Autor Thema: Botanik: Sphagnum obtusum *  (Gelesen 7794 mal)

Ralf

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Botanik: Sphagnum obtusum *
« am: Oktober 08, 2012, 16:39:16 Nachmittag »
Hallo,

dieses Sphagnum obtusum habe ich einem Bruchwald im Schwalm-Nette Gebiet gefunden. Äußerlich unterscheidet die Art sich kaum von anderen Sphagnum spec. . So ist man bei der Bestimmung auf die mikroskopischen Merkmale angewiesen. Hier sind besonders die Porenverhältnisse im Astblatt, Lage und Form der Chlorocyten im Astblattquerschnitt sowie der Stämmchenquerschnitt hilfreich.

Die mit (*) gekennzeichneten Bilder habe ich mit meinem neuen Fotosetup, bestehend aus der Canon EOS 600D zusammen mit dem 1.6x Adapter von Askania am Tritubus, gemacht. Überrascht war ich, dass das system ohne weitere Justierung einwandfrei parfokal zum Okularbild ist. Etwas üben und optimieren muss ich die Aufnahmetechnik mit dem neuen System schon noch ein wenig, aber die Bilder sind schon vorzeigbar.

- Astblatt, breit lanzettlich, schiefe Beleuchtung (*)



- Astblatt, Nahansicht, polarisiertes Licht (*)



- Porenverhältnisse im Astblatt, konvexe Seite, obere Hälfte. Die Poren in den Zellecken decken sich oft mit denen auf der konkaven Seite, so dass man hindurch sehen kann. Färbung mit Kristallviolett.



- Querschnitt Astblatt. Die Chlorocyten sind im Querschnitt dreieckig und nach innen von den Hyalocyten eingeschlossen.



- Querschnitt Astblatt, pol (*)



- Querschnitt Ast, Färbung mit Etzold grün. Außen befinden sich 2 große Retortenzellen, die der Wasserspeicherung dienen. (*)



- Stammblatt, groß, zungenförmig, annähernd dreieckig. Phasenkontrast.



- Stammblatt, pol



- Querschnitt Stämmchen, Färbung mit Wacker Simultan II nach RDM. Einschluß in Malinol



- Querschnitt Stämmchen, Färbung mit Wacker Simultan II nach RDM. Einschluß in Malinol, DL-Fluoreszenz



- Querschnitt Stämmchen, pol. Weil hier in ein Einschlussmedium ähnlich Apathy (Basis Gummi arabicum) eingeschlossen wurde, wurde der Schnitt nicht in Lösemitteln entwässert. Die Zellform erscheint hier im Gegensatz zu den in Malinol eingeschlossenen Schnitten weniger oder gar nicht deformiert.

-












« Letzte Änderung: November 08, 2014, 07:54:30 Vormittag von Fahrenheit »

Erik W.

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #1 am: Oktober 08, 2012, 17:00:09 Nachmittag »
Hallo Ralf,

vielen Dank für das Zeigen der schönen Schnitte. Bemerkenswert finde ich deine Aussage:

Zitat
"...  Weil hier in ein Einschlussmedium ähnlich Apathy (Basis Gummi arabicum) eingeschlossen wurde, wurde der Schnitt nicht in Lösemitteln entwässert. Die Zellform erscheint hier im Gegensatz zu den in Malinol eingeschlossenen Schnitten weniger oder gar nicht deformiert. ..."

Die mir erst im Vergleich der letzten beiden Bilder so richtig bewusst geworden ist. Vor lauter "Farbfreude" habe ich so selten Frischmaterial mikroskopiert, so daß ich kantige Zellwände bis jetzt als "gottgegeben" hingenommen habe.

VG, Erik

Bernhard Kaiser

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #2 am: Oktober 09, 2012, 06:58:57 Vormittag »
Hallo Ralf,

der polarisierte Astblattquerschnitt ist interessant.
Sphagnum obtusum kenne ich nicht. Sind die Astblätter trocken gewellt? Nach welcher Literatur hast Du bestimmt? Der Schlüssel bei Frahm 4. Aufl. (2004) unter 4. ist mir etwas unklar. Was bitte heißt "nach RDM"?

Freundliche Grüße
Bernhard Kaiser
« Letzte Änderung: Oktober 09, 2012, 07:06:56 Vormittag von Bernhard Kaiser »

Ralf

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #3 am: Oktober 09, 2012, 20:16:50 Nachmittag »
Hallo Bernhard,

Sphagnum bestimme ich ausschließlich nur noch nach: Hölzer, Adam: Die Torfmoose Südwestdeutschlands und der Nachbargebiete;     
Verlag :     Weissdorn-Verlag Jena
ISBN :     978-3-936055-62-7

Im Frahm sind mir zu viele Fehler und Unklarheiten. So komme ich mit dem Schlüssel auf S. 166 auch nicht zurecht. Ich habe auch die 4. Auflage. Sag mir bitte auf welcher Seite du das 4. meinst.

Die Astbläter sind trocken nicht gewellt.
Nach RDM heiß nach Rolf-Dieter Müller, der dankenswerterweise der Mikroskopikergemeinde diese ungemein einfach durchzuführende Färbung geschenkt hat.

Über Wirkung des Astblattquerschnitts in polarisiertem Licht war ich ebenfalls erstaunt. Die dreieckige Form und die Lage der der Chlorocyten werden meiner Meinung nach sogar besser dargestellt als im Hellfeld.


Bernhard Kaiser

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #4 am: Oktober 10, 2012, 05:51:58 Vormittag »
Hallo Ralf,

Zitat
Sag mir bitte auf welcher Seite du das 4. meinst.

ebenfalls Seite 166. Schlüssel Sektion Cuspidata.

Hölzer ist ebenfalls mein Favorit.

Zu empfehlen ist auch wegen der guten Zeichnungen:
Michaelis, Dierk (2011): Die Sphagnum-Arten der Welt. Schweizerbart.
408 S. ISBN: 978-3-510-48031-9.
Ist sehr umfangreich und kostet 150,-- €.

Viele Grüße
Bernhard

fabelfroh

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #5 am: Oktober 12, 2012, 18:18:04 Nachmittag »
Die Stämmchen-Querschnitte sind sehr detailliert und klar. So dünn habe ich bislang noch keine schneiden können. Hut ab!

Für das Färben von Blättchen nehme ich meist Methylenblau. Leider ist mein Vorrat aufgebraucht. So bekommt man auch ohne schiefes Licht gute Kontraste hin.

Toll die Färbung mit Kristallviolett. So deutlich habe ich die Poren bislang noch nie gesehen.

Ralf

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #6 am: Oktober 13, 2012, 07:14:59 Vormittag »
Hallo Andreas,

freut mich, dass meine Sphagnum obtusum Bearbeitung dir gefällt. Meine Schneidetechnik ist hier erläutert: http://www.dr-ralf-wagner.de/TechInfo.html .

Ich bin gerne bereit dir mit Methylenblau und / oder Kristallviolett auszuhelfen.



fabelfroh

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #7 am: Oktober 13, 2012, 10:45:07 Vormittag »
Hallo Ralf.

Vielen Dank für das Angebot. Das nehme ich gerne an. Hast du das Methylenblau eigentlich in Pulverform? Du kannst mir gerne per PN antworten.

Ich habe ein bisschen auf deiner Seite gelesen. Was mich noch interessiert ist, wie du die schiefe Beleuchtung mit dem Axio Lab hinbekommen hast. Meines Wissens in die Beleuchtungseinheit baugleich mit meinem Axio Scope.

Hast du mit dem Handmikrotom geschnitten oder selbst per Hand? Leider fehlt mir ein Stereomikroskop. Momentan schneide ich, indem ich 2 Objektträger übereinander lege und an der Kante entlang schneide. So werden die Schnitte natürlich nicht so dünn. Für die normale Fotodokumentation reicht das aber erstmal.

Viele Grüße

Rawfoto

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #8 am: Oktober 14, 2012, 09:00:55 Vormittag »
Hallo Ralf

Ich bin wiedereinmal Mehr begeistert ob der Zartheit, tolle Ergebnisse!

Eine Frage haette ich wegen der Einbettung, was genau setzt Du da ein? Ist das ein Selbstansatz ...
Was fuer Erfahrungen gibt es bezueglich Haltbarkeit, Dauerpraeparate in diesem Bereich sehe ich selten ...

Liebe Gruesse

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Ralf

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #9 am: Oktober 14, 2012, 19:16:13 Nachmittag »


Eine Frage haette ich wegen der Einbettung, was genau setzt Du da ein? Ist das ein Selbstansatz ...
Was fuer Erfahrungen gibt es bezueglich Haltbarkeit, Dauerpraeparate in diesem Bereich sehe ich selten ...


Hallo Gerhard,

das Einschlussmedium nach Apathy ist schon seit langer Zeit bekannt. Es handelt sich um eine Mischung aus Gummi arabicum, Zucker und Wasser. Das Original Rezept wird so berichtet:

http://www.ihcworld.com/_protocols/histology/aqueous_mounting_medium.htm:

Apathy's gum-syrup.
This is another traditional mountant: troublesome to make, but easy to use. The thymol is to retard the growth of microorganisms. Another disinfectant (see under glycerol jelly) could be used instead. 
Gum arabic (=gum acacia): 50 g
Sucrose: 50 g
Water: 50 ml
Thymol: One small crystal

Dissolve the ingredients, with frequent stirring and occasional heating on a water-bath. If big lumps form, the gum may take several days to dissolve. The final volume should be approximately 100 ml. Keeps for a few months at room temperature. Discard if it becomes infected or if the sugar crystallizes. Sanderson (1994) recommends fructose (levulose) instead of sucrose, presumably because it is less likely to crystallize. 


Mein eigener Ansatz ist wie folgt zusammengesetzt:

15 g Gummi Arabicum Type 4866 (Sprügetrocknete Ware, Firma Benecke, Hamburg)
15 g Fruchtzucker (DM Markt)
in 18 g Wasser gelöst (Magnetrührer, 50 °C)
dazu 0,1 g Thymol gegeben.

Diesen Ansatz habe nach etwa 14 Tagen noch einmal mit wenigen Tropfen Wasser verdünnt, weil die Viskosität zu hoch war.

Meine eigenen Präparate sind erst ca. 10 Monate alt und in dieser Zeit unverändert. Ich habe alle Präparate mit Schellack, eigene Herstellung, nach ca. 14 Tagen umrandet.

In Internet finden sich unterschiedliche Erfahrungen zur Haltbarkeit. Man findet Berichte, dass die Präparate nicht mal 1 jahr halten und man findet Berichte, dass die Präparate 10 Jahre und mehr halten. Meine eigene Einschätzung ist die, dass man unbedingt nach ca. 14 Tagen die Präparate mit einem Lackring versehen sollte und, dass man zur Stabilisierung gegen Befall mit Mikroorganismen unbedingt Thymol oder etwas ähnliches verwenden muss. Dann hat man alles für eine lange Haltbarkeit getan.

A. Büschlen

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #10 am: Oktober 14, 2012, 20:33:09 Nachmittag »
Hallo Ralf

die Wirkung der verschiedenen Kontrastverfahren kommen in deiner Dokumentation sehr gut zum Ausdruck.
Besten Dank für das Rezept zum Apathy's gum-syrup.

Ist meine Annahme richtig, dass deine neue Fotoausrüstung mit dem 1,6x Adapter an einem Unendlich-System zum Einsatz kommt?

Gruss Arnold

Ralf

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #11 am: Oktober 15, 2012, 19:16:25 Nachmittag »
Ist meine Annahme richtig, dass deine neue Fotoausrüstung mit dem 1,6x Adapter an einem Unendlich-System zum Einsatz kommt?


Lieber Arnold,

genau, mein Axiolab ist ein unendlich System. Das vereinfacht die Adaption enorm.

Bin mal gespannt, ob jetzt noch weitere Mossliebhaber mal das Medium nach Apathy testen!



Rawfoto

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #12 am: Oktober 15, 2012, 19:44:13 Nachmittag »
Hallo Ralf

Danke fuer das Rezept und Deine Erfahrung damit, Du bereibst da ja gleich mehrere Spezialitaeten auf einmal :-)

Die dichte Umrandung duerfte tatsaechlich der Schluessel zum Erfolg sein. Meine klaeglichen Versuche habe ich mit Nagellack gemacht, schaut sch ... aus, ist aber auch schon seit mehreren Jahren dicht. Das muss ich in einem langen Winter mal verbessern ...

Nach welchem Rezept setzt Du denn Dein Schellack an? Hast Du da auch einen Trick auf Lager ...

Liebe Gruesse

Gerhard

Gerhard
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Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Ralf

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Re: Sphagnum obtusum
« Antwort #13 am: Oktober 15, 2012, 21:46:48 Nachmittag »
Nach welchem Rezept setzt Du denn Dein Schellack an? Hast Du da auch einen Trick auf Lager ...

Lieber Gerhard,

Schellack gibt es in verschiedenen Qualitäten. Hauptsächlich unterscheidet man die Typen "gebleicht oder ungebleicht" und "entwachst oder nicht entwachst".

Gebleichte Typen sind nach meiner Kenntnis gleichzeitig auch entwachst.

Will man den Schellack pigmentieren, beispielsweise mit rot, gelb oder blau, kann eine gebleichte Type von Vorteil sein, weil dann die natürliche, etwas bräunliche Eigenfarbe des Schellack sich nicht störend auswirken kann. Will man schwarz, beispielsweise mit Russ, pigmentieren spielt das keine Rolle.

Die Diatomisten bevorzugen entwachsten Schellack, weil sie oft in Ölimmersion arbeiten. Mit Alkohol kann man das Immersionsöl von solchen Präparaten, die mit Schellack umrandet sind, nämlich nicht entfernen, weil Schellack sehr gut in Alkohol löslich ist. Nimmt man Benzin zur Entfernung der Immersionsölrückstände, geht das einwandfrei, weil entwachster Schellack von Benzin nicht angegriffen wird, wohl aber nicht die entwachsten Typen.

Zur Konservierung solcher Präparate, die mit einem Einschlussmedium nach Apathy hergestellt sind, würde ich immer wachshaltigen Schellack bevorzugen. Denn hier geht es darum, das Eindringen von Feuchtigkeitkeit zu verhindern und da hilft ein Wachs eben. Die Untersuchung von Moos- oder Flechtenpräparaten in Ölimmersion kommt eher selten vor. Wenn doch einmal ein Sporenpräparat in Ölimmersion untersucht werden soll, reicht es sicherlich auch aus, das Immersionsöl hinterher mit einem Tuch abzuwischen.

Mein Ansatz für Schellack, ungefärbt, sieht so aus:

36 g Schellack, beliebige Type
33 g Ethanol, z. B. Brennspiritus

unter Rühren bei RT lösen.

Will man pigmentieren, kann man beispielsweise zu obigem Ansatz ca 3 g Pigment, beispielsweise Russ, zugeben. Zur Erzielung einer guten Dispersion des Pigments habe ich den Ansatz zusammen mit ein paar Schraubenmuttern in einer Plastikdose geschüttelt (Kugelmühle des armen Mikroskopikers).

Viel Spaß beim testen!


« Letzte Änderung: Oktober 16, 2012, 07:21:38 Vormittag von Ralf »