Autor Thema: Eklogit im Dünnschliff  (Gelesen 11551 mal)

Ulrich S

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Eklogit im Dünnschliff
« am: Februar 04, 2013, 18:12:50 Nachmittag »
mal wieder was aus der Abteilung Dünnschliffe
ausgewählt habe ich diesmal einen Eklogit, genauer gesagt eine retrograden Eklogiten, aus Ullared in Schweden
Eklogit ist ein Hochdruckgestein bestehend aus grünem Omphazit und rotem Granat, es fehlt Plagioklas. Alkalifeldspäte sind auf Grund der Edukte in der Regel ausgeschlossen. Des weiteren können Quarz, Disthen, Hellglimmer und Rutil enthalten sein, letzterer wegen der geringen Korngröße makroskopisch nicht zu erkennen. Quarz bildet unregelmäßig geformte lokale Anreicherungen. Normalerweise werden Basalte oder Gabbros durch die Metamorphose in Grünschiefer oder Amphibolite umgewandelt - nicht jedoch, wenn bei den chemischen Umwandlungsprozessen kein Wasser vorhanden ist. Dann entstehen Eklogite. Bei Eklogiten mit niedrigen Bildungstemperaturen (NT-Eklogite) kommen auch OH-Gruppen führende Mineralien wie Chlorit oder Talk vor.

Bild 1 aufgenommen mit neuem Setup zeigt die Probe im PPL, Bildbreite etwa 2,4 cm, aufgenommen mit dem "Panoramapolarimat" (benannt in Anlehnung an eine ähnliche Wortschöpfung eines geschätzten Mitglieds dieses Forums)



Bild 2 analog im XPL



Bild 3 mit Erläuterungen



und dann noch einige Details:
symplektitische Verwachsungen von Cordierit mit Sapphirin





und noch zwei Omphazite





Viel Spaß,
ich bin gespannt auf Eure Reaktionen und Anmerkungen

Grüße
Ulrich
« Letzte Änderung: Februar 04, 2013, 18:57:35 Nachmittag von Ulrich S »
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Ronald Schulte

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #1 am: Februar 04, 2013, 19:47:49 Nachmittag »
Ulrich,

Ich weis gar nichts von Stein-Dünnschliffe aber diese scheint mir sehr Interessant. Stellt du die Schliffe selbst her?

Grüße Ronald
Mikroskope:
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Erik W.

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #2 am: Februar 04, 2013, 20:26:22 Nachmittag »
Hallo Ullrich,

ein schöner Beitrag. Ich freue mich immer über Schliffbilder.

Zitat
"... es fehlt Plagioklas. Alkalifeldspäte sind auf Grund der Edukte in der Regel ausgeschlossen ..."

Im dritten Bild von unten habe ich die Vermutung, daß Plagioklas vorhanden ist.

Viele Grüße

Erik

 

Ulrich S

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #3 am: Februar 04, 2013, 21:04:41 Nachmittag »
Moin moin,

nein Roland, ich mache die Schliffe nicht selbst, da fehlt mir die Geduld.

Roland: Was Du meinst Plagioklas zu sein ist Cordierit, der dem Plagiklas sehr ähnlich erscheinen kann.
Grüße
Ulrich
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moräne

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #4 am: Februar 04, 2013, 21:46:27 Nachmittag »
Hallo Ullrich
Es ist ja ein retrograder Eklogit,
wo Druck abnahm, Temperatur wohl auch, und damit kam der Eklogit wieder in den Bereich, wo sich Plagioklas bilden kann
Ich sehe bei  mir jede Menge Zwillingsstreifen , hier oben denke ich, auch ein Paar.
Grüße
Gerd

Ulrich S

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #5 am: Februar 05, 2013, 22:06:00 Nachmittag »
nun Gerd, was soll ich sagen,
und was lese ich zum Cordierit:
The birefringence of the cordierits is seen to be very similar to that of alkali feldspar but many of the cordierit crystals show lamellar twinning and this causes it to be confused with plagioclase
(Atlas of rock-forming minerals in thin section)
paßt für mich
Ulrich
« Letzte Änderung: Februar 06, 2013, 08:37:54 Vormittag von Ulrich S »
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moräne

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #6 am: Februar 06, 2013, 08:05:08 Vormittag »
Hallo Ullrich

Ich seh´s, im gleichen Atlas.
Ich selber habe nicht viel Vergleichsmöglichkeiten im Fall von Cordierit, ein einziger Dünnschliff ( hatte ich mal Mylonit genannt), wo dann aber auch diese gelben Adern zu sehen waren ( Pinit?)



Im Atlas von Mac Kenzie....... befindet sich mein einziges richtiges Vergleichsfoto zu verzwillingten Cordieriten, wobei die meisten
Zwillingsstreifen eine spitz zulaufende Zackenform haben, wie ein runder Kristall rechts unterhalb der Mitte  in diesem Bild.
( richtig Ullrich? )
Es gibt schon einzelne Kristalle in Mac Kenzie`s Bild von Cordierit, welche mehr parallele Streifen besitzen, sind die aber Cordierit, oder Feldspat?

 Etwas mit Verzwilligungen von Cordierit habe ich nicht.
Ich halte mich daran, daß in der nordischen Natursteinseite, die ich unten bei den Zeichnungen angegeben hatte, beschrieben wird, daß Plagioklas im Ullared Retroeklogit vorkommt.
Den Cordierit, den Rob Fizz angibt ( mein Dünnschliff stammt halt von ihm), finde ich bis jetzt nur in einem einzigen größeren dunkelgrauen Kristall.
Aber ich finde interressant, daß Du da Rutil hast, werde ich in der nächsten Zeichenpause mal danach suchen (d. H. wenn ich den Obiektschieber wieder bewegen kann.
Kann ja mal versuchen die Gestreiften als Cordierit anzusehen, vielleicht gibt`s bei denen ja doch Unterschiede
Grüße
Gerd
« Letzte Änderung: Februar 06, 2013, 17:12:41 Nachmittag von moräne »

olaf.med

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #7 am: Februar 06, 2013, 11:34:59 Vormittag »
Hallo Gerd,

man könnta ja auch einfach einmal dort nachsehen, wo verbriefte Cordierite mit Zwillingsbildung zu sehen sind, nämlich hier:

ftp://ftp.min.rub.de/pub/Medenbach/Mineraloptik/

unter Teil II.

Gruß, Olaf

olaf.med

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #8 am: Februar 06, 2013, 11:52:21 Vormittag »
Lieber Ulrich,

da Du ja ausdrücklich um Bemerkungen gebeten hast traue ich mich einfach einmal. Ich bin sicher, dass der Farbabgleich in Deinem ersten Bild nicht befriedigend ist. Ich habe mich einmal daran versucht und das war mein Ergebnis nach wenigen Sekunden. Die hellen Minerale sind auch wirklich farblos, Granat und Pyroxene haben ihre typischen Farben. Selbstverständlich möchte ich das Copyright nicht verletzen und lösche das Bild sofort, wenn Du es wünschst.



Weiterhin würde ich sehr gerne wissen, woher Du die Kenntnis beziehst, dass es sich bei den Symplektiten um Verwachsungen von Cordierit und Saphirin handelt.

Herzliche Grüße,

Olaf

moräne

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #9 am: Februar 06, 2013, 12:07:07 Nachmittag »
Hallo Olaf

na dann frage ich Dich doch nach Deinem Bild Nummer 14
Wenn ich das richtig verstehe und wie ich es auch einschätzen würde ( Höfe, Pinit ), sind also die grün und rot markierten Kristall Cordierit
 Einer davon ist in der Mitte verzwillingt.
Am linken Rand liegen etliche Kristall mit Zwillingsstreifung.
Ich würde das für Plagioklas halten.
Irre ich mich da und auch das wäre Cordierit?

olaf.med

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #10 am: Februar 06, 2013, 15:18:49 Nachmittag »
Hallo Gerd,

nein, nein, Du irrst nicht, die links im Bild sind Plagioklase!

Gruß, Olaf

Ulrich S

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #11 am: Februar 06, 2013, 16:17:56 Nachmittag »


Zitat
nein, nein, Du irrst nicht, die links im Bild sind Plagioklase!
okay, überzeugt. Heißt dann aber das die Schliffstärke etwas zu dick ist, oder?

Zitat
Ich bin sicher, dass der Farbabgleich in Deinem ersten Bild nicht befriedigend ist
ist halt ein leidliches Problem wenn man mit unterschiedlichen Wiedergabegeräten arbeitet die nicht kalibriert sind.

Zitat
Weiterhin würde ich sehr gerne wissen, woher Du die Kenntnis beziehst, dass es sich bei den Symplektiten um Verwachsungen von Cordierit und Saphirin handelt.
aus der Beschreibung zur Probe  ???
Was ist Deine Meinung?

Zitat
Selbstverständlich möchte ich das Copyright nicht verletzen und lösche das Bild sofort, wenn Du es wünschst.
nichts da, bei mir kann jeder schreiben was er für richtig hält. Ich hasse diese Aufteilung auf zig Threads zum selben Thema.
Bei uns in der Firma wird sich für Kritik bedankt! Da es ja der andere ist, der sich mit meinem Thema beschäftigt und seine Zeit investiert.
also:
DANKE
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olaf.med

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #12 am: Februar 06, 2013, 19:05:29 Nachmittag »
Lieber Ulrich,

Danke für Dein Verständnis!

Zitat
Zitat
nein, nein, Du irrst nicht, die links im Bild sind Plagioklase!
okay, überzeugt. Heißt dann aber das die Schliffstärke etwas zu dick ist, oder?

Gerd meint eines meiner Bilder (Schliff Nr. 14 in o.g. Link über Mineraloptik). Dieser Schliff ist in der Dicke eigentlich ganz OK.

Zitat
Zitat
Zitat
Ich bin sicher, dass der Farbabgleich in Deinem ersten Bild nicht befriedigend ist
ist halt ein leidliches Problem wenn man mit unterschiedlichen Wiedergabegeräten arbeitet die nicht kalibriert sind.

Ich habe leider auch keinen kalibrierten Monitor, aber bist Du nicht auch der Meinung, dass Dein Bild zu grünstichig ist?

Zitat
Zitat
Zitat
Weiterhin würde ich sehr gerne wissen, woher Du die Kenntnis beziehst, dass es sich bei den Symplektiten um Verwachsungen von Cordierit und Saphirin handelt.
aus der Beschreibung zur Probe  Huch
Was ist Deine Meinung?

Das war eine ganz ernstgemeinte Frage völlig ohne Hintergedanken. Wann sieht man schon einmal einen Saphirin!

Herzliche Grüße,

Olaf

Ulrich S

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Re: Eklogit im Dünnschliff
« Antwort #13 am: Februar 06, 2013, 22:59:37 Nachmittag »
Zitat
Gerd meint eines meiner Bilder (Schliff Nr. 14 in o.g. Link über Mineraloptik). Dieser Schliff ist in der Dicke eigentlich ganz OK.

oh, hab ich so auf die Schnelle nicht mitbekommen
Ulrich
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