Seltenerdmineralisation im Karbonatit von Alnön

Begonnen von PolMik, Januar 16, 2026, 11:39:28 VORMITTAG

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Daniel Scheibenstock

Hallo Zusammen,

Vorweg ich hab absolut keine Ahnung, aber wäre es nicht möglich den calcit mittels Fluoreszenz zu erkennen ? Bzw. als weiteres Indiz dazu zu sehen?

Lg Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol)
Motic BA310 LED (DL: PH; DF;POL, AL: POL)
Zeiss Universal (DL: Fluo; POL AL: Fluo,POL. DIC)
Zeiss IM35 (DL; PH; Fluo;POL)
Bresser Stereolupe

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olaf.med

Lieber Michael,

meine Intension war ja wirklich nicht, Deinen Artikel zu zerreissen, ich schrieb ja auch: Dies soll keinesfalls Deinen Verdienst um die Beschreibung dieser hochinteressanten Lagerstätten schmälern, aber doch vielleicht zu etwas mehr Zurückhaltung bei fragwürdigen Bestimmungen werben.

Zu dem Calcit gibt es aber auch noch ein Problem, das ich gerade erst bemerke. Wenn Du das Interferenzbild an dem Korn gemacht hast, das Du im Bild zeigst, dann fällt auf, dass man darin zahlreiche Zwillingslamellen erkennt. Man hat also ein Interferenzbild, das sich aus der Summe der durchstrahlten und unterschiedlich orientierten Individuen zusammensetzt. Möglicherweise ist dies eine Erklärung für den pathologischen Befund.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

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olaf.med

Hallo Daniel,

Calcit zeigt tatsächlich in einigen Fällen eine Fluoreszenz, die auf Beimengungen von Spurenelementen zurückzuführen ist. Dass es sich bei der Masse von Michaels Kristallen um Calcit handelt ist ja auch völlig unstrittig, und vielleicht ist das was ich im vorigen Beitrag schrieb ja schon eine Erklärung für das komische Verhalten...

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

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PolMik

#18
Hier zeige ich zweiachsigen Calcit aus Persberg, nahe Philipstad, Mittelschweden. Er hat einen kleineren Achsenwinkel, als die zuvor gezeigten zweiachsigen Körner von Alnön. Da werde ich auch mal nachsehen, wie es in dem nicht vererzten Karbonatit aussieht. Der Smedsgarden.

Die Bilder sind jetzt nach Olafs Hinweisen verbessert. Das heißt, ich habe den Kondensor so weit aufgedreht, bis das Gegrizzele nicht mehr zu sehen war. Bei dem Objektiv von 10x/0.30 steht der Kondensor jetzt bei ! 40x !. Die Bilder sind wieder nur verkleinert.
IMG_0828.JPG

Calcit Kalkwerk Persberg xpl

IMG_0827.JPG

Calcit Kalkwerk Persberg ppl

IMG_0826.JPG

Calcit Kalkwerk Persberg konoskopisch

Daniel Scheibenstock

Danke Olaf für die Ausführungen zu meinen Laienhaften einwürfen 🙂

@an alle steinschleifer und Geologen: macht weiter so, das ist auch für viele Laien sehr interessant was ihr da alles raus findet und erklärt 💪🙂

Lg Daniel
Leica DMRB HC (DL, Pol)
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olaf.med

Lieber Michael,

das ist ganz genau das was ich erwarte und kenne von gestressten Calciten.
Gerne per Du!

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Florian D.

Lieber Michael,

vielen Dank für die tollen Dokumentationen der schwedischen Seltenerdvererzungen, wir wissen Deine Bemühungen sehr zu schätzen!
Persönlich freue ich mich über jedes Mineral, das ich meine, eindeutig ansprechen zu können. Oft bin ich dann schon bei der Unterscheidung Alkalifeldspat - Plagioklas unsicher. Gerade bei so komplexen Paragenesen wie Seltenerdmineralisationen bleibt da oft wenig. Ein kleines Spektrometer hilft mir, zumindest die Lokalisation der SE zu bestimmen. Das wäre vielleicht auch eine lohnenswerte Anschaffung für Dich.

@Olaf: Ich erinnere mich, dass die neueren Leica Polmikroskope auf dem Kondensor eine Angabe zur Defaulteinstellung für Objektive mit der jeweiligen Vergrösserung haben.

Viele Grüsse
Florian



PolMik

Hallo Daniel,
die Grundlagen nannte Olaf schon. Der von mir gezeigte Karbonatit kommt unter kurzwelligem UV-Licht in einem ansehnlichen Purpurrot. Das kann man mit meinen Fotoapparaten leider nicht aufnehmen, mit dem Handy, das wahrscheinlich nicht so starke UV-Filter hat, geht es aber.

Hallo Olaf,
im Karbonatit von Smedsgarden, im südlichen Teil des Karbonatitkomplexes findet sich auch zweiachsiger Calcit. Aber eben auch nicht mit diesem riesigen Achsenwinkel. Vielleicht hast du Recht, dass diese Erscheinung mit der Verzwillingung zusammenhängt. Dafür fehlt mir aber das mineralogische Wissen und erst rech die Erfahrung.


IMG_0830.JPG

Smedsgarden, Karbonatit, Calcit ppl

IMG_0831.JPG

Smedsgarden, Karbonatit, Calcit xpl

IMG_0829.JPG

Smedsgarden, Karbonatit, Calcit konoskopisch

Glück auf

Michael



Florian D.

Noch eine Anmerkung: Die ganzen SE Fluorokarbonate, Synchisit eingeschlossen, ja eigentlich alle Carbonate, haben eine ähnlich hohe Doppelbrechung wie Calcit, einige sind einachsig, andere zweiachsig. D. h. bei einigen der vermeintlichen Calcite mit hohen Achswinkeln kann es sich auch um SE Minerale handeln.

Viele Grüsse
Florian

Peter_le

Zitat von: Florian D. in Januar 18, 2026, 11:17:08 VORMITTAG@Olaf: Ich erinnere mich, dass die neueren Leica Polmikroskope auf dem Kondensor eine Angabe zur Defaulteinstellung für Objektive mit der jeweiligen Vergrösserung haben.

Ich wollte auch schreiben, dass das bei neueren Mikroskopen üblich geworden ist, entweder eine Apertur oder ein 100x...40x...10x anzugeben.

@Michael Du kannst ja die Apertur per Bertrandlinse "sehen", vor allem ohne Präparat.

Ich würde ja mal die Belichtungszeit verlängern und die ISO verringern. Falls du die EOS Utiliy mit Live View verwendest hast du ja ein Histogramm, welches u.a. hilft. Das verringert nämlich das Bildrauschen, da kann ich mir vorstellen, dass das auch eine Rolle spielt.

Grüße
Peter

PolMik

#25
Hallo Peter,
ja, ich verwende das EOS Utility mit Live View. Deinen Vorschlag probiere ich aus.

Lieber Florian,
schönen Dank für die Nachricht. Da gebe ich dir Recht. Plagioklase und Alkalifeldspäte, aber auch andere sind auch so eine "Spielwiese", bei denen man sich ganz gerne täuscht. Ich hielt ja damals tatsächlich den Petalit von Varuträsk zunächst für Albit. Es dauerte auch bis ich die Realität fand. Von Varuträsk kann ich in Kürze noch mal einen bilderbuchartigen Spodumen vorstellen. Ich habe jetzt noch einen Schliff von Norra Kärr machen lassen, der viel Eudialyt enthält, das ist aber farblich extrem schwer zu erkennen. Man stellt sich bisweilen die Frage, wie "die Alten" derartig viele Entdeckungen mit viel einfacheren Mitteln machen konnten.

Ich habe an Gerätschaften noch einen Quarzkeil und einen Kippkompensator, die setze ich so gut wie nicht ein. Vielleicht wäre es nicht der dümmste Einfall damit mal wieder zu üben. Du hattest schon einmal geschrieben, dass du ein Spektrometer an das Mikroskop adaptieren kannst. So ein Gerät gibt es für das Leica DM 750 P nicht und ich habe überhaupt noch kein Spektrometer für Mikroskope gesehen. Außerdem bräuchte ich dazu eine "geologensichere" Bedienungsanleitung.

Beim vermeintlichen Synchesit, der alles mögliche sein kann, kommt aber dazu, dass keine konoskopischen Bilder machbar sind. Das dauert jetzt noch eine ganze Weile, aber am früher als Chlorit angenommenen Biotit und diesem vermeintlichen Synchesit werde ich mal den Kippkompensator probieren. In unserem Fall ist es wohl so, dass das zweiachsige Mineral mit dem großen Achsenwinkel eine recht abenteuerliche Calcitform ist. Wie Olaf schrieb, gestresster Calcit als zweiachsiges Mineral hat eben einen kleinen Achsenwinkel, wie wir ihn auf den Bildern von Persberg und Smedsgarden sehen. Alle drei zweiachsigen Calcitkörner vom erstgenannten Karbonatit haben eigentlich unnatürlich große Achsenwinkel.

Viele Grüße

Michael

PolMik

Hallo Peter,
dein Ratschlag war sehr gut. Ich habe mit der Einstellung ISO 200 und AV eindeutig bessere Bilder. Dabei kann ich den Kondensor tatsächlich bei 20x mit dem 10x/0.30 Objektiv belassen ohne dieses Gegrissel auf dem Bild zu haben. Wieder was dazugelernt. Danke.
Viele Grüße
Michael

olaf.med

Lieber Michael.

Zitatd diesem vermeintlichen Synchesit werde ich mal den Kippkompensator probieren

Bei diesen Mineralen wie z.B. Synchisit mit hohen Interferenzfarben wirst Du weder mit dem Quarzkeil noch mit dem Kippkompensator irgend etwas erreichen. Beide Hilfseinrichtungen dienen ja nur zur Kompensation von Gangunterschieden von meist 3-4 Ordnungen (im Falle des Quarzkeils) und von 4 Ordnungen beim Berek-Kompensator, und damit kann man kein Weiß höherer Ordnung kompensieren. Selbst wenn man eine Kornorientierung hätte, die man mit den Kompensatoren kompensieren könnte, wäre einem nicht weitergeholfen, denn was bedeutet denn dieser Messwert? - Nichts, weil es eine beliebige Orientierung wäre!

Hier hilft tatsächlich nur so lange zu suchen bis man die richtige Schnittlage gefunden hat, und wenn das wegen mangelnder Zahl von Kristallen nicht gelingt - Pech gehabt und neuen Schliff anfertigen :( .

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

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PolMik

#28
Lieber Olaf,

schönen Dank für die Nachricht. Von dem Karbonatit habe ich zwei senkrecht zueinander stehende Schliffe machen lassen. Ein leidlich geeignetes Korn mit zwei blassen Isogyren habe ich schon gefunden. Danach deutet sich an, dass das Mineral zweiachsig mit sehr großem Achsenwinkel ist. Mal sehen, ob sich noch bessere Körner finden.

Mein Kippkompensator von Leica soll maximal 5 Wellenlängen gleich 5 Ordnungen schaffen. Erst mal übe ich mit meinetwegen Petalit und Biotit und dann macht Versuch klug. Im besten Fall kommt ein Ergebnis raus, das den Verdacht auf Synchisit, der nur auf der Beschreibung im Buch basierte, erhärtet. Sonst war es eben nur ein gut gemeinter aber schlecht gemachter Versuch. Das dauert noch eine ganze Weile.

Herzliche Grüße

Michael


PolMik

Lieber Olaf,

ich habe eben die KI von Google befragt. Sie schreibt "Synchisit gehört zum monoklinen Kristallsystem, ist jedoch stark pseudohexagonal aufgebaut. Aufgrund dieser Struktur verhält es sich optisch wie ein einachsiger Kristall. In der Dünnschliffmikroskopie äußert sich die hohe Doppelbrechung durch sehr lebhafte Interferenzfarben höherer Ordnung (Michel-Lévy-Diagramm)." Damit scheint es wirklich ziemlich hoffnungslos zu sein mit dem Kippkompensator ein Ergebnis erzielen zu wollen.

Herzliche Grüße

Michael