Unfertige Präparate von Robin Wacker

Begonnen von Dr. Jekyll, April 11, 2016, 21:52:06 NACHMITTAGS

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Dr. Jekyll

Hallo,

Wer von den Damen oder Herren, welche in  Darmstadt botanische Paraffinpräparate aus dem Labor von Robin Wacker bekommen hat, hat sich denn schonmal an die Weiterverarbeitung gewagt? Falls es erste Erfolge oder Mißerfolge gibt, gebt doch mal Rückmeldung.
Ich habe die ersten Präparate verarbeitet und habe, wie ich es erwartet hatte, sehr schöne und gut erhaltene, aber auch recht unbrauchbare Resultate. Durch die zum Teil erhebliche Lagerzeit sind einige Präparate zerstört gewesen. Andere, auch sehr alte Schnitte waren aber in recht brauchbarem Zustand.
Ich werde in einigen Tagen ein paar Fotos einstellen, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt.
Auf alle Fälle war ich erstaunt wie lange diese auf Objektträger gezogenen Paraffinschnitte haltbar sind.
Die nicht mehr verwertbaren Präparate waren in erster Linie durch mechanische Beschädigung unbrauchbar, nicht durch die Lagerdauer. Das bedeutet, man kann solche Schnitte auf Objektträger über Jahrzehnte aufbewahren und dann erst fertig stellen. Also Leute, keine Hast😄🔬🔬🔬.

Beste Grüße
Harald
Beste Grüße
Harald

Oecoprotonucli

Zitat von: Dr. Jekyll in April 11, 2016, 21:52:06 NACHMITTAGS
Also Leute, keine Hast😄.

Hallo Harald,

ich danke hier auch noch einmal für die Schnitte! Leider stehen bei mir vor der Weiterverarbeitung noch ein paar Schritte und Anschaffungen, evtl. kann ich die Schritte auch in mir bekannten Labors durchführen, oder müsste mal fragen, ob es innerhalb der Berliner Mikroskopischen Gesellschaft Möglichkeiten gibt (allein die Färbeküvetten, von denen man ja mehrere braucht, können ja zwischen 20-50 Euro pro Stück kosten), dann kann ich weitermachen.

Ein wenig Planung gehört auch noch dazu, da ich bisher ja noch keine Pflanzenpräparate angefertigt habe und es dann gerne gut und richtig machen würde. Ich habe hier eine Fertiglösung für Etzold-FCA von Morphisto (ich hoffe, sie wäre geeignet und ist noch nicht zu alt, ca. 1 Jahr, glaube ich), außerdem müsste ich mich noch für ein gutes, dauerhaftes Medium zum Eindecken entscheiden.

Auch zur Entparaffinierung etc. nehme ich gerne Ratschläge entgegen (ich dachte an Alkoholreihe plus Limonen/Roti-Histol, aber auch das ist nicht ganz billig - nimmt hier noch jemand das "böse" Xylol?). Ich habe noch einen Rest schon benutztes Roti-Histol aus einer histologischen Färbung, weiß aber nicht, ob die evtl. vorhandenen Farbstoffreste eine Färbung stören würden und ergo alles besser frisch sein sollte?

Fragen über Fragen...

Viele Grüße

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Oecoprotonucli

Zitat von: Dr. Jekyll in April 11, 2016, 21:52:06 NACHMITTAGS
Die nicht mehr verwertbaren Präparate waren in erster Linie durch mechanische Beschädigung unbrauchbar, nicht durch die Lagerdauer.

Man sollte wohl mal vor der Präparation mit dem Stereomikroskop/Mikroskop auf die unfertigen Schnitte schauen, sollte sich da nicht schon eine Beschädigung erkennen lassen?

VG S.
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Osilu

#3
Hallo!

Ich habe mich am WE an die ersten Schnitte gewagt. Vorher hatte ich mir bei einem freundlichen Forumsmitglied kombinierte Färbemittel W3aSIM II und Etzold blau sowie Euparal bestellt, dazu Xylol, entmineralisiertes Wasser und Bioethanol besorgt.

Ziel des ersten Versuches war, anhand von sechs Objektträgern den Prozess und die Färbungen zu testen. Hier meine hochprofessionelle Hydrierungs-Kaskade:



Für die Entparaffinierung habe ich einfach so eine kleine Präparatebox genommen, in denen auch viele Präparate verpackt waren und habe die in einen Plastikbecher mit dem nach außen geklappten Deckel (der dann zwischen Plastikbecher und Tasse eingeklemmt ist). Ist wunderschön stabil und man kann bis zu 4 Objektträger in ca. 15ml. Xylol baden...mit kleiner Oberfläche und entsprechend wenig Verdunstung. Funktioniert hervorragend. Innerhalb von wenigen Minuten sind die Präparate entparaffiniert.

Dann die Kasskade runter und am Ende in entmineralisiertem Wasser gebadet. Gefärbt habe ich dann mit Tropffärbung. Ergo die Objektträger flach hingelegt und mit der Tropfpipette den Schnitt gut mit Farbe bedeckt. Einwirken lassen. Abspülen, dehydrieren und dann einschließen mit Euparal.

Am Anfang habe ich den Fehler gemacht, die Träger am Ende zu lange im Alkohol zu lassen. Dann blutet die Farbe wieder aus und der Schnitt wird nur blau oder grün. Also beim dehydrieren nicht zu lange mit Alkohol rumpanschen.

Da in der orginalen Anleitung zur Färbung steht, dass während der Färbung auf 60 Grad zu erhitzen sei, habe ich einfach die Farbe vorher in der Mikrowelle höchst professionell erhitzt. So hat das ganze wenigstens etwas Wärme mitbekommen.

Die Schnitte sind so sehr schön gefärbt herausgekommen, was ich mit einem Blick mit der Stereolupe schön sehen konnte. Nur sollte man sich auch auf Schnitte konzentrieren, für die man auch die passende Deckglas-Größe hat. Da habe ich bei einem Schnitt nicht daran gedacht.... ;D

VG
Oliver

PS: Meine Standard-Arbeitsunterlage: Einmal-Bettschutzeinlagen. Saugkräftig, geringe Fusselneigung, wasserdicht...und am Ende einfach zusammenrollen und weg damit. Da bleiben Tische sauber und das ganze ist noch spottbillig... :)

PPS: Hier eine Hilfe zur Bewertung von Einschlussmedien http://www.klaus-henkel.de/balsame.html
Ich verwende derzeit Euparal (sehr flüssig, verschieben sich gerne die Gläser, ergo sehr flach legen und sorgsam ausrichten) oder Mallinol.

PPPS: Alle Überreste von Xylol am besten zusammen mit dem Alkohol in einer Konservenbüchse im Freien verbrennen. Nicht in den Ausguss schütten!
Mikroskopie-Neuling und Optik-Freak

Für das Kleine: Zeiss Jena Lumiplan; Will Wetzlar BX-300, Leitz Stativ H
Für das Große: MEADE LX200-GPS 7" Maksutov-Cassegrain
Für das Normale: Canon 5D MKII, 50D, 70D
Für das Ferne:  Minox BD 10x58 BR ED, Nikon 10x50 Compass

Oecoprotonucli

Hallo Osilu,

gratuliere - obwohl Du uns vom Ergebnis ja noch nichts gezeigt hast.

Ich grüble ebenfalls über billig-Lösungen herum und werde vielleicht ein paar Deiner Anregungen aufnehmen.

Ich habe gerade ein wenig herumprobiert und ein Kapernglas gefunden, das mit etwas Phantasie als "Färbetrog nach Coplin" durchgehen könnte. Mal schauen, ob ich mich nun mit Kapern eindecke.

Viele Grüße

Sebastian
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Osilu

#5
Bilder folgen noch, aber ich bin schon die ganze Woche unterwegs und nächste Woche in Spanien. Da ist die Zeit knapp. Wer auf dem Foto links oben genau hinschaut, sieht meine gerade gekaufte Fotoadaption für mein Lumipan. Ein Trino-Tubus und ein Okularprojektionsteil. Allerdings habe ich auch damit noch keine Erfahrung und brauche somit noch etwas Zeit, das ganze zu beherrschen und auch nett anzuschauende Bilder einstellen zu können.

Meine Idee wäre am Ende auch, da die Packungen zum Teil recht viele Schnitte mit dem gleichen Material enthalten, dass man eine Tauschbörse aufmacht und die verschiedenen Schnitte gegenseitig austauscht. So hat jeder mehr davon!

VG
Oliver

PS: Mit einem Färbetrog geht es zwar hübsch schnell, man braucht aber auch relativ große Mengen an Farbe. Da kommt man mit der Tropflösung deutlich weiter und man braucht praktisch keine Hilfsmittel. Einziger Vorteil den ich sehe ist, dass man das Kapernglas im Wasserbad temperieren könnte, umd die gewünschten 60 Grad laut Anleitung hinzukriegen. Hier bin ich mir aber relativ sicher, dass man dies durch eine längere Einwirkungszeit und Vorwärmung gut kompensieren kann.
Mikroskopie-Neuling und Optik-Freak

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Klaus Herrmann

Hallo Oliver, sehr kreativ gefällt mir. Bin gespannt auf die Bilder der Präparate!

So nebenbei: Xylol analysenrein ist schon luxuriös! ::)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Oecoprotonucli

#7
Zitat von: Osilu in April 12, 2016, 19:35:35 NACHMITTAGS
PS: Mit einem Färbetrog geht es zwar hübsch schnell, man braucht aber auch relativ große Mengen an Farbe. Da kommt man mit der Tropflösung deutlich weiter und man braucht praktisch keine Hilfsmittel.

Hallo Oliver,

was meinst Du denn, was man noch für Hilfsmittel braucht, wenn man ein Kapernglas/Färbeküvette nimmt? Wenn Du auftropfst, brauchst Du doch auch eine Wanne zum auffangen? Das ist doch mehr Material als mit Küvette? So ganz kann ich mir auch Deine Entparaffinierungsapparatur noch nicht vorstellen, oder sieht man die irgendwo auf dem Foto? So wie ich es bisher ausprobiert habe, passen in ein Kapernglas nur zwei Objektträger - ob man einen Abstandshalter konstruieren könnte? Ein Plastik-Objektträger-Versandbehälter passt leider nicht hinein, dazu bräuchte ich größere Gläser (aber dann noch mehr Flüssigkeitsvolumen).

Ohne dass ich es genau weiß, hoffe ich ja auch, dass man die Färbelösung evtl. mehrmals verwenden kann, was den Verbrauch relativiert - oder ist davon abzuraten? (Ich weiß, frisch ist immer besser und das habe ich "als Professioneller" auch immer so gemacht - aber als ärmlicher Privatmensch würde ich gerne recyclen, wenn's geht. Vielleicht ist die Färbung auf dem Objektträger ja in Ordnung, aber vielleicht wird eine Färbung in größerem Volumen gleichmäßiger? Korrigiert mich bitte, wenn ich da falsch vermute.

Ob man meine geplante Etzold FCA temperieren muss, weiß ich nicht, ich denke, sie findet bei Raumtemperatur statt. Ein Frage wäre noch, ob man beim Entparaffinieren evtl. etwas erwärmen sollte? Schließlich soll das Paraffin herausgelöst werden. Ich muss dazu noch lesen, auch welche Einwirkzeiten man jeweils bei den Schritten nehmen sollte, und ob es auf reine Lösungsmittel ankommt, oder man auch z.B. Brennspiritus-Verdünnungen statt irgendwelche superteuren Ethanolstufen aus dem Chemikalienhandel nehmen kann. Beim Entwässern vor dem Eindecken will ich aber gründlich sein, weil ich gerne haltbare Präparate hätte, die nicht nachträglich Blasen oder Risse bekommen.

Viele Grüße

Sebastian
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Osilu

Hallo Sebastian,

hier mal ein Bild der Entparaffinierungsvorrichtung. Passen genau 4 Objektträger rein, auf jede Seite 2 gegeneinandergelegt. In den Behälter passen vielleicht 15ml Flüssigkeit was völlig ausreicht. Das Paraffin ist im Xylol innerhalb von ein paar Minuten völlig aufgelöst.



Für die Tropffärbung braucht man keine Wanne. Mit der Tropfpipette kann man die Farbe zielgenau auf dem Präparat applizieren. Da läuft nichts herunter. Die Objektträger habe ich dazu einfach auf das Fließtuch gelegt. Die überflüssige Farbe kann man nach der Färbung einfach wieder mit der Pipette abziehen.

Schöne Anleitungen für die Färbungen gibts bei MKB, auch für die Etzold FCA: http://www.mikroskopie-bonn.de/_downloads/Arbeitsplan_Etzold_FCA.pdf

VG
Oliver

PS: Klaus, ich habe einen ganz einfachen Geschmack...nur das beste... ;)
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Klaus Herrmann

ZitatKlaus, ich habe einen ganz einfachen Geschmack...nur das beste...

Das war mir schon klar, als du die Farblösungen bei mir bestellt hast lieber Oliver! 8)

Diese "Sparmethode"  mit den Kunststoff-Versand-Behältern machen wir in Wohldenberg seit über 20 Jahren eine "Erfindung" von Karl Brügmann, der das Treffen 20 Jahre lang geleitet hat.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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Oecoprotonucli

Hallo Oliver,

vielen Dank für die Anregungen und den Hinweis auf den Link! (Ich habe viele Informationen hier, aber gerade deshalb vielleicht noch keinen Anfang gefunden.)

Gerade die besagte "Sparmethode" ist schon recht verlockend!

Wenn man unter das Objektträger-Beschriftungsfeld auffüllt, gehen zirka folgende Volumina hinein:

Kapernglas: ca. 80 ml
Versandbox für 4 OT: ca. 22 ml
Versandbox für 2 OT: ca. 16 ml

Kann das Plastik nicht von einigen Chemikalien angegriffen werden oder benötigte Farbstoffe binden?

Viele Grüße

Sebastian
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Klaus Herrmann

Hallo Sebastian,

ZitatKann das Plastik nicht von einigen Chemikalien angegriffen werden oder benötigte Farbstoffe binden?

Nach 20 Jahren sind die Behälter nicht mehr schneeweiß, aber immer noch dicht. PE wird nicht so schnell aufgelöst und rauchende Schwefelsäure hatten wir noch nie im Einsatz. ;D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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Osilu

#12
Hallo Sebastian,

Ich bin sicher, auch das färben geht in den Transportbehältern gut. Man kann die Farbe ja auch noch verdünnen, dann dauert nur der Färbeprozess länger. Ich habe - wie schon erwähnt, die Objektträger einfach flach auf ein Tuch gelegt und mit unverdünnter Lösung "betropft". Geht halt schnell. Der Vorteil wäre allerdings, dass man den Transportbehälter widerum in ein Wasserbad hängen könnte, und so die Farblösung temperiert...grübel...ich sehe schon meinen Teezubereiter (mit programmierbarer Temperaturvorwahl) in diesen Prozess eingebunden... ;)

VG
Oliver

PS: Klaus...ich wollte das noch dazuschreiben...mit dem "das beste" und Dir...  ;D vielen Dank nochmal!
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Oecoprotonucli

Hallo Ihr,

Zitat von: Osilu in April 13, 2016, 15:26:49 NACHMITTAGS
Ich bin sicher, auch das färben geht in den Transportbehältern gut.

Ja, ich sehe schon, meine Kapernvorräte habe ich umsonst angelegt (jedenfalls hätte ich die Menge billiger in einem größeren Glas bekommen)  ;)

Zitat von: Osilu in April 13, 2016, 15:26:49 NACHMITTAGS
Man kann die Farbe ja auch noch verdünnen, dann dauert nur der Färbeprozess länger.

Ja, ich habe es schon im von Dir verlinkten Schema gesehen - allerdings wüsste ich bei Zeiten, die dazwischen liegen, nicht, wie lange genau - Erfahrungen habe ich da ja keine, generell ist aber die kurze, schnelle Färbung natürlich praktisch, außer die längere ist besser.

Ich muss, wie gesagt, noch lesen und dann schauen, was ich noch bestellen muss und wie ich's genau mache. Statt für Etzold habe ich meine Zeit heute nun wohl für die Froschhaut verbraucht :( (siehe Foto-Thread, aber das ist schon spannend und eigentlich neige ich ja mehr zur Zoologie als zur Botanik  ;) )...

Viele Grüße

Sebastian
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Dr. Jekyll

Hi,

es hat leider etwas gedauert, aber nun habe ich einige Bilder für euch. Es handelt sich um einen Schnitt durch eine Gänseblümchenblüte (Bild1)
und um Auschnitte eines Oleanderblatt-Präparates (Bild 2+3). Entparaffiniert wurde mit Tissue-Clear, danach in Isoprop. gewaschen und über EtOH-Reihe in H2O überführt. Gefärbt habe ich mit einer W3A-Sim II Farbmischung.





Gruß
Harald
Beste Grüße
Harald