Vorsicht themenfremd! Ein Beitrag zu "crosspost" u.ä.

Begonnen von Gunther Chmela, März 06, 2010, 22:30:58 NACHMITTAGS

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Florian Stellmacher

Lieber Rolf,

das hast Du sehr gut auf den Punkt gebracht, danke!

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Gunther Chmela

Zitat von: reblaus in März 07, 2010, 23:54:38 NACHMITTAGS
Es lebe die Inkonsequenz!

Seit Urzeiten entwickeln sich alle Sprachen indem von kulturellen oder kriegerischen oder moralischen Siegervölkern passende Vokabeln übernommen werden. Ebenso alt und erfolglos wird wohl auch der Kampf um den Erhalt von Urgroßvaters Vokabular sein.

In meinen Kindertage als in Deutschland erst ganz wenige englische Ausdrücke in Gebrauch waren und man eher mit dem portemonnaie auf dem trottoir spazieren ging, hat man en france schon während des weekends sandwich gegessen obwohl sich militanten Akademiemitglieder heftig gegen solche Degenerationserscheinungen gestemmt haben.

Mich ärgert zwar ebenfalls das Geschwafel von Pseudowissenschaftlern oder Politikern, die durch Einbau von (früher) graecoromanischen oder (heute) englischen Ausdrücken soviel Unverständlichkeit erzeugen, dass der Laie darin Wissenschaft erblickt.
Trotzdem finde ich es gut, dass wir aus dem Englischen viele nützliche, oft einsilbige, Ausdrücke haben, welche die Kommunikation vereinfachen.
Andererseits bewundere ich auch wieder die Franzosen, die tatsächlich das Wort Computer durch ordinateur und Softwareprogramm durch logiciel erfolgreich ersetzt haben.

Folgerung: Es gibt keine saubere Lösung des Problems: Chacun a son gout!

Gruß
Rolf


Eigentlich wollte ich mich nicht mehr zum Thema äußern, vor allem deswegen nicht, weil inzwischen hier so viele Dinge geäußert worden sind, die mit meinem ursprünglichen Thema kaum mehr etwas zu tun hatten.

Doch das, was Sie schreiben, kann ich nicht unwidersprochen stehen lassen.

Ich habe niemals die Absicht geäußert, ,,Urgroßvaters Vokabular" konservieren zu wollen. Dies ist eine zumindest leichtfertige, wenn nicht sogar absichtliche Unterstellung.

Die These mit der Siegermacht klingt gut, sie ist aber falsch. Ich bin inzwischen alt genug, um die Sprachentwicklung in Deutschland während der letzten 50 Jahre aus eigener Erfahrung beurteilen zu können. Bis etwa 1970 (immerhin ein viertel Jahrhundert nach Kriegsende) war von einer Überschwemmung (und nur um die geht es mir!) der Alltagssprache (!) mit Anglizismen nichts zu spüren. Die ,,Inflation" setzte erst ein mit der weltweiten Vernetzung, nicht durch den Einfluss der Siegermacht.

Der Hinweis darauf, dass es immer schon Importe aus anderen Sprachen gegeben hat, ist grundsätzlich richtig, nur wird er immer wieder benützt, um vom Wesentlichen abzulenken. Ich wiederhole noch einmal: Ich rede von Quantität und Geschwindigkeit einer Entwicklung, nicht davon, dass sie überhaupt stattfindet! Aber man kann natürlich jedes Argument falsch verstehen, wenn man nur will.

Ich bin weiß Gott kein Parteigänger unseres Verkehrsministers Ramsauer. Doch hat er recht, wenn er sagt: ,,Ich kenne kein anderes Land, in dem so respektlos mit der eigenen Sprache umgegangen wird." Und diese unsere offenbar urdeutsche Neigung, alles gierig aufzunehmen, was sprachlich angeblich ,,interessant" ist (,,cool"), die ist auch immer in der Vergangenheit die Ursache für fremdsprachliche Importe gewesen. Noch einmal: Ich rede von der Alltagssprache, nicht von irgendwelchen wie auch immer gearteten Elitesprachen.

Ich weiß, diese soeben geäußerte Erkenntnis müsste mich eigentlich in Zukunft resignierend schweigen lassen. Doch die Affektiertheit, die Dummheit, die Aufgeblasenheit, die ich heraushöre, wenn beispielsweise jemand ,,family" sagt, wenn er seine eigene, deutsch sprechende Familie meint, machen mich wütend!

Den Hinweis auf angebliche Inkonsequenz finde ich anmaßend!

Gunther Chmela

reblaus

Lieber Herr Chmela,

vielleicht sollte ich klarstellen, dass ich meine Inkonseqenz gemeint habe und nicht die anderer Kommentatoren:
Ich ärgere mich über die selben Dinge wie Sie und erwische mich doch manchmal bei ähnlichem Sprachgebrauch und dies als dreifacher Großvater!

Ihre Punkte kann ich ja alle voll unterstreichen - bis zu den Siebzigern kaum Anglizismen (nur bei den Franzosen!).
Auf "Siegersprache" im weitesten Sinn beharre ich trotzdem. Wäre eine nicht anglophone Nation Sieger geblieben, gäbe es ja heute keine Anglizismen (oder nur für niedrige Tätigkeiten).

Mit freundlichen Grüßen
Rolf Blaich

Gunther Chmela

Zitat von: reblaus in März 08, 2010, 16:16:19 NACHMITTAGS
vielleicht sollte ich klarstellen, dass ich meine Inkonseqenz gemeint habe und nicht die anderer Kommentatoren:

Lieber Herr Blaich,

dann bitte ich um Entschuldigung, dass ich das fälschlicherweise auf mich bezogen habe!

Beste Grüße!
Gunther Chmela

@ alle anderen Mitleser: Ausnahmsweise erlaube ich mir nun, diesen von mir begonnenen "Thread" ;) zu schließen. Ich bitte um Verständnis.

Detlef Kramer

Lieber Gunther,

vielen Dank, sonst hätte ich es bald getan.

Herzliche Grüße

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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