Suche Unterlagen zu Leitz Nomarski Interferenzkontrast

Begonnen von JMB, November 30, 2020, 19:28:24 NACHMITTAGS

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JMB

Liebe Mitmikroskopiker,

ich suche Informationen und Unterlagen zu dem (sehr?) seltenen Leitz Nomarski Interferenzkontrast für das Orthoplan. Ich habe sowohl das Forum, als auch das Internet befragt, aber nur sehr wenige Details gefunden.
Kann mir hier jemand helfen? Besonders interessant fände ich eine Bedinungsanleitung, falls es so etwas gab (was ich annehme). Was ich bereits gefunden habe ist der Pol-Mikroskop Katalog von ca. 1970, in dem Preise und die zugehörigen Einzelteile aufgeführt sind.

mit freundlichen Grüßen,

Jens

Jürgen Boschert

Beste Grüße !

JB

JMB

Hallo Jürgen,

erst mal vielen Dank für deine Antwort und die Bedienungsanleitungen.
Leider suche ich aber Informationen zu dem noch viel selteneren Nomarski-DIK von Leitz. Wolfgang hat hier https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=11155.0) den Kondensor und Ausschnitte aus einer Preis / Zubehörliste vorgestellt. Sollte also jemand von Euch hier noch weitergehende Informationen haben, wie etwa eine Bedienungsanleitung oder Ähnliches wäre ich daran sehr interessiert (etwa als Kopie, Pdf...).

mit freundlichen Grüßen,

Jens

Werner

Reichert in Wien hat den Nomarski Interferenzkontrast anscheinend häufiger gebaut (für Metallmikroskope ME-F und Zetophan).
Vielleicht ist bei denen etwas mehr zu finden.

Gruß - Werner

olaf.med

Hallo Jens,

ist das der die "Inteferenzkontrast-Einrichtung T". Wenn ja kann ich Dir einen Scan zuschicken, benötigte aber Deine email-Adresse.

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

ortholux

#5
Nein, Olaf, das ist nicht die "T".

Jens: zur Bedienung gibt es nicht viel zu sagen. Du schnallst den Kondensor unter den Tisch und schiebst den Prismenschieber in den Kompensatorschlitz Deines OrtholuxII- oder Orthoplan-Revolvers oder -Zangenwechslers. Nur da passt er. Leider nicht an den älteren Geräten wie Ortholux I , Laborlux, etc.

Ja, und dann am Prismenschieber kurbeln, bis man ein schönes Bild bekommt.

Die Objektive sind recht unkritisch. Ich habe von Achromaten bis hin zu Pl APOs, spannungsfrei oder nicht, viele probiert. Funktionieren tut es eigentlich immer. Man bekommt halt mehr oder weniger Farbgradienten im Bild.

Wolfgang

Jürgen Boschert

Hallo Olaf und die anderen Diskutanten,

nein, der T-DIC scheint nicht derselbe zu sein wie der Nomarski-DIC. Die Anleitung zum T-DIC hatte ich Jens schon zukommen lassen.

Mit dem Nomarski-DIC ist einfach das Problem, dass die Rechte ursprünglich beim CNRS lagen und sich alle Optikfirmen Lizenzen ausstellen lassen mussten. Manche Hersteller -wie eben auch Leitz- haben dann eigene Systeme entwickelt. Zeiss hat meines Wissens die Rechte später vom CNRS abgekauft.
Beste Grüße !

JB

olaf.med

Lieber Wolfgang,

kannst Du uns einmal erhellen worin der Unterschied zwischen dem Nomarski-Interferenzkontrast und dem normalen DIC besteht? Beides sind ja differenzielle Verfahren gleichen Prinzips, oder?

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

ortholux

#8
Lieber Olaf,

im wesentlichen in der "Hardware". Beide haben Kondensoren mit Prismenrevolvern zur Aufspaltung. Die Bildvereinigung macht den Unterschied.

Während im "Smith" das Prisma im Objektiv sitzt, sitzt es beim "Nomarsky" oberhalb. Dieses ist als Schieber mit "Prismengradient" (was das nun Kristalloptisch genau ist, weiß ich nicht) ausgestaltet, und somit wird nur ein Prisma für alle Objektive zur Bildvereinigung benötigt.

Danach kommt bei beiden der Analysator zur Interferenz.

Wolfgang

olaf.med

Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

JMB

Hallo Werner, Olaf, Jürgen und Wolfgang,

euch erst mal vielen herzlichen Dank für eure Antworten und eure Bereitschaft, mir vorhandene Unterlagen zu Verfügung zu stellen.

@Wolfgang: deine Erläuterungen zur Bedienung des Nomarski-DIK von Leitz sind sehr anschaulich und helfen definitiv weiter. Danke hierfür.

Eine Frage stellt sich mir noch: wie ist die Qualität des Leitz Nomarski-DIK im Vergleich zu den anderen von Leitz erhältlichen Interferenzkontrast-Verfahren (wie etwa DIK nach Smith.). Kann man hierzu Aussagen machen oder hat hier schon mal jemand Vergleiche angestellt?

mit freundlichen Grüßen,

Jens

ortholux

Zitat von: JMB in Dezember 02, 2020, 19:22:35 NACHMITTAGS

Eine Frage stellt sich mir noch: wie ist die Qualität des Leitz Nomarski-DIK im Vergleich zu den anderen von Leitz erhältlichen Interferenzkontrast-Verfahren (wie etwa DIK nach Smith.). Kann man hierzu Aussagen machen oder hat hier schon mal jemand Vergleiche angestellt?


Also, Jamin-Lebedeff ist außen vor. Der Bildeindruck ist ein völlig anderer als bei Smith oder Nomarsky. Der Smith ist meines Erachtens besser als der Nomarsky. So habe ich es nicht geschafft, trotz der im Katalog emfohlenen Objektive, einen gradientenfreien Hintergrund zu erzeugen.

Andererseits lädt er zum Experimentieren ein.

Vielleicht finde ich am Wochenende mal Zeit, Vergleichsaufnahmen zu machen.

Wolfgang

Peter V.

Hallo,

ich habe ebenfalls Erfahrungen mit dem Leitz "Smith-T"-DIK und dem Leitz Normarski-DIK. Vorweg: Ich hatte das seltene Glück, den seltenen Leitz-Normarski in offenbar völlig unverstellter originaler Ausstattung und Werksjustierung mit den formal passenden 170mm NPL Polobjektiven zu bekommen. Ich bekomme damit ein sehr gutes gradientenfreies Bild (besser als mit allen Zeiss-DIk-Systemen der Endlichära). Der Hintegrund ist hellgrau mit gutem ausgewogenem Kontrast. Dass Wolfgang in nicht gradientenfrei bekommt, liegt nach meiner Vermutung daran, dass das System nicht eiwnandfrei werkjustiert ist.
Der Smith-ICT hat einen eher leicht bräunlichen Hintergrund mit etwas stärkerem Kontrast. Man kann beide DIKs gut am Bild unterscheiden, wenn man sie kennt - mit einem Foto ist das vermutlich nicht gut darzustellen. Der Leitz-Nomarski ist aber eine abolute Rarität, außer mir und Wolfgang (der sich das System zudem über Jahre zusammenstellen musste und nur durch Zufall des richtigen Zentralschieber gefunden hat) kenne ich keinen Leitz Nomarski-Besitzer. Es scheint übriegns so zu sein, dass der Nomarski auch von CNRS für Leitz produziert wurde, denn der Kondensor ist überhaupt nicht Leitz-typisch verarbeitet, sondern ungewöhnlicherweise aus Kunststoff mit sehr "wabbeliger" Rastung, hat eine für Leitz untypische Form und ein Leitz-untypisches Design und wirkt lange nicht so wertig die man es von Leitz kennt. Das ist nicht die Verabeitungsqualität, die man von Leitz aus der Zeit kennt. Ich vermute, dass Leitz ihn nur in geringer Stückzahl für Käufer, die unbeidngt das System nach Normaski haben wollten, zugekauft hat, um es a u c h anbieten zu können.
Der Smith-ICT-Kondensor hingegen ist in typischer 1a-Leitz-Qualität, wie man es auch von den Phasenkondensoren kennt.
Fest steht: Beide DIKs von Leitz gefallen mir bessr als alle Zeiss-DIKs der Endlichära - das ist aber Geschmacksache. Entsprechend ist der Preis eines Leitz Smith-ICT auch deutlich höher als der eines "endlichen" Zeiss DIKs.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

JMB

Hallo Wolfgang und Peter,

Danke für diese ausführlichen Informationen. Ich frage hier nach, da ich einen kompletten Leitz Nomarski-DIK angeboten bekommen habe (inklusive der passenden NPL Polobjektive und dem Schieber - sogar der Preis wäre ok). Die Suche nach einem eventuell irgendwann einmal kompletten Smith-DIK scheint mir zeitlich und auch monetär gesehen sehr aufwendig.
Man kann hier also erst mal nicht viel falsch machen, wenn man das System vor Kauf testet. Euch jedenfalls vielen Dank für die Hilfe.

mit freundlichen Grüßen,

Jens

Holger Adelmann

#14
Zitat von: olaf.med in Dezember 02, 2020, 17:17:30 NACHMITTAGS
Lieber Wolfgang,

kannst Du uns einmal erhellen worin der Unterschied zwischen dem Nomarski-Interferenzkontrast und dem normalen DIC besteht? Beides sind ja differenzielle Verfahren gleichen Prinzips, oder?

Herzliche Grüße, Olaf

Hallo Olaf,

da kann ich etwas helfen:
Der DIC nach Smith verwendet objektivseitig Wollaston Prismen. Diese müssen in der hinteren Brennebene des Objektives liegen, da dort die vorher im kondensorseitigen Prisma aufgespaltenen Wellenzüge wieder vereinigt werden.

Nomarski hat das klassische Wollaston-Prisma durch einen anderen Schnitt so modifiziert, dass die Ebene der Wiedervereinigung aus dem Prisma heraus verlegt wird. Dadurch ist der DIC mit dem Nomarski-Prisma technisch einfacher zu realisieren, da man das Prisma nun ein ganzes Stück oberhalb der (nicht immer einfach erreichbaren) hinteren Objektivbrennebene anordnen kann.

Herzlich,
Holger