Frage zu einem ziemlich alten Leitz Stereomikroskop: Jalicht Gravur

Begonnen von lumipan, Oktober 09, 2025, 15:26:05 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

beamish

In der Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie und mikroskopische Technik 39, 1922 wurde (S. 126ff) ein sehr ähnliches Stativ (ohne diesen "Spezialfuß") vorgestellt, als "Die neue 'Binokulare Präparierlupe mit großem Sehfeld'" :

Leitz_Bino_1922.jpg

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Lupus

Hallo,

ZitatDie helle Platte auf den Fotos ist aus Metall der schwarze Unterbau fühlt sich für mich wie massiver Guss an und hat auch keine Aussparungen oder Lichtdurchtritte. Ich bin etwas hilflos wie man (ich) hier eine Durchlichtbeleuchtung für Negative hinbekommen kann, es gibt keinen durchsichtigen oder durchscheinenden Träger wo ich ein Lichtbild plazieren würde?
z.B. so:

Durchlichtbeleuchtung.jpg

Leitz ist ja bekannt für die zahlreichen Sonderkonstruktionen. Man sieht z.B. auf dieser Katalogseite diverse Stativvarianten für ein einziges Modell



Hubert

lumipan


purkinje

Hallo,

mir sieht das Gerätchen vom Anfang doch trotz der Nr. (gab es für Stereos ggf eigene?) sehr nach späten 1920 bis 1930 Jahren aus.
Falls es aus der Luftbildauswertung stammt, dann zum Kraterzählen nach Artillerie-Beschuss. Mir plausibler, dass es zur Negaiv- betrachtung und -retousche beim Photografieren allgemein stammt.

Damit auch illustriert sei wie ausgefeilt schon vor dem 1. WK auch steroskopisch Gelände-Reliefs aufgeklärt wurden ein Bild
Stereokomparator.jpg
und zwei Literaturstellen (frei erhältlich):
Die deutsche militärische Luftbildaufklärung Von den Anfängen bis 1945, Vogler Diss. 2020
und
Grundzüge der Luft- und Erdbildmessung, Sarnetzky 1928

Wie akribisch man bereits im 1.Wk bei der Luftaufklärung vorging belegen z.B. die fast 3000 Luftbilder einer bayerischen Fliegerstaffel die im Herbst 1917 zur Unterstützung der osmanischen Armee ins damalige Palästina verlegt worden waren; die Originale lagern im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und sind digitalisiert: Bildsammlung Palästina (unter dem Button Findbuch-Vorwort findet ihr die gesamte lesenswerte Historie)
Beste Grüße Stefan

beamish

#19
Man bräuchte den Leitz Katalog 46C, 1921 über Präparier- und Lupenmikroskope....

PS: im Katalog 50C von 1928 ist es auch noch drin:
https://pictures.abebooks.com/inventory/20129869682.jpg

Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

lumipan

#20
Ich danke Euch Allen, es tut mir leid was ich hier ausgelöst habe, auf der anderen Seite zeigt es aber, dass das Thema spannend ist und es kaum noch auffindbare Informationen gibt.

Vielen Dank Hubert, vielen Dank Martin, ich schaue mal ob ich etwas finde zu Katalogen. Die Literatur zu Luftbild war mir nicht bekannt, vielen Dank Stefan! Du hast mit Sicherheit recht zu Fotogrammetrie ist das keinesfalls genutzt wurden, wenn dann zur Auswertung und Identifizierung.

Und ich schaue mir auch noch einmal den Fuss an, Ihr habt recht mu dem Durchlicht ich war blind,

Viele Grüße und danke!!!

dirk

ortholux

Warum schreibt Ihr mich nicht direkt an?

Ich bin nicht ständig im Forum. Also, wenns was Leitziges gibt, dann fragt direkt!

Es handelt sich um ein sog. Luftbildmikroskop auf Basis einer Leitz'schen Prismenlupe. Der Fuß wurde offensichtlich von der Firma "Jalicht" gebaut. Hierüber habe ich keine Informationen. Die linke Seriennummer ist die des Binos, also von 1917-18, die rechte von Jalicht. Ob diese nun auf das 1901ste Mikroskop hinweist kann ich nicht sagen.

Der Rest wurde ja schon richtig erkannt. Auflicht und Durchlicht für Positive und Negative.

Einst wurde eins bei ebay unter "Militaria" verkauft, das konnte ich mir dann nicht mehr leisten, weil diese irren Militariasammler jeden Preis bezahlen.

Das abgebildete Gerät taucht regelmäßig bei ebay auf und ist meist recht günstig. Offensichtlich wurden einige davon gebaut. Das, welches ich mir nicht leisten konnte, hatte auch noch über Umlenkspiegel eine Einrichtung um 2 getrennte Luftbilder je einem Auge zuzuführen. Die Stereoskopischen Bilder wurden nicht immer mit Stereokameras aufgenommen, da bei solch großen Abständen die Basis sehr groß sein müsste. Man überflog also ein Gebiet und hat einfach in bestimmten Abständen fotografiert. Zwei benachbarte Bilder lieferten dann ein Stereopaar.

Hoffe geholfen zu haben.
Wolfgang

lumipan

Hallo Wolfgang, vielen, vielen Dank! ich freue mich sehr dich auf diesem Weg kennenzulernen und bedanke mich für deine Informationen die mir wirklich weiterhelfen.

Für alle anderen, die es interessiert, ich habe in Leitz Katalogen geblättert die mir zur Verfügung standen, das Schwanenhalsdesign (mit ganz anderem Stativfuss) wurde noch 1940 für ein Zellkulturmikroskop (Petrischalen) angeboten

Viele Grüße dirk

Jürgen H.

Lieber Dirk, was mich noch nachdenklich stimmt, sind die beiden aufwendig gestalteten Okulare. Natürlich gibt es Mikroskope mit zwei stellbaren Okularen. Aber bei einem solchen eher einfachen Stereomikroskop? Sogar mit genauer Bezifferung? Weist das auf verschiedene Benutzer hin, die sich ihre Einstellung merken konnten? Oder handelt es sich um ein einfaches Stereoskop, dann dürften die beiden Strahlengänge allerdings nicht auf einen Punkt fokussieren? Wolfgang, gibt es dafür eine Erklärung? Sind die baugleichen Exemplare alle so aufwendig an den Okularen gestaltet?

Viele Grüße

Jürgen

ortholux

Lieber Jürgen,

ja, ich kenne die nur mit diesen Okularen. Wobei die auch manchmal nicht mehr dabei sind.
Sie haben eine Rastnase, der Schnorchel die entsprechende Nut. So sind sie schnell und zuverlässig einzustellen.
Interessant ist, dass sie keinerlei Bezeichnung haben. Weder Vergrößerung noch Hersteller.

Was meinst Du mit "einfaches Stereoskop"?

Wolfgang

Jürgen H.

ZitatWas meinst Du mit "einfaches Stereoskop"?

Lieber Wolfgang, da ging mir ein wahrscheinlich nicht zutreffender Gedanke durch den Kopf: Man hat ja bereits im ersten Weltkrieg aus dem Flugzeug zur Luftaufklärung unmittelbar hintereinander zwei Aufnahmen der gleichen Bodenstelle gemacht, die dann stereoskopisch aufgrund des leicht veränderten Blickwinkels zusammen räumlich gesehen werden konnten, eben mit dem Stereoskop: ein Bild  mit dem rechten und eines mit dem linken Auge. Also etwa so:

http://www.geodz.com/deu/d/Stereoskop

Dann wäre es durchaus sinnvoll, beide Okulare getrennt einstellen zu können.

Allerdings ist ein Stereoskop hier unwahrscheinlich, da der Tisch wohl nur ein einziges Plattenbild aufnimmt.

Viele Grüße

Jürgen

purkinje

Hallo und guten Morgen,
das was Wolfgang oben beschrieben hat
Zitat von: ortholux in Oktober 12, 2025, 18:37:42 NACHMITTAGSDas, ..., hatte auch noch über Umlenkspiegel eine Einrichtung um 2 getrennte Luftbilder je einem Auge zuzuführen
nennt sich Spiegelstereoskop, oder Brückenstereoskop, eine einfache Variante von Leitz, mehr Brillenlupe, hieß Brückenglas.
Beste Grüße Stefan

beamish

Naja, zufrieden bin ich nicht! ;-)
Die richtigen Luftbildaufnahmen (auch die Negative) waren ja riesig (c. 30x30cm?). Der Fuß des vorliegenden Stativs ist ja auch nicht für Betrachtung von Stereoaufnahmen geeignet. Das waren ganz andere Geräte, wie auch Stefan anmerkt.
Falls es eine Firma "jalicht" gegeben haben sollte, würde ich erwarten, daß davon zumindest eine winzige Spur im Internet zu finden wäre. Ich könnte mir eher vorstellen, daß das ein sogenanntes Telegrammwort ist, mit dem man den Artikel bei Leitz bestellen konnte. Wohl veröffentlicht in einem Sonderprospekt, den wir nicht kennen.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Werner

Die Luftbild-Aufnahmen im 1.Weltkrieg wurden mit handhabbaren Rollfilm-Stereo-Kameras im Format 6x6 gemacht.
Die großen Kameras hießen Luftbildmeßkammern und waren später in Friedenszeiten für die Photogrammetrie. Entwickelt vom genialen Heinrich Wild (Heerbruck und Kern/Aarau), der auch die gigantischen Auswertemaschinen konstruierte.

Gruß - Werner

Lupus

Hallo,

ZitatDie Luftbild-Aufnahmen im 1.Weltkrieg wurden mit handhabbaren Rollfilm-Stereo-Kameras im Format 6x6 gemacht.
das Format gab es zwar auch schon, aber normale Luftbildaufnahmen wurden primär mit dem Standard-Negativformat 9x12 und 13x18 cm gemacht.

ZitatDie richtigen Luftbildaufnahmen (auch die Negative) waren ja riesig (c. 30x30cm?). Der Fuß des vorliegenden Stativs ist ja auch nicht für Betrachtung von Stereoaufnahmen geeignet. Das waren ganz andere Geräte, wie auch Stefan anmerkt.
Am üblichsten dürfte die Auswertung von Papierabzügen einzelner Fotos gewesen sein, eher seltener von Negativen. Die Papierabzüge waren Kontaktkopien, also keine Vergrößerung. Auch wenn es größere Papierabzüge gab lassen die sich ja trotzdem durch ein darauf aufgestelltes Stereomikroskop betrachten. Ich selbst besitze eine kleine Luftbild-Auswertelupe aus dem 2.WK, die hat man einfach auf die Papierabzüge aufgelegt. Hier als Beispiel ein Bild aus dem Archiv des Deutschen Museums der Fotokammer einer Bayer. Fliegerabteilung 1916, da sieht man die Papierkopien beim Trocknen: 
http://www.visual-history.de/wp-content/uploads/2014/03/CD_68338_Fotokammer-1024x914.jpg

Hubert