Wie gut ist ein Bresser Biolux NV für Schüler?

Begonnen von moelli99, September 05, 2014, 14:16:57 NACHMITTAGS

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moelli99

Moin,
ich bin neu hier und ein absoluter Anfänger. Ich interessiere mich aber stark für Mikroskopie und für die Schule (Ich habe Biologie als Kerfach.) wäre es gut, wenn ich Aufnahmen von Tier und Pflanzenzellen machen könnte.

Ich bin nach langer Internetrecherche auf das Bresser Biolux NV gestoßen, wurde aber auch von vielen negativen Meinungen zu Bresser Mikroskopen abgeschreckt. Ich hoffe, dass Sie, Experten auf dem Gebiet,  mir weiterhelfen können, da ich keine Ahnung habe, ob das Biolux meinen Anforderungen genügt.

Ich möchte Tier und Pflanzenzellen deutlich sehen können, auch Einzeller, Blutkörperchen, Spermien.
Außerdem soll das Mikroskop so gebaut sein, dass ich damit viele Jahre Vergnügen habe..

Sind das zu hohe Anforderungen für ein so günstiges Mikroskop oder erfüllt das Biolux diese und die teuren Mikroskope sind so teuer,  weil sie noch deutlich stärker vergrößern und so Zellkerne in guter Größe zeigen können?

Hat jemand vielleicht ein Biolux NV und kann aus seinen eigenen Erfahrungen berichten?

Vielen Dank im Voraus für die Hilfe.

Mit freundlichen Grüßen,
Mölli.

Timo Jenne

Hallo Mölli,

als ich vor knapp zwei Jahren anfing mit der Mikroskopie (sogar aus nahezu exakt demselben Grund), startete ich ebenfalls mit einem Bresser (Erudit MO), das eine ähnliche Ausstattung hat wie das von dir genannte Biolux NV.
Um es kurz zu machen: Ich habe dieses Mikroskop etwa drei Monate genutzt, dann bin ich auf ein Zeiss Standard 16 umgestiegen :D
Am Anfang ist es natürlich faszinierend auch mit dem Bresser, aber man merkt recht schnell, wo die Grenzen dieses Mikroskops liegen...
Du erkennst durchaus die Umrisse von Zellkernen etc., aber wenn du dann einmal mit einem 'richtigen' Mikroskop der Qualitätsmarken Zeiss, Leitz oder anderen gearbeitet hast, siehst du erst, was sich wirklich im Mikrokosmos verbirgt. Die Farben sind um Längen natürlicher und klarer abgebildet, auf einmal ist alles knackescharf.
All dies fehlt dem Bresser, da es nicht einmal einen Kondensor besitzt, der für jedes Mikroskop eigentlich unverzichtbar ist, und eine Leuchtfeldblende, die für eine gute Abbildungsleistung vorhanden sein sollte. Zudem fehlt auch ein Feintrieb, was Du spätestens mit dem 40er Objektiv feststellen wirst, insbesondere bei sich bewegenden Objekten.
ZitatSind das zu hohe Anforderungen für ein so günstiges Mikroskop oder erfüllt das Biolux diese und die teuren Mikroskope sind so teuer,  weil sie noch deutlich stärker vergrößern und so Zellkerne in guter Größe zeigen können?
Der Preis bei teuren Mikroskopen liegt nicht darin, dass damit noch größere Vergrößerungen erzielt werden können, sondern in der besseren Abbildungsleistung (Kontrast, Auflösungsvermögen, etc.) und der Farbfehlerkorrektur  ;)
Aus meiner persönlichen Erfahrung würde ich dir raten, dass Du Dich lieber nach einem guten gebrauchten Mikroskop umsehen solltest, wenn du auf längere Sicht mikroskopieren möchtest. Es gibt hier im Forum aber auch Leute, die dir vorerst ein Mikroskop zum Testen ausleihen würden.

Ich hoffe, Dir ist damit schonmal etwas geholfen.

Viele Grüße
Timo
Vorstellung: hier

moelli99

Danke für die Antwort.
Ich habe mir auch schon überlegt, ein besseres gebraucht zu kaufen,  habe aber Angst betrogen zu werden,  da ich als Laie die Seriosität eines Angebots nicht gut beurteilen kann.
Kennen Sie seriöse Internethändler, die gebrauchte Mikroskope im Internet verkaufen und bei denen man sich sicher sein kann, das das Gerät in Ordnung ist?

Gibt es überhaupt gute Gebrauchte für mein Budget von rund 100 Euro?

Bernd Kaufmann

Zitat
Gibt es überhaupt gute Gebrauchte für mein Budget von rund 100 Euro?

Hallo,

das ist mindestens so unwahrscheinlich wie ein gutes neues Mikroskop für 100 Euro zu bekommen. Aber mit Abstrichen bei Komfort und besonderen Kontrastverfahren würde ich mich mal nach einem (sehr) einfachen, gebrauchten LOMO umsehen, das eventuell bei unserem Teilnehmer Wolfgang ("liftboy") ausgeliehen und später auch gekauft werden kann. Die Instrumente dürften trotzdem optisch und mechanisch noch deutlich besser sein als die Neuen dieser Preisklasse.
Viele Grüße
Bernd ©¿©
www.aquamax.de
Lieber per Du.

Detlef Kramer

Hallo Mölli,

mit 100 € ist da wohl nichts zu machen. Eine andere Möglichkeit, wie schon angedeutet, wäre ein Mikroskop gegen Pfand eine Zeit lang zu leihen. Da ließe sich schon was machen. Meine Bitte: stelle Dich einmal im Unterforum "Mikroskopiker im Netz" vor und schreibe vor allem einmal, wo Du so ungefähr beheimatet bist. Dann kann man Dich vielleicht mit einer Mikroskopischen Vereinigung oder einem Freundeskreis in Kontakt bringen, was die Sache sicher erleichtern würde.

Beste Grüße
Detlef (Raum Südhessen)
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

Vorstellung: Hier klicken

moelli99

Danke, für die Antworten.
Ich habe mich jetzt vorgestellt. Ich wohne in der Nähe von Kiel.

Ich habe mal bei Ebay und Google-Shopping nach einem LOMO-Mikroskop gesucht und leider nichts gefunden. Gibt es auf gebrauchte Mikroskope spezialisierte Internethändler, die auch Mikroskope der Unterklasse, wie z.B. das vorgeschlagene ältere LOMO anbieten?

the_playstation

Hallo Mölli,
Für den von Dir genannten Betrag ein gutes Mikroskop zu finden, wird nicht leicht. Ich denke, daß man da etwas bei Ebay suchen oder kleine Abstriche machen muß. Z.B. einen Monotubus und keinen Binotubus. Ab und zu gehen aber auch kleine, einfache Zeiss Mikroskope (Junior Monotubus, ...) für um die 100 Euro über den Tisch. Dann mußt Du dein neues Mikroskop nur noch auf LED umrüsten.

Optisch und von der Haltbarkeit ist ein gebrauchtes Markengerät der großen 4 / (5) immer besser. Gebrauchte sind ab und zu verdreckt oder das Schmierfett ist verhärtet und blockiert einen Trieb. Ein bisschen Basteln ist dann notwendig. Muß nicht sein. Aber kann sein. ;)

Einfach mit etwas Ausdauer bei Ebay gucken und notfalls hier fragen, ob das Mikroskop ok ist. ;) :)

Liebe Grüße und herzlich Willkommen, Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

beamish

Hallo Mölli,

ich glaube schon, daß dir mit deinem Einsteigerbudget geholfen werden kann. Frag mal Wolfgang (Liftboy) ober er in seinem Lomo-Fundus was passendes für dich hat.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Hugo Halfmann

Hallo Mölli,

für unter 100.- € bekommt man auch ein Zeiss Standard Junior, die gehen auch bei Ebay manchmal für 50.-€ nicht weg.
Z.B.: dieses.
Stell´ doch mal ein Gesuch in den Mikromarkt ein, vielleicht hat ja jemand eines übrig?!
Das Junior reicht jedenfalls für mehr als nur den Anfang.
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann


moelli99

Guten Morgen.
Danke für die vielen Antworten und die schnelle Hilfe!
Ist das Zeiss Standard Junior denn deutlich besser, als das Bresser Biolux?
Für mich war auch das Fotookular recht interessant. Kann man auch einigermaßen gute Fotos bekommen, wenn man einfach durch das normale Okular mit dem Handy fotografiert?

rhamvossen

Hallo,

ZitatIst das Zeiss Standard Junior denn deutlich besser, als das Bresser Biolux?

Wie Hugo schon aufmerkte, das Zeiss Standard Junior ist eine gute Wahl und die monokulare Version sollte im Algemeinem nicht teurer sein als 100 EUR. Zwischen das Bresser Biolux und das Zeiss Junior liegen Welten.

ZitatKann man auch einigermaßen gute Fotos bekommen, wenn man einfach durch das normale Okular mit dem Handy fotografiert?

Ja. Man kann sicherlich gute Foto's auf diese Weise bekommen. Beste Grüsse,
Rolf

talrand

Hallo Mölli,  :D
auch ich habe als relativ "mittelloser" Schüler toll mikroskopiert, die Summe wird damals für das Eschenbach so um 70DM gelegen haben, aber das war in den Endsechzigern.
Ich gebe dir mal eine Internetadresse zum nachschauen. Der gute Herr Jung ist ein sehr fairer und seriöser Händler, aber für 100€ gibt's da auch nix.
Schau mal auf :
Mikroskopteile.de unter Hellfeldmikroskope nach. Die sind alle technisch und optisch einwandfrei.
Grüße vom
Randolf
Randolf aus Duisburg

Hund Medicus HF mit schiefer Beleuchtung (Kreutzblende) und Dunkelfeld.

wilfried48

#13
Zitat von: moelli99 in September 05, 2014, 14:16:57 NACHMITTAGS

Hat jemand vielleicht ein Biolux NV und kann aus seinen eigenen Erfahrungen berichten?


Hallo moelli,

also ich hatte neulich ein Biolux in Händen, das ein Kollege seinem Sohn (auch Schüler, wie du) geschenkt hatte.
Hier mein Eindruck in Kürze:
Vergrösserungen 4x und 10x gehen mit dem 5x Okular gerade so. Mit Auszug des Barlow Okulars werden aber nur zusätzliche Abbildungsfehler erzeugt.
Die 40x Vergrösserung ist mit dem 16x Okular praktisch nicht zu verwenden, da es überall (selbst in der Mitte) nur so von Farbfehlern wimmelt.
Mit einem kompensierenden KPL 10x Okular ist das 40x deutlich besser, es scheint also hauptsächlich an der mangelnden CVD Kompensation zu liegen.
Der mechanische Aufbau, Scharfstellung und Objektführerverstellung ist für die dann resultierende 400 fache Gesamtvergrösserung sehr wackelig so dass es in ein Hinzittern ausartet, eine Objektstelle auszusuchen und scharfzustellen.
Es fehlt für das 40x Objektiv auch der entsprechende Kondensor um die Apertur auszuleuchten, sodass man nur ganz harte Bildkontraste mit schlechter Bildauflösung hat. So etwa, wie wenn man bei einem guten Mikroskop die Aperturblende viel zu weit zuzieht.
Die Lochdrehscheibe unter dem Tisch mit ihren Farbfiltern ist zu nichts nutze und färbt den Farbensalat beim 40x Objektiv nur zusätzlich ein.
Die Okularkamera ist von der Qualität her eine schlechte Webcam (320x240 pixel) und mit jedem Handy an einem guten Okular kann man um Welten bessere Bilder machen.
Die Objektive sind keine Normoptik, sodass man auch durch Nachrüsten beim 40er  nichts verbesseren kann (es würde sich wegen der schlechten Mechanik und dem fehlenden Kondensor allerdings auch nicht rentieren).
Die LED Beleuchtung ist lichtschwach und vor allem stört hier der Blaustich.

Der Sohn mikroskopiert jetzt mit einen Zeiss Junior ,das ich ihm verpasst habe, und macht durchaus vorzeigbare Bilder mit seinem Handy durchs Okular.

Allerdings bin ich nicht der Meinung von Hugo Halfmann, dass man ein gutes Zeiss Junior mit Objektführer in ebay für 50.- Euro bekommt, höchstens vielleicht ein heruntergerammeltes unvollständiges ehemaliges Kursmikroskop mit einem Schlüssellochokular.

Mit ca. 150.- Euro musst du da schon rechnen und dann noch 30.- Euro Teile für eine LED-Belechtung wenn du selbst etwas Elektronik basteln kannst.
Aber auch die alte einfache Netzleuchte tut für den Anfang gut ihren Dienst. Dann hast du aber ein nahezu beliebig nachrüstbares nach oben offenes Zeiss Mikroskop.

Bei harter 100 Euro Grenze könntest du auch nach Lomo (oder Bresser) Biolam oder nach Will googeln, die dem Zeiss Junior bis auf die spätere Ausbaubarkeit sicher nicht viel nachstehen.

Aber frag bitte vor dem Kauf eines angeblichen ebay Schnäppchens hier im Forum nach einer Einschätzung, oder falls du Angst hast, dass es einer  wegschnappt, per PN bei irgendeinem dir vertrauenserweckenden Forenmitglied.

viel Spass bei deinem beginnenden sehr interessanten Hobby

Wilfried

P.S.: Das Biolux war ca. 2 Jahre alt und die Version in einer Textil-Mikroskoptasche mit Reissverschluss. Das ist natürlich bei der Qualitätsbeurteilung der PC Kamera zu berücksichtigen. Vielleicht liegen ja den neuen Sets inzwischen höher auflösende Kameras bei.

vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Axiophot,  AL/DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Axiovert 35, DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Universal Pol,  AL/DL
Zeiss Stemi 2000 C
Nikon Labo-/Optiphot mit CF ELWD Objektiven

Sammlung Zeiss Mikroskope
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

Johannes Kropiunig

Hallo,

wenn ich so den Beitrag von Wilfried durchlese scheint dieses Biolux und die Kamera dazu geradezu eine Katastrophe zu sein. Wenn es nun aber wirklich ein günstiges Mikroskop für den Einstieg sein soll, wie wäre es mit diesem da ?
http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?1,36040,36040#msg-36040
Ist zwar auch nicht das Gelbe vom Ei, aber am Gebrauchtmarkt schon um ca. 20€ zu haben und insgesamt sicher besser als dieses Biolux. Sollte sich später ein günstiges Angebot für ein Zeiss Standard, oder Gleichwertig ergeben, kann die Okularkamera des Travelers auch dort weiter verwendet werden bis eine "ordentliche" Kameralösung gefunden wird. Am Schluss baut man es mit ein paar einfachen Handgriffen auf Batteriebetrieb um und hat dank des stabilen Transportkoffer schon ein Reisemikroskop, zumindest bis auch das durch eine bessere Lösung hinfällig geworden ist.  ;)

Viele Grüße,
Johannes
Biologische Mikroskop: Zeiss Standard 16
Stereomikroskop: Lomo MBS 10
Kameras:  EOS 1100D, EOS 1000D, EOS 1000Da, und EOS 350Da Peltier gekühlt

Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen.
Laotse