Autor Thema: Fotoport im Eigenbau ?  (Gelesen 5088 mal)

Jens Jö

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Fotoport im Eigenbau ?
« am: Juli 11, 2010, 11:38:38 Vormittag »
Hallo an alle Bastler,

ich möchte mein Stereomikroskop (chinesischer Olympus-Klon) mit einem C-Mount Fotoport ausrüsten.
Natürlich kann man bei Herrn Woitzik (für 50 € aufwärts plus MWSt plus 45 € Versand in die Tschechei) halbdurchlässige Spiegel oder Plangläser kaufen.

Meine Fragen an die Bastler wären:
1.) spricht irgendwas dagegen, als Strahlenteiler einen Objektträger oder ein Deckglass zu verwenden ?
2.) Ich möchte möglichst ohne Zwischenoptik auf den Chip einer Tucsen abbilden. Bei einem Durchlichtmikroskop mit Endlich-Optik undenkbar, aber wie sieht das bei einem Stereomikroskop aus ? Mein Zoom-Objektiv hat eine max. Vergrößerung von 4. Wie stark sind die zu erwartenden Farbfehler, wenn ich nicht auskorrigiere ?

Danke und herzliche Grüße
Alfred

reblaus

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Re: Fotoport im Eigenbau ?
« Antwort #1 am: Juli 11, 2010, 12:53:52 Nachmittag »
Hallo Alfred -

1) In diesem thread findest du die Theorie über Deckgläser als Strahlenteiler:

http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=5494.0

Für Beleuchtung mag das angehen aber für Abbildung  :o !

Es gibt sicher mehrere Forumsmitglieder, die einen brauchbaren Strahlenteiler noch herumliegen haben (ich habe z.B. einen von einem kaputten Bitubus), den sie gegen Anerkennungsgebühr herausrücken würden. Aber wenn das Porto 45 Euro kosten soll ???.

2) Ohne Bild von deinem Stemi kann man schlecht was sagen - was ist ein Olympus-Klon? Im Prinzip werden beim Stemi keine Kompensationsokulare benötigt, das ausgeklinkte Bild hätte also nicht mehr Farbfehler als bei Betrachtung mit Okular vorhanden sind.

Ich vermute jedoch, dass du mit der Direktabbildung nur einen winzigen Ausschnitt des Gesichtsfeldes auf den Chip bekommst, wenn das Bild im Okular und in der Kamera gleichzeitig scharf sein soll.

Gruß
Rolf





Jens Jö

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Re: Fotoport im Eigenbau ?
« Antwort #2 am: Juli 11, 2010, 13:50:38 Nachmittag »
Hallo Rolf,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort, habe den Thread gerade gelesen.
Am häßlichsten werden wohl die Geisterbilder durch Reflexion an der hinteren Glasfläche des unverspiegelten Deckglases sein.
D.h. ich werde um einen echten Strahlenteiler nicht herumkommen . . .
Zitat
Aber wenn das Porto 45 Euro kosten soll
: nein, das kostet nur bei Herrn Woitzik 45 € (was ein Lackmus-Streifen für die restliche Preispolitik sein könnte !).
Das Briefporto in die Tschechei kostet wenige Euro, und wenn es besonders groß und schwer ist, dann kostet ein "Deutsche Post Maxibrief International" exakt 6 €.

Danke und Gruß
Alfred

Jens Jö

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Re: Fotoport im Eigenbau ?
« Antwort #3 am: Juli 11, 2010, 14:09:18 Nachmittag »
P.S.

Zitat
Ohne Bild von deinem Stemi kann man schlecht was sagen
Habe schnell ein Bild gemacht. Das ist mein Olympus-Klon:


und hier möchte ich den Strahlenteiler einbauen:


Gruß
Alfred

reblaus

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Re: Fotoport im Eigenbau ?
« Antwort #4 am: Juli 11, 2010, 15:43:56 Nachmittag »
Hallo Alfred -

tja, da würde nur ein würfelförmiger Strahlenteiler reinpassen, der einen Teil durchlässt und einen Teil um 90 Grad herauslenkt. Leider ist der Teiler aus meinem Tubus so gebaut, dass er die Hälfte um 90 Grad nach links und die andere Hälfte um 90 Grad nach rechts lenkt.
Eine preiswerte Möglichkeit zu einem Teiler zu kommen, wäre z.B. der Erwerb des Zeiss Grundkörper I, der im eBay zwischen 25 und 50 Euro wert war (letzteres sogar noch mit anhängendem Fotogehäuse).
Dieser enthält neben einem 125 mm-Objektiv und einem seitlichen Einstellokular auch einen würfelförmigen Strahlenteiler 30/70 der Kantenlänge ca. 25 mm, der sich leicht ausbauen lässt weil er nicht verklebt sondern mit Korkplättchen geklemmt ist. Es gibt weitere Zwischentuben mit Strahlenteiler, die aber alle teurer gehandelt werden.

Viele Grüße
Rolf

Jens Jö

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Re: Fotoport im Eigenbau ?
« Antwort #5 am: Juli 11, 2010, 19:32:48 Nachmittag »
alternativ ein Einklappspiegel (müßte natürlich ein Oberflächenspiegel sein, den ich auch nicht habe...) ?
Ein Okular bleibt aktiv, der zweite Strahl wird um 90 Grad umgelenkt ?

Gruß
Alfred

-JS-

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Re: Fotoport im Eigenbau ?
« Antwort #6 am: Juli 11, 2010, 20:03:48 Nachmittag »
Hallo Alfred,

ich möchte gern auf eine Quelle hinweisen, wo unter Anderem 90° Prismen sowie
Strahlenteiler in meiner Ansicht nach ausgezeichneter optischer Qualität bezogen
werden können:

http://www.macony-design.de/catalog/index.php

(Dort dann unter Präzisionsoptik / Planoptik weiter stöbern).
Die 90°-Prismen sind hier besonders erwähnt, weil diese für Dich eine relativ preiswerte
Lösung zulassen können (z.B. 19,4 mm Prisma vergütet für 9,45 Euro zzgl. Versand).

Für die Umsetzung wäre bei Deinem Stemi eine Lösung mit verschiebbarem Prisma
vorzuschlagen.
In desem Fall stünde für die Zeit der Aufnahme (Prisma in den Lichtweg geschoben)
einer der beiden Tuben nicht für die visuelle Beobachtung zur Verfügung, aber die
Kontrolle wäre immer noch über den zweiten Einblicktubus möglich.
Eine ähnliche Lösung gab es schon beim Zeiss Stemi SV 8, hier wurde allerdings
ein verschiebbarer Oberflächenspiegel für die Umlenkung verwendet.

Platz wäre lt. Deinem Foto genügend vorhanden, sowohl für das verschiebbare
Prisma als auch für den sich dann anschliessenden abbildenden Teil (Okular,
C-mount Adapter).

Freundlichen Gruß
Joachim


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« Letzte Änderung: Juli 12, 2010, 00:50:58 Vormittag von -JS- »
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reblaus

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Re: Fotoport im Eigenbau ?
« Antwort #7 am: Juli 11, 2010, 23:59:49 Nachmittag »
Hallo -

@Joachim - tolle Bezugsquelle für Bastler. Wusste nicht, dass solche Preise möglich sind!

@Joachim+Alfred -

Spiegel oder 90 Grad-Prisma ist natürlich viel billiger als ein Strahlenteiler. Dafür scheint mir aber eine präzise Schiebe/Klappkonstruktion auch für Edelbastler völlig unwirtschaftlich.
(Wenn du Profi mit entsprechender Ausrüstung bist, nehme ich das natürlich zurück).
Aber eine statische Konstruktion ist mit "Bordmitteln" einfach viel besser hinzubekommen als ein Klappspiegel/Schiebeprisma, vor allem wenn man nur 30 % des Lichtes zur Kamera führt. Die beiden Augen stören sich kaum an dem Helligkeitsunterschied 70/100 %.

Viele Grüße
Rolf

-JS-

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Re: Fotoport im Eigenbau ?
« Antwort #8 am: Juli 12, 2010, 00:49:50 Vormittag »
Lieber Rolf,
am 'Edelbastler' werde ich sicher noch **lange** herumkauen  ;D
Zur Wirtschaftlichkeit im Hobbybereich vermag ich auch nicht sehr viel zu sagen,
wahrscheinlich käme ich da in der Summe meiner 'Pröbelzeiten' auch grad mal auf
einen Stundensatz von max. 50 Cent, jedoch:
muß das nun breitgetreten werden?
Wer zählt z.B. die Stunden am Färbebänkchen oder am (Hand-)Mikrotom oder bei
der Bewältigung von Stacking-Aufgaben? [Nein, kein neuer Thread...]

Wenn ich einmal theoretisch-planerisch den Einbau eines Strahlenteilers 30/70 in Kombination
mit einer sauber konstruierten Photoadaption betrachte, dürfte dafür auch einiges an Bordmitteln
(und Gehirnschmalz sowie Zeit) draufgehen, bis die Lösung 'rund' ist.

Meiner Meinung nach ist dann eine im Verhältnis gesehen recht kleine Zusatzhausaufgabe
mit dem Thema 'Schlittenführung für ein 90°-Prisma' kein soooo großes Problem.
Insbesondere dann nicht, wenn die Lösung einer bekannten Firma Modell steht.
Dort gleitet ja auch bloß eine simple Schublade....

Ferner würde mich persönlich z.B. eine Lichtausbeute auf der Foto-Seite von lediglich 30%
ziemlich stören. Aber das dürfte zunächst einmal eine andere Tasse Tee sein.

Hier ging es um die Beantwortung einer Frage, und  - ich tat mein Möglichstes.

Freundlichen Gruß
Joachim



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