Entosiphon sulcatum und unbekannter Flagellat

Begonnen von Holger Adelmann, Oktober 22, 2010, 21:58:13 NACHMITTAGS

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Holger Adelmann

Liebe Kollegen,

heute poste ich zwei Videoclips:

1. Entosiphon sulcatum aus dem Simmelried 20 mu lang
Ein interessanter Flagellat mit einer körperlangen Mundschleuse (Cytopharynx), die manchmal etwas ausgefahren wird. Er heisst 'sulcatum' wegen der deutlichen Oberflächenstreifung, die in Wirklichkeit röhrenförmige teilweise offene Kutikulasenken darstellen. Im elektronenmikroskopischen Bild http://www.eol.org/pages/13225 sieht man dass diese im Querschnitt nahezu ideal rund sind und offenbar durch Mikrotubuli oder andere Strukturen des Zellskeletts verstärkt sind. Auf dieser Webseite gibt es rechts neben dem Bild noch andere anzuklicken !

2. Unbekannter Flagellat aus einem Biotop an der Wuppersperre, wer kann helfen? (knapp 5 mu gross, schwer zu sagen bei der Mobilität)

Beide Clips sind hier:
http://www.flickr.com/photos/55075099@N06/5105209870/in/photostream/

Leitz Orthoplan, NPL Fluotar 100:1 DIC bzw Pl Apo 100:1 Phasenkontrast

Herzliche Grüsse
Holger


Ernst Hippe

Hallo Herr Adelmann,

schöne Darstellung des Entosiphon! Beim zweiten Flagellat glaube ich 4 Geißeln zu erkennen - das könnte Tetramitus sp. sein, vgl. Foissner et al., Bestimmung und Ökologie der Mikrosaprobien...(1997). Was sagt denn der Entdecker des Simmelrieds dazu?
Gruß Ernst Hippe
Vorstellung:Hier klicken

Michael Plewka

hallo Herr Adelmann,
beeindruckende Videos!  Entosiphon kommt sehr klar und detailreich rüber!
Bei der 2. Bioform vermisse ich Angaben, ob Chloroplasten oder sonstige Farbeinschlüsse vorliegen, sowie genauere Angaben zum Biotop.  Deutlich erkennbar sind aber die zwei Einbuchtungen, je eine pro Seite. Diese erscheinen mir kürzer als bei Tetramitus. Die hellen Körperchen (Farbe ??!!) könnten Öltropfen sein. Die Anzahl der Geißeln ist schwer bestimmbar (6?? oder 8??).  Die Anzahl der Zellkerne ist ebenfalls aus dem Video schwer ermittelbar.
Basierend auf diesen Einbuchtungen vermute ich, dass es sich um einen Vertreter der Hexamitidae / Diplomonadida, vielleicht Hexamita) handelt  (Wassertropfen S. 224/225 / Illustrated Guide to the Protozoa, s. 1129ff),   welche frei in  stark verschmutzten Wasser vorkommen (Anaerob bzw. mikroaerophil) (>>> Biotop ???).
Bemerkenswert an dieser Gruppe ist, so habe ich gelesen, dass diese als Eukaryoten keine Mitochondrien besitzen .
beste Grüße Michael Plewka
 

Holger Adelmann

Vielen Dank für die raschen Antworten. Ich habe nochmals nachgerechnet, es ist mir ein Skalierungsfehler unterlaufen - der unbekannte Flagellat ist nur etwa 5 mu gross!

@ Ernst Hippe
Der unbekannte Flagellat stammt nicht aus dem Simmelried sondern aus einem (sauberen) Biotop an der Wuppersperre. Es ist wirklich schwierig, manchmal vermag ich 4 Geisseln zu sehen, manchmal mehr ... Es ist leider die einzige Doku die ich dazu habe.

@ Michael Plewka
Der unbekannte Flagellat hatte keine Farbeinschlüsse. Wie schon oben gesagt ist das Biotop eigentlich sauber, aber im Herbst sehr stark mit vergammelndem Rohrkolben 'belastet'. Ich tendiere nun auch zu Hexamita sp.

Herzliche Grüsse
Holger Adelmann