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Dicke von Deckgläsern?

Begonnen von raimcomputi, August 13, 2021, 15:22:00 NACHMITTAGS

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derda

Guten Morgen Peter,

zwischen richtig und falsch gibt es einige Zwischenstufen. Ein Deckglas soll auf eine Dicke zwischen 0.15-0.17 mm kontrolliert werden. Die Goldene Regel der Messtechnik verlangt eine 10x höhere Messgenauigkeit vom Messmittel => ~0.015 mm. Deine Messuhr misst noch eine Zehnerpotenz genauer aber gleichzeitig verschenkst du Anteile der Genauigkeit bei der Messung durch vollflächige Auflage des Deckglases. Von daher reicht auch eine einfache Bügelmesschraube mit einer Ablesegenauigkeit von 0.01 mm völlig aus. Eine solche kostet neu weniger als 20€ und keinerlei weitere Bastelarbeit ist notwendig.

Trotzdem gefällt mir dein Messgerät natürlich.

Viele Grüße,

Erik

jcs

Die einfachste Methode der Dickenbestimmung ist direkt am Mikroskop: Das Deckglas an der Ober-  und unterseite mit einem schwarzen Stift markieren und unter das Mikroskop legen. Dann jeweils auf der Ober- und Unterseite scharf stellen, am Fokustrieb die Werte ablesen und die Differenz bilden. Diesen Wert dann mit dem Brechungsindex des Glases (typischerweise 1,525 bei Deckgläsern) multiplizieren, um die Deckglasdicke zu bekommen. Wenn der Brechungsindex ausreichend genau bekannt ist, bekommt man so recht präzise Dicken (vorausgesetzt, der Feintrieb erlaubt die Ablesung im einstelligen µm-Bereich).

LG

Jürgen

Thomas Böder

Meine Methode zur Dickenmessung.
Das wundervolle Messgerät hat mir mal ein befreundeter Uhrmacher geschenkt.

Rundes Deckglas:




Quadratisches Deckglas:



Grüße, Thomas.
Hauptmikroskope: Leitz Panphot, Ortholux, Zeiss Nf u. Technival u. Citoval 2, Reichert Zetopan
Kleinmikroskope: reichlich...

ImperatorRex

#18
Hallo Thomas...gleiches Fabrikat. Eine tolle Meßuhr mit Vorrichtung, möchte ich nicht mehr missen:



viele Grüße
Jochen

Holger x

Hallo,

etwas verspätet aber vielleicht nochmal etwas stilvoller mit einer von Zeiss für die Deckglasmessung gefertigten Mikrometerschraube und dem Katalogeintrag von ca. 1934. Das Teil ist praktisch unbenutzt, was vielleicht für die Häufigkeit steht, mit der es wirklich notwendig ist das Letzte rauszuholen.

Viele Grüße
Holger

rlu

#20
Hallo Jürgen,
was meinst du damit?
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?msg=308591
ZitatDas Deckglas an der Ober- und unterseite mit einem schwarzen Stift markieren und unter das Mikroskop legen. Dann jeweils auf der Ober- und Unterseite scharf stellen, am Fokustrieb die Werte ablesen und die Differenz bilden. Diesen Wert dann mit dem Brechungsindex des Glases (typischerweise 1,525 bei Deckgläsern) multiplizieren, um die Deckglasdicke zu bekommen.
Verstehe ich nicht. Warum soll das funktionieren? Es kommt auch nichts richtiges raus? Kann auch an meinem Bresser liegen und der verwendeten Skala.

Ich hätte das Deckglas mit einem Meßschieber oder Bügelmeßschraube gemessen.
Und so wie du das Deckglas und den Objekträger schwarz markiert.
Mit der Differenz von den beiden Skalenwerten, dann über ein Verhältnis/Dreisatz die Dicke ermittelt.
Aufpassen, der Tisch hat ein Gewindespiel(zumindest bei mir).
Immer von der gleichen Richtung nähern und mehr zurückkurbeln als notwendig, wenn man scharf stellt.

Liebe Grüße
Rudolf


jcs

#21
Zitat von: rlu in Dezember 13, 2023, 12:17:09 NACHMITTAGSVerstehe ich nicht. Warum soll das funktionieren? Es kommt auch nichts richtiges raus? Kann auch an meinem Bresser liegen und der verwendeten Skala.
Hallo Rudolf,

warum soll das nicht funktionieren? Du musst nur jeweils die Ober- und Unterseite des Deckglases scharf stellen, die Skala ablesen und mit dem Brechungsindex des Glases (1,52) multiplizieren.

Auf meinem Mikroskop entspricht ein Teilstrich der Skala 1µm Hub des Tisches (siehe erstes Bild). Ich muss also nur zweimal die Skala ablesen und die Differenz bilden. Als Beispiel habe ich Präzisionsdeckgläser verwendet (170+-5µm), um das Prinzip zu illustrieren.

deckglas-1.jpg

deckglas-2.jpg

Dazu habe ich auf der Oberseite des Deckglases einen Strich mit einem schwarzen Filzstift gemacht und auf der Unterseite quer dazu eine Strich mit einem blauen Filzstift. Dann habe ich mit einem 20er-Objektiv (geringe Tiefenschärfe ist besser, daher ein höher vergrößerndes Objektiv) auf den schwarzen Strich fokussiert und die Skala am Feintrieb abgelesen. Dann wurde auf den blauen Strich auf der Unterseite fokussiert und die Skala wiederum abgelesen.

deckglas-3.jpg

deckglas-4.jpg

Die Differenz der Skalenwerte war 112. Diesen Wert muss man jetzt mit dem Brechungsindex des Glases multiplizieren, um die Deckglasdicke d zu bekommen:

d=delta_skalenwert*n = 112*1,52 = 170,2µm

Das funktioniert also recht genau, wenn der Brechungsindex ausreichend genau bekannt ist. Natürlich musst Du schauen, welchem Tischhub ein Skalenstrich auf Deinem Mikroskop entspricht.

Gute Feintriebe sind übrigens praktisch spielfrei, habe ich bei meinem Mikroskop jedenfalls gerade festgestellt.

LG
Jürgen



Rawfoto

Guten Abend

Wenn man ein Spiel im Trieb hat hilft nur, gegen die Schwerkraft bewegen (nach oben) & weg ist es, das Spiel .-)

Die Messuhr ist natürlich bequemer weil man direkt ablesen kann wie dick das Deckglas ist.In der Praxis brauche ich das nie, einfach hochwertige Deckgläser verwenden. Nicht vergessen, wenn das Objekt nicht direkt am Deckglas aufliegt kommt noch dieser Bereich dazu.

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Wutsdorff Peter

Eine  µ- Uhr ist natürlich eine feine Sache .
Aber ich bezweifle, ob tatsächlich der richtige Wert angezeigt wird . Die Welligkeit der Auflage muß kleiner als 1µ sein! Ist das gewährleistet?
Gruß vom Ingenieur Peter

Peter V.

Hallo,

ketzerische Frage: Wozu benötigt der Durchschnittsmikroskpiker hochpräzise Deckgläser?

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Florian D.

Bei der Angabe 0,17 mm geht es eigentlich nicht nur um die Deckglasdicke, sondern dazu zählt, wenn vorhanden, auch die Schichtdicke eines Einbettmediums über dem Präparat, z. B. wenn das Deckglas mit UV-Kleber oder Kanadabalsam auf einen Schliff aufgeklebt wird.

Viele Grüsse
Florian

Beatsy

#26
Zitat von: Peter V. in Dezember 13, 2023, 20:03:00 NACHMITTAGSHallo,

ketzerische Frage: Wozu benötigt der Durchschnittsmikroskpiker hochpräzise Deckgläser?

Herzliche Grüße
Peter

Hi Peter,

because the coverslip is effectively the front element of the objective and "designed in" to the optics. A coverslip of the wrong thickness causes spherical aberration. This is not so important at low power and low NA.

Cheers
Beats
Knowledge is cheap. Experience is not.

schmidt

Liebe Forumsgemeinde, Hallo Jürgen,
Ich benutze ebenfalls eine handelsübliche Bügelmeßschraube.
Eine Frage  stellt sich mir aus der Diskussion.
Bei der Dicke- bzw. Höhenmessung mit dem Feintrieb des Mikroskopes schreibst Du den erhaltenen Wert muss man mit dem Brechungsindex des Glases multiplizieren.
Ist mir jetzt nicht ganz klar warum. Dann müsste man doch bei jeder Messung z.B von Zelldicken etc. den jeweiligen Brechungsindex des Objektes ermitteln oder kennen ? Das war mir bis jetzt nicht so bewusst.
Das durchgehende Licht erfährt eine Phasenverschiebung, das beeinflusst die Messung der Strecke, wenn ich auf Ober- oder Unterseite des Messobjektes fokussiere?

Viele grüße
pschmidt
Mikroskope:
Lomo Biolam Ph+; DF; HF-Abbe; Epi HF/DF/Pol; Epi-Fl; //Biolar DIK, IK, Ph variabel+-//
Nikon Eclipse -U  HF; DIK, Ph+, Epi-Fl//
MBS 10

Florian D.

Zitat von: schmidt in Dezember 14, 2023, 08:17:25 VORMITTAGBei der Dicke- bzw. Höhenmessung mit dem Feintrieb des Mikroskopes schreibst Du den erhaltenen Wert muss man mit dem Brechungsindex des Glases multiplizieren.
Ist mir jetzt nicht ganz klar warum. Dann müsste man doch bei jeder Messung z.B von Zelldicken etc. den jeweiligen Brechungsindex des Objektes ermitteln oder kennen ? Das war mir bis jetzt nicht so bewusst.

Die Methode wird "Methode des Duc de Chaulness" genannt und das Prinzip ist relativ einfach: Die von einem Punkt im Medium ausgehenden Strahlen werden beim Übergang in Luft nach dem Snelliusschen Brechungsgesetz von der Achse weggebrochen. Verlängert man diese gebrochenen Strahlen ins Medium, kommt der Schnittpunkt oberhalb des ursprünglichen Punktes zu liegen. Macht man das mit 2 Punkten in unterschiedlicher Tiefe und betrachtet nur kleine Winkel (niedrige Apertur) so findet man, dass man den scheinbaren Abstand mit n multiplizieren muss um den wahren Abstand zu erhalten.

Viele Grüsse
Florian

jcs

Zitat von: schmidt in Dezember 14, 2023, 08:17:25 VORMITTAGBei der Dicke- bzw. Höhenmessung mit dem Feintrieb des Mikroskopes schreibst Du den erhaltenen Wert muss man mit dem Brechungsindex des Glases multiplizieren.
Ist mir jetzt nicht ganz klar warum. Dann müsste man doch bei jeder Messung z.B von Zelldicken etc. den jeweiligen Brechungsindex des Objektes ermitteln oder kennen ?

Hallo pschmidt,

Florian hat es bereits oben erklärt: Durch die Brechung an der Grenzfläche zum Objekt bzw. Deckglas erscheinen die darunterliegenden Strukturen näher als sie wirklich sind. Das beruht auf demselben Effekt, der einen scheinbaren Knick in einem Holzstab erzeugt, der teilweise unter Wasser gehalten wird.

Wenn das Medium zwischen Objektiv und Deckglas nicht Luft ist (z.B.Immersionsöl), muss man dessen Brechungsindex ebenfalls berücksichtigen. Hier ein Auszug aus der Bedienungsanleitung von meinem Mikoskop, wo das erläutert wird:

deckglas-5.jpg

LG
Jürgen