Wasserimmersion beim Kondensor NA 1,4

Begonnen von Martin Kreutz, Juni 18, 2020, 21:06:53 NACHMITTAGS

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Werner

Ich glaube, die Glaskorrosion wird hier überbewertet, weil das einfach Jahrzehnte dauert, bis ein Effekt sichtbar ist. Die tatsächliche Einwirkungsdauer ist ja auch gering.
Die von mir erwähnten matten Filtergläser waren um 100 Jahre alt! Und manche massive Farbfilter haben eine viel wasserempfindlichere Glasmischung, weil die sonst die gewünschte Farbe nicht reinkriegen. Andere Filter aus der Zeit sind wie neu geblieben (blaues Cobaltglas).

Jochen schlug ja auch schon Glycerin vor, das nehme ich auch, weil ich nur wenig Immersionsöl habe (und auch selten immergiere).

Gruß - Werner

jochen53

Hallo,

das Thema "Glaskorrosion" wird immer wieder diskutiert, insbesondere von Herstellern von Geschirrspülmaschinen-Reinigern, die immer wieder behaupten, sie hätten eine Wunderformel dagegen entwickelt. Tatsache ist jedoch, daß nur die Zusammensetzung eines Glases für seine hydrolytische Beständigkeit oder Unbeständigkeit verantwortlich ist. Es gibt Korrosion durch wässrige saure und wässrige alkalische Medien. Immer werden dabei Bestandteile aus der Glasoberfläche herausgelöst und es kommt zu Veränderungen der Struktur der Silikatoberfläche.
Bei optischen Linsen muß sich die hydrolytische Beständigkeit eines Glases, anders als bei Laborglasgeräten, in sehr starkem Maß den optischen Eigenschaften unterordnen (siehe auch Fluorit, NaCl, KBr, LiF!), Ausnahme sind natürlich die Wasserimmersionen. Bei Kondensor-Frontlinsen muß man auch nicht davon ausgehen, daß sie ständig mit Wasser immergiert werden, wenn man es trotzdem täglich tut, dann fährt man eben auf Verschleiß und muß damit leben! Glücklicherweise haben Oberflächenveränderungen im immergierten Zustand keine so deutlichen Auswirkungen wie im trockenen, das trifft sogar in begrenztem Maße für Kratzer zu.
Für Leute, die trotzdem darauf angewiesen sind, täglich zu immergieren, wäre vielleicht dennoch die Wahl einer anderen Immersionsflüssigkeit zu überlegen, die dann auch noch den Vorteil eines höheren Brechungsindex hätte.

Viele Grüße, Jochen

Bob

Die Objektträger, von denen ich schrieb, hatte ich zum Teil gerade neu geliefert bekommen, und die hatten sicherlich auch beim Händler höchstens wenige Jahre gelagert. Die Backpapier-Einwickel-Methode ist ganz schön umständlich anzuwenden. Vielleicht wäre Einlegen in Isopropanol oder Lagerung über Silicagel eine Lösung?


jochen53

Hallo,

ich hatte das auch schon mit Objektträgern der Fa. Assistent "50 Elka Objektträger". Die waren ganz trüb und beschlagen. Der Belag läßt sich durch Waschen mit Wasser und Spülmittel zwar entfernen, kommt aber im Laufe der Jahre wieder. Sie wurden sogar als geputzt verkauft. Als ich das bemerkt hatte, habe ich mal in einer Großaktion vor Jahren 100 Stück gewaschen und geputzt, jetzt sind sie alle wieder beschlagen.
Die Ursache ist genau genommen ein qualitativ minderwertiges Glas, das Alkali "ausschwitzt" und dann mit Luftfeuchtigkeit diesen Belag bildet. Da hilft nur unmittelbar vor Gebrauch putzen.
Objektträger sind ein Massenverbrauchsartikel, die i.d.R. gleich nach Gebrauch weggeworfen werden, da bemerkt diese minderwertige Qualität niemand. Es gibt jedoch auch Anwender, die mit viel Aufwand aufwendige Dauerpräparate mit komolizierten Färbe- und Einbettmethoden anfertigen und die sollen ja Jahrzehnte haltbar sein. Wie sich die Abgabe von Alkali da auf die Färbungen auswirkt, kann man nur spekulieren.
Wir haben zu Hause auch einige Trinkgläser im Schrank, die im Laufe der Jahre immer wieder beschlagen, wenn man sie nicht immer wieder mal spült oder poliert.
Offensichtlich ist das ein weit verbreitetes Phänomen.

Viele Grüße, Jochen.

Martin Kreutz

Hallo,

vielen Dank für eure Antworten! Ihr macht euch ja echt Sorgen um meine Frontlinse! Keine Sorge, sie wird dem schlimmen Bodenseewasser aus der Leitung immer nur für < 30 min. ausgesetzt! Unter diesen Bedingungen entsteht Glaskorrosion erst bei t = ∞. Möge die Nachwelt entscheiden, ob ich damit meinen Kondensor ruiniert habe!

@Jochen: An Glycerin habe ich auch kurz gedacht aber auch zu viel Gewische. Bei mir muss es immer schnell gehen. Die Viecher warten nicht auf mich!

@René: Bisher verlasse ich mich auf die optischen Gesetze um die tatsächliche Apertur des Kondensors mit Wasserimmersion zu berechnen. Ich habe in meinem Beitrag ja geschrieben, wie ich auf die 1,226 gekommen bin. Bisher sind noch keine Einwände gekomme, dass diese Herleitung falsch ist (was sie aber sein kann!). Um die tatsächliche Apertur mit Wasserimmersion zu bestimmen, müsste man wohl den Winkel des austretenden Strahlungskegels messen. Dafür fehlen mir die Mittel. Vielleicht gibt es Forumsmitglieder, die so etwas können. Tatsächlich gehe ich bei meinen Arbeiten am Mikroskop auch immer recht pragmatisch vor. Wenn es auch mit Wasser geht, dann nehme ich es.   

Allen einen schönen Abend!

Martin


Peter V.

Hallo Martin,

Zitatvielen Dank für eure Antworten! Ihr macht euch ja echt Sorgen um meine Frontlinse! Keine Sorge, sie wird dem schlimmen Bodenseewasser aus der Leitung immer nur für < 30 min. ausgesetzt! Unter diesen Bedingungen entsteht Glaskorrosion erst bei t = ∞. Möge die Nachwelt entscheiden, ob ich damit meinen Kondensor ruiniert habe!

Du bist mir ja ein liederlicher Pragmatiker! Ts ts ts... 

Grau ist alle Theorie - ob das wasser aber wirklich eine Frontlinse derart zerstört, wage ich zu bezweifeln. Abert vielleicht nimmst Du doch besser Immersol W, ist ein echtes Schnäppchen.

Aber eine andere Frage an die Glasexperten: Kommt das Wasser überhaupt direkt mit "Glas" in Berührung? Was ist denn genau die sogenannte "Vergütung" von Gläsern? ist das nicht noch eine - woraus auch immer bestehende - Schicht über dem eigentlichen Glas?

Zur den Objektträgern: Also, vielleicht bin ich ja ein grandioser Frevler, aber bei mir landen sie nach einmaliger schlicht in der Tonne! Ich weiß nicht genau, was ein Päckchen kostet, aber die Welt ist es nicht... da kann man sich hin und wieder auch mal ein frisches neues Päckchen kaufen und muss auch nicht unbedingt auf die Biligstangebote von Ebay zurückgreifen.

Eine Zeit bekam ich von meinem Lieferanten Objektträger, die bereits je ein Blättchen (etwa zigarettenpapierstark) zwischen den einzelnen OTs hatten. Ich weiß aber nicht, was ich nerviger finde. Diese dann herumfliegenden Blättchen oder die manchmal nahezu unzertrennbar aneiannder haftenden OTs.

Hezrliche Grüße
Peter


Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

smashIt

Zitat von: Peter V. in Juni 19, 2020, 21:25:12 NACHMITTAGS
Aber eine andere Frage an die Glasexperten: Kommt das Wasser überhaupt direkt mit "Glas" in Berührung? Was ist denn genau die sogenannte "Vergütung" von Gläsern? ist das nicht noch eine - woraus auch immer bestehende - Schicht über dem eigentlichen Glas?

wird im beleuchtungsstrahlengang überhaupt vergütet?
MfG,
Chris

Bildung ist das was uns vom Tier unterscheidet.

Funtech.org

Peter V.

Hallo,

Zitatwird im beleuchtungsstrahlengang überhaupt vergütet?
vemrutlich nicht. Klar, es geht hier primär um Kondensoren, aber ich hatte jetzt auch Objektive mit im Hinterkopf.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

JB

Zitat von: smashIt in Juni 19, 2020, 21:34:22 NACHMITTAGS
wird im beleuchtungsstrahlengang überhaupt vergütet?

Ja, mit Ausnahme der Immersionsfrontlinse. Die Verguetung der Kondensorenoptiken hatte sich immer weiter durchgesetzt; bei Leitz mindestens seit den 1970ern z.B. im Kondensor 402a.

Beste Gruesse,

Jon

Lupus

Hallo,

noch eine Bemerkung zur NA des Kondensors mit Wasser. Bei Wasser ist die max. NA = 1.33, aber der Fall entspricht dem Grenzwinkel 90° bei Totalreflektion - also in der Praxis nicht erreichbar. Die reale erreichbare NA ist folglich einige Zehntel geringer. Die Rechnung 1.33*0.922 beruht allerdings auf dem Missverständnis, dass der Strahlwinkel nach dem Glas-Wasser Übergang identisch ist mit dem Winkel bei NA = 1.4 mit Ölimmersion.

Hubert

Werner

Zitat von: Peter V. in Juni 19, 2020, 21:25:12 NACHMITTAGS

Grau ist alle Theorie - ob das wasser aber wirklich eine Frontlinse derart zerstört, wage ich zu bezweifeln. Abert vielleicht nimmst Du doch besser Immersol W, ist ein echtes Schnäppchen.

Aber eine andere Frage an die Glasexperten: Kommt das Wasser überhaupt direkt mit "Glas" in Berührung? Was ist denn genau die sogenannte "Vergütung" von Gläsern? ist das nicht noch eine - woraus auch immer bestehende - Schicht über dem eigentlichen Glas?


Zu ImmmersolW: Interessant ist der Entsorgungshinweis (den Juristen geschuldet?).
Ausgangsmenge 20 ml. Wie sammle ich die Reste und wieviel muß ich wieder abliefern und wie lange dauert das alles?

Zur Beschichtung:
Ist meist Magnesiumfluorid, die Schicht ist porenfrei und sehr robust und nur schlecht in Wasser löslich.

Gruß - Werner

Bob

Zitat von: Werner in Juni 20, 2020, 10:16:16 VORMITTAGImmersol W, ist ein echtes Schnäppchen.
Wie sammle ich die Reste und wieviel muß ich wieder abliefern

Bei dem Preis gibt es doch nur eine Methode: Alles sammeln und nichts abliefern, muss nochmal ins Rennen! ;D

Viele Grüße,

Bob

JB

Zitat von: Werner in Juni 20, 2020, 10:16:16 VORMITTAG
Ausgangsmenge 20 ml. Wie sammle ich die Reste und wieviel muß ich wieder abliefern und wie lange dauert das alles?

Die Reste werden bei der Reinigung in Papier aufgesaugt. Das Papier kommt in einen Sammelcontainer. Der volle Container wird entsprechend gekennzeichnet und dem Sondermuellentsorger uebergeben.

Rene

Zitat von: Martin Kreutz in Juni 19, 2020, 20:43:38 NACHMITTAGS
@René: Bisher verlasse ich mich auf die optischen Gesetze um die tatsächliche Apertur des Kondensors mit Wasserimmersion zu berechnen. Ich habe in meinem Beitrag ja geschrieben, wie ich auf die 1,226 gekommen bin.

Hallo Martin, I must have been mad to think that a NA of 1.33 could be reached in water. As Hubert wrote it would need a lensopening of 180 degrees.
So your calculation makes sense, with a corresponding NA of 1.23 which is (probably not accidentally) close to the NA of the aforementioned LOMO 70/1.23 apo waterimmersion. I guess I owe you an experiment. Have to get my old equipment out of the mothballs ;-)


Regards,
René

liftboy

Hallo erstmal,

zum ersten Thema "Immersionsöl":
meiner einer hats ja nun mit der Limnologie, und da ist, wie der Name schon sagt, Wasser im Spiel; da ist Öl obsolet!
Ich habe von Lomo die Wasserimmersionsobjekive 30x, 40x und 85x am Start. Am meisten genutzt wird das 40er. das 30er reicht nicht und das 85er mit dem Korrekturring ist zu fisselig. Ein Test mit den Ölimmersionen funktionierte auch mit Wasser bestens (zumindest für meine Ansprüche) sogar die Kondensorimmersion des NA1,2 und des NA1,4.
Leicht zu reinigen und schnell anzuwenden!!
zum zweiten Tehema "Objektträger":
muss ich bestätigen! Objektträger einer namhaften Firma (zwar tropensicher verpackt und gut gelagert) lassen sich nach dem Auspacken sauber trennen und weisen auch kaum Belag auf. Nach Zutritt von Raumluft verkleben die Objektträger innerhalb weniger Tage zu Blöcken. Die stell ich in ein Glas mit Spiritus... und siehe da.. es trennt sich wieder. Allerdings müssen die Objektträger vor Gebrauch gespült und geputzt werde. Zur Entlastung muss ich angeben, dass die Lieferung aus dem Jahr 1982 stammt. Aus Kostengründen (Mengenrabatt) und weil ich es mir damals leisten konnte, hatte ich eine Großmenge bestellt, von der ich heute noch zehre :-) ist aber bald alle :-(

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr