Autor Thema: Schwarzes Salz  (Gelesen 13816 mal)

TPL

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #15 am: Februar 09, 2013, 22:49:37 Nachmittag »
Hallo Ulrich,
das Thema hatten wir weiter oben schon, aber Du hast schon recht: mit den Andeutungen ist die Herkunft nicht geklärt. Im sedimentären Milieu wäre das Vorkommen von (Eisen-) Sulfiden leicht zu erklären und auch empirisch ist das gemeinsame Vorkommen von evaporitischer und anoxisch/euxinischer Milieus gut belegt, in denen insbesondere Eisensulfide angereichert sind: im zentraleuropäischen Zechstein (jüngeres Perm, um 255 Ma (Millionen Jahre)) ist diese Fazies-Vergesellschaftung als 'Stinkkalk' bekannt und die messinischen Salze (oberstes Miozän, um 6 Ma) unter dem Mittelmeer sind ebenfalls gerne mit Schwarzschiefern vergesellschaftet. Das organische Material, das die Reduktion der Metallionen bewirkt, stammt überwiegend von Algen und anderen Einzellern.

Das Salz des Salzgebirges (Salt Range) ist viel, viel älter (spätes Präkambrium bis frühes Kambrium, die Grenze liegt bei etwa 540 Ma). Aber aus Algen gebildete Schwarzschiefer gab es noch viel früher.

All das sind aber Erklärungen fernab des postulierten vulkanischen Ursprunges (an den ich nicht glaube). Mal sehen, was sich darüber 'rausfinden lässt...

Gruß, Thomas

JB

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #16 am: Februar 09, 2013, 23:26:53 Nachmittag »
Hallo,

Die engl. Wikipedia erklaert das mit der Herstellung (einiger Varianten?) der Schwarzsalzes. Das Rohsalz enthaelt Natrumsulfat und Eisenoxide. Durch Erhitzen des Salzes mit Holzkohle wird Sulfat zu Sulfid reduziert; entprechend entstehen Natrium- und Eisensulfid.

Allerdings habe ich diese Erklaerung noch in keiner anderen Quelle gefunden. Die meisten Quellen meinen mit Kala Namak das rot-braune Rohsalz, das aber ebenfalls Schwefelverbindungen enthalten soll.

Beste Gruesse,

Jon

TPL

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #17 am: Februar 09, 2013, 23:52:26 Nachmittag »
Hallo Jon,
soweit mir bekannt, machen so etwas die Hüttenleute beim sogenannten "Rösten" (Erhitzen zunächst unter Sauerstoffzufuhr, später unter Sauerstoffabschluss). Wenn das so wäre, würde mit diesem Salz ein (Energie-) Aufwand betrieben, wie sonst nur mit Erzen. Das soll nicht heißen, dass ich daran nicht glaube - schließlich war auch in Europa das Salz zeitweise sehr wertvoll und sogar Zahlungsmittel (Salär). Nur kann ich mir das heute kaum noch vorstellen.

Umso interessanter wird es, einmal zu sehen, was in dem Salz alles enthalten ist. Die Frage bleibt natürlich, ob Martins Brocken wirklich eine Rohprobe ist, oder ob sie schon eine Röstung hinter sich hat. Es hilft nichts: einer von uns muss ins pakistanische Salzgebirge und im Aufschluss schürfen... Ok, wenn Ihr zusammen legt, mache ich das ;).

Gruß, Thomas

moräne

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #18 am: Februar 10, 2013, 09:24:17 Vormittag »
Hallo Thomas

Wirklich eine lustige Idee in Pakistan zu schürfen.
Aber, da ihr ja nur die wertvollen Inhaltsstoffe von Himalayasalz ausfindig machen wollt, ist das doch einfacher zu machen.
Ich weiß nicht ob das jetzt OT ist wenn ich vorschlage mit den euch zugänglichen Analysemethoden Salz aus diesem Geschäft zu untersuchen.
wenn ihr dann ein Ergebniss kriegt, was euch recht gibt, glaube ich auch dran. Aber nicht schummeln!

Hallo Martin
Wenn Dich das persische Salz anspricht, ( gibt ja irre Salzwüsten im Iran)
gefällt Dir vielleicht auch das :
You tube  -  Satar - Binazir
Oder wenn Du Salz der Wüste rieseln sehen willst : Shani - Gole Sangam  ( die S groß schreiben sonst kommt das nicht )
ein altes Volkslied, aber heuzutage singt man dort anders

Grüße
Gerd
« Letzte Änderung: Februar 10, 2013, 10:00:37 Vormittag von moräne »

Ernst Hippe

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #19 am: Februar 14, 2013, 18:17:16 Nachmittag »
Hallo Martin,
danke für die Probe! Gleich zerdrückt, in Wasser gelöst soweit möglich (Schwefelgeruch!), durch ein Papier-Kaffeefilter gegeben, getrocknet und im Pollicht betrachtet, Obj. 10x, Hilfsobjekt 1230nm:



Es ging also noch der feine Grus durch das Filter, aber man sieht außer den NaCl-Kristallen noch andere Kristallisationen. Deren Formen sind recht beliebig, eine chemisch Bestimmung wohl nicht möglich. Jedenfalls: Chemikalien zusätzlich zum Kochsalz sind vorhanden.

Gruß Ernst Hippe
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Ernst Hippe

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #20 am: Februar 14, 2013, 18:36:51 Nachmittag »
Noch ein Foto mit erkennbaren Kristallnadeln:

Gruß Ernst Hippe
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beamish

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #21 am: Februar 14, 2013, 18:59:14 Nachmittag »
Hallo Ernst Hippe!

Super, das sieht ja schick aus! Gehe ich recht in der Annahme, daß die gelben und violetten Anteile mit dem NaCl nix zu tun haben?

Grüße

Martin

Edit: sorry für den falschen Vornamen, den ich jetzt korrigiert habe!!!!
« Letzte Änderung: Februar 14, 2013, 19:22:14 Nachmittag von beamish »
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Ernst Hippe

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #22 am: Februar 14, 2013, 20:24:49 Nachmittag »
Die farbigen Teile sind jedenfalls kein Kochsalz, da dieses  nicht doppelbrechend ist.
Gruß Ernst Hippe
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Ernst Hippe

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #23 am: Februar 16, 2013, 16:05:39 Nachmittag »
Ich habe noch mit stärkerer Konzentration kristallisiert, bei Obj. 6,3x und 10x. Nach dem Wiki-Artikel sollten die Farbigen aus Natriumsulfat = Glaubersalz bestehen.





Auffällig ist, daß oft die Kochsalzkristalle von den anderen durchwachsen werden.
Gruß Ernst Hippe
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Ulrich S

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #24 am: Februar 17, 2013, 17:38:34 Nachmittag »
Moin moin,
ich habe mich wie versprochen heute etwas dem Schwarzsalz gewidmet.
Dazu wurde eine Probe grob gemörsert, wobei wieder der obligatorische Geruch nach H2S entstand. Wasser zugegeben und unter rühren teilweise gelöst. Es entsteht eine graue Suspension und ein un- oder schwerlöslicher Bodensatz, dekantiert und wieder mit Wasser behandelt.
Dekantierte Flüssigkeit 3 Stunden absetzen lassen, dann klare Lösung über grauen Bodensatz, zeigt sich im Mikroskop ziemlich amorph. Keine weitere Bearbeitung
Unlösliche Bestandteile mehrmals mit reichlich Wasser gewaschen zeigen unter dem Bino folgendes Bild:





Erkennbar sind weiße, opake Körner, manche auch mit einem leicht bläulichen Schimmer, dazu glasklare farblose Kristalle (sicherlich Quarz), grüne, klare Körner die in der Farbe an Olivin erinnern und letztendlich dunkle, fast schwarze, poröse Bestandteile, die wie Schlacke oder Vulkanasche ausschauen - womit ich nicht sagen will, dass es letztere ist.
Grüße
Ulrich
P.S. Bilder unbearbeitet, nicht gestackt, darauf kam es mir nicht an, Bildbreite 5 mm
« Letzte Änderung: Februar 17, 2013, 20:52:23 Nachmittag von Ulrich S »
Es kommt immer anders wenn man denkt

Klaus Herrmann

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #25 am: Februar 18, 2013, 00:36:32 Vormittag »
Hallo Ulrich,

überall, wo man bescheißen kann wird das auch gemacht wie man sieht beim "Rindfleisch", beim Fisch lässt der Fischhändler ordentlich Eis dran, wenn er das Gewicht bestimmt - reine Vorsicht natürlich, er soll ja frisch bleiben. Die Kartoffeln meines Biobauern sind mit 10% Dreck beschwert - "Bio halt"
Und Salz kann man auch strecken, wie du schön bewiesen hast! ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Ulrich S

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #26 am: Februar 18, 2013, 13:44:03 Nachmittag »
Hier habe ich noch was gefunden
http://www.salz-kontor.de/kala-namak.php
Zitat
Bei der Herstellung des Salzes werden Harad Same, die Früchte des Terminalia chebula (ein Baum), mit einer Salzlösung verkocht. Bei der Herstellung des Salzes werden Harad Same, die Früchte des Terminalia chebula (ein Baum), mit einer Salzlösung verkocht
Also nix da mit Lava

Terminalia chebula
http://en.wikipedia.org/wiki/Terminalia_chebula

Ulrich
« Letzte Änderung: Februar 18, 2013, 13:53:37 Nachmittag von Ulrich S »
Es kommt immer anders wenn man denkt

beamish

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #27 am: Februar 18, 2013, 23:13:15 Nachmittag »
Hallo,

endlich komme ich wieder länger als ein paar Sekunden ins Forum. Ich wollte schon viel länger antworten... :-(
@ Ulrich und Klaus: ich glaube nicht, daß mein Handstück verarbeitetes und mit irgendwelchen Zutaten vermengtes "schwarzes Salz" ist. Mein Brocken wurde von einem noch viel größeren mit dem Hammer abgeschlagen. Dagegen spricht schon die inhomogene Struktur.  Ich denke, das ist schwarzes Salz, so wie es vom Abbau kommt. Die Mühe, die sich das Salz-Kontor mit einer Beschreibung gemacht hat ist zwar sehr löblich, vermischt aber geologisches mit kulinarischem. Im Lebensmittelhandel wird manches als XY bezeichnet, das aber gar nicht XY ist. Das reicht vom See
lachs, der gar kein Salmo ist sondern ein Pollachius, bis zum rosa Pfeffer, der auch kein Piper sondern Schinus terebinthifolius ist.
Deine Bilder, Ulrich, zeigen aber sehr hübsch, die kunterbunte Zusammensetzung der Substanz.


Herzliche Grüße

Martin
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Klaus Herrmann

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #28 am: Februar 19, 2013, 11:22:13 Vormittag »
Hallo Martin,

gratuliere:
 ;D ;D ;D
Zitat
endlich komme ich wieder länger als ein paar Sekunden ins Forum. Ich wollte schon viel länger antworten... :-(

Ich mach das so. nächsten Beitrag, den ich lesen will anklicken, bis der geladen ist beantworte ich 2 Mails, nächsten anklicken... wieder 2 Mails schreiben und kurz ins französische Forum schauen... Jetzt kommt gerade die Nachricht, dass es hier gleich wieder abstürzt also kopiere ich das eben geschriebene und speicher es zwischen bis zu nächsten Lücke! :D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Ernst Hippe

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Re: Schwarzes Salz
« Antwort #29 am: Februar 19, 2013, 21:54:41 Nachmittag »
Hallo,
um die Kristalle besser zu sehen, habe ich nochmal versucht, das Präparat vom Grus zu reinigen. Ganz ging das nicht, aber man erkennt nun doch eine recht typische Struktur mit gezackten Rändern:



Und noch einmal größer:



Wenn jemand reines Glaubersalz hat, könnte man ja einen Vergleich machen.

Gruß Ernst Hippe
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