Ein ziemlich schräges konoskopisches Bild

Begonnen von Aljoscha, April 17, 2024, 18:43:30 NACHMITTAGS

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Aljoscha

Hallo,

heute bin ich beim Durchmustern einer Probe auf einen ziemlich ungewöhnlichen konoskopischen Effekt gestoßen.

Um die Veränderung beim Drehen des Tisches zu zeigen, habe ich es als Video aufgenommen:

https://youtu.be/IMl6Y9ZMewM

So richtig einordnen kann ich das nicht. Klar ist mir nur, dass es ein Zweiachser mit ziemlich großem Achsenwinkel sein muss. Die miese Qualität des Videos möge man mir bitte nachsehen.

Viele Grüße

Alexander

hugojun

#1
Hallo Alexander,
ich vermute mal geneigte Dispersion bei Ausstich nur einer OA
welches Mineral ist es denn?
LG
Jürgen

Aljoscha

Hallo Jürgen,

Das ist kein Mineral sondern eine organische Substanz: Anthracen.

Viele Grüße

Alexander

olaf.med

Lieber Alexander, das ist doch ein außerordentlich gut gelungenes Achsenbild. Für eine genaue Diagnose wären aber Standbilder in Normal- und Diagonalstellung, sowie der zweite Achsenausstich erforderlich. Da böte sich der Spindeltisch an ;D .

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

MiR

Hallo Alexander,

so habe ich es noch gar nicht gesehen, das Chemikalienlager, zumindest die Substanzen mit interessanter Struktur, als Fundus für konoskopische Präparate. ;) 
Wie hast du denn das Anthracen präpariert? 

Viele Grüße,
Michael

hugojun

Hallo Alexander,
im P. Groth ( Berlin 1921 )kann man folgendes finden:



Die 2V war damals wohl noch nicht bestimmt?
Da musst du wie Olaf sagt tatsächlich mit dem Spindeltisch ran.

LG
Jürgen

Aljoscha

Hallo Michael,

Anthracen ist ja etwas widerspenstig. Beim Versuch Schmelzpräparate herzustellen, flüchtet es durch Sublimation und in Flüssigkeiten mag es sich auch nicht so recht lösen. Also musste ich ziemlich drastisch vorgehen. Ich habe eine Spatelspitze der Substanz zusammen mit Benzol in ein Reaktionsgefäß gegeben, dieses verschlossen und dann in einem Heizblock eine Weile auf 75° Celsius erhitzt. In heißem Benzol löst es sich. Einen Tropfen der Lösung habe ich dann auf den Objektträger gegeben und mit einem Deckglas zugedeckt. Das Benzol verdunstet und das Anthracen kristallisiert aus.

Dass weder Anthracen noch Benzol übermäßig gesundheitsfördernd sind und deshalb entsprechende Vorsicht angebracht ist, dürfte ja klar sein.

Viele Grüße

Alexander


Aljoscha

Zitat von: hugojun in April 18, 2024, 09:32:28 VORMITTAGDa musst du wie Olaf sagt tatsächlich mit dem Spindeltisch ran.


Hallo Jürgen,

Wenn ich denn einen Spindeltisch hätte. Selbst wenn müsste ich noch lernen, wie man so Teil korrekt bedient.

Den Groth kannte ich noch nicht. Ich verwende den Winchell von 1954.

Viele Grüße

Alexander

hugojun

#8
Alexander ,


Zum Vergleich könnte man es aus diesen Daten berechnen:
https://journals.jps.jp/doi/epdf/10.1143/JPSJ.17.113
Vereinfacht nach E. Mallard würden dabei ca. 2V ~ 85,3 ° (ohne Angabe des Charakters ) herauskommen

LG
Jürgen

Florian D.

Hallo Alexander,

Im von Dir schon erwähnten Winchell, The optical properties of organic compounds, ist Anthracen ja drin.

Screenshot 2024-04-18 102045.jpg



Viele Grüsse
Florian

MiR

#10
Hallo Aljoscha,

doch so "einfach".., Benzol habe ich schon lange nicht mehr, aber mal sehen was sich noch so findet. Schade, dass ich meine Anthracen-Derivate entsorgt habe. Wäre mal ein interessanter Vergleich gewesen, wie die Einflüsse der Substituenten auf die optischen Gegebenheiten ausfallen.
Übrigens, möglicherweise "trage ich hier Eulen in die griechische Hauptstadt", aber Olafs Bemerkung zum Spindeltisch ist wohl eine nett formulierte Einladung zur Messung an seinem Spindeltisch. Wenn nicht, habe ich jetzt ein ziemliches Problem. ???

Viele Grüße,
Michael


hugojun

#11
Danke Florian,
meine Rechnung für die Daten aus dem Artikel beziehen sich auf λ = 589,3 nm ,
passt also gut zu 85 ° im Winchell für λ= 546

Der Hinweis auf die Achsendispersion im Winchell findet sich in den großen Unterschieden von 2V für die verschiedenen Wellenlängen.

 LG
Jürgen


Florian D.

#12
Habe auch mal schnell den Öffnungswinkel des Konus bei konischer Refraktion berechnet. Dieser beträgt mit den von Jürgen zitierten Hauptbrechungsindices ca. 15 Grad im Vergleich zu nur 1,8 Grad für Aragonit, dem Klassiker um diesen Effekt zu zeigen. Das ist vergleichbar dem des Rekordhalters Amyrolin, den Olaf mal gezeigt hat.
Wenn Ihr es also schafft, einen grösseren Anthracenkristall zu züchten, sollte man daran die konische Refraktion genauso sehen können, wie die gewöhnliche Doppelbrechung an Calcit.

Viele Grüsse
Florian

PS: Schreibfehler korrigiert

Florian D.

Alexander, hast Du auch ein orthoskopisches Bild des Kristalls? Wo liegt denn die optische Achse?

Viele Grüsse
Florian

Aljoscha

Zitat von: Florian D. in April 18, 2024, 11:06:11 VORMITTAGAlexander, hast Du auch ein orthoskopisches Bild des Kristalls? Wo liegt denn die optische Achse? 

Hallo Florian,

An das Nächstliegende denkt man oft nicht.  :(  Ich habe kein orthoskopisches Bild gemacht. Hoffentlich finde ich die Stelle im Präparat wieder, dann hole ich das nach. Muss aber bis Anfang nächster Woche warten.