Autor Thema: Drei Rätsel  (Gelesen 1297 mal)

dugesia

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Drei Rätsel
« am: Januar 18, 2019, 17:46:20 Nachmittag »
Guten Tag!
Ich hoffe, ich bin an der richtigen Adresse ...
Es gibt da nämlich etwas, was mir schon länger Rätsel aufgibt: Ich habe drei Fotos, von denen ich einfach nicht weiß, was das ist:
 
1: Ein "Ding" vom 29.08.2017 fand ich im Edersee (Mittelgebirgs-Stausee in Nordhessen, damals war der Wasserstand sehr niedrig). In unmittelbarer Nähe lebten sehr viele Kieselalgen. Das "Ding" bewegte sich nicht, verursachte keine sichtbare Strömung und wirkte auf die anderen Wasserlebewesen weder sonderlich anziehend noch abstoßend.
 
 
 
2: ...und noch ein kleiner Unbekannter: Am 16.10.2017 (und auch noch später) waren in meinem Gartenteich (Wasser: klar, noch nicht viel Laubeinfall; Lage: Gartenhochteich in Fertigteichschale (d.h.kein Kontakt mit Grundwasser oder eingeschwemmtem Oberflächenwasser); Bevölkerung: Spitzschlammschnecken, die fleißig laichen; Pflanzen: vergammelnde Seerosenblätter; grüner Bewuchs am Rand (Fadenalgen?);
badewannengroß; Licht: Zu dieser Jahreszeit nur noch wenig (etwa 7 h/Tag, wenn überhaupt); Bodenbelag: Mulm) mehrere solcher rundlichen "Klumpen". Das könnten Kolonien aus irgendwelchen (wahrscheinlich filtrierenden) Einzellern sein, die sich aber kein bisschen bewegten. Aus jedem Einzeltier ragt ein langer durchsichtiger Ausläufer. In der Umgebung lagen außerdem geweihartige reglose Stücke herum, die so aussahen, als würden sie dazugehören. Die größte Ähnlichkeit besteht zum Grünen Gallertkugeltierchen, aber es gibt viele Unterschiede.
 

1 und 2 könnten auch eine Art Abwasserschwamm sein. Wenn sich etwas nicht bewegt, bin ich oft mit meinem Latein am Ende.
 
 
3: Wer kennt diese Alge? Die begegnet mir dauernd, vor allem in der zweiten Jahreshälfte. Die ist so häufig, dass die Antwort bestimmt geradezu beschämend simpel ist (womöglich Oscillatoria oder eine Spirogyra-Abart), aber ich stehe einfach auf dem Schlauch.
 
 
Zu meiner Arbeitsweise: Ich benutze ein Auflichtmikroskop (Stereolupe) der Firma Bresser und betreibe nur Lebendmikroskopie, indem ich mittels Filtern den Inhalt eines 500-ml-Probenglases auf nur noch etwa 2 ml reduziere. Dabei gehe ich vorsichtig vor, damit die Organismen nicht geschädigt werden und weiterhin ihr natürliches Verhalten zeigen und sich sogar vermehren. Auf dem Auflichtmikroskop befindet sich eine USB-Kamera.

Für jede Hilfe wäre ich dankbar!
Melanie





plaenerdd

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #1 am: Januar 18, 2019, 19:18:54 Nachmittag »
Hallo Melanie,
Willkommen im Forum!
Bild 1 Blaualge Microcystis flos-aquae
Bild 2 ?
Bild 3: Jochalge Spirogyra, Die Art läßt sich nur während der Fortpflanzung bestimmen.

Beste Grüße
Gerd
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dugesia

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #2 am: Januar 19, 2019, 14:35:26 Nachmittag »
Danke sehr!
Ist diese äußere Gitterform bei 1 eine Wuchsform von Microcystis flos-aquae oder nur ein davon umwachsenes Substrat? Und erkennt man bei 3 nur nicht den spiralförmigen Chloroplasten auf Anhieb? Liegt das vielleicht am Alter der Alge, am Blickwinkel o. ä.?

Grüße,
Melanie

plaenerdd

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #3 am: Januar 19, 2019, 19:46:51 Nachmittag »
Hallo Melanie,
zu 1) die Form der durch Gallerte zusammengehaltenen Kolonien ist ungeheuer variabel. Kleine Kolonien sind meist geschlossene unförmige Klumpen, größere oft netzartig. Im "Wassertropfen" heißt die Art zu deutsch "Netzalge"

zu3) Ich bin mir hier nicht zu 100% sicher, ob es Spirogyra ist. Die Auflösung ist etwas gering, aber ich meine eine angedeutete Spiralstruktur zu erkennen. Hier wäre eine Aufnahme mit höherer Vergrößerung hilfreich. Es gibt noch zahlreiche andere Fadenalgen-Gattungen, die auf den ersten Blick sehr ähnlich wirken. Es lohnt sich immer den grünen "Schleim" etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Da kann man immer wieder Überraschungen finden, bis hin zum Wassernetz.

Hast Du den "Wassertropfen"? Das ist ein Muss für Tümpler.
Beste Grüße
Gerd
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Peter Kerwien

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #4 am: Januar 21, 2019, 11:21:13 Vormittag »
Hallo Melanie,

Bild 2 zeigt vermutlich die Grünalge Chaetophora,
Gruß Peter
Peter Kerwien

gern per "Du"
http://www.zauberhafte-natur.de

dugesia

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #5 am: Januar 22, 2019, 12:33:59 Nachmittag »
Hallo!
Danke für die Tipps! Ein Wassernetz habe ich sogar mal "live" gesehen, darum dachte ich, Grünalge könnte bei 3 auch sein. Spirogyra ist im Sommer extrem häufig und 3 im Herbst auch, darum dachte ich an eine Art Spirogyra mit mehreren verdrehten Chloroplasten oder so etwas. Die Vergrößerung meiner Stereolupe ist maximal 80fach. Den "Wassertropfen" habe ich natürlich, und auch noch dies alles:

Linne von Berg (u. a.): "Der Kosmos-Algenführer", Kosmos, Stuttgard 2004
H. W. Ludwig: „Tiere und Pflanzen unserer Gewässer“, BLV Verlag, München 2003
Helmut Schwab, K. Joas, H. Gloger: „Süßwassertiere: Ein ökologisches Bestimmungsbuch“, Ernst Klett-Schulbuchverlag, Stuttgard 1995
Karsten Grabow: „Farbatlas Süßwasserfauna. Wirbellose“, Ulmer Eugen Verlag, 2000
Antje Jansen:  „Teichpflanzen einsetzen und pflegen“, Gräfe & Unzer 2002
Jürgen Schwoerbel:  „Methoden der Hydrobiologie“, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart/New York 1980 (Früher war nicht alles, aber manches besser (erhältlich)...)
Dr. Conrad Vollmer: „Wasserflöhe“, A. Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt 1960
Konrad Lorenz: „Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen“, dtv, München 1978 (der Teil über das Aquarium)
Hans Frey: „Das Süßwasseraquarium“, Neumann Verlag Leipzig, Radebeul 1985 ("Niedere Tiere...")
E. A. Rossmäßler: "Das Süsswasseraquarium", Leipzig 1857 (eBook als Originalnachdruck - altdeutsche Schrift sollte man beherrschen)

Auch alles nicht uninteressant - kleiner Tipp!  ;)
Melanie

plaenerdd

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #6 am: Januar 22, 2019, 22:23:48 Nachmittag »
Hallo Melanie,
wenn Du so für die Tümpellei schwärmst, wird es Zeit für ein Zweitmikroskop: Ein  "normales" Durchlichtmikroskop mit mindestens 400-facher Vergrößerung. Ein LOMO-Biolam in Grundausstattung  kannst Du schon für 50,-€ hier im Forum von Wolfgang "Liftboy" bekommen und das mit Rücknahmegarantie. Ich verleihe LABOVAL II von Zeiss-Jena, die Du bei Gefallen für 250 bis 300,-€ (je nach Ausstattung) später auch kaufen könntest oder Du giebst es nach einem halben Jahr zurück, weißt dann aber schon mal, was ein biologisches Mikroskop können sollte.
Beste Grüße
Gerd
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dugesia

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #7 am: Januar 23, 2019, 14:45:17 Nachmittag »
Hallo Gerd!

Ich habe mit Durchlichtmikroskopen angefangen und besitze seit etwa 2005 auch selbst eins (Bresser Biolux NV 20x-1280x, USB-Kamera + Software), aber diese Fummelei mit Objektträgern, Deckgläschen und Pipetten hat mich genervt, und die Organismen waren hinterher meist auch nicht mehr zu gebrauchen. Im Studium habe ich dann öfters mit Stereolupen gearbeitet und fand sowas für meine Zwecke viel geeigneter. Mittlerweile habe ich meine Arbeit am A.L.M. immer besser optimiert und finde, das wird meinem eher ökobiologisch-ethologischen Ansatz viel gerechter (und schneller/einfacher geht es auch). Das mit der suboptimalen Vergrößerung ist zwar manchmal schade, aber angesichts der vielen Vorteile nehme ich das in Kauf, und außerdem sind die Bilder dadurch irgendwie "atmosphärischer".
Es war also durchaus eine bewusste Entscheidung, aber danke für die Tipps!

Melanie


Klaus Herrmann

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #8 am: Januar 23, 2019, 15:08:39 Nachmittag »
Hallo Melanie,

willkommen im Club! Tümpeln mit dem Stemi ist ganz spannend und der 3D-Effekt auch schon sehr schön. Aber wenn man ins Detail gehen will ist 80fach etwas wenig?

Auf der Alm, do gibts ka Sünd, aber die ist bei dir sicher nicht gemeint? Ist es das: https://www.alm-ev.de/wer-wir-sind.html
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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MikroMicha

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #9 am: Januar 23, 2019, 15:12:14 Nachmittag »
Hallo Melanie,

als Tümpler finde ich Deinen Beitrag natürlich auch sehr interessant, habe bisher aber nur passiv mitgelesen. Vieles ist ja schon gesagt worden, aber eine Frage habe ich dennoch. Du schreibst:

Hallo Gerd!

Ich habe mit Durchlichtmikroskopen angefangen und besitze seit etwa 2005 auch selbst eins (Bresser Biolux NV 20x-1280x, USB-Kamera + Software), aber diese Fummelei mit Objektträgern, Deckgläschen und Pipetten hat mich genervt, und die Organismen waren hinterher meist auch nicht mehr zu gebrauchen.

Warum waren Deine Organismen denn hinterher nicht mehr zu gebrauchen? Hoffentlich nicht, weil Du sie mit den langen Objektiven unter dem Deckglas gequetscht/zerquetscht hast?  ;) Andere und ich würden Dir da gerne für Tipps und Kniffe zur Seite stehen und Gerd bietet Dir ja sogar an, ein LABOVAL II zu verleihen. Ich (und andere sicher auch) möchte Dich einfach mal ermutigen, auch mal mit mehr Power im Tümpelwasser auf die Jagd zu gehen  :D.
« Letzte Änderung: Januar 23, 2019, 15:14:13 Nachmittag von MikroMicha »
Herzliche Grüße sendet

Michael (MikroMicha)

dugesia

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #10 am: Januar 23, 2019, 17:35:16 Nachmittag »
Hallo Klaus und MikroMicha (und Gerd)!

Ja, 80fach ist vergleichsweise wenig (ich habe sogar schon mit einem REM gearbeitet, und im Vergleich dazu ist alles ziemlich grob), aber nachdem ich alle erdenklichen Techniken gründlich ausprobieren konnte, fiel die Entscheidung sehr leicht, und mehr als Details interessieren mich Verhalten und Zusammenspiel der Lebewesen. Heute kommt es mir schier undenkbar vor, den Bewegungsspielraum von Volvox, Conochilus oder Vorticella derart einzuschränken - sowas sind ja Anblicke, die man noch nie gesehen hat, und dafür macht man das (also ich zumindest).

ALM - das ist bloß meine Abkürzung für AufLichtMikroskop (was für ein langes Wort...), genau wie DLM für DurchLichtMikroskop.


Warum waren Deine Organismen denn hinterher nicht mehr zu gebrauchen? Hoffentlich nicht, weil Du sie mit den langen Objektiven unter dem Deckglas gequetscht/zerquetscht hast?   

> Da habe ich schon immer sehr aufgepaßt, aber egal, wie sehr - zwischen zwei Glasplatten eingeklemmt zu sein schränkt die Lebensfähigkeit der meisten Organismen ein, und ihr normales Verhalten können sie da gar nicht zeigen.

Andere und ich würden Dir da gerne für Tipps und Kniffe zur Seite stehen und Gerd bietet Dir ja sogar an, ein LABOVAL II zu verleihen.

> Das finde ich auch extrem freundlich, aber fairerweise muss ich auch sagen, dass ich meine "Sturm-und-Drang-Zeit" des technischen Experimentierens nach Erprobung aller verfügbaren Techniken erfolgreich damit abschließen konnte, endlich meine persönliche "ökologische Nische" gefunden zu haben. Das ALM (nichts mit Berg und Tal ;)) ist bei mir somit nicht erst der Anfang, sondern schon das Ziel.


Klaus Herrmann

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #11 am: Januar 23, 2019, 17:51:43 Nachmittag »
Also ALM ist  bei dir ein Stemi (ok natürlich nicht so kurz, aber doch schon etwas präziser). Weil ALM ist für mich ein Auflichtmikroskop wie die Metallographiemikroskope. Und ein Stemi ist halt ein Stemi auch AL aber eben ein anderer Vergrößerungsbereich. ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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plaenerdd

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #12 am: Januar 23, 2019, 20:47:27 Nachmittag »
Hallo Melanie,
Du hast ja scon ein paar Mikroskope kennengelern, aber hast Du schon an einem inversen Durchlichmikroskop gearbeitet? Das bietet den Vorteil, ebenfalls ganze Petrischalen drauf stellen zu können, in denen die Lebewesen relativ natürlich unterwegs sind und gleichzeitig die Möglichkeit höherer Vergrößerungen und verschiedener Kontrastverfahren. Ich habe z.B. Phasenkontrast mit dabei, was z.B. bei Amöben oder Foramoiniferen sehr ginial ist.
Beste Grüße
Gerd
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dugesia

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #13 am: Januar 26, 2019, 15:45:06 Nachmittag »
Hallo Gerd,

das noch nicht, könnte aber praktisch sein. Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, waagerecht eine Probe mit der Stereolupe zu betrachten - wie ein "Eckengucker"? Irgendwas Einfaches zum Aufrüsten, was man an das Objektiv klemmt oder so?

Grüße
Melanie


plaenerdd

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Re: Drei Rätsel
« Antwort #14 am: Januar 26, 2019, 16:48:08 Nachmittag »
Hallo Melanie,
mit welcher Stereolupe arbeitest Du denn? Viel Geräte sind ja an einer senkrechten Stange montiert, von der sie sich relativ leicht abmontieren lassen. Dann kann man den Mikroskopkopf auf eine kleine Hebebühne legen/montieren, mit der man das Ding dann vor einem, Aquarium hin und herschiebt, bzw. hoch und runter leiert. Der 45-Gradeinblick bleibt bei der Drehung um 90 Grad ja erhalten. Das Aquarium sollte natürlich nicht sehr breit sein, weil man ja je nach Stereolupe einen Arbeitsabstand so um die 10cm hat, oft weniger.
Beste Grüße
Gerd
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