Autor Thema: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)*  (Gelesen 9019 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)*
« am: August 20, 2014, 09:00:38 Vormittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

Das Zottige Weidenröschen ist ein unscheinbares, mehrjähriges Kraut, das beim Auftreten in Gärten wohl meistens als Unkraut betrachtet wird, es wächst in Europa und Australien. Rund 200 Arten ein- und  zweijähriger Kräuter, Stauden oder Halbsträucher umfasst diese große Gattung aus der Familie der Nachtkerzengewächse.  Das Zottige Weidenröschen überdauert mit einem weit kriechenden, dicken Rhizom (Wurzelstock). Der Stängel ist aufrecht, verzweigt, oben völlig stielrund, mit langen, abstehenden Haaren und oben mit kurzen Drüsenhaaren bis filzig behaart. Die Laubblätter sind stängelumfassend, sitzend und schmal lanzettlich. Die purpurfarbenen Blüten besitzen 4 Blütenblätter und sind bis 2 cm breit. Die Blüte zeigt eine helle, vierteilige Narbe.

Bild 01 Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)

Urheberrechtsinhaber: Jan Tietje, Eckernförde

Das Zottige, zuweilen auch Rauhaarig genannte Weidenröschen blüht von Juli bis September und wird bis zu 1,50 Meter groß. Das „rauhaarig“  im Namen bezieht sich auf die Behaarung der unteren Stängelanteile und die langen Samenhaare.  Die Pflanze wächst zerstreut in Staudenfluren, an Bächen, Gräben, Quellen und im Saum von Weidengebüschen.

Bild 02 Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum) mit noch geschlossener Blüte.

Dieses Foto habe ich in den frühen Morgenstunden aufgenommen.

Das Vieh verschmäht die Blätter und Stängel sowohl frisch als auch im Heu. Die Drüsenhaare und Nadelkristalle in den Blattzellen wirken als Fraßschutz.

Bild 03 Illustration, Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)

Janus (Jan) Kops - www.BioLib.de
Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Das Zottige Weidenröschen ist Nahrungspflanze der Raupen von Schmetterlingen wie dem Mittleren Weinschwärmer, Nachtkerzenschwärmer, Schwertlilieneule, Labkrautschwärmer,  Schwarzweißer  und Weidenröschen-Spanner.

Wissenswertes:

Die Samen vom Zottigen Weidenröschen sind leichter als Wasser und können mehrere Wochen schwimmen. Im 18. Jahrhundert nutzte man als Samenhaare dieser Art als Stopfmaterial für Polster und Bettdecken und fertigte Dochte und kleine Stricke daraus. Die Haare lassen sich jedoch nicht verspinnen.
Mit  seinen ober- und unterirdischen Ausläufern festigt das Zottige Weidenröschen lockeren Boden.

Systematik:

Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
Unterfamilie: Onagroideae
Gattung: Weidenröschen (Epilobium)
Art: Zottiges Weidenröschen
Wissenschaftlicher Name: Epilobium hirsutum
Volkstümliche Bezeichnung: Rauhaariges Weidenröschen
Englischer Name: Willowherb

Bild 04 Schnittstelle, Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)


Bild 05 angeschnittener, zottig behaarter Spross



Junger Spross, Querschnitt, 30 µm

-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf :

1. Schnitte  liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung  5 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.    12 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 2 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis  3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in Entellan

Bild 06  Übersicht, Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)


Bild 07 Übersicht, Negativ, Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)


Bild 08 Vergrößerung, Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)


Bild 09 Vergrößerung , mit Beschreibung, Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)

XY = Xylem, T = Trachee, K = Kambium Phloem, PH = Phloem Parenchym mit verdickten Zellwänden, RP = Rindenparenchym, EP = Epidermis, CU = Cuticula

Bild 10 Dunkelfeld,  Vergrößerung aus der Übersicht, Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)

Der Spross ist  oben völlig stielrund, mit langen, abstehenden Haaren

Bild 11  Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 12 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Quellenangaben :

Was blüht denn da?  ISBN: 9783-3440-11379-0
Der Kosmos Tier- und Pflanzenführer  ISBN: 3-440-07286-X
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Katherina Esau „Pflanzenanatomie“  1969
Claußen, Günter: Die Gemeine Nachtkerze, das Zottige Weidenröschen.
Rita Lüders: Grundkurs Pflanzenbestimmung ISBN: 3-494-01418-3
Wildkräuter im Revier. In: Wild und Hund, 15/1986, S. 26

Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen


« Letzte Änderung: Oktober 21, 2014, 21:14:22 Nachmittag von Fahrenheit »
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Detlef Kramer

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #1 am: August 20, 2014, 11:10:16 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,

wie immer eine schöne, lehrreiche und gründliche Arbeit. Bei der Interpretation der Gewebe ist Dir aber ein Fehler untelaufen. "K" ist tatsächlich das Phloem. Ein Kambium ist gar nicht erkennbar, vermutlich hat der Spross längst das Dickenwachstum eingestellt. Was Du mit "PH" bezeichnest ist das schützende Parenchym mit verdickten Zellwänden, das üblicherweise als Sklerenchym-Ring oder -Inseln über dem Phloem liegt. Dass es tatsächlich so ist, kannst Du deutlich in Abb. 12 erkennen. Dass die Färbung der Zellwände untypisch ist, liegt wohl an dem geringen Lignin-Gehalt.

Herzliche Grüße
Detlef
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #2 am: August 20, 2014, 13:24:24 Nachmittag »
Lieber Detlef,

danke für Deine Ausführungen.  Die Beschreibung  zu Bild 09 ist korrigiert.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
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hajowemo

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  • Jochen Mooßen
Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #3 am: August 21, 2014, 09:24:06 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,
wieder ist dir eine hervorragende Dokumentation gelungen.
Danke für die viele Arbeit die dahinter steckt.
Liebe Grüße
Jochen
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Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #4 am: August 22, 2014, 08:40:41 Vormittag »
Guten Morgen Jochen,

danke. Etwas Arbeit steckt schon dahinter, aber es mir halt Spaß. Die Mikroskopie ist schon ein interessantes Hobby. Mikroskopiker  sind  wie Pfeifenraucher Individualisten.

Gruß

Hans-Jürgen
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rekuwi

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #5 am: August 22, 2014, 19:51:23 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

Deine schöne Dokumentation möchte ich noch ein wenig erweitern (Du hast es mir ja erlaubt ;)) und füge ein Bild der Samen des Zottigen Weidenröschens an. Ich hatte vergangenes Jahr solchen Samen in meinen Pflanztrog im 2. Stock geworfen und kann mich dieses Jahr über zwei blühende und fruchtende Stengel freuen.
Hier also noch die typischen Samenstände:



Herzliche Grüße
Regi

« Letzte Änderung: August 22, 2014, 21:59:31 Nachmittag von rekuwi »

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #6 am: August 23, 2014, 08:12:42 Vormittag »
Liebe Regi,

ein super Foto vom Fruchstand  des Zottigen-Weidenröschens.
Die Kapseln der Weidenröschen öffnen sich mit vier Klappen und entlassen zahlreiche, mit einem Haarschopf versehene Samen, die vom Wind verbreitet werden.

Gruß

Hans-Jürgen
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koestlfr

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #7 am: August 23, 2014, 08:56:08 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen!

Wieder eine interessante und lehrreiche Dokumentation!

Eine kleine Anregung zu den Fluoreszenzaufnahmen - Du solltest, meiner Meinung nach, aus dem RAW-Format kommend schon im Konverter den Kontrast erhöhen, dafür die Tiefen heben und die Lichter dämpfen. Ich würde auch noch ein bisschen nachschärfen.

Liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #8 am: August 25, 2014, 14:40:15 Nachmittag »
Lieber Franz,

danke für Deine Anregungen zu den Fluoreszenzaufnahmen.

Gruß nach Österreich

Hans-Jürgen
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Fahrenheit

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #9 am: August 28, 2014, 15:23:54 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

kaum ist man mal ein paar Tage wech, schon quillt das Forum über, aber besser spät als nie. ;)

Du hast wieder eine schöne und interessante Dokumentation geschrieben und ich habe eine Pflanze Kennen gelernt, die ich zwar schon ein paar mal gesehen habe, aber nicht benennen konnte.

Vielen Dank für den Beitrag und herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #10 am: August 29, 2014, 09:19:56 Vormittag »
Lieber Jörg,

schön, dass Du wieder da bist. Das Zottige -Weidenröschen ist schon eine interessante Pflanze.

Gruß

Hans-Jürgen
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Rawfoto

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Re: Botanik: Zottiges Weidenröschen (Epilobium hirsutum)
« Antwort #11 am: August 31, 2014, 21:23:07 Nachmittag »
Hallo Hans-Juergen

Auch ich komme erst jetzt dazu die Beitraege der letzten Wochen durch zu arbeiten, toller Beitrag ...

Liebe Gruesse

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...