Autor Thema: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON  (Gelesen 16566 mal)

Florian Stellmacher

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #15 am: Januar 05, 2012, 13:31:16 Nachmittag »
Mensch Bernd!

Das ist ja gerade der Witz! Leeuwenhoek soll an die 500 Mikroskope gebaut haben, wobei er für verschiedene Objekte jeweils auch verschiedene Modelle hergstellt hat. Bei dieser - wohlgemerkt nur für sich privat erfolgten! - relativen Massenproduktion hat er auf das Finish wenig Wert gelegt, Hauptsache die Dinger funktionierten. Die Herausforderung bei der Herstellung einer Replik ist es, den Impuls, Zeiss-Qualität zu produzieren, genauso zu unterdrücken wie sich davor zu hüten, die Dinger lieblos zusammenzubasteln. Auch weiterentwickeln darf man die Leeuwenhoek-Mikroskope natürlich nicht.  ;)

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
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TPL

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #16 am: Januar 05, 2012, 13:57:06 Nachmittag »
Zitat
Dass OPTON für den Neuanfang von ZEISS in Westdeutschland steht, ist mir wohl bekannt, dass dieser Markenname auch noch in den 70er Jahren für den Export verwendet wurde (und erst noch viel später geschützt wurde!), habe ich vorhin erst von Thomas und Timm gelernt.

Lieber Florian,
in der Bucht wird gar nicht selten OPTON-Mikroskopzubehör - meist mit einem Artikelstandort in China (Ostblock; evtl. aber auch über Hongkong/ex-Commonwealth) oder Kanada (Commonwealth) - angeboten (Aktuelle Beispiele). Dabei ist oftmals nicht bloß ein Aufkleber mit dem OPTON-Schriftzug über das Zeiss-Signet geklebt, sondern, wie hier, die originale Gravur abgefräst :o.

Zitat
Das dürfte eine Betimmung für den Export in nicht-deutschsprachige Länder doch wohl ausschließen, sodass ich nun davon ausgehe, dass diese Replik tatsächlich vor Mitte der 50er Jahre in Oberkochen gebaut wurde.
Das glaube ich kaum, denn wenn Du Dir einmal zum Vergleich das OPTON- oder das Zeiss-OPTON-Signet Deines W-Stativs ansiehst, dann ähnelt der OPTON-Schriftzug Deiner Replika doch sehr viel mehr dem - ebenfalls in einem Quadrat angeordneten - ZEISS-Logo der späten 1970er und 80er Jahre. Ich habe übrigens ein paar frühe Zeiss-OPTON-Unterlagen (auch zum W-Stativ :P), deren Schrifttypen aussehen, als stammten sie noch aus Jena.

Herzliche Grüße,
Thomas

Florian Stellmacher

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #17 am: Januar 05, 2012, 15:44:57 Nachmittag »
Lieber Thomas,

okayokayokay, da habe ich zu kurz geschlossen! Aber warum dann OPTON und warum dann in Deutsch?

Herzliche Grüße,
Florian
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TPL

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #18 am: Januar 05, 2012, 15:59:59 Nachmittag »
Lieber Florian,
Deutsch war die offizielle Sprache eines Ostblocklandes, das erst am 3. Oktober 1990 verschwand, also nach der von Timm im DPMA gefundenen Registrierung des Markenzeichens OPTON.

Herzliche Grüße, Thomas

Florian Stellmacher

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #19 am: Januar 05, 2012, 16:02:57 Nachmittag »
Lieber Thomas,

ja nee - is' klar! Aber haben die wirklich solche Sachen vom Westen in den Osten exportiert? Da fehlt mir ein bisschen die Phantasie...

Herzliche Grüße,
Florian
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Florian Stellmacher

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #20 am: Januar 05, 2012, 17:18:11 Nachmittag »
Liebe Freunde,

soeben erhielt ich von einem intimen Kenner der Zeiss-Historie den Hinweis, dass an vielen Stellen des ehemaligen Ostblocks, an denen Devisen vorhanden waren, Mikroskope von Zeiss/Oberkochen standen und dass insofern auch davon auszugehen ist, dass auch diese Replik für den Export nach Osten bestimmt war.

Ich erlaube mir, den weiteren Kommentar wörtlich widerzugeben:

"Die ungleichen Brüder hier und in Jena waren erbitterte Konkurrenten auf den Weltmärkten. Zeiss Jena hatte im gesamten Ostblock, in China, in England und manchen Entwicklungsländern durchgesetzt, daß der Name Carl Zeiss nur auf Produkten aus Jena stehen durfte. Das Abkommen mit den Oberkochenern sah vor, daß diese ihre Produkte in jene Länder mit dem Markennamen Opton vertreiben mußten. In den übigen Ländern konnte die Carl-Zeiss-Stiftung den Markennamen Carl Zeiss verwenden.
Das Abkommen zwischen beiden Seiten 1971 sah außerdem vor, daß in den "Westländern" etc. die Produkte aus Jena nicht den Namen Carl Zeiss tragen durften. In der BRD liefen sie deshalb unter der Marke Jenoptik oder "aus Jena".

Das alles galt bis in die 'Wende'-Zeit, deshalb wurden Opton-Produkte auch bis dahin in den Ostblock geliefert."


Vielen Dank für diesen Hinweis und herzliche Grüße,
Florian Stellmacher
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Jürgen Boschert

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #21 am: Januar 05, 2012, 18:20:36 Nachmittag »
Hallo zuammen,

diese Namensgeschichte hatten wir hier schon öfter diskutiert. Der Kampf um den Firmennamen wurde so erbittert vor div. Gerichten weltweit geführt, dass Zeiss Oberkochen dem Ruin nahe war wegen der anfallendenKosten. Das war letztlich auch der Grund dass man diesen Kompromiss eingegangen ist.

Zitat
... nicht bloß ein Aufkleber mit dem OPTON-Schriftzug über das Zeiss-Signet geklebt, sondern, wie hier, die originale Gravur abgefräst. ...

Manhatte einfach die Befürchtung, verklagt zu werden für den Fall, dass ein bloser Aufkleber abgemacht wurde oder abging.

Beste Grüße !

JB
Beste Grüße !

JB

Florian Stellmacher

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #22 am: Januar 05, 2012, 18:29:40 Nachmittag »
Lieber Jürgen,

die Geschichte des Neuanfanges von Zeiss im Westen sowie der Bruderkampf mit Carl Zeiss/Jena ist sehr gut dargestellt in

Armin Hermann: Nur der Name war geblieben - Die abenteuerliche Geschichte der Firma Carl Zeiss
ISBN 3-421-06515-2, 3. Auflage Februar 1991 Hier eine kleine Rezension

Ferner empfahlst Du mir bereits:

Armin Hermann: Und trotzdem Brüder - Die deutsch-deutsche Geschichte der Firma Carl Zeiss Piper Verlag 2002

(Habe ich gekauft aber leider noch nicht gelesen.)

sowie

Katharina Schreiner, Klaus-Dieter Gattnar und Horst Skoludek: Carl Zeiss Ost und West - Geschichte einer Wiedervereinigung 
Quartus Verlag. ISBN 3-936455-48-1

Falls jemand sich näher einarbeiten möchte!

Herzliche Grüße,
Florian
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beamish

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #23 am: Januar 06, 2012, 18:04:23 Nachmittag »
Hallo,

ich meine mich zu erinnern, daß der Planicomp (eine Anlage zur Auswertung von 3D-Luftbildern) in der Markscheiderei des Bergbaumuseums in Bochum auch den Schriftzug OPTON trug. Daß ZEISS in gewissen Ländern nur unter OPTON firmieren durfte, heißt ja nicht, daß die Geräte nicht auch hierzulande unter diesem Namen vermarktet wurden. Auf der Suche nach dem Planicomp im Internet bin ich auf diese Arbeit gestoßen, wo auch noch mal ein paar Aspekte der Zeiss-Geschichte (incl. Logo) beleuchtet werden: http://www.isprs.org/society/history/Hobbie-Die-Entwicklung-photogrammetrischer-Verfahren-und-Instrumente-bei-Carl-Zeiss-in-Oberkochen.pdf

Herzlich

Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
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Florian Stellmacher

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #24 am: Januar 06, 2012, 19:04:20 Nachmittag »
Lieber Martin,

vielen Dank! Das bei meiner Leeuwenhoek-Replik lediglich in schwarz widergegebene Logo ist bei der von Dir angegebenen Literatur auf S. 121 abgebildet und zwar in blau, so wie ich es mir eingangs vorgestellt hatte. Gesehen hatte ich es vorher noch nicht.

Warum Zeiss auf dem deutschen Markt, auf dem das Label Zeiss auf eine über 100 jährige Geschichte zurückblicken konnte und mit Sicherheit einen guten Ruf genoss, Produkte unter der Marke OPTON hätte abieten sollen, ist mir nicht recht klar. Soetwas hätte lediglich bei gewünschter Höherpositionierung ("besser als Zeiss" - siehe Maybach...) oder entsprechender tieferer Positionierung ("fast wie Zeiss, dafür billiger" - siehe diverse Klavierhersteller "by Bechstein") Sinn gemacht - beides ist mir von Zeiss nicht bekannt.

Per PN wurde inzwischen weiter diskutiert, und ich denke inzwischen, dass diese Leeuwenhoek-Replik möglicherwiese von Lehrlingen als Übungsstück gefertigt und dann als Werbegeschenk verteilt wurde.

Herzliche Grüße,
Florian
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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #25 am: Januar 07, 2012, 01:43:42 Vormittag »
ja nee - is' klar! Aber haben die wirklich solche Sachen vom Westen in den Osten exportiert? Da fehlt mir ein bisschen die Phantasie...

Lieber Florian,
die fehlte mir auch! Dann habe ich entdeckt, dass es nicht bloß im Westen eine Kundschaft für Produkte "aus Jena" gab (ich habe eine Reihe Prospekte auf deutsch aus dieser Zeit), sondern auch in den "Osten" Zeiss-Mikroskope westlicher Provenienz exportiert wurden. Ein besonders hübsches Exemplar hatte ich hier dargestellt.

Im Falle Deiner Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik könnte ich mir vorstellen, dass es in den Wendejahren und kurz davor wohl eine Reihe von "Annäherungsversuchen" oder auch schlichten Freundschaftsgeschenken zwischen den beiden bis dahin entfremdeten Firmen gegeben haben mag. Das ist nichts weiter als Spekulation; liest sich aber im Zusammenhang mit den Einlassungen Deiner intimen Quelle und den veröffentlichten offiziellen Kontakten halbwegs plausibel.

Herzliche Grüße,
Thomas

Florian Stellmacher

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Re: Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik von OPTON
« Antwort #26 am: Januar 07, 2012, 08:54:08 Vormittag »
Lieber Thomas,

ja, solche "aus Jena"-Prospekte habe ich auch; es gab vor vielen Jahren einmal eine in die Hannovermesse integrierte Optikmesse "Optech", bei der CZJ einen großen Stand hatte. Die haben da Prospekte verteilt und in eine höchst originelle Plasiketüte verpackt, die nach Monaten noch einen eigentümlich chemischen Geruch verbreitete (ich wollte sie eigentlich als Sammelartikel aufheben, aber das war nicht auszuhalten). Jedenfalls brauchte ich ein bisschen, um die Kurve zu kriegen, dass hier der VEB Carl Zeiss Jena höchstselbst vertreten war.

Die Vorstellung, dass meine Leeuwenhoek-Mikroskop-Replik ein deutsch-deutsches Freundschaftsgeschenk unter den inzwischen wiedervereinigten Brüdern gewesen sein könnte, gefällt mir!

Herzliche Grüße,
Florian
« Letzte Änderung: Januar 07, 2012, 13:33:18 Nachmittag von Florian Stellmacher »
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