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Nelkenöl

Begonnen von Muschelbluemchen, April 04, 2010, 19:29:14 NACHMITTAGS

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Muschelbluemchen

Servus an Alle.

Um die Familie etwas zu schonen, habe ich nun schon bei einigen Färbereihen (Etzold ASF, FastGreen-Safranin, Eisenhämatoxylin)
das Xylol durch Nelkenöl ersetzt.
Funktioniert sehr gut und riecht auch viel besser.
Nun meine Frage - gibt es Jemanden mit Erfahrung was die Haltbarkeit der Färbung betrifft, wenn man Nelkenöl verwendet?

Die Informationen im Internet & Literatur(soweit ich da was habe) sind sehr spärlich und widersprüchlich, einmal
kann man Nelkenöl als Intermedium einsetzen, dann wieder schadet es der Haltbarkeit der Färbungen.

Danke für Tipps
Leopold

liftboy

Hallo Leopold,
also definitiv: Nelkenöl wirkt stark bleichend!
Ich setze es gerne für Insektenpräparate ein, da das Chitin stark aufgehellt wird.
Gruß
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Muschelbluemchen

Danke für die Antwort.
Die Möglichkeit Insektenteile in Nelkenöl aufzuhellen war mir schon bekannt, meines Wissens kann man
dafür ja auch Milchsäure verwenden.
Für mich war das aber immer nur ein "Durchscheinend-machen" (Sorry für den Ausdruck)
als Bleichung hab ich das nicht angesehen - vermutlich bin ich da aber zu unerfahren!
Werden die Insektenteile eigentlich immer heller, je länger sie im Nelkenöl sind?

mfG
Leopold

Klaus Herrmann

Hallo Leopold,

hast Du nun Insekten gefärbt oder Botanik, was ich von den angewendeten Färbungen eher annehmen würde?

Oder hast Du Nelkenöl als Intermedium vor dem Eindecken mit Entellan, Kanadanblasam, Malinol.. statt Xylol verwendet?

Wäre etwas ungewöhnlich und ob viel weniger gesundheitsschädlich als Xylol eine Abwägungsfrage.

Warum nimmst Du nicht Euparal? Da geht es aus Isopropanol!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Muschelbluemchen

Ja warum nicht Euparal? Daran hab ich noch nicht gedacht - müsset ich sogar zu Hause haben. Vermutlich weil ich keine Erfahrung damit habe!
Ich verwende Malinol - hab da noch einen größeren Vorrat und eigentlich schon einige Erfahrung damit.
Was die Präparate angeht - es sind nur Sachen aus dem pflanzenanatomischen Umfeld - zuletzt z.B. Allium ursinum, Wurzel quer  mit FastGreen/Safranin
gefärbt.
Gesundheitliche Bedenken zählen dabei eigentlich nicht - ich arbeite nicht berufsmäßig damit und ein kurzer Aufenthalt in der Gemeinschaftsgarage im Haus ist vermutlich gesundheitlich bedenklicher.
Eigentlich geht es nur um die Geruchsbelästigung durch Xylol - Nelkenöl riecht einfach besser und ist auch leichter zu beschaffen als Xylol.
(Und wenn man zu Weihnachten Schnitte färbt fällt man nicht mal auf - geruchlich!)
Ich verwende es als Intermedium zw. Isopropanol und Malinol - funktioniert eigentlich sehr gut.

Die Idee ist nicht neu und natürlich nicht von mir - hier einige Beispiele:
(Google Buchsuche, als Suchbegriff Nelkenöl und Intermedium)
http://books.google.at/books?id=cmQHAQAAIAAJ&q=Nelken%C3%B6l+Intermedium&dq=Nelken%C3%B6l+Intermedium&lr=lang_de&num=100&as_brr=0&client=firefox-a&cd=8
http://books.google.at/books?id=GIN3ZXCUVrEC&pg=PA341&dq=Nelken%C3%B6l+Intermedium&lr=lang_de&num=100&as_brr=0&client=firefox-a&cd=6#v=onepage&q=Nelken%C3%B6l%20Intermedium&f=false
http://books.google.at/books?id=-eWwaXErTYQC&q=Nelken%C3%B6l+Intermedium&dq=Nelken%C3%B6l+Intermedium&lr=lang_de&num=100&as_brr=0&client=firefox-a&cd=1
http://books.google.at/books?id=lA59AAAAIAAJ&q=Nelken%C3%B6l+Intermedium&dq=Nelken%C3%B6l+Intermedium&lr=lang_de&num=100&as_brr=0&client=firefox-a&cd=9
Leider braucht man da manchmal etwas Phantasie um zu erraten um was es geht - aber wie auch immer - Nelkenöl wurde schon verwendet als Intermedium und da hoffte ich auf etwas Erfahrung im Internetz.

mfG
Leopold

Detlef Kramer

Zwischen Isopropanol und Malinol braucht man kein Intermedium.

D.K.
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Rolf-Dieter Müller

Zitat von: Muschelbluemchen in April 04, 2010, 22:22:09 NACHMITTAGS
...
Leider braucht man da manchmal etwas Phantasie um zu erraten um was es geht - aber wie auch immer - Nelkenöl wurde schon verwendet als Intermedium und da hoffte ich auf etwas Erfahrung im Internetz.
...

Hallo Leopold,

worauf es in der botanischen Mikrotechnik wirklich ankommt, steht nicht im Internet. Dafür können Sie es vergessen.

Aber Ihre Vermutung, Nelkenöl als Intermedium für den Einschluss in Harz zu nutzen ist schon richtig, denn es wurde schon probiert. Nähres darüber finden Sie im Schneider-Zimmermann "Botanische Mikrotechnik", wobei das aber sehr kritisch gesehen wird, zumal Nelkenöl als Differenzierungsmittel für spezielle Färbungen genutzt wird. Im übrigen hat das Jörg Weiß (Fahrenheit) für seine BEN-Färbung genutzt und auch hier im Forum beschrieben.

Also, ich würde es nicht nehmen, außer Sie wollen eine Vorfärbung differenzieren und zwar mit Eosin in Nelkenöl gleichzeitig differenzieren und gegenfärben.

Was Sie machen können, wurde Ihnen ja schon von Klaus Herrmann und Detlef Kramer empfohlen. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Wenn Sie trotzdem unbedingt ein Intermedium verwenden wollen, dann nehmen Sie alternativ zu Xylol das Terpineol. Steht übrigens auch im Schneider-Zimmermann und ist von mir erfolgreich angewandt worden. Bitte bei Terpineol unbedingt auf die Schreibweise achten, es ist nur das.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter Müller

Klaus Herrmann

Hallo Detlef,

ZitatZwischen Isopropanol und Malinol braucht man kein Intermedium.

das habe ich noch nie probiert. Im Gerlach wird Xylol angegeben im Romeis wird Malinol gar nicht erwähnt. Hast Du Erfahrungen damit?
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Rolf-Dieter Müller

Zitat von: Klaus Herrmann in April 05, 2010, 00:12:29 VORMITTAG
Hallo Detlef,

ZitatZwischen Isopropanol und Malinol braucht man kein Intermedium.

das habe ich noch nie probiert. Im Gerlach wird Xylol angegeben im Romeis wird Malinol gar nicht erwähnt. Hast Du Erfahrungen damit?

Lieber Klaus,

frag mich doch.

Ja, ich habe damit Erfahrungen. Es geht, man muss nur sorgfältigst entwässern. Mehr als man denkt. Damit will ich sagen, das eher ein Misserfolg garantiert ist.

Da Mittel der Wahl ist immer noch Euparal. Man kommt mit Isopropylalkohol aus und das mikroskopische Bild ist einfach brillianter.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

Klaus Henkel

Zitat von: Rolf-Dieter Müller in April 04, 2010, 23:33:01 NACHMITTAGS

Aber Ihre Vermutung, Nelkenöl als Intermedium für den Einschluss in Harz zu nutzen ist schon richtig, denn es wurde schon probiert. Nähres darüber finden Sie im Schneider-Zimmermann "Botanische Mikrotechnik", wobei das aber sehr kritisch gesehen wird, zumal Nelkenöl als Differenzierungsmittel für spezielle Färbungen genutzt wird. Im übrigen hat das Jörg Weiß (Fahrenheit) für seine BEN-Färbung genutzt und auch hier im Forum beschrieben.

Also, ich würde es nicht nehmen, außer Sie wollen eine Vorfärbung differenzieren und zwar mit Eosin in Nelkenöl gleichzeitig differenzieren und gegenfärben.

Was Sie machen können, wurde Ihnen ja schon von Klaus Herrmann und Detlef Kramer empfohlen. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Wenn Sie trotzdem unbedingt ein Intermedium verwenden wollen, dann nehmen Sie alternativ zu Xylol das Terpineol. Steht übrigens auch im Schneider-Zimmermann und ist von mir erfolgreich angewandt worden. Bitte bei Terpineol unbedingt auf die Schreibweise achten, es ist nur das.

Rolf-Dieter Müller

Nelkenöl braucht man unbedingt in der botanischen Mikrotechnik zur Differenzierung bei der Vierfachfärbung nach Johansen, die auch Gerlach genau beschreibt. Johansen verwendet eine Lösung von Fastgreen FCF, Nelkenöl, ÄGMMA, Äthanol, tert. Butanol und Eisessig. Zum Klären der aufgeklebten Schnitte eine Lösung von Nelkenöl, abs. Isopropanol und Xylol zu gleichen Teilen.

Außerdem gibt Johansen in Plant Microtechnique, New York u. London 1940, auf Seite 19 folgenden allgemeinen Verwendungshinweis für Nelkenöl:
Nelkenöl wird am häufigsten (most commonly) angewandt als Klärungsmittel für aufgeklebte Schnitte, bevor sie in Balsam eingeschlossen werden. Vor dem Balsameinschluß müssen alle Spuren des Nelkenöls mit Xylol ausgewaschen werden, sonst neigen die Farben zum Ausbleichen. Nelkenöl macht ein Gewebe spröde und brüchig, wenn es darin verweilt, egal ob kurz oder lang.

N. enthält etwa 82% Eugenol, gibt J. an. Obwohl es keine veröffentlichten Erfahrungswerte gebe, sei es durchaus denkbar, das Nelkenöl durch Eugenol zu ersetzen, falls notwendig, doch sei das erheblich teurer.

Mir war schon das Nelkenöl teuer genug, das ich seinerzeit von Chroma bezogen habe.

Die Vierfachfärbung nach Donald Alexander Johansen (J.s Quadruple Stain) wird für pilzinfiziertes Pflanzenmaterial, wie Laubblätter oder Gräser und Getreide angewandt, besonders auch bei Rostpilzbefall. Es werden dazu viele Chemikalien und Lösungen benötigt, aber die einzelnen Arbeitsschritte laufen beinahe "automatisch" einfach ab, so daß man trotz des Chemikalienaufgebots eigentlich keine Fehler machen kann, es sei denn durch unsaubere Arbeit beim Ansatz der Lösungen.

Gruß KH

Muschelbluemchen

Danke für die Antworten. Werde vom Nelkenöl lassen als Intermedium und es lieber mit Terpineol probieren.
Malinol ohne Intermedium ist mir eigentlich zu riskant, ich denke geringe Wasserspuren können stundenlange Bemühungen
zunichte machen!

mfG
Leopold

Detlef Kramer

Zitat
Lieber Klaus,

frag mich doch.

Ja, ich habe damit Erfahrungen. Es geht, man muss nur sorgfältigst entwässern. Mehr als man denkt. Damit will ich sagen, das eher ein Misserfolg garantiert ist.

Da Mittel der Wahl ist immer noch Euparal. Man kommt mit Isopropylalkohol aus und das mikroskopische Bild ist einfach brillianter.

Lieber Klaus, lieber Rolf-Dieter,

vielen Dank, dass Ihr mich korrigiert habt. Das war einer meiner Schnellschüsse und ich habe Malinol mit Euparal verwechselt. Meinen Ober-Aufseher in der Schweiz wird es freuen.

Ich benutze, wie Ihr wisst, seit einiger Zeit sehr gerne das Includal CB von Chemlab, das auch ohne Intermedium auskommt.

Herzliche Grüße

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Rolf-Dieter Müller

Zitat von: Detlef Kramer in April 05, 2010, 11:29:53 VORMITTAG
...
vielen Dank, dass Ihr mich korrigiert habt. Das war einer meiner Schnellschüsse und ich habe Malinol mit Euparal verwechselt. Meinen Ober-Aufseher in der Schweiz wird es freuen.
...

Lieber Detlef,

ich bin mir sicher, das es dem nicht freuen wird, denn prinzipiell kann man es ja auch nur mit Isopropylalkohol machen. Nur halt eben sorgfältig. Insofern war Dein Hinweis schon richtig.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter