Autor Thema: Grünalge auf Grünalge - Vielleicht Aphanochaete?  (Gelesen 13032 mal)

Wolfgang Bettighofer

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Grünalge auf Grünalge - Vielleicht Aphanochaete?
« am: November 13, 2008, 22:59:42 Nachmittag »
Liebe ForumleserInnen,

heute nutze ich mal das neue Forum für Problemlösungen "aller Arten" und frage nach einer Grünalgenart. Nun ja, mit dem Hinwies auf eine Familie wäre ich schon glücklich. Mir fällt gar nichts ein.
Die Basisalge ist klar: Oedogonium. Die Frage gilt dem Aufwuchs.
- Chlorophycee ist klar wegen der gut sichtbaren Pyrenoide
- Ob die beiden Fotos Entwicklungsstadien darstellen, weiß ich nicht. Ich nehme es mal an...
Ich war damals leider schlampig und habe nicht in den wenigen Tagen, die die Probe überstand, täglich nachgesehen, wohin sich das entwickelt. Als ich dann wieder dazu kam, war die Probe hinüber.

Ich würde mich über Rückmeldungen freuen.


Danke, Wolfgang Bettighofer

PS: Wir sehen eine 3-stufige Epiphytenhierarchie: Bakterien auf dem unbekannten Oedogonium-Epiphyten, und Oedogonium selbst wuchs auf im Wasser hängenden Gramineenwurzeln.






Planapo 63/1,4, DIK
« Letzte Änderung: November 19, 2008, 22:18:05 Nachmittag von Wolfgang Bettighofer »
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Oliver S.

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Re: Grünalge auf Grünalge
« Antwort #1 am: November 16, 2008, 15:56:44 Nachmittag »
Hallo Herr Bettighofer,
das ist ja wirklich eine interessante Aufnahme! Kann man eigentlich ausschließen, dass der Aufwuchs angewachsene Zoosporen von Ödogonium selber sind? Die Zoosporen von Ödogonium brauchen doch eine Unterlage um anzuwachsen, oder täusche ich mich da? Auf den Gedanken bin ich gekommen, weil die Pyrenoide des Aufwuchs dem der Hauptalge erstaunlich ähnlich sehen.
MfG Oliver
(gern per "Du" )

Wolfgang Bettighofer

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Re: Grünalge auf Grünalge
« Antwort #2 am: November 16, 2008, 16:11:38 Nachmittag »
Hallo Oliver,

Pyrenoide bei Grünalgen sehen gerne mal so aus, wie hier gezeigt. Oedogonium wächst nach Bilden der Verankerungsrosette fadenförmig mit länglichen Zellen. Beispiele dazu sind in meiner Micro*Scope-Collection der taxonomischen Datenbank des Bay Paul Marine Center (Marine Biological Laboratory in Woods Hole (Massachusetts)) zu finden:
http://starcentral.mbl.edu/microscope/portal.php?pagetitle=assetfactsheet&imageid=25053.

Die Suche geht weiter. Wenn sich nicht irgendjemand meldet, der diese Stadien kennt, muss ich wohl warten, bis ich wieder so was unter die Linse bekomme und dann kontinuierlich dabei bleiben.

Tschüß, Wolfgang
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Michael Plewka

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Re: Grünalge auf Grünalge
« Antwort #3 am: November 17, 2008, 19:00:51 Nachmittag »
hallo Herr Bettighofer,
sicherlich ist Ihnen aus dem "Wassertropfen"  Ectochaete bzw. Aphanochaete bekannt. Zwar weist die Alge in Iherm Foto keine Borsten ("Chaete") auf, dennoch: kann man denn eine Art aus dieser Gruppe (Chaetophoraceae) ausschließen?
beste Grüße Michael Plewka

Wolfgang Bettighofer

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Re: Grünalge auf Grünalge
« Antwort #4 am: November 17, 2008, 23:30:39 Nachmittag »
Herr Plewka,

ich würd' sagen, das iss es: Ectochaete. Vielen Dank! Der Name spricht ja schon Bände, die Beschreibung von Heinz Streble tut ein übriges. Die Setae (Haare) werden üblicherweise erst später in der Entwicklung gebildet (Info von Sebastian Hess).
Wieso bin ich nicht draufgekommen? Mit den sehr fitzeligen Grünalgenzeichnungen im Streble/Krauter stehe ich etwas auf Kriegsfuß, die Chaetophora, die ich kürzlich zeigte, habe ich auch erst über Fott/Algenkunde bestimmt und dann gemerkt, dass Streble sie auch drin hat (und dabei nicht geschafft, eine Zeile höher zu gucken... >:( :'( Sie sehen mich zerknirscht...
Mir fehlt eine übersichtliche Monographie über Chlorophyta, wenn Sie einen Tipp hätten, wäre ich dankbar.

Tschüß, Wolfgang Bettighofer
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Michael Plewka

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Re: Grünalge auf Grünalge
« Antwort #5 am: November 18, 2008, 18:32:47 Nachmittag »
hallo Herr Bettighofer,
freut mich, wenn ich helfen konnte.... Zu Ihrer Frage nach Literatur muss ich passen. ich habe selbst (noch) keine außer den üblichen (Kosmos) Sachen. Ich meine mich zu erinnern, dass Herr Kreutz im alten Forum noch nach einer Grünalge gefragt hatte und dabei auf ein Buch, das wohl bei Google online war, verwiesen hatte. Ich hatte mir den link nicht gespeichert, und dann war es zu spät... Vielleicht war es aber dieses Werk: The Freshwater Algal Flora of the British Isles.  http://www.google.de/books?id=Sc4897dfM_MC&printsec=frontcover&dq=freshwater+algae&lr=#PPA435,M1 .  Dort befindet sich auf S.435  Coleochaete irregularis: Vielleicht ist das Buch ja was....
beste Grüße Michael Plewka

Wolfgang Bettighofer

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Re: Grünalge auf Grünalge
« Antwort #6 am: November 18, 2008, 21:03:15 Nachmittag »
Hallo Herr Plewka,

herzlichen Dank für diesen Link. Das Buch hat auf jeden Fall ein solides Volumen. Mal sehen, was die UB sagt.

Tschüß, Wolfgang Bettighofer
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André

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Re: Grünalge auf Grünalge --> Es ist wohl Ectochaete oder eine nahe Anverwandte
« Antwort #7 am: November 19, 2008, 08:52:35 Vormittag »
hallo an Alle

ich habe dieses genannte Buch und kann es nur befehlen.Viele Schlûssel,Zeichnungen,Beschreibungen .....
Ein Extrakt über Coleochaete;
Wolfgang:
Die Bilder sind ausgezeichnet!

Freundliche Grüsse
André Advocat

Wolfgang Bettighofer

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Re: Grünalge auf Grünalge --> Es ist wohl Ectochaete oder eine nahe Anverwandte
« Antwort #8 am: November 19, 2008, 17:10:26 Nachmittag »
Hallo André,

danke für die Info. Wird denn diese spezielle, auf Oedogonium aufwachsende Form "Ectochaete" (ggf. heißt sie inzwischen anders) auch angesprochen?

Tschüß, Wolfgang
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André

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Re: Grünalge auf Grünalge --> Es ist wohl Ectochaete oder eine nahe Anverwandte
« Antwort #9 am: November 19, 2008, 20:42:40 Nachmittag »
Hallo Wolfgang

Bourrelly (Les algues d'eau douce) beschreibt Echtochaete als eine endophytische Alge, die ein langes Haar mit  zwiebelförmiger Basis die die Kutikule von der bewohnte Alge durch brecht.Er sagt dass es nur eine frischwasserspecies gibt bei uns: E.endophytum (Möb.) Wille,aber auf Cladophora.

Im The freshwater of the British Isles,ist wie du es ahnest,Ectochaete (Huber) Wille ,Entocladia geworden,und da haben wir zwei species:

Entocladia cladophora (auf Cladophora glomerata und Rhizoclonium hieroglyphicum) und Entocladia endophytica =ectocladia endophyticum; (immer auf Cladophora)
jezt eine Frage: bist du sicher das deine Alge ein Oedogonium ist ? Ich finde dass die Ringe am Ende der Zellen nicht so auffallen?

PS:
1- Ich finde dass unsere Alge einem Coleochaete irregularis gleicht (aber die sind auf Höhere Planzen Schmarotzer)
2-Eine die auf oedogonium angegeben ist wâre Aphanochaete pilosissima aber die hat Hahre mit einer "fimbriatische" Basis!
3-Man hat den Eindruck auf dem ersten Photos dass die Schmarozer Alge den Chloroplast nach oben dringt: wäre es doch eine Endophytische Alge?
Freundliche Grüsse
André Advocat

Wolfgang Bettighofer

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Re: Grünalge auf Grünalge - Vielleicht Aphanochaete?
« Antwort #10 am: November 19, 2008, 22:10:59 Nachmittag »
Hallo André,

wir wollen es genau wissen! Schön, dass Du mitdiskutierst.
Ich kenne mich in diesen alten Ordnungen Ulotrichales und Siphonocladales (noch) nicht besonders gut aus. Außerdem konnte ich augenscheinlich nicht lesen: Im Streble/Krauter steht ganz klar drin, dass Ectochaete auf Cladophora schmarotzt.
Ich habe nun erst mal genau im Streble/Krauter, im Fott (Algenkunde) und im Canter-Lund/Lund (Freshwater Algae) nachgesehen und außerdem dem Protist Information Server besucht.
Ich hatte damals zwar auch Cladophora in der Probe, aber deren Zellen sind ganz anders, schlauchartig (Siphon). Der Chloroplast ist netzförmig, mit vielen kleinen Pyrenoiden, hier ein gutes Bild: http://protist.i.hosei.ac.jp/PDB4/PCD2863/htmls/65.html. Der Faden, auf dem meine Grünlinge aufsaßen, zeigte an anderer Stelle die berühmten Zellwandringe. Ich hatte nur noch keine Zeit, diese Bilder fertig zu stellen, sonst könnte ich sie schon zeigen. Die Diagnose Oedogonium für die Trägerzellen ist gesichert.
Und: Um "ento" zu leben, benötigt es eine Röhre der Siphonocladales. Also haken wir Ectochaete/Entocladia ab.

Aphanochaete...
Wenn man sich dieses Bild vom Protist Information Server ansieht (http://protist.i.hosei.ac.jp/PDB6/PCD0308/D/20.jpg), dann passt das mit Ausnahme der fehlenden Seta (des Borstenhaares) sehr gut. Da ich aus sicherer Quelle (Sebastian Hess) vernommen habe, dass die Setae sich gerne mal Zeit mit dem Auswachsen lassen, akzeptiere ich Aphanochaete spec. nun erst mal als grobe Richtung. Ich habe meine ca. 60 Schichtaufnahmen nochmal durchgesehen: Nirgends ein Haar-Ansatz...
Und weil Melkonian in Box 95 betont, dass der gemeinsame Besitz von Borstenhaaren allein noch kein Indiz für eine nähere Verwandtschaft ist und ich von Sebastian auch gehört habe, dass eine gründliche Revision der Ulotrichales gefordert wird, bin ich nun vorsichtig mit dem Wort "Verwandtschaft".

Tschüß, Wolfgang
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