Autor Thema: Schwarzer Sand von Amrum,  (Gelesen 8777 mal)

rekuwi

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Schwarzer Sand von Amrum,
« am: Mai 14, 2013, 20:51:31 Nachmittag »
Liebe MikroskopikerInnen,

durch einen glücklichen Zufall bin ich an "schwarzen Sand" von Amrum gekommen. Mit einem 4x Objektiv das einen recht großen Arbeitsabstand hat konnte ich eine improvisierte Auflichtaufnahme davon machen. Die einzelnen Körnchen sind recht klein, zwischen 280 - 560 µm. Für das Bild habe ich 42 Aufnahmen mit Picolay gestapelt:



Eine Liste der darin enthaltenen Mineralien inklusive einiger Erläuterungen füge ich hier noch an:

Schwarzer Sand (Natürliche Konzentration)
Nordspitze Amrum
N 54,71027°
E 008,35980°     (WGS 84)

vielen Dank für die Amrum-Probe. Ich habe sie nochmals auf ca. ein Drittel aufkonzentriert, um den restlichen Quarz und andere leichte Mineralien zu entfernen. Die Mineral-Zusammensetzung ist weitgehend mit Strandseifen anderer Nordseeinseln identisch. Wenn einzelne Schwerminerale nur in wenigen Exemplaren oder auch nur einmal gefunden wurden, dann liegt das an der geringen Probenmenge. Normalerweise bereite ich (wenn möglich) einen Eimer voll Material auf, aus Bachablagerungen oft bis zu 150 Litern Sediment. Aber für eine erste Übersicht reichen eben auch 2 - 3 Kubikzentimeter Konzentrat; die häufigeren Mineralartensind da immer drin.
Nun zu der Probe: es bedeuten
+++ sehr viel, ++ viel,+ häufig, (+) etwas, - wenig, (-) selten, (=) sehr selten

++   Magnetit           )
+++ Ilmenit             ) Mit Magneten bzw. Neodym-Magneten isolierbar
++   Granat (Almadin)
+      Epidot              )
+++ Zirkon, Farblos, beidseitig spitzpyramidal, fluoresziert meistens gelblich
++   Hyazinth, gelbbraun, z. T. möglicherweise Monazit, da abgerollt sehr ählich
(+)   Zinkspinell (Gahnit), blaugrün, durchscheinend
+     Leukoxen, weißgelb, bränlich, bildet Krusten im Ilmenit
++   Rutil, intensiv rot
(=)  Disthen (?), nur 1 fraglicher Kristall
(+)  Zinnstein (Cassiterit), braunschwarz
(=)  Anatas (?), nur 1 unsicherer Kristall
(-)   Apatit, nur sehr schwer von abgerollten Zirkonen zu unterscheiden
(=)  Turmalin, nur 2 abgerollte Kristalle gefunden, aber sicher
(=)   Brookit, nur 2 abgerollte Kristalle gefunden, aber sicher
-      Glaukonit, grün bis dunkelgrün, nicht durchscheinend

In anderen Inselproben ist oft mehr Turmalin enthalten. Auch Gold ist nicht selten, konnte ich in dieser Probe aber nicht finden.

(ich hoffe ich habe alles richtig abgetippt! Bei der Fundortangabe in Graden bin ich unsicher, diese war handschriftlich und sehr schlecht entzifferbar. Kann das sein: E 008,...?)

Autor dieser Liste ist mir derzeit unbekannt.
Der Spender des schwarzen Sandes, ein bekannter Mineraloge wohnte zufällig im gleichen Urlaubsdomizil auf Amrum.

Herzliche Grüße
Regi






Holger Adelmann

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #1 am: Mai 14, 2013, 21:23:31 Nachmittag »
Sehr ästhetisches und auch inhaltlich interessantes Bild, liebe Regi.
Wenn die Edelsteine doch nur grösser wären ....

Herzliche Grüsse
Holger


rekuwi

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #2 am: Mai 14, 2013, 22:57:58 Nachmittag »
Lieber Holger,

freut mich daß Dir das Bild gefällt.
Und um diese Edelsteinchen zu schleifen bräuchte es entweder eine Welt im Miniformat oder die Möglichkeit, diese Steine so in der Vergrößerung "abzupflücken".
Dann gäbe es sicher was Glitzerndes für die Ohrläppchen oder den Ringfinger ;).

Herzliche Grüße
Regi

Miner

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #3 am: Mai 14, 2013, 23:45:03 Nachmittag »
Hallo Regi,
das ist ja sehr beeindruckend, dass da jemand die Probe nach Mineralen analysiert hat, und dann im Einzelfall auch noch zwei Körner von einem Mineral gefunden hat unter wievielen 100. Warst du das nun oder der unbekannte Spender? In jedem Fall würde mich sehr interessieren, wie diese Analyse gemacht wurde.
Schönen Abend
Ole

TPL

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Re: Schwarzer Sand von Amrum
« Antwort #4 am: Mai 15, 2013, 00:58:55 Vormittag »
Oh, wie schön!

Liebe Regi,
das Bild gefällt mir in vielerlei Hinsicht sehr gut und mit der Analyse wird es ja richtig interessant: wirklich sehr vielseitig, was da in der Nordsee durch die Eiszeit "eingeschleppt" wurde. Da sind doch eine ganze Reihe von teilweise sehr instabilen* Mineralen, z.B. der Almandin (ein Granat) dabei, die man "ohne Eiszeit" nicht von solch einem gebirgsfernen Randmeer wie der Nordsee erwarten würde.
 
Schwerminerale sind ein 'klassisches' Werkzeug der mineralogisch/geologischen Herkunftsbestimmung eines sandigen Sediments oder Sedimentgesteins. Außerdem wurde vor rund 80 Jahren damit begonnen, anhand des Schwermineral-Spektrums verschiedener Gesteinsformationen in Erdöl-Bohrungen, diese miteinander zu korrelieren.  Warum ist das wichtig: die Herkunft von Sandsteinen - den typischen Erdöl- und Erdgas-Speichergesteinen, und deren räumliche Veränderung, kann Hinweise auf die sogenannten "fairways" oder "bonanzas" geben, in denen eine Förderung besonders lohnenswert ist. Zu alldem gibt es eine umfangreiche Literatur (die ich gerade in großen Teilen entsorgt habe :'().

Vom Praktischen Nutzen sind diese Anreicherungen eher seltener Minerale natürlich auch noch schön! Deshalb: Danke für's Zeigen.

Herzlichen Gruß
Thomas

* mit "instabil" ist gemeint, dass viele unter magmatischen oder metamorphen Bedingungen (also unter hoher Temperatur und/oder hohem Druck) gebildete Minerale, unter meteorischen (Erdoberflächen-) Bedingungen teilweise extrem schnell zerfallen, bzw. sich in andere Minerale umwandeln.
« Letzte Änderung: Oktober 16, 2014, 15:59:32 Nachmittag von TPL »

Fahrenheit

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #5 am: Mai 15, 2013, 07:55:27 Vormittag »
Liebe Regi,

ein sehr schönes Bild, das mit der Analyse der Zusammensetzung richtig interessant wird. Für mich als Laie ist es sehr interessant zu sehen, was sich in so etwas "einfachem" wie Sand alles findet. Besonders, wenn die Antworten noch mehr Erklärung bieten.  :D

herzliche Grüße
Jörg
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Bernd Kaufmann

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #6 am: Mai 15, 2013, 09:31:56 Vormittag »
Liebe Regi,

ein wunderschönes, animierendes Bild! Animierend, um sich Sand genauer anzuschauen und auch, um sich doch noch einmal intensiver mit stacken zu beschäftigen. Danke für die schöne Anregung!
Viele Grüße
Bernd ©¿©
www.aquamax.de
Lieber per Du.

rekuwi

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #7 am: Mai 16, 2013, 22:25:07 Nachmittag »
Lieber Ole,

leider kann ich zur Analysemethode noch nicht sagen. Habe mich zwar mit dem Spender des Sandes in Verbindung gesetzt aber noch keine Antwort bekommen.
Von dem Mineralogen erfuhr ich allerdings in einem Gespräch auf Amrum, daß er um bestimmte Mineralien zu finden nachts mit fluoreszierendem Licht über Abraumhalden geht und so noch etliche Stücke findet die man sonst einfach übersieht.
Ich selbst habe von dieser Materie kaum Ahnung, habe früher aber schon mal Mineralien gesammelt weil sie einfach schön sind - und jedes Stück einzigartig.

Lieber Thomas,

Danke für Deine Erklärungen wie solche Funde zum Aufspüren von Lagerstätten genutzt werden. Als Laie weiß man darüber nichts.

Lieber Jörg,

auch für mich ist Sand eine Materie über die ich wenig weiß. Dieser schwarze Sand wurde zum Teil "goldwäschermäßig" aus dem normalen Sand auf Amrum gewonnen. Voriges Jahr hatte sich aber eine ca. 1 cm dicke Schicht, über ca. 1 qm Fläche angespült und wurde vom Finder ein "gefundenes Fressen". Dieses Jahr war aber von dieser Stelle nichts mehr zu holen, alles wieder überspült und total umgelagert. Nur wenige dunkle Streifen deuteten noch darauf hin.

Lieber Bernd,

es lohnt sich beim Sand wirklich mal eine größere Stapelschicht zu fotografieren. Habe ich so auch das erste Mal gemacht und war selbst vom Ergebnis überrascht und auch angetan. ;)

Herzliche Grüße
Regi


rekuwi

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #8 am: Mai 21, 2013, 23:00:06 Nachmittag »
Liebe Sandgucker,

ein Freund hat einen starken Magneten an ein kleines Probengläschen mit diesem Sand gehalten und ein Foto geschossen. Ich zeige es hier mal:



Herzliche Grüße
Regi

Heiko

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #9 am: Mai 22, 2013, 00:13:04 Vormittag »
Hallo Regi,

das ist ein beeindruckender Effekt – geradezu abbauwürdige Mengen an Magnetit.

Gruß, Heiko

Ernst Hippe

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #10 am: Mai 22, 2013, 09:35:52 Vormittag »
Liebe Regi,
unglaublich, hätte ich nie erwartet!
Gruß Ernst Hippe
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Rawfoto

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #11 am: Mai 23, 2013, 13:15:43 Nachmittag »
Hallo Regie

Danke, absolut spannender Beitrag ...

Liebe Gruesse

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

rekuwi

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #12 am: Mai 23, 2013, 20:51:36 Nachmittag »
Lieber Heiko,
tja, wenns dort nur schwarzen Sand gäbe! Aber im normalen Sand sind diese Körnchen nur "Spurenelemente".

Lieber Ernst, lieber Gerhard,
hat mir auch großen Spaß gemacht mich mit dieser Materie zu beschäftigen.

Herzliche Grüße
Regi

Miner

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Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #13 am: Mai 24, 2013, 07:15:38 Vormittag »
Hallo Regi,
darf ich nochmal an meine Frage erinnnern, wie denn nun die Probe analysiert wurde?
Viele Grüße
Ole

plaenerdd

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Re: Schwarzer Sand von Amrum,
« Antwort #14 am: Mai 24, 2013, 10:25:55 Vormittag »
Hallo,
solche Magnetitseifen gibt es auch an der Ostsee an vielen Stellen im Spühlsaum. Einfach auf die dunkle Farbe achten  und eine Probe in einem Gefäß mit Wasser geben und mit Magneten umrühren. Macht sich gut, wenn man den Magneten vorher in einen Plastebeutel eintütet. Dann bekommt man die Magnetitkrümel besser wieder ab. Wenn man das in "normalen" Sand macht, wird man oft  trotzdem überrascht sein, wie viel magnetische Bestandteile da enthalten sind. Ich habe auf diese Weise mal eine 500ml- Flasche mit Magnetit gefüllt, den ich noch heute gerne zum Veranschaulichen von Magnetfeldern benutze.

Liebe Grüße
Gerd
« Letzte Änderung: Mai 24, 2013, 10:27:54 Vormittag von plaenerdd »
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ SMXX;
Inverses: Willovert mit Ph