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Felspfütze 2

Begonnen von Michael Plewka, September 08, 2019, 09:24:43 VORMITTAG

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Michael Plewka

Hallo zusammen,

wie schon in dem anderen Beitrag angedeutet:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34992.0

hier nun der Bericht über eine andere Felspfütze und die einzige Rädertierform, die in dieser Probe gefunden wurde:




Rädertiere der Gattung Adineta können  schon bei schwacher Vergrößerung mit der Stereolupe aufgrund ihrer Bewegungsweise (ein charakteristisches Gleiten) im Gegensatz zur kriechenden Bewegung der anderen Bdelloiden erkannt und von diesen unterschieden werden.  In diesem Fall kam auch noch die orangerote Färbung dieser Viecher als charakteristisches Merkmal hinzu. Insofern war schon die große Anzahl dieser Rädertier-Form auffallend; andere Rädertiere waren nicht auszumachen.

Bei Betrachtung unter dem Mikroskop fallen  noch einige Details auf; dazu gehört beispielsweise der  Harkenapparat am Ende des bauchseitigen Cilienfeldes (Pfeilspitzen) sowie die  Anordnung der Sporen mit dem Zwischenraum:




Mehr dazu hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Adineta%20sp.18.html

Im Gegensatz zu anderen Rädertieren scheinen manche Adineta-Formen in besonderer Weise an diese Habitate angepasst zu sein.  Auch in anderen Felspfützen der bretonischen Küste fand ich besonders diese Gattung vor. Ebenfalls in der hier:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34992.0

zuvor beschriebenen Pfütze war eine Adineta zu finden, die sich aber von der obigen unterscheidet. Neben der Farbe des Integuments ist es u.a. die Form und Anordnung der Sporen, welche unterschiedlich sind:




Hier noch ein Schnappschuss der Vorderpartie in Seitenansicht:




Mehr dazu hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Adineta%20sp.16.html

Beider Formen sind in der Literatur (noch) nicht beschrieben.

Beste Grüße
Michael Plewka

limno

Hallo Michael,
Faszinierende Bilder, die Du für uns so detailreich aufbereitet und beschrieben hast! Danke! 8) :) . Ich frage mich jedoch, welche Art von Beute mit den gezeigten Harken gegriffen werden soll. Konntest Du sie schon mal in Aktion sehen? In den von Dir untersuchten nährstoffarmen Pfützen dürfte die Auswahl recht begrenzt sein. Als Beute kann ich mir z.B. Algen vorstellen, die in der Regel nicht davonschwimmen können.
Beste Grüße von
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

Michael Plewka

Hallo Heinrich,


vielen Dank für deinen Kommentar! Zu deiner Frage (es sei mir die Bemerkung gestattet, dass es genau solche Fragen sind, die das Forum für mich attraktiv und spannend machen!)

In vielen Literaturstellen findet man die Funktion des Harkenapparats so beschrieben: Adineta gleitet über das Substrat, wobei die Zähnchen des Harkenapparats wie ein Schabeisen den Bewuchs, z.B. Bakterien auf dem Substrat abschaben, worauf diese dann durch die Cilien in den Schlund befördert werden.


In der Tat sieht das Verhalten von Adineta auf einem Objektträger so aus: das Viech hat den Fuß festgeheftet und bewegt den Körper in wechselnden Richtungen vor und zurück, so dass im Endeffekt (im Idealfall eine kreisförmige Fläche mit der Anheftungsstelle im Mittelpunkt "abgegrast" wird.

Ich halte das allerdings für ein Artefakt: in der Natur gibt es keine Objektträger oder gläserne Oberflächen. Schaut man sich ein solches Viech unter dem Bino an, so sieht das anders aus: Adineta ist extrem biegsam,  das wird in der Seitenansicht von diesem Viech hier angedeutet (Der berühmte KOSTE hat übrigens eine ähnliche Situation gezeichnet.):



  Die Cilien des Cilienfeldes schlagen letztlich nach hinten, so dass durch die Reibung das Partikel in eine Drehbewegung versetzt wird, weil der Hinterleib/ Fuß als Gegenlager wirkt. Kleinere Partikel würden durch die Cilienbewegung einfach nach hinten gewischt und wären weg.  Und da kommt der Harkenapparat ins Spiel: bei kleinere Partikeln (Durchmesser ≤ der Kopflänge) wirkt der Harkenapparat als Gegenlager, so dass die Partikel gedreht und durch die Cilien "abgebürstet" wird. Nochmal ein Ausschnitt des obigen Bilds:




Daran haftende Bakterien gelangen dann in den Schlund. Zumindest dieses Verhalten habe ich schon oft gesehen (das 2. Bild hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Adineta%20sp.18.html
zeigt auch ein solches Verhalten). Ob die Bakterien wirklich so aufgenommen werden, habe ich allerdings experimentell noch nicht geprüft.


Beste Grüße
Michael Plewka