Vorsicht themenfremd! Ein Beitrag zu "crosspost" u.ä.

Begonnen von Gunther Chmela, März 06, 2010, 22:30:58 NACHMITTAGS

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Dragan Z.

Hallo Zusammen,

Das letzte mal, als ich so eine international erfahrene "Führungskraft" in so einem Stil reden hörte, habe ich die Firma (auch deswegen) verlassen. Ich finde, als Führungsperson MUSS man die Kommunikationsmittel des Kommunikationspartners beherrschen. Ansonsten führt man nicht, man plappert oder erfindet neue "Unwörter des Jahres".

Wir entwickeln inzwischen Software für einen internationalen Markt, und da stehen wir vor dem gleichen Problem: entweder Deutsch oder Englisch, aber solche Mischformen lasse ich nicht zu. Klare Sprache, klare Gedanken.

Nebenbei: Wie bist Du/Sie auf dieses Zitat gekommen? Ist H.K. in Wirklichkeit ein versteckter Mikroskopiker der heimlich nach auf der Suche neuen Wissenschaftlichen Namen ist? :)

So, jetzt gehe ich erstmal mich beruhigen.

with friendly Grüsse aus Germany

Dragan.
--
Über mich.

Dr. Jekyll

Hallo Mikrogemeinde,
es ist doch ganz einfach. Wenn ich verstanden werden will muß ich die Sprache meines Gegenübers sprechen.
In Deutschland ist dies meistens die deutsche Sprache. Es kann aber durchaus auch Englisch, Französisch, Türkisch oder
eine wissenschaftliche Fachsprache sein. In einer wissenschaftlichen Fachsprache mag es üblich und zum Teil auch sinnvoll sein ein Sprachgemisch zu verwenden (hat sich historisch halt so entwickelt), aber ansonsten kann es die Verständigung sehr blockieren. Wenn mir einer mit einem Sprachgemisch von Englisch, Deutsch und mehr gegenübersteht, ist es entweder jemand der der deutschen Sprache nicht mächtig ist, dann versuche ich ihm zu helfen. Andernfalls ist es jemand der mir eigentlich nichts sagen will, dann höre ich nicht zu.

Gruß
            Harald
Beste Grüße
Harald

Mila

#17
Guten Tag,

manchmal wird es schon recht schwierig mit der Übersetzung. Zum Beispiel die e-mail (im Süddeutschen auch das e-mail) oder E-Mail oder etwa Email, was dann auch Emaille bedeuten kann. Ein englischer Begriff inklusive einer Abkürzung, der sich aber natürlich durchgesetzt hat. Aber eine ernsthafte Frage (denn unter Zuhilfenahme (?) einer Suchmaschine im weltweiten Netz -sprich googeln ;) - oder yahooen?) finde ich diverse Möglichkeiten: wie schreibe ich denn nun diesen Begriff im Deutschen korrekt?

Und noch eine Überlegung:
In Bonn könnte ich einen Aufbaustudiengang zum Master of Drug Regulatory Affairs machen: da kann man sich alles Mögliche drunter vorstellen... ;) (und wäre ich dann nicht eigentlich Masterin oder Mistress?),

herzliche Grüße
Mila

P.S.: die Rechtschreibprüfung schlägt folgende Korrekturen vor:
e-mail => Emil, googeln => mogeln, yahooen => jaulen, Masterin => Mysterien; ich selber darf mich Milan nennen :D



Robert Götz


ZitatIn einer wissenschaftlichen Fachsprache mag es üblich und zum Teil auch sinnvoll sein ein Sprachgemisch zu verwenden (hat sich historisch halt so entwickelt),

Aus dem gleichen Grund, den Peter Voigt schon genannt hat. Um gelehrt zu wirken. Wenn man sich mal die Mühe macht, die medizinischen Fachausdrücke zu übersetzen, sieht man, dass das ganz primitive Bezeichnungen sind und noch dazu ein wüstes Gemisch aus Latein und Griechisch.
Aber es macht Eindruck und bewirkt die Bewunderung der Laien.

München ist eben keine Weltstadt sondern ein Provinznest und hat es deshalb nötig, mit solchen Mätzchen wie englischen Ansagen in der U-Bahn zu versuchen, Eindruck zu machen. Beispiel: Im Münchner Einwohnermeldeamt heißt der Informationsschalter neuerdings "Service Point". Für mich wirkt das genauso lächerlich, wie wenn ein Laie versucht, Fachsprache zu sprechen.

Schönen Sonntag
Robert


Gunther Chmela

Zitat von: Mila in März 07, 2010, 09:53:39 VORMITTAG
Guten Tag,

manchmal wird es schon recht schwierig mit der Übersetzung. Zum Beispiel die e-mail (im Süddeutschen auch das e-mail) oder E-Mail oder etwa Email, was dann auch Emaille bedeuten kann. Ein englischer Begriff inklusive einer Abkürzung, der sich aber natürlich durchgesetzt hat. Aber eine ernsthafte Frage (denn unter Zuhilfenahme (?) einer Suchmaschine im weltweiten Netz -sprich googeln ;) - oder yahooen?) finde ich diverse Möglichkeiten: wie schreibe ich denn nun diesen Begriff im Deutschen korrekt?

Und noch eine Überlegung:
In Bonn könnte ich einen Aufbaustudiengang zum Master of Drug Regulatory Affairs machen: da kann man sich alles Mögliche drunter vorstellen... ;) (und wäre ich dann nicht eigentlich Masterin oder Mistress?),

herzliche Grüße
Mila

P.S.: die Rechtschreibprüfung schlägt folgende Korrekturen vor:
e-mail => Emil, googeln => mogeln, yahooen => jaulen, Masterin => Mysterien; ich selber darf mich Milan nennen :D




Liebe Mila,

es ist unumstritten, dass es inzwischen in unserer vernetzten Welt weltweit gebräuchliche Begriffe gibt, bei denen man erst gar nicht versuchen sollte, sie in die eigene Sprache zu übersetzen - eben weil sie weltweit gleich lauten. Ich hatte bereits einmal geschrieben, dass ich beispielsweise niemals "Laptop" durch "Klapprechner" ersetzen würde.

Ebenso kann man auch E-Mail (das ist die vom Duden vorgeschriebene Schreibweise) stehen lassen. Übrigens: "Das E-Mail" ist nicht süddeutsch, sondern offiziell österreichisches Deutsch. Ich lehne die Neutrumform ab, weil ich der Meinung bin, dass wir neben dem Wort nicht auch noch die englische Grammatik importieren sollten! Und "Post" (= mail) ist im Deutschen eben weiblich.

Beste Grüße!
Gunther Chmela

Mila

Lieber Gunther Chmela,

danke für die Aufklärung, ich hatte eben bei dem Übersetzungsservice "Leo" nachgeschaut und hätte korrekterweise schreiben müssen, dass das mail auch in Österreich und Schweiz gebräuchlich ist:

http://dict.leo.org/ende?lp=ende&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed&sectHdr=on&spellToler=on&chinese=both&pinyin=diacritic&search=e-mail&relink=on

Eben dachte ich noch daran, wie sich mein US-amerikanischer Schwager über das Handy amüsiert!

Viele Grüße
Mila



Klaus Henkel

Zitat@ alle anderen, die hier mitlesen:
Ich liebe die englische Sprache! Das hat aber überhaupt nichts damit zu tun, dass ich mich gegen die Vermischung des Deutschen mit (unnötigen!) englischen Wörtern, Ausdrücken, oder womöglich gar mit englischer Grammatik wende (Hobbies statt Hobbys, gestacked statt gestackt, usw.).

Lieber Herr Chmela!
Ich lese immer mit, wenn Sie etwas schreiben!

Als kleines Amusement hatte unser Englisch-Studienrat immer die die folgende Geschichte auf Lager, die von deutschen Auswanderern im Farmland von Wisconsin handelt, wo es ja noch heute viele "deutschstämmige" Villages und Towns gibt:
Das kleine Mädchen kommt ganz aufgeregt zu ihrer Mutter gerannt und schreit: Mom, die Cow ist over die fence gejumped und hat den cabbage gedamaged!
Im IT-Cowderwelch sind wir schon so weit!

Herzlichen Gruß
KH


moniaqua

#22
{Teil wegen Löschung des Bezugspostes entfernt}
Ich kenne aber Ecken in dieser Welt, da sind in allen öffentlichen Gebäuden die Schilder zweisprachig, und zwar in der Landessprache und in der Sprache, die in dieser Gegend vorwiegend gesprochen wird. Nicht, weil die Leute dort die Landessprache nicht lernen wollen, sie arbeiten kräftig dran. Nur im Moment können sie es noch nicht. Mit dieser Ecke meine ich nicht Südtirol, da liegt der Fall genau anders herum.
Englisch in der U-Bahn, egal ob nun in München oder Frankfurt oder Berlin, finde ich nicht als Zeichen eines Provinznestes (höre ich da etwa Abfälligkeit heraus?) sondern als Freundlichkeit gegenüber den Touristen, die München (oder Frankfurt, oder Berlin) nun mal in Mengen hat. Darüber, lieber Robert, darfst Du gerne einmal nachdenken.
PS: Hätte ich nun "extrem", "justieren", "Provinz" und "Touristen" auch nicht verwenden dürfen?
cu,
Monika
_________________________

Wenn ich einfach so duze, ist das keinesfalls Zeichen mangelnden Respektes, sondern einfach Gewohnheit, also bitte ned bös nehmen :) s. dazu auch meine Vorstellung

Klaus Henkel

Zitat von: Peter Voigt in März 07, 2010, 00:25:23 VORMITTAG

Allerdings frage ich mich manchmal, ob die Anglizismen nicht einfach die modernere Variante von früher gebräuchlicheren Graezismen und Latinismen waren. Dienten oder dienen die nicht einem ähnlichen Zweck? Warum sprechen wird von "Edukation / edukativ", wenn wir genau so gut "Erziehung" bzw. "erzieherisch" sagen könnten?
Peter Voigt

Weil man, wenn man die engl. Sprache nicht wirklich beherrscht, dabei ziemlich reinfallen kann. Education ist schillernd, weil es eben nicht Erziehung bedeutet, sondern zwar auch, aber hauptsächlich für (Berufs-)Ausbildung verwendet wird.
Da ist eben der Übersetzer gefordert. Wie zum Beispiel bei folgendem Satz: Ein Polizeiverhör: For a few minutes, he was silent, then he answered ...
Welcher Porzilist würde wohl "einige Minuten" auf die Beantwortung seiner Frage warten? Es muß heißen, "er schwieg einen) Augenblick." Denn a minute oder einige minutes sind ein Augenblick, und nicht eine oder mehrere Minuten wie in der Technik.

Die Übersetzungen sind teilweise derart stümperhaft, daß ich schon mehrmals frisch gekaufte Bücher im Container entsorgt habe.
Den Spaß mach ich mir - wutentbrannt.
KH

Eckhard F. H.

ZitatIch kenne aber Ecken in dieser Welt, da sind in allen öffentlichen Gebäuden die Schilder zweisprachig, und zwar in der Landessprache und in der Sprache, die in dieser Gegend vorwiegend gesprochen wird.

Hmm - da komme ich ins Grübeln. Welches sind solche Ecken und ist Deutschland auch so eine?
Verwirrter Gruß - Eckhard N.

Jürgen Ibs

Lieber Herr Nowack,

gucken Sie einmal nach Nordfriesland.  Dort sind sehr viele Ortschilder mittlerweile zweisprachig, neuerdings sogar die Hinweisschilder für Radtouristen. Friesisch ist eine eigene Sprache, die als westgermanische Sprache dem Englischen näher verwandt ist als dem Deutschen. Auch das Nieder- oder Plattdeutsche ist eine eigene Sprache, kein Dialekt des Hochdeutschen wie das Schwäbische, Bayerische usw., die Dialekte des Hochdeutschen darstellen. Nur wird mit den Niederdeutschen noch kein so ausgeprägter Kult getrieben wie mit dem Friesischen. Aber Friesen gibt es wenige und friesische Kultur und Sprache gehören unabdingbar zusammen. Sie sollten erhalten werden, dafür sorgt unter anderem das Nordfriisk Instituut, das Nordfriesische Institut in Braist = Bredstedt. Die Nordfriesen können alle hochdeutsch, meist auch plattdeutsch und viele auch dänisch reden. Im Übrigen gelten das Friesische und das Plattdeutsche auch als Amtssprache in Schleswig-Holstein, soweit ein Sprecher im Amt vorhanden ist. Eine eigene Sprache findet sich auch in Brandenburg, das Sorbische, eine slawische Sprache, wohl dem Tschechischen verwandt. 

Jürgen Ibs
Ein freundschaftliches "du" ist immer willkommen - nicht nur dadurch ist das benachbarte Skandinavien vorbildlich.

Meine Vorstellung:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34.0

Peter V.

Hallo,


Zitat
Hmm - da komme ich ins Grübeln. Welches sind solche Ecken und ist Deutschland auch so eine?
Verwirrter Gruß - Eckhard N.

http://www.swissworld.org/de/bevoelkerung/sprachen/sprachen_in_der_schweiz/

http://de.wikipedia.org/wiki/Ortsschild

Herzliche Grüße
Peter


Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Florian Stellmacher

Moin moin, liebe Sprachpatrioten,

ein weiters Beispiel ist Schottland - zweisprachig Englisch - Gälisch.





Tschüss denn,
Florian

Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Robert Götz

#28
ZitatEnglisch in der U-Bahn, egal ob nun in München oder Frankfurt oder Berlin, finde ich nicht als Zeichen eines Provinznestes (höre ich da etwa Abfälligkeit heraus?) sondern als Freundlichkeit gegenüber den Touristen, die München (oder Frankfurt, oder Berlin) nun mal in Mengen hat. Darüber, lieber Robert, darfst Du gerne einmal nachdenken.

Liebe Monika, das habe ich auch nicht behauptet. Aber ich wohne seit 30 Jahren in München und empfinde es halt als Provinznest. Und vor allem über den "Service Point" im KVR (Kreisverwaltungsreferat) habe ich mich geärgert. Ist sowas wirklich nötig?

Gruß aus Munich
Robert




Robert Götz


ZitatTante Edith zur Frage: Nein, München ist eben keine Grinsend Weltstadt, darum passt das nicht ganz. 

Noch OTer: Wer ist denn diese Tante Edith, die hier in letzter Zeit öfter zitiert wird? Ist das jemand aus dem Fernsehen? (Ich sehe nicht fern)
Bei google habe ich nichts brauchbares darüber gefunden.

Unwissende Grüße
Robert