Autor Thema: Kompensations- Prisma = Berek Prisma ?  (Gelesen 504 mal)

hugojun

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Kompensations- Prisma = Berek Prisma ?
« am: September 30, 2021, 11:44:53 Vormittag »
Liebe Gemeinde,

Im Juni 1934 beschreibt Berek „Die Anisotropieeffekte zwischen gekreuzten Nicols im Auf licht“. Dort berichtet er über die Schwierigkeiten der senkrechten Beleuchtung unter Vermeidung parasitärem  elliptischen Lichts. Zur Abhilfe rät er zur Nutzung des Kompensations- Prismas. Abbildung 6 aus obigen Titel.




Mir sind aber nur Prismen nach folgendem Schema bekannt, dem sogenannten Berek-Prisma:



Meine Fragen: Ist das Kompensations-Prisma (Foto oben )   
 gleichwertig dem Berek-Prisma(Foto unten )?
Sind beide Typen in den Vertikal-Illuminatoren von Leitz verbaut worden und wenn ja welche in welchen Jahrgängen?

LG
Jürgen
« Letzte Änderung: September 30, 2021, 11:48:28 Vormittag von hugojun »

Florian D.

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Re: Kompensations- Prisma = Berek Prisma ?
« Antwort #1 am: September 30, 2021, 17:17:43 Nachmittag »
Hallo Jürgen,

während hier die einschlägigen Personen ihre Auflichtilluminatoren diesbezüglich inspizieren, habe ich einen Blick auf den Artikel von Berek geworfen und hätte da eine Idee bezüglich der Justierung des Polarisators. Die ist ja sehr kritisch, da die Polarisationsebene genau senkrecht zum Prisma stehen muss. Sonst erhält man elliptisch polarisiertes Licht. Berek und seine Nachfolger schlagen nun vor, den Polarisator zu verstellen,  mit einem isotropen Präparat den Analysator auf Auslöschung zu stellen, dann das Verschlagen der Positionen an einem anisotropen Mineral zu überprüfen. Dann irgendwie die Polarisatorstellung zu verändern und sehen, ob es besser oder schlechter geworden ist. Wenig systematisch.
Nun sind Leute wie Du ja glückliche Besitzer eines lambda/32 Kompensators.
Ich schlage nun vor, folgendes auszuprobieren.
Im Durchlicht ermittelt man für gekreuzten Polarisator und Analysator die Nullstellung des Kompensators relativ zum Analysator.
Im Auflicht mit isotropem Präparat kreuzt man den Analysator auf maximale Auslöschung und schiebt den Kompensator ein und stellt wiederum auf maximale Auslöschung. Man notiert die Position des Kompensators relativ zum Analysator und die die Position des Analysators. Den Vorgang wiederholt man nachdem man den Polarisator mal um einige Grad in positiver und negativer Richtung verdreht. Plottet man die relative Position des Kompensators zum Analysator als Funktion des Polarisators, sollte man näherungsweise eine Gerade bekommen. Für den Wert des Polarisatorwinkels, wo der relative Kompensatorwinkel gleich dem Nullwert ist, sollte der aus dem Prisma austretende Strahl linear polarisiert sein.  Zweckmässigerweise beobachtet man konoskopisch.

Viele Grüsse
Florian 

Florian D.

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Re: Kompensations- Prisma = Berek Prisma ?
« Antwort #2 am: September 30, 2021, 23:19:59 Nachmittag »
Das habe ich jetzt mal mit meinem lambda/8 Kompensator ausprobiert und es scheint ganz gut zu funktionieren. In einer 10 fach Bestimmung im Durchlicht fand ich für die Nullstellung des Kompensators einen Wert von 14.2 Grad.
Die Kompensatorstellung relativ zum Analysator im Auflicht mit in Grad Schritten verdrehten, aber streng gekreuzten, Analysator und Polarisator finden sich in anhängender Graphik. Jede Messung wurde 3 mal wiederholt. An der Ausgleichsgerade wurde am Nullwert des Kompensators (besagte 14.2 Grad) ein Analysatorwinkel von -0.75 Grad abgelesen. Den stelle ich ein und kreuze den Polarisator. Dann sollte das einfallende Licht bestmöglich linear polarisiert sein. Mit einem lambda/32 Kompensator solle die Genauigkeit der Ablesungen noch höher sein.

Viele Grüsse
Florian

hugojun

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Re: Kompensations- Prisma = Berek Prisma ?
« Antwort #3 am: Oktober 01, 2021, 11:13:12 Vormittag »
Hallo Florian ,
danke für die Anregungen. Leider ist mein Ortholux nicht so üppig ausgestatte  wie mein Amplival POL. An Kompensatoren besitze ich „nur“ den Berek Kipp Kompensator, den Rot I - Schieber und den λ/4-Schieber.
Das Ortholux habe ich eigens für das Berek-Okular-Photometer angeschafft. Das Photometer ist ein Gerät, das zur subjektiven Messung des Reflexion-Vermögens an Erz-Anschliffen entwickelt wurde:

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=42112.0

In meiner Unwissenheit bin ich davon ausgegangen, dass das Photometer an jedes Leitz-Mikroskop aus derselben Epoche passen würde. Tatsächlich gibt es aber mindestens zwei Ausführungen. Aus diesem Grund habe ich auch hier im Forum eine Tauschaktion vorgeschlagen, um mein Gerät gegen eine Ausführung zu tauschen, das auch ans Ortholux passt. Wahrscheinlich auf Grund der Seltenheit dieses Photometers blieb der Aufruf leider erfolglos.
Wolfgang ( Ortholux) hatte dann die Idee , ein Ortholux-Stativ so zu modifizieren , dass man mein Photometer nutzen kann. Gedacht, getan … aus dem „mal eben“ modifizieren wurde dann eine 6-stündige Operation, die im vollen Umfang ein Erfolg war. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle nochmal herzlich bei Olaf bedanken.



Da  du ja schon an anderer Stelle über die Bestimmung des uniradialen Reflexions-Vermögens von Erzen mit Hilfe deines Berek-Okular-Ellipsometers  berichtest hast und zurecht diese Methode als die Genauere beschrieben hast, müssen die Werte der uniradialen Reflexion über die Bestimmung der absoluten mittleren Reflexion rechnerisch ermittelt werden . Den Wert dieser mittlere Reflexion kann das Photometer mit ausreichender Sicherheit liefern, wenn zu beginn der Messung dafür gesorgt wird, dass der Beleuchtungsazimut korrekt eingehalten wird und dass das Licht den reinsten linear-polarisierten Zustand erfährt. Aus diesem Grund kam es zu der Entwicklung der Auflicht-Opak-Illuminatoren mit den unterschiedlichsten Prismen und Spiegeln zur 90°GradUmlemkung in den
Illuminatoren.
LG
Jürgen 
« Letzte Änderung: Oktober 09, 2021, 12:03:49 Nachmittag von hugojun »

Florian D.

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Re: Kompensations- Prisma = Berek Prisma ?
« Antwort #4 am: Oktober 11, 2021, 00:02:19 Vormittag »
Jetzt habe ich in den sauren Apfel gebissen und mir auch noch einen lambda/32-Kompensator zugelegt. Der lineare Zusammenhang zwischen dem relativen Kompensatorwinkel und dem Analysatorwinkel ist hier noch wesentlich deutlicher.

Viele Grüsse
Florian