Brechungsindex und Spannungsdoppelbrechung von Bondic UV-Kleber

Begonnen von olaf.med, Dezember 19, 2012, 13:29:26 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

olaf.med

Liebe Dünnschleifer,

nachdem mir Erik gestern diesen vielgerühmten Kleber sogar ins Haus gebracht hat (Danke Erik!), habe ich heute die ersten Versuch unternommen. Das Aushärtverhalten und die Festigkeit haben mich sofort beeindruckt! Die Brechungsindex-Messung ergab n=1,50 vor dem Aushärten und 1,515 nach dem Aushärten. Diese Differenz ist natürlich auf den erheblichen Schwund im Volumen während des Härtens zurückzuführen. Die Werte wurden mit einem Edelsteinrefraktometer gemessen, sind daher nur ein "vorläufiges amtliches Endergebnis". Genauere Messungen werden noch nachgeliefert.

n= 1,515 entspricht genau dem Brechungsindex der Objektträger, die aus BK7 gefertigt sein sollten, ist aber deutlich niedriger als der Brechungsindex der normalen Epoxidharze, die bei der Dünnschliffherstellung in der Regel benutzt werden. Für den Petrographen kann das bedeuten, daß die Unterscheidung zwischen Quarz und Kalifeldspat erschwert wird.

Beim schnellen Aushärten dieses Klebers entsteht notwendigerweise Spannungsdoppelbrechung. Ein empfindlicher Indikator dafür sind Lufblasen, um die herum dann ein Brewstersches Kreuz entsteht. So etwas ist, im Kontrast etwas erhöht, hier zu sehen:



Dieser Effekt ist aber nicht dramatischer als bei den üblichen Epoxidharzen.

Ich persönlich sehe keine gravierenden Einschränkungen für die Nutzung dieses UV-Klebers für die Dünnschliffherstellung.

Beste Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

micromax

Lieber Olaf,

danke für den ausführlichen Test.
Kannst Du bitte noch erklären warum sich der geringe Brechungsindex als Nachteil erweisen könnte. Wenn man mit dem UV - Kleber einbetten würde, dann könnte ich es verstehen, dass der Unterschied im Brechungsindex im Vergleich zu Qz und Kalkfeldspat zu gering ist. Aber da nur aufgeklebt wir, die Schichtdicke des Klebers ja superdünn ist, kann ich mir das nicht vorstellen.

Aber vielleicht mache ich da ja einen grundsätzlichen Denkfehler.

Danke und Grüße
Thomas

Bastian

Olaf und Erik,
der Bondic Kleber liegt hier bei mir auf dem Schreibtisch zum Verschicken bereit. Nun gut dann kann ich diesen gleich verwenden.
Dir Olaf vielen Dank fürs Messen und Erik Dir für den Tip und dass Du den Kleber zu Olaf gebracht hast. Nun kann ich mir das Schicken sparen.
Bastian

derda

Hallo Thomas,

Zitat"... Aber da nur aufgeklebt wir, die Schichtdicke des Klebers ja superdünn ist, kann ich mir das nicht vorstellen. ..."

Das Licht kommt zwar von unten, tritt aber nur zu einem kleinen Teil senkrecht in den Objektträger ein. In diesem Fall würde der Brechnungsindex nicht weiter stören. Für alle anderen Eintrittswinkel spielt der Brechungsindex eine Rolle, weil der Winkel des gebrochenen Strahls durch die Brechungsindizies n1 und n2 bestimmt wird. Erst wenn die Klebeschicht so dünn wird, daß sie im Bereich der Wellenlänge des Lichts liegt, hat sie keine Auswirkung mehr.

VG, Erik


olaf.med

Hallo Thomas,

ZitatKannst Du bitte noch erklären warum sich der geringe Brechungsindex als Nachteil erweisen könnte. Wenn man mit dem UV - Kleber einbetten würde, dann könnte ich es verstehen, dass der Unterschied im Brechungsindex im Vergleich zu Qz und Kalkfeldspat zu gering ist. Aber da nur aufgeklebt wir, die Schichtdicke des Klebers ja superdünn ist, kann ich mir das nicht vorstellen.

Wenn der Kleber mit seinem Brechungsindex zwischen Quarz (n=1,544-1,553) und Kalifeldspat (n=1,518-1,532) liegt, geht die Becke-Linie in den Quarz hinein und aus dem Kalifeldspat heraus. An allen Stellen, an denen der Kleber seitlich an Quarz oder Kalifeldspat grenzt, also z.B. am Rand des Schliffs oder gegen Poren, kann man also ganz leicht testen um welches der beiden Minerale es sich handelt, auch wenn man keine Zwillingsbildung oder perthitische Entmischungen sieht.

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

micromax

Hallo Olaf,

danke nochmals fürs Erklären. So hatte ich es eigentlich auch verstanden. Das heißt, das Licht geht durch die "dicke" Schicht Objektträgerglas, es passiert nichts, da isotrop.
Dann kommt die "dünne" Schicht Kleber, wieder passiert nichts, da isotrop. Und erst dann kommt das Paket Gestein mit 30 Mikrometer. Und da wird dann das Licht aufgrund der Anisotropie "verändert", bzw. läßt sich die Lichtbrechung von benachbarten Medien gegeneinander abschätzen.
Und wenn das Licht das Gesteinspäckchen wieder verläßt passiert, analog zu dem Aufbau Objektträger - Kleber wieder nichts.
Da meine Proben in der Regel vorher mit einem Kunstharz imprägniert sind, es also weder zugängliche Poren noch Rand gibt, hatte mich Deine Beschreibung verwirrt.

Hallo Erik,

Deine Erklärung verstehe ich leider nicht. Betrachten ich den Kleber wieder als Platte (d.h. mit zwei parallelen Flächen) dann wird der Strahl doch lediglich leicht seitlich verschoben, aber sonst passiert nichts.

Grüße
Thomas

derda

#6
Hallo Thomas,

kein Problem, daß du mich nicht verstanden hast. Letztlich deckt sich die Erklärung der Becke-Linie mit der Abschattung bei schiefer Beleuchtung.

Ein Bild sagt oft mehr als Worte:



(Quelle: http://www.olympusmicro.com/primer/java/oblique/becke/index.html)

VG, Erik


Bernhard Lebeda

Zitat von: olaf.med in Dezember 19, 2012, 13:29:26 NACHMITTAGS

Ich persönlich sehe keine gravierenden Einschränkungen für die Nutzung dieses UV-Klebers für die Dünnschliffherstellung.

Beste Grüße,

Olaf

Hallo Olaf

das ist doch wunderbar!

Vielen Dank für Deinen Test

Viele geschliffene Mikrogrüße

bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

derda

Guten Morgen liebe Schleiffreunde,

ehe nun alle zum Baumarkt rennen => erste Schleifversuche zeigen, daß die Haftfestigkeit von Bauhaus-Bondic auf Glas eher dürftig sind und nicht an den UV-Kleber von Krantz herankommen.

Bin auf andere Erfahrungen gespannt.

VG, Erik


Bernhard Lebeda

Zitat von: Erik W. in Dezember 20, 2012, 08:46:56 VORMITTAG
Guten Morgen liebe Schleiffreunde,

ehe nun alle zum Baumarkt rennen => erste Schleifversuche zeigen, daß die Haftfestigkeit von Bauhaus-Bondic auf Glas eher dürftig sind und nicht an den UV-Kleber von Krantz herankommen.

Bin auf andere Erfahrungen gespannt.

VG, Erik



Hallo Erik

Das ist natürlich Mist! Ich bin noch nicht zum schleifen gekommen, aber ich werde berichten!



Viele Grüße

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

derda

#10
Hallo Bernhard,

ich habe jetzt drei Schliffe fast fertig und bei allen Schliffen sind mir am Rand die "Stützwülste" (siehe mein Beitrag zur Dünnschliffherstellung) stückweise weggebrochen, weil der Kleber nicht gut auf glattem Glas haftet. Was mich ebenfalls etwas stört ist seine vergleichsweise hohe Härte. Eventuell liegt darin auch der Grund für die schlechtere Haftung => Schwund beim Aushärten und hohe Härte. Die großflächig aufgeklebten Objekte haben sich bisher noch nicht gelöst.

Viele Grüße

Erik


Bernhard Lebeda

Zitat von: Erik W. in Dezember 20, 2012, 14:27:54 NACHMITTAGS
Hallo Bernhard,

ich habe jetzt drei Schliffe fast fertig und bei allen Schliffen sind mir am Rand die "Stützwülste" (siehe mein Beitrag zur Dünnschliffherstellung) stückweise weggebrochen, weil der Kleber nicht gut auf glattem Glas haftet. Was mich ebenfalls etwas stört ist seine vergleichsweise hohe Härte. Eventuell liegt darin auch der Grund für die schlechtere Haftung => Schwund beim Aushärten und hohe Härte. Die großflächig aufgeklebten Objekte haben sich bisher noch nicht gelöst.

Viele Grüße

Erik




..also ich fürchte ich kann das bestätigen :'(  Gegen Ende der Schleifphase neigt der Kleber zum splittern und sorgt für eingerissene Schliffe. Bleiben wir also bei Loctite. wenn der gut haltbar ist, wäre es letztendlich ja auch preiswerter.

Viele Grüße

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

derda

Hallo Bernhard,

ich habe die letzten µm eines Schliffes jetzt von Hand runtergeschliffen. Irgendwann merkte ich, daß sich Schleifpulver unter dem Schliff befand. Die Klebefläche löste sich immer weiter. Bei einer Dicke von ca. 50 µm kann ich nun den Schliff wie einen Pflanzenschnitt auf dem Objektträger hin und herschieben. Jetzt kann ich ihn in Eupraral einschließen...

Mein Fazit: Der Bauhaus-Bondic eignet sich nicht zur Dünnschliffherstellung, da die Haftfestkeit auf Glas ungenügend ist.

VG, Erik



Bastian

Zitatweil der Kleber nicht gut auf glattem Glas haftet
Ich kann mich entsinnen, dass früher die Objektträger aufgeraut wurden um besseren Halt zu bei Verwendung der damaligen Kleber auf Epoxidharzbasis zu gewährleisten...

Bastian

derda

Hallo Bastian,

das habe ich eine ganze Zeitlang auch gemacht. Gerade bei Lakeside ging es gar nicht ohne aufrauen. Als ich dann den Krantz UV-Kleber ausprobiert habe, war das Aufrauen überflüssig. Ich habe es dann noch eine Zeitlang gemacht, es dann aber irgendwann aufgegeben. Ein wenig zerstört man sich durch das Aufrauen auch das liniear polarisierte Licht, zumindest theoretisch... ob es optisch einen Unterschied macht, bezweifel ich mal.

Never change a running system => beim nächsten Mal halte ich mich erst mal zurück. Die schnelle Aushärtung in wenigen Sekunden mit der kleinen UV-Lampe war einfach verlockend.

Ich habe auch noch mal den Beipackzettel gelesen => Anwendung auf Glas, nach der Anwendung fräs-, bohr-, polier- und lackierbar.

"Anwendung auf Glas" bedeutet ja auf gut Deutsch ja nicht, daß es da auch klebt.

Viele Grüße

Erik