro-Bereich probehalber in Anisol zu tauchen. Aber: die ganz normalen achromatischen Immersionsobjektive sind ja gar nicht so teuer, so daß ich mich entschlossen habe, eines davon als Probe- und ggf. Opferobjektiv mit Anisol zu verwenden. Mal sehen, wie lange es hält und ob es mich noch überlebt.
(Einschub: Die Mikroskophersteller statten seit frühesten Zeiten praktisch alle besseren Stative mit Immersionsobjektiven aus, schon weil es werbewiksam ist, wenn das Mikroskop eine über tausendfache Vergrößerung hat. Viele Nutzer brauchen diese Objektive gar nicht, und so fristen sie ihr Dasein in der Schutzkapsel im Mikroskopschrank. Heute werden solche jungfräulichen Objektive für niedrige zweistellige Summen dann in der Bucht verscherbelt, so daß man es sich leisten kann, ein solches Probe-Objektiv zu erwerben.)
Die Gefahr, die Frontlinsen-Verkittung zu beschädigen, wird jedoch relativiert: Da Anisol ohne Rückstand verdampft, ist es NIE notwendig, die Frontlinse mit Lappen o.dgl. zu berühren und zu putzen. Wird jedoch "richtiges" Immersionsöl verwendet, so werden die Frontlinsen abgewischt und auch mit Lösungsmittel geputzt. Schlimmstenfalls ist sogar as Öl auf der Frontlinse verharzt. Die Vielzahl von Immersionsobjektiven, bei denen die Frontlinse beim Putzen eingedrückt wurde, so daß dann Öl in das Objektiv eingedrungen ist, spricht für sich. Ich glaube, so gesehen ist "richtiges" Immersionsöl genauso riskant für Frontlinsen wie Anisol.
Anders sieht es bei den Kondensoren aus. Kondensoren sind ja deutlichen thermischen Belastungen ausgesetzt, darum sind die Frontlinsen nicht eingekittet, sondern formschlüssig gehalten ( bei meinen HF- undDF- Kondensoren mittels Schraubringen). Da gibt es also kein Risiko eines Anlösens einer Verkittung. Für die Kondensor- Immersion ist Anisol also durchaus zu empfehlen, da dort die "falsche" Dispersion wohl nicht so die Rolle spielt (es sei den, man benutzt einen achromatisch-aplanatischen Kondensor 1,4).
Bleibt noch der Geruch: Anisol ist nicht geruchlos, es wird auch zum Parfümieren und als Lebensmittelzusatz verwendet. Ich empfinde den Geruch nicht als stark und störend, anders als beim Methylbenzoat (Niobeöl), welches für mich recht penetrant süßlich riecht.
Der Gebrauch von den bequemen Kunststoff-Fläschchen mit Tropfspitze ist wohl nicht zu empfehlen: meines war schon nach wenigen Tagen undurchsichtig- trübe geworden, ich bin zum Glasfläschchen mit Drahtöse zurückgekehrt.
Mal sehen, ob sich noch weitere Mitglieder mit Informationen oder Erfahrungen melden.

Viele Grüße,
Helmut
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt!

jochen53

Hallo Helmut,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Ein weiterer Grund könnte die sehr niedrige Viskosität von Anisol sein, bei leichter Neigung läuft es weg. Für ihre Hochleistungsoptiken empfehlen die Hersteller ja explizit ihre eigenen Öle, das aktuelle von Zeiss ist ja chemisch sehr kompliziert aufgebaut. Der Trick mit monochromatischem Licht machte ja schon immer aus einem Achromaten einen Apochromaten, aber ohne "buntes Bild", auf AGFA Schwarzweißfilm.

Viele Grüße, Jochen.