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Calcit

Begonnen von Heiko, März 09, 2013, 22:39:59 NACHMITTAGS

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Heiko

Hallo,

mit einigem Glück ist es hier wohl gelungen, Calciumcarbonat in hinreichend großen Kristallen zu fällen:







40er Objektiv, pol. Licht, gestapelt


Der geringen Löslichkeit dieses Carbonats geschuldet, waren Kristalle aus der Lösung auf dem Objektträger nicht zu erhalten.
Gibt man einige Tropfen einer Natriumcarbonat-Lösung zu einem Calciumnitrat-Kristall, trübt sich die Lösung mit dem Lösen  :D des Kristalls schnell ein. Die so ausgefällten Calcit-Kristalle sind leider sehr klein.
Nach dem vollständigen Eintrocken fanden sich dann im Randbereich die abgebildeten Rhomboeder und gelegentlich – wie im ersten Bild oben – oktaedrische (?) Formen.

Viele Grüße,
Heiko

Klaus Herrmann

Hallo Heiko,

schöne Kristalle! Aber Vorschlag: lass mal eine reine Ca(NO3)2 - Lösung eintrocknen, sehen die Kristalle dann nicht auch so aus? Sollten monoklin sein.
Auf den Bildern ist schlecht zu entscheiden, ob das reine Calcit-Rhomboeder sind.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Heiko

Hallo Klaus,

genau da liegt natürlich der Hase im Pfeffer, aber:

Das Nitrat ist so hygroskopisch, dass unter ,,Spielzimmerbedingung" keine Kristallisation eintrat.
Nach ,,Zwangstrocknung" auf der Ofenbank erhaltene dendritische Strukturen schienen isotrop zu sein und zerflossen unter'm Mikro zusehens.
Reines Natriumcarbonat hingegen klumpt so vor sich hin ...

Bleibt noch die Frage der wechselseitigen Beeinflussung (Stichwort Tracht), die ich nicht beantworten kann.

Viele Grüße,
Heiko

olaf.med

Lieber Heiko,

Zitatoktaedrische (?) Formen.

oktaedrische Formen sind beim trigonalen Calcit nicht möglich. Ich denke es handelt sich bei diesem Kristall einfach um ein Rhomboeder das - aus welchem Grund auch immer - auf einer Spitze steht. Dann schaut man genau auf eine dreizählige Achse und der Kristall sieht so aus wie in Deinem Bild.

Ist noch immer Wasser unter Deinem Objektträger? Wenn ja kannst Du durch seitlichen Druck mit einer Präpariernadel gegen den Rand des Deckglases dieses zum Gleiten bringen und der Kristall müßte rotieren. Dann kann man sich einen sehr guten Eindruck von der Morphoologie verschaffen.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Miner

Hallo Heiko,
ein Spindeltisch wäre hier sehr nützlich. Und natürlich wiederum ein Poltisch, dann könntest du ohne großen Aufwand rausfinden, was die Auslöschungsstellungen der Kristalle sind. Wenn es Rhomboeder sein sollten, so sollten sie auslöschen wenn die Winkelhalbierenden der Ecken zusammenfallen mit den Schwingungsrichtungen von Polarisator und Analysator.
Ole

Heiko

Lieber Olaf, lieber Ole,

habt Dank für Euere Erläuterungen.

Als ich heute noch einmal ,,an allen Knöpfen" gedreht hatte (weit jenseits von Pol- und Spindeltisch), fiel meinem Hirn auf, wie sehr die Lage ein und desselben Kristalls Rhombus bzw. Quader suggeriert:





Ein Geo-Dreieck auf dem Monitor – verblüffend:



Kann das als Indiz gelten bzw. ist Calcit genehmigt?

Viele Grüße,
Heiko

Miner

Hallo Heiko,
ich habe keinen so großen Kalkspatkristall, und kein so kleines Geodreieck, aber eine grobe Abschätzung sagt: kommt hin, mit 102°. Olaf hat sicher einen größeren Kalkspat, und auch den passenden Theodolithen, um den Kantenwinkel genau nachzumessen. Wie groß sind deine Kristalle nochmal?
Ole

olaf.med

Lieber Heiko,

die hohe Doppelbrechung und der Winkel der Rhomboeder spricht schon für Calcit. Du könntest aber auch einfach einmal eine Mikroreaktion machen. In verdünnter Salzsäure löst sich Calcit sofort und unter Aufbrausen (Entwicklung von CO2) auf. Das kann man im Mikroskop wunderbar beobachten.

Lieber Ole,

ZitatOlaf hat sicher einen größeren Kalkspat, und auch den passenden Theodolithen, um den Kantenwinkel genau nachzumessen.

...morgen, heute bin ich zu müde... Ich nehme dann aber ein Anlegegoniometer, das sollte für den Zweck ausreichen, und so groß sind meine Kristalle auch nicht, daß ich ein geodätisches Gerät benutzen müßte  ;D

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

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Heiko

Lieber Ole, lieber Olaf,

die Winzlinge nehmen nun schon seit geraumer Zeit ein Pflegebad in Silicon-Öl – die werden freiwillig nicht in die Salzsäure umsteigen wollen.
Und ob nicht auch noch ,,Brausepulver" von der Fällung übrig ist? Der Ansatz war ja nicht stöchiometrisch ...

Viele Grüße,
Heiko

Miner

Lieber Heiko,
verstehe ich das richtig: du hast einen Calciumnitrat-Kristall in einer Natriumcabonat-Lösung aufgelöst, die sich darauf hin eintrübte, und zwar mir kleinsten Kalzit-Kristallen? Und nach Eindicken der trüben Lösung hast du dann diese größeren Kristalle gefunden, die vermutlich auch Kalzit sind? Wie groß sind die denn nun?
Schönen Abend
Ole

Heiko

Lieber Ole,

ja, Deine Rekonstruktion des Tathergangs ist korrekt.

Und die Größe: der längere von den beiden letztgezeigten Kristallen hat etwa 60 µm.

Gruß, Heiko

olaf.med

Hallo Heiko,

bei 60 µm könnte man schon einen einzelnen Kristall mit einer Präpariernadel entnehmen, in Aceton o.Ä. reinigen und dann gezielt mit Salzsäure reagieren lassen - wenn man Zweifel an der Diagnose hegt. Allerdings paßt die Chemie aus der Reaktion, die Doppelbrechung und der Rhombenwinkel von 102° so perfekt auf Calcit, dass man sich dies auch ersparen kann.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

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Heiko

Hallo Olaf,

ich bedanke mich herzlich für die lehrreiche Diskussion.

Grüße, Heiko

Johannes Kropiunig

Biologische Mikroskop: Zeiss Standard 16
Stereomikroskop: Lomo MBS 10
Kameras:  EOS 1100D, EOS 1000D, EOS 1000Da, und EOS 350Da Peltier gekühlt

Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen.
Laotse