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Umdenken

Begonnen von Michael Plewka, August 10, 2026, 20:02:01 NACHMITTAGS

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Michael Plewka

Hallo zusammen,

Anlässlich der  in diesem Thread  anfangs dargestellten Beobachtung  habe ich einer  KI folgende Frage gestellt:

Zitatwo ist eine Literaturstelle, in der ein biologischer Sachverhalt genannt wird, der zum Anlass genommen worden ist ,  die Definition von DeBary  zur Symbiose: Zusammenleben zweier Organismenarten      zu ändern  in die Definition:  Zusammenleben von Organismen zum Vorteil beider beteiligen Arten?


Das war die Antwort nach ca. 30 sec:

(Da die entsprechende Antwort in spezieller Weise formatiert ist, kann der Inhalt höchstwahrscheinlich hier im Forum wahrscheinlich nicht angemessen wiedergegeben werden. Der Übersicht halber habe ich hier die links weitgehend weggelassen. Wer sich für das Thema genauer inerssiert, kann möglicherweise den folgenden Link verwenden, so dass man auch die entsprechenden verlinkte Literaturquellen aufrufen kann.)

https://consensus.app/search/definition-und-anderung-der-symbiose/GebzwY7dTK2ZvgdtdxGLrg/?utm_source=share&utm_medium=clipboard



Keine einzelne Literaturstelle belegt eine bewusste Neudefinition von De Barys Symbiosebegriff zum gegenseitigen Vorteil
De Bary prägte den Begriff Symbiose 1879 als ,,Zusammenleben ungleichartiger Organismen" und schloss darin Parasitismus, Kommensalismus und Mutualismus gleichermaßen ein :


Die in der Frage postulierte Änderung — von ,,Zusammenleben zweier Organismenarten" zu ,,Zusammenleben zum Vorteil beider" — ist keine formale Neudefinition durch eine bestimmte Publikation, sondern spiegelt eine historische Begriffsverschiebung wider, bei der einige Biologen Symbiose einschränkend mit Mutualismus gleichsetzten


Historische Entwicklung der Definition
Die Literatur beschreibt durchgängig einen Begriffsstreit, keine gezielte Abänderung aufgrund eines einzelnen biologischen Befunds. Mehrere Reviews belegen, dass die restriktive Definition (Symbiose = Mutualismus) besonders im Zeitraum 1960–1990 verbreitet war


. Martin & Schwab (2012) zeigen, dass diese restriktive Definition in aktuellen Lehrbüchern weitgehend verschwunden ist und ein breiteres  De-Bary-Verständnis sich durchsetzt

. Ruby & Goldner (2007) argumentieren explizit, dass ,,Symbiosis as mutualism is restrictive and limits our use of language" und fordern die Beibehaltung des ursprünglichen Konzepts

. Laval-Peuto (1991) bezeichnet es als ,,restricting, if not erroneous, to consider symbiosis simply as providing a reciprocal benefit to each partner"

Biologische Sachverhalte als Anlass für Begriffsverschiebungen
Mehrere biologische Beobachtungen werden in der Literatur als Anlass genannt, das Verständnis von Symbiose zu erweitern oder zu modifizieren — jedoch nicht im Sinne der in der Frage genannten Richtung (Einschränkung auf gegenseitigen Vorteil), sondern überwiegend in die gegenteilige Richtung:


    •    •    Die Entdeckung, dass symbiotische Beziehungen auf einem Kontinuum zwischen Mutualismus und Parasitismus liegen und sich unter veränderten Umweltbedingungen verschieben können, wird bei Stanier (1953, zitiert in
    •   
    •    OULHEN
2016
) als Grund genannt, Symbiose breit zu definieren RUBY
2007
ROSENBERG
2014
.
    •    Die Variabilität der Endophyt-Wirt-Interaktion hinsichtlich der Rolle des Endophyten und des physiologischen Status beider Partner macht eine Definition, die keine Vor- oder Nachteile spezifiziert, erforderlich
.
    •    Die Beobachtung, dass in diversen mikrobiellen Gemeinschaften Mutualismus empirisch und konzeptionell schwer nachzuweisen ist, führt Mushegian & Ebert (2016) dazu, die Begriffe ,,Mutualismus" und ,,Parasitismus" für paarweise Interaktionen zu reservieren
.
    •    Zook (2015) argumentiert, dass die Kategorien ,,Mutualismus", ,,Parasitismus" und ,,Kommensalismus" als Bezugspunkte veraltet sein könnten, da Symbiose auf einem flexiblen Kontinuum physiologischer Expression liegt
.
    •    Fazit
Die gelieferte Literatur enthält keine Stelle, in der ein spezifischer biologischer Sachverhalt als Anlass genannt wird, De Barys Definition bewusst in ,,Zusammenleben zum Vorteil beider beteiligten Arten" zu ändern. Die Literatur belegt vielmehr das Gegenteil: Die überwiegende Mehrheit der zitierten Autoren argumentiert gegen die Gleichsetzung von Symbiose mit Mutualismus und für die Beibehaltung oder Rückkehr zu De Barys breiter Originaldefinition
Die historische Verengung auf Mutualismus erfolgte nicht aufgrund einer bestimmten biologischen Entdeckung, sondern als unpräzise Begriffsverschiebung, die heute weitgehend als überwunden gilt

MARTIN
2012


Hier noch ein Abstract aus einer der verlinkten Quellen


Current Usage of Symbiosis and Associated Terminology
Published Nov 29, 2012 · DOI

· Bradford D. Martin, E. Schwab
International Journal of Biology
UNKNOWN


Abstract
Confusion has afflicted the definition of symbiosis for over 130 years. Despite the lack of discussion in recent times, the usage of symbiosis has evolved and appears to be stabilizing to broader interpretations. Current usage of symbiosis and its associated terminology in 10 current general biology (GB) and 10 general ecology (GE) textbooks is presented. The restrictive definition (i.e. symbiosis = mutualism) has essentially disappeared. All GB textbooks (100%) surveyed used an explicit or implicit "de Bary" definition of symbiosis (i.e. mutualism, commensalism, and parasitism), while only 40% of GE textbooks did the same. General ecology textbooks also included 30% defining symbiosis to constitute all species interactions and 30% that completely avoided usage of the term. When combining GB and GE textbooks to analyze symbiotic usage, 85% defined mutualism, commensalism, and parasitism as symbiotic interactions. Also, 70% considered a symbiosis to be a species interaction that is "intimate," with 45% of those both "intimate and constant." Unfortunately, only 5% used the terms ecto -/ endosymbiosis , which help discern intimacy and constancy in species interactions. Usage of symbiont (55%) was preferred over symbiote (0%). Predator and prey were defined as organisms (vs. animals) in 90% of GB and GE textbooks, while 55% and 75% described carnivores and herbivores as organisms, respectively. Only 25% discussed predation, parasitism, parasitoidism, and grazing/herbivory, with only one (5%) integrating these +/- agonistic interactions in relation to intimacy and lethality. Data reveals trend of biologists/ecologists using broader definitions.




Es bedarf also weder gefühlt endlos langer historischer Ausflüge in die Theologie des 19. Jahrhunderts, noch  irgendwelcher Anekdoten, was man Studenten alles erzählen kann, bis hin zu der aus naturwissenschaftlicher Sicht ziemlich grenzwertigen (weil nicht falsifizierbaren) Aussage  (ich zitiere das Zitat): ,,die Organismen .... machen, was sie wollen und können, um sich erfolgreich fortzupflanzen" ,  um eine differenzierte, konkrete d.h. vor allem durch Literaturangaben  nachvollziebare Antwort auf die o.a.  Frage zu bekommen

Und  ja:
diese Darstellungs- bzw- Umgangsformen mancher Teilnehmenden stimmen  mich nachdenklich.



Beste Grüße
Michael Plewka

Heribert Cypionka

Zitatirgendwelcher Anekdoten, was man Studenten alles erzählen kann, bis hin zu der aus naturwissenschaftlicher Sicht ziemlich grenzwertigen (weil nicht falsifizierbaren) Aussage  (ich zitiere das Zitat): ,,die Organismen .... machen, was sie wollen und können, um sich erfolgreich fortzupflanzen"

ZitatDarstellungs- bzw- Umgangsformen mancher Teilnehmenden stimmen  mich nachdenklich

Lieber Michael,

es tut mir sehr leid, wenn offenbar mein Smiley und die professorale Karikatur nicht verstanden wurden. Das Einzige, was ich immer gepredigt habe und auch gestern wollte, ist die Offenheit gegenüber der Vielfalt und das Bewusstsein unserer Unwissenheit über das biologische Treiben. Und du bist doch einer, der das wunderbar belegt...

LG
Heribert

Peter T.

Zitat von: Michael Plewka in August 14, 2026, 18:38:48 NACHMITTAGSUnd  ja:
diese Darstellungs- bzw- Umgangsformen mancher Teilnehmenden stimmen  mich nachdenklich.


Hallo Michael,

diesbezüglich empfehle ich einen Blick in den Spiegel beziehungsweise ein kurzes Nachdenken über das Sprichwort "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus".

Deine wirklich rüde Art, Beiträge anderer Foristen (darunter sehr verdiente Wissenschaftler) vom Tisch zu wischen oder abzukanzeln, weil Du gerade mit historischen Bezügen (um die es hier ja auch geht) nichts anfangen kannst, hat doch erst die Diskussionskultur in diesem Beitrag vergiftet. Auf andere Beiträge zu Deinem Posting (z.B. das von Daniel) antwortest Du erst gar nicht.

Dass wir hier nicht zum Thema kommen, liegt daran, dass Du sichtbar ungeduldig und unwirsch zugange bist.
Ich weiß ja nicht, welche Laus Dir gerade über die Leber läuft, aber über den Verlauf dieses Threads musst Du Dich nicht wundern.

Schöne Grüße

Peter