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Vernetztes Wasser

Begonnen von Michael Plewka, August 02, 2026, 20:11:17 NACHMITTAGS

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Michael Plewka

Hallo zusammen,

bekanntermaßen hat das Ruhrgebiet  seinen Namen von dem Fluss Ruhr, der sich vor allem in Süden dieser Metropole befindet.

Der Flusslauf an verschiedenen Stellen künstlich aufgestaut. Diese Stauseen werden u.a. für allerlei Freizeitaktivitäten ist genutzt. Allerdings  werden aber auch -wenn auch geklärte- Abwässer in den Fluss  eingeleitet, was zu einer Eutrophierung des Gewässers führt. Diese äußert sich regelmäßig in  unerwünschtem  starkem Pflanzen- bzw. Algenwachstum, so dass so genannte Mäh-Boote eingesetzt werden, um die dabei entstehende Biomasse zu entfernen.

Dabei stand bisher  bei den BlütenPflanzen vor allem die Wasserpest auf der Liste der übermäßig wachsenden Pflanzen ganz oben.

Diese ,,Algenblüte" ist auch immer wieder Thema in der hiesigen Presse; ein Beispiel sei hier verlinkt:
https://www.waz.de/lokales/witten/article412686175/kemnader-see-so-stark-wuchern-wasserpflanzen-in-diesem-heissen-sommer.html

Für tümpelnde  Menschen sind diese künstlich angelegten Seen auch aus genau diesem Grund interessant,  weshalb ich zumindest drei von den Seen (Harkort, Kemnader, See und Baldeneysee) ziemlich regelmäßig beprobe.

In diesem Jahr  ist die Algenblüte ziemlich extrem, was sich unter anderem darin äußerte, dass ein derart dicker Algenteppich sichtbar war, der sich teilweise mehrere Zentimeter aus dem Wasser aufgetürmt hatte: 




Es stellt sich nun heraus, dass dieser Algenteppich z.Zt. nahezu komplett von der von dem so genannten Wassernetz Hydrodictyon gebildet wird. Diese Alge hat ihren Namen ja deshalb, weil einzelne Zellen miteinander zu netzartigen Schläuchen verbunden sind.
Hier ein Detailbild einer jungen Kolonie:





Diese  jungen Zellen haben eine Länge von ca. 14µm; sie können aber im Verlauf der Entwicklung deutlich größer werden, wie man hier im Vergleich mit den Ostracoden sehen kann:



Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass ich diese Alge bisher im Baldeneysee überhaupt nicht, Kemnader See ein einziges Mal und im Harkortsee mehrfach gefunden hatte.

Weitere Bilder  dazu hier:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Algen/01_e-algae/Chlorophyta/e-source/Hydrodictyon-reticulatum.html


Das hängt wohl auch damit zusammen, dass diese künstlichen Seen untereinander durch die Ruhr miteinander vernetzt sind.



Beste Grüße,
Michael Plewka



Gerd Schmahl

Hallo Michael,
das Wassernetz ist eine sehr interessante Alge, mit einem Vermehrungsmechanismus, der in kurzer Zeit viele neue Netze bildet, wenn die alten Netze zerfallen. Ausgewachsene Einzelzellen enthalten hunderte Zellkerne, die sich noch in der Zelle zu einem neuen Mini-Netz verbinden, bevor sich die Zellwand auflöst oder platzt.
Die Art ist aber immer nur unregelmäßig zu finden, wenn dann aber oft in solchen massiven Algenblüten. Auch die beiden folgenden Bilder zeigen "Monokulturen" dieser Alge.
2014 Teiche bei Frauenhain in Nordsachsen:

2014 in der Nähe von Plauen (Vogtland:
Schwäne Wassernetz.JPG

2014 gab es in Sachsen ein markantes Starkregenereignis, bei dem z.T. sehr viele Bodenpartikel (Tonminerale), aber sicher auch Dünger von den Feldern in die Gewässer gespült wurden. Vielleicht war das der Auslöser dieser Algenblüte. Das ist aber reine Spekulation, die sich heute nicht mehr überprüfen lässt. Danach habe ich das Wassernetz selber nur noch einmal gefunden.

Das Wassernetz lässt sich gut in Erdwasserkulturen halten. Meine Erfahrungen dazu habe ich hier geschildert.

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Michael Plewka

#2
Hallo Gerd,

Vielen Dank für die Darstellung deiner Beobachtungen aus dem weiter östlich gelegenen Teil Deutschlands...

Die Biologie dieser Alge ist mir eigentlich ganz gut bekannt, aber für mich ist das auffällige gewesen, dass diese Wassernetze jetzt zeitgleich in allen 3 Ruhr-Stauseen in unserer Umgebung in derart großen Mengen/ Biomassen  aufgetreten sind; ein Phänomen, welches ich in den letzten 15 Jahren hier im Ruhrgebiet noch nicht beobachtet habe.  Ebenso wie bei dir ist die Ursache dafür überhaupt nicht klar, wobei man natürlich solche Faktoren wie hohe Temperatur immer als Hypothese in den Raum stellen kann.

Gibt man entsprechende Schlüsselbegriffe in die üblichen Suchmaschinen ein, findet man zu dem aktuellen Vorkommen dieser Alge in unserer Gegend: nichts !

Deshalb im Sinne der Citizen Science der Hinweis in diesen Forum.

Beste Grüße,
Michael Plewka

rlu

#3
Hallo Michael,

in dem Link:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/Kennkarten%20Algen/01_e-algae/Chlorophyta/e-source/Hydrodictyon-reticulatum.html
kommt science und Atlas vor:

Beobachtest du dann eine Reihe von Algen über die Jahre und an verschiedenen Orten oder seid ihr ein Verbund? Auf die schnelle habe ich keinen Atlas oder Tabellen mit Häufigkeiten gefunden.

Isogameten sind bewegliche Geschlechtszellen. Aber scheinbar nicht klassisch männlich/weiblich, sondern plus und minus. Habe zwar die KI befragt, aber so richtig schlau bin ich nicht geworden.

Die Isogamenten werden dann frei, wenn sich diese Blase bildet und dann löst sich die Zelle auf.

Hätte ich doch in Latein besser aufgepasst.
coenobia ist das das Netz?
coenobium, ist das ein Element vom Netz?

Liebe Grüße
Rudolf

Rene

Wieder einmal tolle Bilder, Michael!
Ich kann nicht behaupten, dass ich ihm oft begegnet bin, obwohl es hier doch reichlich Nahrung gibt...

Viele Grüße, René

Michael Plewka

Hallo zusammen,

@Rudolf,@René: vielen Dank für eure Rückmeldungen

@René: auch hier wieder die Frage: was mögen die ökologischen Ursachen sein?

@Rudolf: der von dir zitierte Link ist ja lediglich ein URL, der nicht unbedingt Rückschlüsse auf den Inhalt der Seite erlaubt.
Die ,,plingfactory" war ursprünglich als ökologische Datenbank für das Umfeld der Schule, an der ich unterrichtet habe, konzipiert. Damals gab es noch keine sozialen Netzwerke wie z.B. Facebook oder  iNaturalist. 

Mittlerweile fokussiert sich die Seite auf die fotografische und ökologische Dokumentation von Rädertieren und anderen Mikroorganismen. So  findet man im Laufe der Jahre in den verschiedenen Biotopen dieser Welt immer wieder interessante  Bioformen, welche mittlerweile in mehreren 100K Fotos  dokumentiert und archiviert sind,  von denen ich hier im Forum  ab und zu einige Fotos zeige. Eine systematische Beobachtung bestimmter Arten findet nicht statt. Aus Zeitgründen lege ich auch keine Kulturen an.

Noch was zum Wassernetz:

Zu dem Begriff Coenobium  liefert die KI eigentlich recht gute Ergebnisse.

Wie bei anderen Grünalgen auch gibt es  beim Hydrodictyon vegetative und  sexuelle Fortpflanzung.

Mehr dazu hier:
https://av.tib.eu/media/14567

und hier:
https://av.tib.eu/media/14566


Beste Grüße,
Michael Plewka