Autor Thema: HISTOLOGIE: Sekretionsgranulat im Pankreas eine Ratte  (Gelesen 24541 mal)

Ronald Schulte

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HISTOLOGIE: Sekretionsgranulat im Pankreas eine Ratte
« am: Juni 18, 2011, 16:49:23 Nachmittag »
Lieber Freunde der Histologie,

Wie Florian Stellmacher in sein Beitrag https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=3799.0 gezeigt hat was alles im Pankreas nicht gut gehen kann zeige ich Heute mal wie ein Pankreas(Ratte) Normal aussieht. Das ziel war das Zymogene Sekretionsgranula an zu Färben.

Die nachfolgende Theorie stammt von: http://www.dr-gumpert.de/html/bauchspeicheldruse.html


Anatomie Bauchspeicheldrüse (Mensch)

Die Bauchspeicheldrüse ist eine etwa 80g schwere, 14 bis 18 cm lange Drüse und liegt im Oberbauch zwischen Dünndarm und Milz. Sie liegt eigentlich nicht innerhalb der Bauchhöhle, sondern sehr weit hinten direkt vor der Wirbelsäule. Sie ist daher auch nicht wie viele andere Organe des Magen-Darm-Trakts mit der die Bauchhöhle auskleidende Haut (Peritoneum = Bauchfell) überzogen ist.
Aufgrund ihres Aussehens wird die gesamte Drüse in Kopf (Caput), Körper (Corpus) und Schwanz (Cauda) unterteilt.

Funktion

Hauptaufgabe der Bauchspeicheldrüse ist die Produktion von Verdauungsenzymen und Verdauungshormonen.

Die Hormone der Bauchspeicheldrüse werden direkt ins Blut abgegeben (sogenannte endokrine Sekretion).
Unter Enzymen versteht man Eiweiße, die aktiv in der Lage sind, Nahrungsmittel zu zerlegen und sie für die Nahrungsaufnahme über die Schleimhaut vom Darm vorzubereiten.

Über einen speziellen, längs durch die gesamte Drüse ziehenden Ausführgang, den Bauchspeicheldrüsengang (lat. ductus pancreaticus) gelangen die Enzyme an ihren Wirkort im Dünndarm. Da die gebildeten Enzyme der Zerkleinerung von Nahrungsbestandteilen dienen, handelt es sich um sehr aggressive Substanzen. Die Bauchspeicheldrüse verfügt daher über effektive Schutzmechanismen vor Selbstverdauung: Eiweißspaltende Enzyme (Peptidasen) wie Trypsin und Chymotrypsin werden in Form von inaktiven Vorstufen gebildet. Die Umwandlung in ‘biologisch aktive Scheren’ erfolgt im Dünndarm (mittels eines Enzyms namens Enterokinase, das kleine Bruchstücke von der Trypsinvorstufe Trypsinogen abschneidet, so dass funktionsfähiges Trypsin entsteht. Dieses ist zugleich der Aktivator für die anderen Hormone.Außerdem bildet die Bauchspeicheldrüse Stärke spaltende Enzyme (Amylasen), Fett spaltende Enzyme (Lipasen) sowie Nukleinsäure spaltende Enzyme (Ribonukleinasen; diese dienen dem Verdau von Zellkernbestandteilen).

Alle genannten Enzyme funktionieren aber nur dann optimal, wenn in ihrer Umgebung ein nicht zu hoher Säuregehalt herrscht (=PH8). Da die Nahrung aber gerade aus dem mittels Salzsäure vorverdauenden Magen stammt, muss die Salzsäure vorher unschädlich gemacht (neutralisiert) werden. Dazu werden die Enzyme mit 1-2 Litern einer wässrigen, bicarbonatreichen (=neutralisierend wirkenden) Flüssigkeit, dem Bauchspeichel, in den Dünndarm abgegeben.

Für diese sogenannte exokrine Funktion ist der größte Anteil der Bauchspeicheldrüse zuständig. Unter exokriner Funktion versteht man die Produktion der Enzyme für den Verdauungstrakt.

Das gesamte Gewebe der Bauchspeicheldrüse ist, wie auch viele andere Drüsen, z.B. die Schilddrüse, in Lappen gegliedert, die durch Bindegewebe voneinander getrennt sind. Innerhalb der Bindegewebsstraßen liegen die die Bauchspeicheldrüse mit Blut versorgenden Gefäße, Nerven und Lymphgefäße.

Zuständig für die Enzymproduktion sind spezialisierte Zellen, die Drüsenendstücke (Azini). Diese geben die Enzyme in innerhalb der Bauchspeicheldrüse verlaufende Ausführgänge ab, die letztlich alle in einen großen, gemeinsamen Ausführgang, den ductus pancreaticus  münden.

Das Besondere dieser vielen kleinen Ausführgänge ist, dass sie außerdem noch eine weitere Funktion haben: Sie sind für die Neutralisation der Magensäure durch Bildung des Bauchspeichels zuständig.

Dagegen ist der hormonproduzierende (endokrine) Anteil der Bauchspeicheldrüse nur klein. Er wird auch als Inselorgan bezeichnet: Die Anordnung dieser Zellen in Gruppen, die diffus verstreut in der gesamten Drüse zu finden sind, erinnert unter dem Mikroskop, an Inseln. Am häufigsten sind die etwa 1 Million Inseln im hinteren Teil (dem so genannten Schwanz) zu finden. Das wichtigste (und mit einem Anteil von über 80% auch am meisten gebildete) Hormon ist das Insulin. Seine Aufgabe besteht darin, die Aufnahme von Zucker (Glucose; Abbauprodukt von kohlehydratreicher Nahrung) in die Körperzellen zu ermöglichen und auf diese Weise den Blutzuckerspiegel zu senken. Bei Fehlen oder Mangel dieses Hormons kommt es zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus): Das Blut wird mit nicht verwertetem Zucker übersättigt.


Übersicht Verdauungssystem Maus (Ratte ist fast gleich)


Der Chinese Text habe ich speziel für Chinesische Mitleser dazugeschrieben









iL  =  Intralobulärem Gang
DR = Drüsen
BL = Blutgefasse
L  =  Langerhals Inseln
DL = Drüsenläppchen
B  =  Bindegewebe




iL  =  Intralobulärem Gang
D = Drüsen
B = Blutgefasse
L  =  Langerhals Inseln

Objektiv Leitz Fluotar 25x



G = Zymogenes Sekretionsgranulat
K = Drüsenzellkern
A = Ausführungsgang
Z = Zentroazinäre Zellen

Objektiv Leitz Plan apo 63x


Ohne Tekst


Objektiv Leitz Plan apo 63x


Objektiv Leitz Plan apo 63x


Färbung in Toluidin Blau gibt nicht so ein klares Bild
Objektiv Leitz Plan apo 63x


Grüße und viel Spaß beim anschauen,
Ronald
« Letzte Änderung: Juni 18, 2011, 19:18:15 Nachmittag von Ronald Schulte »
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotome:
A&O 820 Rotationsmikrotom.
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Florian Stellmacher

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Re: HISTOLOGIE: Sekretionsgranulat im Pankreas eine Ratte
« Antwort #1 am: Juni 18, 2011, 21:09:59 Nachmittag »
Lieber Ronald,

wieder ein Hochgenuss, Deine schönen Bilder zu betrachten! Dazu eine hervorragende Präsentation - Gratulation!

Diese Bilder gehören wirklich in ein Buch!

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 40 (DL, Pol, AL-Fluoreszenz)
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Leitz Orthoplan (DL, DF, Pol, AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Dieter Stoffels

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Re: HISTOLOGIE: Sekretionsgranulat im Pankreas eine Ratte
« Antwort #2 am: Juni 18, 2011, 23:26:26 Nachmittag »
Hallo Ronald,

vielen Dank für Deine Dokumentation. Besonders gut gefällt mir der Schnitt mit der Langerhansschen Insel sowie die Übersichtaufnahme (die Möglichkeit zu "Stitch" ist schon was tolles!). Strukturen des Pancreas finde ich häufig als parallele Anschnitte des Darmes. Bei Deínem "Übersichtbild Verdauungssystem der Maus" fallen mir sofort die Worte meines Zoologieprofessors ein: Stoffels, feucht halten!

Nochmals vielen Dank für Deine Arbeit!

Dieter
« Letzte Änderung: Juni 18, 2011, 23:31:05 Nachmittag von Dieter Stoffels »

Holger Adelmann

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Re: HISTOLOGIE: Sekretionsgranulat im Pankreas eine Ratte
« Antwort #3 am: Juni 18, 2011, 23:51:05 Nachmittag »
*** Absolut TOP lieber Ronald ***
Macht viel Spass, die Bilder und die schöne Doku zu sehen. Schön, dass Du auch immer wieder die makroskopischen Bilder dazugibst.

Herzliche Grüsse
Holger


Fahrenheit

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Re: HISTOLOGIE: Sekretionsgranulat im Pankreas eine Ratte
« Antwort #4 am: Juni 19, 2011, 07:33:05 Vormittag »
Lieber Ronald,

da kann ich mich meinen Vorschreibern nur anschließen!
Vielen Dank für die tolle und lehrreiche Dokumentation.

Herzliche Grüße
Jörg
Hier geht's zur Vorstellung: Klick !
Und hier zur Webseite des MKB: Klick !

Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

bozidar

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Re: HISTOLOGIE: Sekretionsgranulat im Pankreas eine Ratte
« Antwort #5 am: Juni 19, 2011, 12:40:33 Nachmittag »
Wie immer, lieber Ronald
absolute spitze

Grüß Bozidar

Ralf Feller

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Re: HISTOLOGIE: Sekretionsgranulat im Pankreas eine Ratte
« Antwort #6 am: Juni 19, 2011, 13:21:46 Nachmittag »
Hallo Ronald,
ich schließe mich dem Lob an. Super Arbeit.
Könntest Du etwas zur Technik und Färbung sagen?

Gruß Ralf

Ronald Schulte

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Re: HISTOLOGIE: Sekretionsgranulat im Pankreas eine Ratte
« Antwort #7 am: Juni 19, 2011, 21:18:39 Nachmittag »
@Ralf und anderen,

Danke für euer Lob.
Hier ist, nicht wie gewöhnlich in Paraffin eingebettet, sondern in Kunststoff (Technovit 7100).
Da ich diese Technik noch nicht vollständig beherrsche kann ich noch keine aussagen machen was zu tun und sicher nicht zu tun ist.
Wenn ich genug gelernt habe mache ich mal einen neuen Beitrag.

Die Färbung geht natürlich dann auch anders vor wie mit Paraffin. Hier ist eine HE Färbung gemacht.

Mein Protokoll war:

- Schnitte gut Trocknen (30 Minuten Heizplatte oder eine Nacht Raumtemperatur);
- Haematoxyline nach GillII, 14 Min (Kulzer schreibt Gill vor und das wirkt auch gut. Habe schon einige andere Sorten, Mayer, Harris, Ehrlich usw, probiert und die Färben lange nicht so schön. Warum weis ich leider noch nicht.);
- Kurz Spulen AD,
- Blauen in Alkalischen Leitungswasser (PH8), 10 Min;
- Spulen AD und Trocknen;
- Alkoholischen Eosin, 4 Min;
- Spulen AD;
- Entwässern in 100% Isopropanol, ≈1 Min;
- Trocknen und eindecken.

Wenn ich mehr Erfahrung bekomme mit Färbungen mache ich da auch mal ein neuen Beitrag "Farben mit Technovit".

Grüße Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotome:
A&O 820 Rotationsmikrotom.
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.