Autor Thema: Botanik: Weihnachtsstern *  (Gelesen 15044 mal)

Nicola B.

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Botanik: Weihnachtsstern *
« am: November 03, 2013, 03:29:53 Vormittag »
Liebe Freunde der Mikroskopie,

da wir jetzt schon November haben und sich so langsam Weihnachten nähert, dachte ich, ich könnte mal ein Präparat eines Weihnachtssterns anfertigen. Der Weihnachtsstern ist einzuordnen in die Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Die natürliche Art ist ein immergrüner Strauch mit verholztem Stamm und nicht starker Verzweigung. Der natürliche Weihnachtsstern kann eine Wuchshöhe von bis zu 4 Metern erreichen. Gärtnerisch kultivierte Pflanzen sind dagegen deutlich kleiner und viel stärker verzweigt. Bei den folgenden Bildern handelt es sich um einen gärtnerisch kultivierten Weihnachtsstern, so wie ihn viele Menschen als Zimmerpflanze halten.

Die folgenden Bilder zeigen Querschnitte der Sprossachse, die von Hand mit der Rasierklinge angefertigt und mit W3A gefärbt wurden.
Fixiert wurde in AFE und eingedeckt mit Euparal. Die Bilder sind leider nicht beschriftet, da ich leider immer noch Fehler mache bei der Beschriftung.
Die Qualität der Fotos ist leider oftmals nicht ganz so gut, da ich die Fotos immer mit meinem I Phone mache.

Ich hoffe mein Schnitt gefällt euch.
Eure Meinung würde mich sehr interessieren.

Liebe Grüße

Nicola.

 
Querschnitt 1:


Querschnitt2:


Querschnitt 3:


Querschnitt 4:


Querschnitt 5:


Querschnitt 6:


« Letzte Änderung: Oktober 22, 2014, 15:28:49 Nachmittag von Fahrenheit »

Fahrenheit

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #1 am: November 03, 2013, 07:29:46 Vormittag »
Liebe Nicola,

zunächst habe ich mir erlaubt, Image-Tags um Deine Bilder zu setzen, damit sie sofort im Beitrag angezeigt werden. Wenn Du die Funktion "Beitrag ändern" aufrufst, kannst Du sehen, wie das geht.  :)

Für Freihandschnitte, die mit dem Smartphone durchs Okular fotografiert sind, sind die Aufnahmen sehr gut. Trotz der etwas dickeren Schnitte fällt mir jedoch auf, dass die Differenzierung zwischen den lebendigen Zelltypen, insbesondere dem Phloem und den Parenchymen, nicht so gut gelungen ist.
Wenn Du genau beschreibst, wie Du bei der Färbung vorgegangen bist (Stufen, Konzentrationen, Zeiten etc.), können wir Dir sicher noch den einen oder anderen Tipp geben.

In Deinem Bild 5 sieht man wohl Amyloplasten in den Zellen. Zur weiteren Benennung: siehe unten.  :D



Herzliche Grüße
Jörg

 
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David 15

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #2 am: November 03, 2013, 10:59:41 Vormittag »
Hallo Nicola,

Das sind doch wirklich gelungene Schnitte und Aufnahmen  :)

Jörg hat natürlich alles schon richtig beschriftet ;)

Weiter so !

Viele Grüße
David
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Klaus Herrmann

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #3 am: November 03, 2013, 11:08:08 Vormittag »
Liebe Nicola,

schön mal wieder etwas von dir zu sehen! Mit deinen technischen Hilfmitteln ist das ein vorzeigbares Ergebnis, und wie man sieht anhand der Interpretation von Jörg erkennt man auch eine Menge. Das hat der Herr Krauter in seinen legendären Inzigkofenkursen auch immer betont: man braucht gar keine teure Ausrüstung um ordentlich mikroskopieren zu können, man muss nur wissen wie mans macht.

Mit Weihnachten bist du natürlich etwas spät dran: die Geschäfte bereiten demnächst die Osterdeko vor! ;D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Rolf-Dieter Müller

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #4 am: November 03, 2013, 11:35:20 Vormittag »
Hallo Nicola,

es wurde ja schon alles gesagt, der Schnitt ist gut, die Färbung auch.

Und das Du mit Deinen Aufnahmen richtig liegst, kann man an Bild "Querschnitt 1" erkennen. Links und rechts oben sind Kanten zu erkennen. Das ist die Okularfeldblende und wenn man die so sieht, stimmt die optische Adaption. Besser geht es nicht. Alles andere wäre dann nur Verwackelungsunschärfe vermeiden und das könnte man mit einem Halter für das Smartphone. Und dann doch die Aufnahme mit Vorlaufzeit (Selbstauslöser) auslösen, alles wäre perfekt.

Jörg vermisst mehr Differenzierungen in der Färbung. Hier möchte ich einwenden, das bei so einem jungen Gewebe wie im Handel erhältlichen Weihnachtsstern vielleicht nicht mehr drin ist.

Andererseits zeigt die Färbung ein Überschuss an Acriflavin (=gelb und das mit blau ergibt grün), was man vorsichtig mit verdünntem Ethanol reduzieren könnte. Aber bei diesem jungen Gewebe wirklich nur vorsichtig, denn sonst verlieren die lignifizierten Zellwände ihre Rotfärbung.

Nicola, mach so weiter. Du bist auf einem guten Weg und das was Du machst ist alles vorzeigbar.

Viele Grüße
Rolf-Dieter

Bernhard Lebeda

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #5 am: November 03, 2013, 11:42:05 Vormittag »
Alles andere wäre dann nur Verwackelungsunschärfe vermeiden und das könnte man mit einem Halter für das Smartphone. Und dann doch die Aufnahme mit Vorlaufzeit (Selbstauslöser) auslösen, alles wäre perfekt.



...und falls nicht bekannt wo es sowas gibt:

http://www.astroshop.de/sonstiges-zubehoer-fuer-die-astrofotografie/omegon-adapter-fuer-iphone-smartphone/p,32988


 ;) ;)

LG Bernhard
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Nicola B.

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #6 am: November 03, 2013, 12:55:30 Nachmittag »
Vielen Dank, für eure Kommentare!
Lieber Jörg, vielen Dank für die Beschriftung! Das hilft mir immer so viel weiter! Jetzt weiß ich endlich auch mal, wie das funktioniert, dass die Bilder gleich angezeigt werden.  ich bin auch nicht so zufrieden mit der Färbung, gestern Nacht saß ich vor dem Schnitt und hatte mich schon gefragt, was da nicht passt. Vielleicht finden wir es raus.

Zum Färbeablauf.
1. Zunächst habe ich die Schnitte von AFE in 70% Ethanol ( Spiritus ) eingelegt.

2. dann Färben in Acridinrot 1 % 8 Minuten lang.
 
3. Einmal spülen in Wasser.
4. Dann in Acriflavin 1% circa 15 Sekunden. In der Anleitung auf der Seite des Mikroskopie-kollegium-Bonns steht, dass es so lange gemacht werden soll, bis „geradeso“ keine Farbwolken mehr abgehen. Doch irgendwie hört das mit den Farbwolken bei mir nie auf.

5. zwei Mal Spülen in Wasser.

6. Färben mit Astrablau 2 %. Das mache ich immer so nach Gefühl, ziemlich kurz. Circa 15-20 Sekunden. Weil die Schnitte sonst immer so furchtbar dunkel  werden.

7. zwei Mal spülen in Wasser entmin. 

8. Normalerweise würde nach Anleitung jetzt der Schritt der Entwässerung mit dem Isopropanol beginnen, doch ich versuche vorher noch in Salzsäurealkohol zu differenzieren. Mache ich das nicht, sind die Schnitte viel zu dunkel und man erkennt nicht wirklich viel. ( Salzsäurealkohol: 100ml 70%iger Ethanol (Spiritus)  werden mit 0.5ml konz. Salzsäure 37% versetzt.)

9. Zuletzt beginnt ganz normal das Entwässern mit Isopropanol und ganz zum Schluss noch kurz Xylol und dann wird eingedeckt.


Vielleicht erkennt jemand schon einen Fehler?

Vielen Dank nochmal!  :)

Liebe Grüße

Nicola. 

Fahrenheit

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #7 am: November 03, 2013, 13:20:47 Nachmittag »
Liebe Nicola,

gerne!  :)

Zitat
"In der Anleitung auf der Seite des Mikroskopischen Kollegiums Bonn steht ..."
- da bist Du ja schon an der Quelle.  ;D

Die Anleitung geht mit den Zeiten allerdings von etwas dünneren Schnitten aus. Lass' mal sehen:

Im ersten Schritt solltest Du nach dem Fixieren mit AFE mehrmals in Ethanol spülen, um die Reste der Essigsäure und des Formaldehyds sicher raus zu bekommen. Danach noch zwei mal in Ethanol 50% - denn dann bist Du gleich in der richtigen Konzentration für das Acridinrot, das auch in 50% Ethanol angesetzt ist.

Spüle zwischen den Färbegängen ruhig mehrmals mit Wasser, besonders bei dickeren Schnitten.

Das Acriflavin kannst etwas länger drauf lassen - ich schätze, so 30 bis 45 Sekunden.

Eine Minute für das Astrablau erscheint mir auch bei dickeren Schnitten sehr knapp. Versuche, es mal mindestens 2 Minuten drauf zu lassen. Hier sehe ich den Grund dafür, dass das Phloem sich nicht vom umgebenden Parenchym abhebt.

So, nun würdest Du spülen und dann mit Salzsäure-Alkohol differenzieren. Das ist ein ziemlicher Hammer.  ;)

Versuche einmal, einfach mit Ethanol 70% zu differenzieren und beobachte die Wirkung, die Schnitte dabei im Uhrglas etwas umschwenken.
Die Differenzierung wird durch Absaugen des Ethanols und großzügiger Zugabe des reinen Isopropanols unterbrochen (drei mal direkt hintereinander wechseln, dann 2 * 30 Sekunden und 2 * 3 Minuten einwirken lassen).

Ganz sanft geht die Differenzierung mit Aqua dest., aber das dauert. Am Anfang häufiger, später alle 10 Minuten wechseln, bis der gewünschte Effekt erreicht ist - das kann ein oder zwei Stunden dauern. Bleibt das abgesaugte Wasser klar und der Schnitt ist noch zu dunkel: Schade - Wechseln zu Ethanol.  ;D

Ich hoffe, die Tipps helfen ein wenig. Laß' mal hören, ob es geklappt hat.

Herzliche Grüße
Jörg  
« Letzte Änderung: November 03, 2013, 19:32:42 Nachmittag von Fahrenheit »
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Nicola B.

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #8 am: November 03, 2013, 13:32:39 Nachmittag »
Lieber Jörg,

Vielen Dank! Das werde ich wahrscheinlich heute Nacht alles mal ausprobieren, wenn ich von der Arbeit heim komme.
Die Ergebnisse werde ich dann hier zeigen.

Vielen, vielen Dank!

Liebe Grüße

Nicola

Peter V.

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #9 am: November 03, 2013, 15:08:13 Nachmittag »
Hallo Nicola,

da Du nach Meinungen fragst: Du könntest mit ein wenig Bildverarbeitung (Photoshop elements, gibts als alte Version fur gaaaanz wenig Geld) noch viel herausholen, insbeodnere bei der Schärfe.

Hier mal einige Beispiele:









Herzliche Grüße
Peter
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Manfred Ulitzka

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #10 am: November 03, 2013, 17:31:42 Nachmittag »
Hallo Nicola,

ich finde die Schnitte für Handschnitte exzellent gelungen und mir gefällt auch die Färbung. Sicher kann man von den Profis hier im Forum immer noch viel lernen, aber man muss auch lernen mal ein wenig zufrieden zu sein ;D! Dank der Beschriftung von Jörg durfte ich auch mal wieder meine Botanikkenntnisse auffrischen.

Und zur Anmerkung von Peter: Photoshop kann hier wirklich sehr viel helfen. Wir können das ja mal ausprobieren. Ich habe CS3 (auch schon alt, aber immer noch gut) installiert.

Liebe Grüße

Manfred.

liftboy

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Re: Botanik: Weihnachtsstern
« Antwort #11 am: November 03, 2013, 20:20:26 Nachmittag »
Hallo Peter,

hulala, hätte ich nicht geglaubt, das da noch soviel Potential ist!

Grüße
Wolfgang