Farbfilter zur Neutralisation einer LED

Begonnen von Piper, Januar 18, 2018, 21:14:19 NACHMITTAGS

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Piper

Hallo,

habe eine LED mit der Farbtemperatur 6000° Kelvin getestet und suche einen Farbfilter oder Interferenzfilter, der den sichtbaren Blaustich möglichst neutral ausgleichen sollte, so dass im Idealfall ein Weißlicht resultiert. Alternativ könnte es auch ein leicht zum Rot hin verschobenes warmes Licht sein.

Die Baader RGB-Filter bringen hier nichts, und ein leichtes Orange-Filter bewrikt einen dezenten Grünstich (der auch etwas gewähningsbedürftig ist).

Kennt zufällig jemand einen geeigneten Filter?

Schöne Grüße
Jörg

Hugo Halfmann

Hallo,

ein alter KR 1,5 Filter wäre einen Versuch wert. Bei mir hat´s seinerzeit funktioniert, ich weiss aber nicht mehr, welche Farbtemperatur die LED hatte. Mir war das weiss zu "hart" und zu blaustichig.
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

Bob

Hallo Jörg,

vielleicht ein Skylight-Filter von der Analog-Kamera? Der dürfte ähnlich wie der KR 1,5 sein, ist aber die verbreitetere Bezeichnung.
Der ist in Zeiten der Digitalfotografie nutzlos und daher billig zu haben.
Viele Grüße,

Bob

jochen53

Hallo,
in Fotogeschäften mit Gebrauchtabteilung und auf Fotobörsen gibt es solche Filter für etwa 5 €. In Frage kämen: KR 1,5; Skylight 1A; Kodak Wratten Nr. 81A.
Hier ein link: http://www.fotos.docoer-dig.de/Farbtemperatur.htm.
Je nachdem, welchen Durchmesser Du brauchst, kannst Du einen Filter mit  ungefähr passendem Filtergewinde nehmen und die Filterscheibe auch evtl. rausnehmen.
Viele Grüße, Jochen.

reblaus

Hallo -

es bedeutet einen relativ großen Aufwand, das Lichtspektrum einer LED mit Filtern dem einer Halogenlampe oder gar des Sonnenlichtes anzunähern. Man mache sich mal die Mühe, die Datenblätter von LEDs zu konsultieren. Hier ein Beispiel von Cree. Während die Intensität einer Halogenlampe von Blau nach Rot ziemlich gleichmäßig (leichte S-Kurve) etwa auf das 3fache ansteigt, kriegen wird bei verschiedenen Cree XM-L-Typen das folgende (und andere Fabrikate sind ziemlich ähnlich):



Man sieht: Selbst das Spektrum der "warmtönigen" LEDs hat nicht das geringste mit Halogen oder Tageslicht zu tun und selbst wenn man in einer farblosen Umgebung (Buch, Schreibtisch) diesen Eindruck hat, sieht es beim Betrachten von Farben wieder ganz anders aus!
Dazu kommt, dass ein Farbeindruck im menschlichen Auge sowohl durch den Überschuss einer Farbe als auch durch das Fehlen von deren Komplementärfarbe zustande kommen kann.

Wie will man also mit vernünftigem Filteraufwand ein Halogenlampenspektrum draus machen? Alles hängt derzeit noch von den beleuchteten Objekten und den Geschmäckern ab. Viele lehnen den Blaustich der 6000er für ihre Anwendungen ab. Ich selbst mag das "schmutzige" Licht der 4000 °K-Typen im Mikroskop nicht, obwohl ich es für Wandbeleuchtungen - abhängig von den Farben der dort hängenden Bilder - oft verwende.
 
Mit einem Einzelfilter aus der Silberhalogenid-Fotozeit lässt sich die Delle im Blaugrünbereich bei 480 nm sicher nicht ausbügeln sondern man müsste mit Kombinationen spielen - oder warten bis es der LED-Industrie gelungen ist die Leuchtstoffkomponenten besser zu mischen. Bei den Leuchtstoffröhren ist das schließlich auch gelungen, auch wenn man es am Schluss bei den obsoleten "Spar"lampen wieder "vergessen" hat.

Viele Grüße

Rolf

Piper

Hallo,
damit man meine Frage nicht missversteht, nur nochmal in Kürze:
Herr Kelvin wird sich im Grab freuen, dass man ihn mal ausgeschrieben hat.  :-)
Meine Frage zielte nicht darauf ab, aus einem LED-Spektrum ein Halogen-Lampenspektrum zu machen-, die spektralen Unterschiede sind auch mir nicht unbekannt, und deshalb arbeite ich auch weiterhin in Routinebetrachtungen von gefärbten Schnitten mit Halogenlicht-, sondern es geht mir nur darum, den sichtbaren und mich subjektiv störenden Blaustich, der nun mal schwerpunktmäßig den 6000 K *g* geschuldet ist, durch einen geeigneten Filter so abzuschwächen, dass die visuelle Beobachtung dem ansonten gewohnten Eindruck angenähert wird.

Auch wenn ich bei einer rotstichigen Glühlampe einen Blaufilter auflege, mache ich aus dem Glühlampenspektrum keine Sonnenlichtspektrum, kann aber den Rotstich abschwächen. In umgekehrter Weise sollte dies auch bei einem Blaustich funktionieren, und deshalb gibt es ja auch für die bildmäßige Fotografie entsprechende Farbausgleichsfilter, die allzu sehr dominierendes Blau etwas abschwächen. Nur darauf war meine Frage gerichtet. Und falls ein bestimmter Filter bei einer 6000 K LED eines Anwenders diesen Zweck erfüllt, besteht natürlich eine gute Chance, dass dies auch bei der 6000 K LED eines anderen Anwenders funktionieren kann, auch wenn beide LEDs nicht identische Fabrikate sind.

Schöne Grüße
Jörg

Tausendblatt

#6
Moin,

erstmal sagt die Farbtemperatur bei dermaßen ungleichmäßigen Emissionsspektren wenig über die Ähnlichkeit mit dem Sonnenspektrum oder eines schwarzen Strahlers (in erster Näherung entspricht die Halogenlampe einem solchen) aus, dafür gibt es andere Kennzahlen, den CRI (Color Rendering Index) etwa...

Oben hat Rolf schon gut beschrieben, wo das Problem dieser LEDs liegt, auch cyanfarbene Filter (CC40C etwa) können nicht die vielen Mängel dieser Spektren ausbügeln.

Als einfache Lösung (wenn man es nicht so genau nimmt) würde ich statt KR-Filtern einen 81D oder 81EF (sogenannte Warming Filter) nehmen, sonst wird Rot zu sehr betont.

Der beste Weg zu gutem fotogeeigneten Licht führt für mich über eine 100W-Halogenbeleuchtung und einen brauchbaren Blaufilter (Zeiss Konversionsfilter 3200/5500K oder Zeiss Jena FGB4 sind sehr gut, KB12 oder KB15 Filter aus dem Fotozubehör bringen oft zusätzliche Grün- oder Magentastiche mit sich).
So kann man durchaus sein Licht mit weiteren Filtern (z.B. Magenta CC30M und weiteren leichten Blaufiltern 82x) dem Sonnenspektrum annähern.

Gut Licht
Jens

Mikroman

Hallo,

was spricht eigentlich dagegen, die unerwünschte Farbgebung /-verschiebung softwaretechnisch zu korrigieren?

Gruß
Peter
Zu sehr auf sich selbst zu beharren,
ist ein unvernünftiges Vergeuden der Weltsubstanz (Juarroz, 9. Vertikale Poesie,1)

TPL

Zitat von: Mikroman in Januar 20, 2018, 12:36:31 NACHMITTAGS(...) was spricht eigentlich dagegen, die unerwünschte Farbgebung /-verschiebung softwaretechnisch zu korrigieren? (...)

Nichts!

Hallo Peter,

vor fast genau 10 Jahren hatte ich mal geschrieben, dass so mancher "Leuchtstofflampen"-Weißabgleich – selbst von Consumer-Kameras – genau dies tut. Natürlich nicht auf eine jeweilige LED abgestimmt, aber mit einer Verteilung der spektralen Dämpfung, die bei manchen LEDs (natürlich zufällig) "passt". Wie sich das weiterentwickelt hat, habe ich nict verfolgt, aber theoretisch müsste eine individuelle Korrektur der ungleichmäßigen spektralen Verteilung von LEDs sich einfach machen lassen.

Gruß, Thomas

ImperatorRex

#9
Hallo,
mir viel die Umstellung von Halogen auf LED anfänglich schwer. Ich habe den Eindruck, dass die Farbsäume bei den Achromaten deutlich verstärkt werden.
Naja, irgend wann hat man sich daran gewöhnt oder hat sowiese nur noch Apochromaten im Einsatz :-)
Ich hatte auch mal eine Konversionsfilter R 1,5 Skylight versucht, aber der hat nicht wirklich etwas verbessert.

Es wäre natürlich sehr hilfreich, wenn jemand tatsächlich schon einmal  mit anderen Filtern getestet hätte und darüber berichten kann, ob das rein visuell etwas "gebracht" hat. Wie Herr Piper schon sagte, es muss ja kein Sonnenlichtspektrum oder Halogenlampenspektrum werden, nur dieser kalte Blaustich solle verschwinden ohne irgend welche anderen Farbstiche zu bewirken :-)

Vielleicht kaufe ich mir mal so einen 81EF Filter zum testen.

viele Grüße
Jochen

Tausendblatt

Zitat von: ImperatorRex in Januar 20, 2018, 13:11:44 NACHMITTAGS...
Es wäre natürlich sehr hilfreich, wenn jemand tatsächlich schon einmal  mit anderen Filtern getestet hätte und darüber berichten kann, ob das rein visuell etwas "gebracht" hat. Wie Herr Piper schon sagte, es muss ja kein Sonnenlichtspektrum oder Halogenlampenspektrum werden, nur dieser kalte Blaustich solle verschwinden ohne irgend welche anderen Farbstiche zu bewirken :-)

Vielleicht kaufe ich mir mal so einen 81EF Filter zum testen.

viele Grüße
Jochen


Hallo.

Der 81EF macht aus 6000K übrigens 4600K Farbtemperatur. Die Filter sind leicht für wenig Geld im üblichen Online-Auktionshaus zu beschaffen...

Es grüßt
Jens

Mikroman

Hier mal auf die Schnelle zwei (ältere) Mikrofotos:

1. Relativ hoher Blauanteil


2. Verschoben Richtung Grün


Gruß
Peter
Zu sehr auf sich selbst zu beharren,
ist ein unvernünftiges Vergeuden der Weltsubstanz (Juarroz, 9. Vertikale Poesie,1)

Paul Keller

Hallo Jörg,

um nur den Blauanteil des LED-Spektrums zu reduzieren, eignen sich die alten Color Printing CP oder die Color Compensating Filter CC
Yellow/Gelb am besten. Deren höchste Dichte liegt um 430/440nm Ich würde mit dem CP20 beginnen.

Gruss,
Paul
Gruss,
Paul

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Lupus

Hallo Jörg,

ich würde auch einen CC-Filter Gelb verwenden, möglichst schwach anfangen um Grünstich zu vermeiden (siehe Transmissionskurven). Damit kann ohne Beeinflussung der Grün-Rot-Kurve der LED der Blaupeak reduziert werden.
http://www.ars-imago.com/productinfos/BWFilterTransmissonskurven_d.pdf

Hubert

Michael L.

Hallo Safari,

LED mit kontinuierlichem Spektrum? Das halte ich für Wunschdenken, wo sollen die Wunderdinger denn beschrieben sein?

Gruß,

Michael L.