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Astrablau-Safranin-Färbung

Begonnen von Mikroskoperi, Februar 09, 2021, 10:51:14 VORMITTAG

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Mikroskoperi

Vielen Dank, da habt ihr recht :)

Zumal die Karmin-Essigsäure aus meiner Dokumentation eine Konzentration von 45% hat. Und auch diese habe ich letztendlich aus 80%iger Säure verdünnt.

Viele Grüße
Hans

Bob

Zitat von: Mikroskoperi in Februar 11, 2021, 18:19:23 NACHMITTAGS
Salzsäure bekommt mal wieder einen Ehrenplatz auf der Liste ,,Chemikalien an die ich nicht herankomme oder nicht herankommen will".
Lassen sich Färbungen im allgemeinen auch in normalem Alkohol differenzieren?

Hallo Hans Muff,
es ist bei Mikroskopie-Rezepten extrem wichtig, sich eingehend selbst mit Gefährlichkeit und Entsorgungsproblemen der verwendeten Substanzen zu befassen. In den gängigen Rezepten werden Tod und Teufel kommentarlos neben Salz und Zucker aufgeführt, ohne dass auf den entscheidenden Unterschied eingegangen wird. Es ist dabei nicht leicht, für sich selbst die Bewertung vorzunehmen, da es für praktisch alle Stoffe Warnhinweise gibt und es nicht so leicht ersichtlich ist, was wirklich kritisch ist. Ich frage da im Zweifel die Chemiker aus unserer Arbeitsgruppe und interpretiere die Antworten. Die können auch mal lauten:" Das ist harmlos, man darf es nur nicht an die Haut bekommen, dann ist man tot." ;D
Ein guter Stützpunkt zur Beurteilung ist, herauszufinden, wie kritisch ein Stoff im Vergleich zu haushaltsüblichen Stoffen eigentlich ist. Gegenüber Abflussreiniger würde ich für mich 24% Salzsäure als unkritischer einstufen. Das Zeug ist übrigens korrosiv, führ zu Rost an Stahl-Gegenständen und schädigt Linsen-Vergütungen, also sauber arbeiten und überlegt lagern. Wenn Du was neues Anfangen möchtest, könntest Du z.B. hier im Forum um eine Beurteilung der Stoffe bitten.

Zum Differenzieren: Viele Farbstoffe sind schneller wieder weg, als einem lieb ist. Das Safranin ist ein regressiver Farbstoff, er färbt zunächst alles und wird erst durch das Differenzieren selektiv. Und er hält sich gut fest, ist also nicht so leicht zu differenzieren. Mit 70% Ethanol alleine bin ich da nicht weit gekommen.

Viele Grüße,

Bob

plaenerdd

Hallo,
zur Säureproblematik möchte ich noch bemerken, dass agressive Chemikalien und ganz besonders Säuren nicht in den gleichen Schrank gehören wie das Mikroskop oder andere optische Geräte. Die aggressiven Dämpfe reichen zusammen mit genügend Zeit aus, um diese Geräte zu ruinieren. Eigentlich gehören sie in einen Schrank, der entlüftet wird, aber wer hat das schon zu Hause.
Als vielseitig interessierter Mikroskopiker, der vielleicht auch noch alte Gerät restauriert, kommt man um ein gewisses Arsenal von Chemikalien nicht umhin. Ich habe bei meinem aber mehr Angst um die Feuergefahr, die von diversen Lösungsmitteln wie Ethanol, Waschbenzin, Aceton, Xylol und Isipropanol ausgeht.
Du hast mit 15 Jahren noch nicht so viel Erfahrung mit Chemikalien und der Chemieunterricht ist heutzutage auch sehr theoretisch geworden. Darum bitte nicht zögern, hier zu fragen! Hier sind reichlich Chemiker vertreten.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ SMXX;
Inverses: Willovert mit Ph

Mikroskoperi

Vielen Dank euch.
Ich habe das Glück mich auch für Chemie sehr zu interessieren, und kenne mich so mit den Grundlagen gut aus. Schutzbrille und Säureschutzhandschuhe liegen immer neben meinem Tisch, alle Chemikalien (Isopropanol, Ethanol, Laugen und Salzsäure) lagern im belüfteten Keller, viele Zimmer vom Mikroskop entfernt. Auch auf die Entsorgung werde ich achten, zumal die Salzsäure dabei neutralisiert werden muss.

Viele Grüße
Hans

Herbert Dietrich

Hallo Hans,

eine bewährte Färbemethode ist der alte, gute Kopierstift.
Schau mal ob Du den in dem Schreibwarenladen Deines Vertrauens noch findest.
Meist ist Methylviolett die Farbsubstanz.

Herzliche Grüße

Herbert

unkenheini

Moin Hans,
Wenn ich meine Safline Etzold FCA Lösung stark verdünnt einwirken lasse ist keine Differenzierung erforderlich.Als Differenzierung reicht der Alkohol bei den Alkoholstufen. Ich habe sowohl die Einzelfarblösungen als auch die Farblösungsgemische nach Etzold FSA,aber am besten gefällt mir das Ergebnis mit der verdünnten Safline FCA Lösung.Ich habe schon öfter bei Thorns bestellt,und es immer sehr gut geklappt.
Viel Spaß
Jörg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg G.

p.s. Mir ist es lieber mit Du angesprochen zu werden als mit Sie.Danke.

Captain Quark

Ich wollte mich hier bezüglich Herberts Rat zum Kopierstift noch erkundigen, wie man das richtig macht. Mehrmals habe ich hier im Forum schon von der "Kopierstiftfärbung" gelesen.
Probeweise habe ich mir einen solchen Stift von FaberCastell gekauft und wollte mit der blauen Seite einen Stängelquerschnitt (Epipremnum aureum)färben. Dazu habe ich mit dem Stift in einem Uhrglas in einem Leitungswassertropfen "gemalt" bis dieser sichtbar blau war. Dann habe ich je eine Probe 20min und eine andere 2 Stunden eingelegt. Nach 20min sah man gar keinen Farbeffekt, nach 2 Stunden das untenstehende Bild. Ich erkenne ein paar Farbpigmente, aber keine Färbung der Gewebe...
Habe ich etwas falsch gemacht? Muss man evtl. ein andere Lösungsmittel verwenden? Auf dem Stift steht "Wasserlack", dokumentenecht etc.
Wie färbt man ein Präparat mit einem solchen Stift?

Grüße
Julian
Habe einen Bachelor aus dem Lehramt Biologie, befinde mich gerade im Masterstudium.
Servoscope Hellfeld
Olympus CHB
Leitz HM-Lux 3
und weiteren Kram.

Am liebsten mag ich das Dunkelfeld :)

Herbert Dietrich

Hallo Julian,

vermutlich wurde bei den Kopierstiften die Rezeptur geändert, soweit mir bekannt wurde in den alten Kopierstiften Methylenblau verwendet. Das färbte sehr ordentlich, ist aber giftig.
Methylenblau ist bei Biologie-Bedarf-Thorns erhältlich.

Herzliche Grüße
Herbert

Herbert Dietrich

Hallo Julian,

nun habe ich meinen Alten Kopierstift hervorgekramt, in etwas Wasser und ein paar Tropfen Isopropanol
in einem Salznäpfchen mit dem Stift gemalt bis eine deutliche Blau-Violett-Färbung entstand, etwas Material von der Innenseite der
Wange abgeschabt und dazugegeben.
Sofort einen Tropfen auf einen Objektträger, Deckglas drauf und mikroskopiert.
Das Foto entstand mit einem Leica Objektiv N-Plan 40/0,65

Herzliche Grüße

Herbert

Thomas M

Zitat von: Herbert Dietrich in Oktober 30, 2021, 19:57:51 NACHMITTAGS
Hallo Julian,

vermutlich wurde bei den Kopierstiften die Rezeptur geändert, soweit mir bekannt wurde in den alten Kopierstiften Methylenblau verwendet. Das färbte sehr ordentlich, ist aber giftig.
Methylenblau ist bei Biologie-Bedarf-Thorns erhältlich.

Herzliche Grüße
Herbert

Methylenblau eher nicht.

In den alten Kopierstiften kamen in der Regel Farbstoffmischungen mit Methylviolett als farbgebende Hauptkomponente zum Einsatz. Andere Namen waren Kristallviolett oder Gentianaviolett. Der Farbstoff selbst war auch keine Reinsubstanz sondern selbst wiederum ein Gemisch verschiedener Triphenylmethanfarbstoffe mit insgesamt violetter Farbgebung.

Methylviolett kann akut durchaus gefährlich sein, wenn man die Substanz z.B. in eine offene Wunde oder ins Auge bekommt. Seit einigen Jahren steht Methylviolett außerdem im Verdacht krebserregend zu sein, was wohl der Hauptgrund dafür ist, dass es in der Öffentlichkeit nicht mehr verwendet wird.

Herzliche Grüße
Thomas

Herbert Dietrich

Hallo Thomas,

danke für die Erklärung. bestimmt ist der Farbstoff Methylviolett. Methylenblau war in meinem Kopf dafür abgespeichert, warum auc immer?
Die Färbung scheint mit den neuen Kopierstiften nicht mehr zu funktionieren.

Herzliche Grüße

Herbert

Captain Quark

Hallo Herbert und Thomas!

Vielen Dank für die Erklärungen und die Fotos! Es war ja nur ein kleines Experiment - evtl. finde ich noch irgendwo ältere oder andere Kopierstifte!
Die Farbe vom Staedler Stift scheint deutlich mehr Lilaeinschlag zu haben. Vielleicht kann mir das eine Suchhilfe sein.
Natürlich könnte man ganz normales Methylenblau verwenden, aber die Methode mit diesem Stift scheint mir so derart einfach und elegant, dass ich sie gerne an meine Schüler*innen weitergeben wollen würde. Ich mach gerade mein erstes Dienstjahr und würde die Mikroskopie gerne an meiner Schule etwas voran treiben ;)

Julian
Habe einen Bachelor aus dem Lehramt Biologie, befinde mich gerade im Masterstudium.
Servoscope Hellfeld
Olympus CHB
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Am liebsten mag ich das Dunkelfeld :)

Herbert Dietrich

Hallo Julian,

Du willst die Mikroskopie an Deiner Schule etwas vorantreiben.  Da rennst Du vermutlich in unserem Forum offene Türen ein :)

Aus Dieter Gerlach: "Mikroskopieren - ganz einfach" zitiere ich aus Seite 30:
Zum Färben unserer Plattenepithelzellen eignen sich auch verschiedene Füllfederhaltertinten. Als gut brauchbar erwiesen sich dabei z.B. die violette Tinte von Montblanc und die königsblaue Tinte von Pelikan. Zitat Ende

Ich schreibe Dir mal eine PN

Herzliche Grüße

Herbert

Captain Quark

Hallo Herbert,

vielen Dank für die ganzen nützlichen Tipps! Pelikan Königsblau hab ich bereits besorgt, Montblanc werde ich sicherlich ausprobieren!

Liebe Grüße
Julian
Habe einen Bachelor aus dem Lehramt Biologie, befinde mich gerade im Masterstudium.
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Am liebsten mag ich das Dunkelfeld :)

plaenerdd

Hallo Julian,
Da wir gerade so schön bei den Färbungen mit "Hausmitteln" sind: Kennst Du schon den Beitrag "Mitose aus dem Supermarkt"?
LG Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
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Inverses: Willovert mit Ph