Krumme Sache? (Zeiss Ib)

Begonnen von Dypsis, März 21, 2013, 14:38:45 NACHMITTAGS

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Eckhard F. H.

@ Olaf:
Hmm, hmm,
höchst merkwürdig, lieber Olaf und wert, sich darüber Gedanken zu machen. Der´längere Gebrauch´ dünkt mir ein guter Anhaltspunkt. Sollte tatsächlich über deren Vertikaltrieb soviel Kraft ausgeübt werden können, daß sich Messing verbiegt bevor das Trägerglas platzt? Kaum glaubhaft.  :-\ Falls nicht, wäre als nächstes der Verdacht auszuräumen, daß nicht schon früher die Hebelwirkung von Mikroskoptrieben frevlerisch mißbraucht wurde.

@Florian:
ZitatDa biegt sich eher das Stativ, als dass die Schrauben verbiegen!
Lieber Florian, im vorliegenden Fall(Normfall) werden die Schrauben nur auf Zug beansprucht, erst bei fortgeschrittener Deformation des Systems zusätzlich auf Biegung. Das Messing hingegen wird von Anfang an auf Biegung beansprucht. Um Verformungen im Überlastfall vorauszusagen, sind Statikrechnungen unerläßlich.

Gruß - EFH

Dypsis

Hallo.

also bei meinem sind es ablsout sicher beide Holme, die verbogen sind. Allerdings beide sehr gleichmäßig.
Das Mikroskop war eigentlich recht gut verpackt. Die Kiste war gut ausgestopft und mit reichlich weichem Polstermaterial umgeben. Der Schaden muss älter sein.
Ob es wohl auch sein könnte dass es die unzähligen kleine Schläge sind (wenn man das Stativ nach vorne schnappen lässt) die diese Verformung bewirken? Von den äußerem Spuren her sieht es für mich so aus.
Noch bin ich im Zweifel ob ich ans Biegen gehen soll oder nicht. Ich fürchte, dass sich nicht die gestauchten Bereiche verformen sonder eher die jetzt noch geraden. Es wäre auf jeden Fall eine ziemliche "einspanntechnische Herausforderung".

Herzliche Grüße
Thomas
Ich bevorzuge das forumsübliche Du!

Eckhard F. H.

Hallo Thomas!
ZitatNoch bin ich im Zweifel, ob ich ans Biegen gehen soll oder nicht.
Tu es! Die Genugtuung über den Erfolg überwiegt den eventuellen Mißerfolg.
ZitatIch fürchte, dass sich nicht die gestauchten Bereiche verformen sondern eher die jetzt noch geraden.
Kaum! Dazu müßte der Biegevorgang falsch kalkuliert, d.h. Kraftangriff/Fixierung falsch oder instabil sein. Gedankliche Schwangerschaft angebracht.
ZitatEs wäre auf jeden Fall eine ziemliche "einspanntechnische Herausforderung".
...und einer Erfahrung mit völliger Gewißheit der Erkenntnis (nach Schopenhauer).  ;D
Gruß - EFH
P.S. Bedenke aber, daß Metall zurückfedert. Federstahl z.B. nach Verformung > E-Modul um ca. 1/8.

Peter V.

Hallo Thomas,

Der Einstein sprach: Ob grad, ob schief,
das ist doch alles relativ!


Ja, ich weiß: Der Spruch hat sooooooooooo'n Bart!

Ich würde daran nicht herumbiegen ( zumal bei mir so etwas vermutlich im wahrsten Wortsinne "schief ging" ). Wenn es nach hinten geneigt ist, sieht man es doch nicht.
Aber ich ahne schon: Meine Mahnung wird nichts bringen, es wird an Dir nagen und eines Tages wirst Du nicht an Dich halten können... ;)

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Tilman

Hallo Dypsis,
jetzt mische ich mich nochmals ein. Man sollte vielleicht feststellen was genau verbogen ist. Dazu wäre es auch sinnvoll den Teil unterhalb des Tisches zu zerlegen. Z.B. Hufeisen abschrauben und auf Deformationen untersuchen. Dann das Säulenteil zwischen Hufeisen und Tisch abschrauben und untersuchen. Vielleicht sieht man die Stauchungen oder die Unebenheiten (auf ebene Fläche legen). Eine Korrektur wäre auch durch geeignetes Anpassen der Auflagefläche der Säule auf das Hufeisen durch Unterlegen (reversibel) oder durch Abschleifen (irreversibel!!) möglich. Zumindest sollte man eindeutig wissen(!!), wo der Hund begraben liegt. Sollte der Winkelfehler im Tischbereich liegen, sollten auch da Deformationen erkennbar sein, denen man nach sinnvoller Überlegung entgegenwirken könnte. Dass Zeiss diese Teil so krumm ausgeliefert hat, bezweifle ich sehr. Zuletzt muss man auch an die etwas unwahrscheinliche Möglichkeit einer "Marriage" (Ersatzteile eingebaut) denken.
Liebe Grüße an alle Mitdenker
Tilman

olaf.med

#20
Lieber Eckhard,

ZitatHmm, hmm,
höchst merkwürdig, lieber Olaf und wert, sich darüber Gedanken zu machen. Der´längere Gebrauch´ dünkt mir ein guter Anhaltspunkt. Sollte tatsächlich über deren Vertikaltrieb soviel Kraft ausgeübt werden können, daß sich Messing verbiegt bevor das Trägerglas platzt? Kaum glaubhaft.

Da ein Bild mehr als tausend Worte sagt hier gleich zwei davon. Die Wurzel des Übels liegt da wo der rote Pfeil hindeutet. Der Hebel ist lang und der Auflagepunkt in "Ruhestellung" sehr nah am Drehpunkt. Hier wird das Material bei nicht extrem vorsichtigem Umgang leicht gestaucht. 1/10 mm Deformation an dieser Stelle bedingt eine Schräglage nach vorne, die ganz deutlich zu sehen ist. Man erkennt die Deformation bei geplagten Stativen an einer runzelig-welligen Oberfläche an dieser Stelle.






Zur Biegerei:

Tilman hat natürlich völlig recht:

ZitatDazu wäre es auch sinnvoll den Teil unterhalb des Tisches zu zerlegen. Z.B. Hufeisen abschrauben und auf Deformationen untersuchen.

vor jeglicher Biegerei muß das Teil natürlich zerlegt werden, sonst passieren völlig unkontrollierbare Dinge. Dann braucht man einen sehr guten Schraubstock zum Fixieren, Zulagen um das eingespannte Stück zu schonen, einen langen Hebel und sehr viel Gefühl und Erfahrung. Grundsätzlich gilt: lieber 20 mal einen winzigen Betrag in die richtige Richtung biegen und jeweils kontrollieren als einmal zu viel.

Viel Glück,

Olaf

Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Eckhard F. H.

Lieber Olaf,
Deine von Bildern gestützte Dokumentation der Kraft/Hebelsituation ist eindeutig. Mithin dünkt mir dieser Fall gelöst: Die Ursache der (vermeintlich) üblichen Verbiegung beruht auf einem Statik-Rechnungsfehler. ;D
Gruß - EFH

Heino Lauer

Lieber Olaf,

diese Detailaufnahmen sind faszinierend. Könntest Du auch das ganze Stativ zeigen und sagen, um welches Instrument es sich handelt?

Herzlicher Gruß

Heino

olaf.med

Lieber Heino,

es handelt sich um ein Fuess No. II Polarisationsmikroskop aus der Zeit um 1895 in phantastischer Erhaltung. Besonders aufwändig ist der schöne mechanische Kreuztisch. Ein nahezu baugleiches aber etwas älteres Instrument ist in allen Detail in Timo Mappes einmaliger Fundgrube beschrieben:

http://www.musoptin.com/fuess_545.html

Herzliche Grüße,

Olaf

Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
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Dypsis

Hallo,

also bei meinem sind eindeutig die Füße verbogen. Das ist so klar wie Klosbrühe. Selbst ohne Auseinanderbauen.
Dass es einspanntechnisch eine Herausforderung wird hatte ich ja schon festgestellt. Am Schraubstock wird´s jedenfalls nicht scheitern. Ich habe einen der wiegt um die 60 kg. Da dran könnte man 10 solcher Messingfüßchen auf einen Schlag abreißen.
Ich glaube meine Chancen sind ganz gut, die Füße wieder gerade zu bekommen. Die Füße sind in einem sanften Radius über ihre ganze Länge gebogen. Da ich schon sehr viele Metalle (auch in anderen Dimensionen) gebogen habe, traue ich mir das nötige Fingerspitzengefühl zu. Respekt habe ich noch vor der Art wie ich die Geschichte lackschonend einspanne. Wo sich die Füße biegen, wird gar nicht so schwer unter Kontrolle zu bekommen sein.
Da jetzt doch recht viel geschrieben wurde, ;D kann ich ja schon nicht mehr anders als zu biegen.

Ich werde berichten.

Ich bevorzuge das forumsübliche Du!

Dypsis

Hallo,

hier also mal der Fuß. Selbst ohne angelegten Winkle kann man sehen wie geneigt sie sind. Es sind gut 5 mm, die sie sich aus der Senkrechten neigen. Ich werde wohl das Hufeisen angschraubt lassen. Mit hätte ich schon einen Angriffspunkt (mit den Händen, das dürfte am lackschonendsten sein). Mit muss nur noch eine Vorreichtung einfallen, das obere Ende zu fixieren. Es wird wohl nur gehen, wenn ich irgendwie die Ösen für die Schraube mit dafür verwende. Wenn der Lack nicht wäre, dann wäre die Geschichte in 2 Minuten erledigt (er ist viel besser erhalten als es auf dem Bild scheint!1).

Der Schraubstock ist an meine Freiluftwerkbank montiert. Im Moment ist es draußen nicht gerade einladend (leichter Schneefall bei -3 Grad)
Da wird das Abenteuer noch etwas warten müssen.

Grüße
Thomas

Ich bevorzuge das forumsübliche Du!

Hugo Halfmann

Hallo Thomas,

schraube doch das Hufeisen ab, lege die krumme Säule auf 2 gleichstarke Holzklötzchen und bearbeite die Biegung vorsichtig mit einem Gummihammer von oben. Ein Stück Teppichfilz zwischen Hammer und Material sowie dicker Stoff (Jeansreste) auf den Klötzen schonen den Lack. Als Unterlage dient ein Amboss.
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

Dypsis

Hallo Hugo,

puh, Dein Vorschlag hört sich wüst an  :D

Aber Du bringst mich auf eine Idee. Mein Schraubstock ist so groß, dass ich mit ihm den von Dir vorgeschlagenen Gummihammer ersetzen könnte. Die Methode bliebe die gleiche.
Statt Jeans würde ich Leder nehmen, damit habe ich schon gute Erfahrungen gemacht (auch z.B. um Rändelungen an festsitzenden Schrauben, bei Zangeneinsatz, zu schonen).

...

Je länger ich über Deinen Vorschlag nachdenke, desto vielsprechender scheint er mir! Danke!!!

Herzliche Grüße
Thomas
Ich bevorzuge das forumsübliche Du!

olaf.med

Hallo Thomas und Hugo,

hämmern würde ich hier keinesfalls und auch nicht mit den Händen biegen! Da hat man viel zu wenig Gefühl.

In diesem Fall würde ich den Fuß abschrauben, die Planfläche des senkrechten Teils auf eine massive Stahlplatte legen mit je einer dünnen Hartholzleiste an beiden Enden (wegen des Rückfederns) und mit der Pinole einer großen Ständerbohrmaschine von oben dosiert Druck ausüben. Zwischen Pinole und Messing kommt natürlich eine Hartholzzulage.

Zeitbedarf 3 Minuten, gutes Ergebnis garantiert!

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

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Dypsis

Hallo Olaf,

nun, wie es scheint bahnt sich ja eine gute Lösung an. Ich würde bei meinem Schraubstock bleiben. Wird egal sein ob Ständerbohrmaschine oder Schraubstock. Hartholz als alleinige Auflage wird nicht reichen, der Lack würde das wohl nicht mögen. Meinst Du nicht?
Vielleicht mache ich es doch trotz Kälte. Bin schon so gespannt.

Bericht folgt
Thomas
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