REM: Suche Ideen zum nachträglichen Reinigen von Radiolarien & co

Begonnen von bernd552, Dezember 14, 2022, 09:57:32 VORMITTAG

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bernd552

Hallo in die Runde,

die REMmerei hat gegenüber dem Lichtmikroskop den großen Nachteil, dass man Verunreinigungen störend sieht (siehe Beispielbild), die beim Mikroskopieren gar nicht auffallen.

Zu oft habe ich gut erhaltene und für mich seltene Exemplare, die nach aufwendiger Reinigung - im REM gesehen - immer noch verunreinigt - und somit für mich Ausschuß sind.

Ich habe schon versucht, die Objekte zum Nachreinigen vom REM-Probenträger in Mikrotiterplatten zu überführen (MTPl. um sie mit dem Stemi immer im Blickfeld zu haben) aber oft habe ich sie nach einigen Reinigungsschritten nicht mehr wieder gefunden. Ebenso oft bleiben besonders stachlige Objekte auch in der Pipettenspitze (PE) hängen, die ich optisch leider nicht überprüfen kann.

Ich habe auch schon mit hydrophil - und hydrophob beschichteten Oberflächen experimentiert, leider ohne Erfolg.

Hat jemand evtl. Ideen / Erfahrungen / Tipps in dieser Richtung?

LG
Bernd

Dr. Jekyll

Moin Bernd,

meine Radiolarien reinige ich mit Ultraschall, das bringt zwar etwas mehr Bruch, aber die erhaltenen Exemplare sind sauberer. Nachreinigen
von gefundenen, seltenen Stücken ist natürlicht nicht möglich. Man findet sie hierbei ja nicht mehr.
Beste Grüße
Harald

bernd552

Hallo Harald,

dass mit Ultraschall (US) mache ich auch, sogar mit verschiedenen Frequenzen und Leistungen aber wenn ich mal besonders seltene, filigrane und dazu noch gut erhaltene Exemplare habe, dann lasse ich es lieber mit dem US.

Falls von Interesse:
Bei den Radiolarien aus Barbados, wo ich über reichlich Versuchsmaterial verfüge, habe ich einige Testreihen bezüglich US gemacht, bei allen Kegeförmigen mit Kopf und Stachel darauf brach der Stachel oder Kopf mit Stachel ab. Ebenso brach das US bei zentrischen Diatomeen ein Loch im das Zentrum ein, je nach dem wie groß der Duchmesser der D. war (wohl eine Art frequenzabhängiger Membraneffekt).

LG
Bernd

p.s.  die (bei mir) in 5 Jahren insgesamt nur 1x intakt gefundene Saturnulus ist - so wie sie im Beispielbild aussieht - für mich verloren und ich zeige sie auch so nirgends (außer jetzt für dich ;).

Dr. Jekyll

Hallo Bernd,

die Saturnulus sieht schon sehr zerbrechlich aus. Dass die kein Ultraschall verträgt sehe ich ein  ;)
Danke für das Foto, habe ich so auch noch nie gesehen.
Beste Grüße
Harald

Päule Heck

Hallo Bernd,

die sehen aber doch auch ohne REM ganz hübsch aus  ;) ;) ;)

Liebe Grüße
Päule




bernd552

Lieber Päule,

... sie sehen im Photonenlicht nicht hübsch sondern viel schöner aus, besonders wenn man auf ein Fundus zurückgreifen kann von dem ich gar nicht wage, davon zu träumen ;)

Es ist wirklich so, bei der Präparation der Quarzschönheiten arbeite ich unter einem Stemi und ich muß schon sagen, im Vergleich zum REM ist das, was man mit Lichtbrechung, Reflektion und Transparenz im sichtbaren Licht so sieht, viel viel schöner und lebendiger, als die undurchsichtige, matte Oberfläche die ein REM produziert.

Manchmal ist der Preis für die hohe Tiefenschärfe des REM aus ästhetischer Sicht in beiden Sinnen hoch ;)

LG
Bernd

Dr. Jekyll

Beste Grüße
Harald

bernd552

.... ich schätze mal, die laboraktiven Diatomisten werden hier immer rarer, schade.

LG
Bernd

anne

Lieber Bernd,
ich denke bzgl. Reinigung bist inzwischen Du selbst der Spezialist schlechthin. Ich wüsste niemanden der schon mehr ausprobiert hat und vor allem auch mit Erfolg! Die Spezialisten an den Universitäten sind meist Taxonomen und selten darauf aus perfekt gereinigte Proben zu erhalten.
Aber tatsächlich hast Du recht, ich kenne im Amateurbereich auch nur noch eine Handvoll Personen die tatsächlich selbst Diatomeen und Radiolarien reinigen.
lg
anne

bernd552

Liebe Anne,

Zitat von: anne in Dezember 17, 2022, 13:02:12 NACHMITTAGS
ich denke bzgl. Reinigung bist inzwischen Du selbst der Spezialist schlechthin.

Dass kann ich so nicht stehen lassen zumal ich von dir die zahlreichen Präparations-Tipps und Literarurhinweise zu diesem Thema bekommen habe.
Für mich bist du nicht nur hier im Forum  d i e  Diatomeen - und Radiolarien Mentorin mit einem fundierten Hintergrundwissen und vielen weltweiten Kontakten  ....  und dass sicherlich auch für viele andere hier!

Ohne dich, dein technisches Engagement und deine vielen Proben, die du alleine in diesem Forum für Interessierte schon zur Verfügung gestellt hast, wäre hier die Luft in dieser Richtung viel dünner!

... dass mußte jetzt aber raus ;)

LG
Bernd

Rene

Lieber Bernd, mir ist nicht klar, was du eigentlich alles ausprobiert hast. Ich kann Ihnen einige Tipps geben, die ich selbst durchgeführt habe. Ich arbeite mit Reinigungsmitteln in leicht alkalischer Umgebung und habe die Pyrophosphat-Methode von Felix schon ein paar Mal ausprobiert. Darüber hinaus wurden in diesem Forum Tipps zur Verwendung von SDS und EDTA gegeben. Einige Diatomeenspezialisten, die ich kenne, verwenden für die REM nur grobe (5-10 um) Nukleoporenfilter, so dass schwebende Verunreinigungen aus dem Material gesaugt werden.
Das ist alles, was ich dazu beitragen kann.

Grüße, René

bernd552

Lieber Rene,

mir geht es bei meiner Frage weniger um die Reinigungschemikalien und Methoden der Reinigung als um eine techn. Möglichkeit einzelne (sehr seltene oder gut erhaltene) Radiolarie, die per REM sichtbar noch Verunreinigungen enthält, erneut zu reinigen ohne diese dabei zu verlieren.

Oder anders gesagt, eine einzelne Radiolarie reinigen und danach auch wieder finden.

LG
Bernd

CMB

Hallo Bernd,

ich kann da folgendes empfehlen, einzelne Diatomeen/Radiolarien zu reinigen, ohne sie zu verlieren.

Besorg Dir eine Filmdose oder ein kurzes Kunststoffrohr mit kleinerem Durchmesser sowie ältere Gaze für den Siebdruck (aus PVC.)

Boden der Filmdose abschneiden, das Siebdruckgewebe mit zB Backfolie geschützt auf eine Wärmeplatte /Bügeleisen legen, erhitzen und die Dose auf die Folie drücken die dann mit dem Siebdruckgewebe verschweißt.
Mit solchen kleinen Behälterm kann man Einzelexemplare in fast beliebigen Flüssigkeiten tauchen , behandeln usw. ohne  sie zu verlieren.

Ach ja .... dass die Zahl der präparativen Diatomeenfreunde, wie in einem anderen , vorherigen  Post beschrieben , abnimmt, kann ich so nicht teilen... es mag ja aber vielleicht andere Gründe geben, nicht mehr ausgeprägt im Forum präsent zu sein......

Es grüßt
CMB

martin_hu

Hallo Bernd

für die nachträgliche Reinigung würde ich ein Zentrifugenglas-röhrchen mit
konischem Boden verwenden. Nach dem anwenden der Reinigungsflüssigkeit
mit dem Stereomikroskop beobachten inwieweit die Radiolarie auch
an der unteren zusammenlaufenden Spitze sitzt, sonst solange schütteln bis das eintrifft.
Danach oben langam abpipetieren und weiter vermutlich am besten
mit Kamera am Bildschirm beobachten, dass das Objekt auch dort bleibt.
Für das verwendete Glas würde ich vorher bei zwei bis drei Typen testen,
welches für die Beobachtung mit dem Streomikroskop am besten geeignet ist.

Gruss Martin

anne

#14
Hallo Matthias,
noch kurz zu Deiner Anmerkung, auch wenn es nichts mit der eigentlichen Fragestellung zu tun hat.
Es ist erfreulich zu hören, dass sich tatsächlich doch mehr Diatomeenfreunde speziell auch für die Reinigung und Aufbereitung von Rohproben interessieren und diese durchführen. Gerade in der Mikrogruppe Hamburg, zu denen Du ja auch gehörst, gibt es da sehr viel Engagement. Es wäre schön diese Diatomeenfreunde würden auch hier aktiv mehr insbesondere zur praktischen Erfahrung der Reinigung und Präparation beitragen, dazu ist ein Forum ja da.
Ich hatte in den letzten Jahren den Eindruck, dass fast jeder Interessierte direkt tolle Präparate legen möchte, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben, wie aufwendig und vielseitig die wirklich gute und saubere Aufbereitung der so unterschiedlich zu behandelnden Proben ist. Häufig fehlen auch ganz fundamentale Kenntnisse von einfachen taxonomischen Merkmalen und Fundorten. (Im Forum hier gibt es allerdings einige Ausnahmen!)
Für mich ist das, wie wenn ein Bäcker direkt tolle Torten machen will und hat keine Ahnung vom Backen von Brötchen oder Brot und kennt die Grundlagen des Handwerkes nicht. Also der letzte Schritt vor den ersten Schritten. Wobei natürlich inzwischen die Beschaffung der Chemikalien für das Prozedere sicherlich nicht für jeden einfach ist.
Bernd ist für mich ein Pionier der Methoden der Reinigung von Diatomeen und Radiolarien. Da er für das REM besonders saubere Species benötigt, um auch "Schmutz" der im Lichtmikroskop nicht zu sehen ist zu entfernen, hat er die klassischen Methoden gut mit den modernen Methoden verknüpft und kombiniert.
lg
anne