Öl-Immersionobjektiv mit Glycerol???

Begonnen von Dr. Jekyll, Dezember 11, 2010, 14:22:53 NACHMITTAGS

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jibi

Hallo,
rein von der Chemie her ist Glyzerin eine sehr polare Verbindung und kann bei hoher Reinheit vermutlich weder Lackring, Metall, Plastik oder Glas angreifen. Die hykroskopische Eigenschaft kann man mit dicht schließenden Glasflaschen gut beherrschen. Aber der geringere Brechungsindex gegenüber Immersionsöl ist der schwerwiegende Nachteil. Wenn aber dies die Anwendung nicht weiter beeinträchtigt, spricht aus meiner Sicht nichts gegen Glyzerin.

Herzliche Grüße
Jürgen
 

Dr. Jekyll

Hi Jürgen,

also wird mir die Frontlinse meines Objektives nicht entgegen fallen.
Dank und Gruß
                       Harald
Beste Grüße
Harald

olaf.med

Hallo,

ZitatAber der geringere Brechungsindex gegenüber Immersionsöl ist der schwerwiegende Nachteil

Glycerin hat einen Brechungsindex von 1.475 gegen 1,515 beim normalen Immersionsöl. Ich bin felsenfest überzeugt, dass die Differenz nur im absoluten Grenzbereich zu einer merklichen Einbuße beim Auflösungsvermögen führt, da man ja die Aperturblende in der Regel doch etwas schließt um noch etwas Kontrast zu haben. Vielleicht rechnet ein mathematisch Begabterer als ich einfach mal die Änderung der nA aus.

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Gunther Chmela

An alle, die es interessieren könnte - schauen Sie sich bitte das an:

http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?1,10589,10589#msg-10589

An meiner damals veröffentlichten Beurteilung hat sich nichts geändert!

Grüße!
Gunther Chmela

hinrich husemann

Nur um Herrn Chmelas Argumente noch zu unterstützen: Zum Beispiel haben die Zeiss´schen Multi-Immersions-Objektive für Wasser, Glycerin und Öl, Plan-Neofluar 40/0,9 Imm und 25/0,8 Imm, einen Korrekturring zur Einstellung der Systeme für das jeweils benützte Immersionsmittel (unterschiedlich dazu noch jeweils für Anwendung mit und ohne Deckglas). Das bedeutet, daß "feste" Immersions-Objektive -zumindest stärkere- speziell für das angegebene Immersionsmittel ausgelegt sind und mit anderen weniger gute Abbildungen liefern. (Das entsprechende Plan-Neo 16/0,50 Imm hat meines Wissens allerdings keinen Korrekturring mehr.)
Freundlich immergierte Mikrogrüsse
H. Husemann

Eckhard F. H.

Hallo Herr Husemann,
in dem Maß, wie diese Diskussion ins Detail geht, nimmt meine vermeintliche Kenntnis der Sache ab und die Verunsicherung zu. In einem Lehrbuch las ich einst: "Bei Immersion ist die Deckglasdicke bedeutungslos. Dann gibt es die HI, nach deren Verständnis sich zwischen Objektträger und Frontlinse nur Medien gleicher Brechung befinden sollen. Und aus berufenem Mund erfuhr ich, daß Kontrast sich durch Kombination von Medien verschiedener Brechkraft verbessert ließe.
Verunsicherter Gruß - E. Nowack

Frank D.

Zitat von: E. Nowack in Dezember 13, 2010, 14:17:05 NACHMITTAGS
Hallo Herr Husemann,
in dem Maß, wie diese Diskussion ins Detail geht, nimmt meine vermeintliche Kenntnis der Sache ab und die Verunsicherung zu. In einem Lehrbuch las ich einst: "Bei Immersion ist die Deckglasdicke bedeutungslos. Dann gibt es die HI, nach deren Verständnis sich zwischen Objektträger und Frontlinse nur Medien gleicher Brechung befinden sollen. Und aus berufenem Mund erfuhr ich, daß Kontrast sich durch Kombination von Medien verschiedener Brechkraft verbessert ließe.
Verunsicherter Gruß - E. Nowack

Lieber Herr Nowack,

zu den Deckglasdicken und der HI hatte Herr Henkel bereits klärende Worte geschrieben.

z.B. im viertletzten Beitrag
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2756.0

Freundliche Grüße
Frank Donat

Eckhard F. H.

ZitatDie homogene Immersion gibt es schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr

Wohl, wohl, lieber Herr Donat, dem Zitat sei nicht widersprochen. Aber finden Sie nicht, daß seine Aussage etwas u n s c h a r f ;D ist? Homogene Immersion ist kein Objekt, das seine leibliche Existenz einfach beenden könnte. Wenn Objektive für diese Prämisse nicht mehr konzipiert oder produziert werden, existieren sie dennoch. Zumindest in meiner Schatzkiste und erwecken zuweilen am Mikroskop sogar zum Leben. Allerdings zu einem unsteten.
Gruß - E. Nowack

Frank D.

#23
Zitat von: E. Nowack in Dezember 13, 2010, 16:36:16 NACHMITTAGS
ZitatDie homogene Immersion gibt es schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr

Wohl, wohl, lieber Herr Donat, dem Zitat sei nicht widersprochen. Aber finden Sie nicht, daß seine Aussage etwas u n s c h a r f ;D ist? Homogene Immersion ist kein Objekt, das seine leibliche Existenz einfach beenden könnte. Wenn Objektive für diese Prämisse nicht mehr konzipiert oder produziert werden, existieren sie dennoch. Zumindest in meiner Schatzkiste und erwecken zuweilen am Mikroskop sogar zum Leben. Allerdings zu einem unsteten.
Gruß - E. Nowack

Nach einem Blick in meine Schatzkiste kann ich Ihnen ebenfalls nicht widersprechen Herr Nowack. Und das ist auch gut so!
Und, .... solange der Arbeitsabstand des Objektives nicht überschritten wird, liegen Sie mit Ihrer Annahme bezüglich der Immunität gegen Schwankungen in der Deckglasdicke vollkommen richtig.

Weil bekanntlich ein Bild mehr sagt als zehn³ Worte,
hier noch etwas aus Dr. Ludwig Otto's "Durchlichtmikroskopie"(1959), zum Thema Polygamie der Immersionen.

Mit freundlichem Gruß
Frank Donat


Horst Isele

Ich hätte eine Ergänzungsfrage.

Wie kann/muss ich die Kondensorfrontlinse immergieren.
Ist auch hier für gute Resultate zwingend Öl erforderlich?

Gruss  Horst
das freundschaftliche Du ziehe ich vor

±  µ ∞ λ ¼  ½  ¾   ν  δ  π  σ  φ  ψ  Փ ‰  ‱ ℃  Ω   √  ∛  ∜  ∑  ≤  ≥  ⋲  ♀  ♂

Eckhard F. H.

ZitatDie sorgfältige Einhaltung der für Brechzahl und Dispersion errechneten Werte entscheidet über die Brauchbarkeit des Immersionsmittel

Hallo Herr Donat,
das ist interessant! Heißt es doch, daß Immersionsobjektive nur mit Immersionsmittel kalkulierter Brechzahl und Dispersion optimale Leistung erbringen. Aber woher erfahre ich diese Werte für meine Objektive? Eingraviert sind sie ja nicht.
Gruß - E. Nowack

Frank D.

#26
Zitat von: Horst Isele in Dezember 13, 2010, 19:51:53 NACHMITTAGS
Ich hätte eine Ergänzungsfrage.

Wie kann/muss ich die Kondensorfrontlinse immergieren.
Ist auch hier für gute Resultate zwingend Öl erforderlich?

Gruss  Horst

Hallo Horst,

ich habe mir hierfür 3 Zahlenwerte gemerkt: 0,95 / 1 / 1,4 (hoffe, mit meinem antiquarischen Buchwerk nicht so sehr daneben zu liegen)
Bei entsprechendem Kondensor ist die Beleuchtungsapertur bis 0,95 ohne Kondensorimmersion, 1 mit Wasser und bis 1,4 mit Öl zu erreichen.

Hierbei ist wichtig, dass die Flüssigkeitsverbindung zwischen Kondensorlinse und Objektträger sich nicht so weit einschnürt, dass die Randstrahlen des Beleuchtungsstrahlenganges nicht mehr durchgelassen werden.

Liebe Grüße
Frank

Frank D.

#27
Zitat von: E. Nowack in Dezember 13, 2010, 20:05:15 NACHMITTAGS
ZitatDie sorgfältige Einhaltung der für Brechzahl und Dispersion errechneten Werte entscheidet über die Brauchbarkeit des Immersionsmittel

Hallo Herr Donat,
das ist interessant! Heißt es doch, daß Immersionsobjektive nur mit Immersionsmittel kalkulierter Brechzahl und Dispersion optimale Leistung erbringen. Aber woher erfahre ich diese Werte für meine Objektive? Eingraviert sind sie ja nicht.
Gruß - E. Nowack

Dieser erste Satz bezieht sich noch auf den vorherigen Abschnitt, der die Gewährleistung der optischen Daten des Immersionsmittels behandelt.

Im folgenden Abschnitt wird beschrieben, in welchem Maße sich die Temperatur des Immersionsmittels ändern darf, um bei Objektiven verschiedener Apertur relativ geringe Auswirkungen des sphärischen Restfehlers zu erzeugen.
Hier liegen die Abweichungen einmal mit 10,5°C für Objektive der Apertur 1,4 und 23°C bei denen mit einer Apertur von 1,25.
(Die Bedingung war, dass mit einfachen Objektiven und normalen Immersionsölen auch in den Tropen gearbeitet werden konnte.)

Dieser Abschnitt beantwortet zwar noch nicht Ihre Frage nach den richtigen Werten für die Objektive, lässt aber erkennen, dass die von Zeiss Jena hergestellten Immersionen den HI-Objektiven unter diesen Temperaturbedingungen entsprachen.
Als vertretbare Grenze des sphärischen Restfehlers wird 0,5λ (+0,25λ .... -0,25λ) angegeben.
Dieser Wert wird bei einem Objektiv der Ap.1,4 mit den Ölen von 1,517 bis 1,533 eingehalten. Objektive niedrigerer Apertur vertragen wesentlich größere Spannen.

Freundliche Grüße
Frank Donat

olaf.med

Hallo Horst,

ZitatWie kann/muss ich die Kondensorfrontlinse immergieren.
Ist auch hier für gute Resultate zwingend Öl erforderlich?

Hier ist die Frage nach Brechungsindex und vor allem Dispersion ja nicht so kritisch, da sich alles unterhalb des Objekts ja nicht im abbildenden Strahlengang befindet. Vom Beleuchtungsapparat muß nur die entsprechende Apertur zur Verfügung gestellt werden. Hier könnte man also evtl. Glycerin benutzen, aber warum, wenn man schon das richtige Öl zur Hand hat.

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0