Frage zu einem ziemlich alten Leitz Stereomikroskop: Jalicht Gravur

Begonnen von lumipan, Oktober 09, 2025, 15:26:05 NACHMITTAGS

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lumipan

Dank noch einmal an Martin für seinen Hinweis. Hier zum Anschauen. Das Bild 2 zeigt einen Ansatz zur Erweiterung des Geräts mit grösserer optischer Basis für grossformatige Bilder

Viele Grüße Dirk

beamish

Whow! Damit ist das Rätsel der Funktion gelöst... Bis auf "jalicht.", das ich immer noch für ein Telegrammwort/Bestellwort halte.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Lupus

Hallo Dirk,

eine kleine Korrektur:
ZitatDas Bild 2 zeigt einen Ansatz zur Erweiterung des Geräts mit grösserer optischer Basis für grossformatige Bilder
Es geht nicht um großformatige Bilder, sondern um die Betrachtung von Stereobildern. Aus dem ursprünglichen Stereomikroskop, mit dem man einzelne monoskopische Luftbilder auswertet (also keinen räumlichen Eindruck nutzen kann), wird ein Stereobetrachter für die 3D-Auswertung von eher kleineren, einzelnen Stereobildpaaren.

Weil die beiden Bilder doch sehr originell und selten sind, habe ich mir erlaubt den Farbstich zu entfernen und den Kontrast etwas anzupassen.

Hubert

Leitz Luftbildbetrachter 1.jpg

Leitz Stereoluftbildbetrachter 2.jpg


lumipan

Zitat von: Lupus in Oktober 17, 2025, 14:38:07 NACHMITTAGSHallo Dirk,

eine kleine Korrektur:
ZitatDas Bild 2 zeigt einen Ansatz zur Erweiterung des Geräts mit grösserer optischer Basis für grossformatige Bilder
Es geht nicht um großformatige Bilder, sondern um die Betrachtung von Stereobildern. Aus dem ursprünglichen Stereomikroskop, mit dem man einzelne monoskopische Luftbilder auswertet (also keinen räumlichen Eindruck nutzen kann), wird ein Stereobetrachter für die 3D-Auswertung von eher kleineren, einzelnen Stereobildpaaren.

Weil die beiden Bilder doch sehr originell und selten sind, habe ich mir erlaubt den Farbstich zu entfernen und den Kontrast etwas anzupassen.

Hubert

Leitz Luftbildbetrachter 1.jpg

Leitz Stereoluftbildbetrachter 2.jpg


du hast natürlich recht Hubert, ich danke dir für die Berichtigung und das Verschönern. Und schön dass es euch alle so interessiert hat. Das Teil scheint gar nicht sooo selten gewesen zu sein aber wie bereits geschrieben, nirgends eine Erwähnung oder ein Bild in den zugänglicheren Quellen. Ich stelle jetzt auch einmal eine These zu Jalicht auf. Möglicherweise die militärische Modellbezeichnung und deshalb auch in keinem Katalog aufgeführt (der hier bekannt ist)

Grüße dirk

purkinje

#49
Hallo,
der Stereoansatz ist ja sehenswert, schöner Literaturfund.
Interessant auch die bestimmt sehr bewusste zivile Wortwahl, erst seit 1922 ar wieder zivile Luftfahrt gemäß dem Versailler Vertrag gestattet, die militärische Nutzung blieb verboten.
Und 1925, im Jahr dieser Veröffentlichung, wer konnte es ahnen, hatte man die geheime Fliegerschule und Erprobungsstätte der Reichswehr in Lipezk mit der UDSSR gegründet, sowie Austausch von militärischem know-how und im Gegenzug gab es Öl aus Baku, um die Ölversorgung des Deutsche Reichs den "angloamerikanischen Kartellen" zu entreißen, eine Begründung, welche man in bestimmten Kreisen bis in die jüngste Zeit... aber lassen wir das.
Beste Grüße Stefan

Stuessi

Zitat von: Lupus in Oktober 14, 2025, 13:02:54 NACHMITTAGS... hier noch ein Beispiel für eine Luftbild-Stereoaufnahme von Dessau 1928...

Hallo Hubert,

kannst Du bitte genauer beschreiben, wie Du an die Luftbild-Stereo Bilder gekommen bist.
Ich suche nämlich nach solchen Luftbild-Stereo-Bildern.

Vor einigen Tagen bin ich durch einen Artikel im Kölner StAnz. auf eine riesige Sammlung von Stereobildern von Köln, Münster und Recklinghausen aus den Jahren 1946 bis 49 aufmerksam geworden:

https://greven-archiv-digital.de/themenwelten/truemmer-und-aufbruch-die-sammlung-schnitkemper

Herzliche Grüße,
Rolf

Lupus

Hallo Rolf,

ich habe auf der Internetseite des Geoportals Sachsen Anhalt     https://www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de/de/gdp-open-data.html
die historischen Luftbilder der Region Dessau 1928 ausgewählt    https://www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de/de/gdp-diglss-1928-junkers.html
und daraus zwei sich ausreichend überlappende Luftbilder einer Flugserie herunter geladen. Nach Zentrierung und Beschneidung auf gleichen Ausschnitt habe ich dann die Stereobilder als Anaglyphen und Kreuzblick-Bildpaar selbst erzeugt.
Die Auswahl optimal passender Bildpaare ist in diesem Fall etwas umständlich. Ich kenne die Methode relativ gut aus eigener Erfahrung, weil ich früher für Recherchezwecke direkten Zugriff auf solche (analogen) großformatigen Stereo-Befliegungsfotos in meiner Heimatregion hatte, die man dann mit einem Zeiss-Stereobildbetrachter auswerten konnte.

Es gibt wohl vereinzelt auch andere Luftbildarchive speziell über Zerstörungen aus dem 2. WK oder sonstige historische Aufnahmen, aber die sind vermutlich meist kostenpflichtig.

Hubert

Norman

Da Dirk mit mir Kontakt aufgenommen hatte, freue ich mich auch hier zu diesem Thema etwas zu lesen/beitragen zu können.
Ich besitze zwei verschiedenen Varianten:

174160 & B.Li.G/BLG No.160 (mit Messingteilen z.B. die Okulare) ca. 1916
umfangreiche Restaurierungsarbeiten


176463 & Jalicht/LDM No.1463 ca. 1917
keine Veränderungen, nur leichtes Putzen und WD-40 zum Einölen

20251017_164602_b_.jpg

20251017_164835_b_.jpg

20251017_165036_b_.jpg



Ich hatte nach dem Kauf/Herrichten des älteren Feldmikros bereits versucht alles über diesen Gerätetyp zu finden. Dabei bin ich auch mehrfach bei ebay in GB fündig geworden. Eines hatte sogar im originalen Kistendeckel "MICROSCOPE" stehen.
Dieses bedeutet, dass es zu Kriegszeiten an den damaligen Feind ausgeliefert wurde. Ich vermute, dass es in GB damals keine eigene Fertigung von Leitz-Mikros gab. Die Bilder der Auktion (mit den Seriennummern) hatte ich mir zwar gespeichert, ein
PC-Systemcrash verhindert aber z.Z. diese Nummern und damit das alter zu bestätigen.

Norman

beamish

Hallo Norman,

wie kommst du auf die Herstellungsjahre?

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Norman

Hallo Martin,

ich sammle zwar Seriennummern mit Baujahren -Abgelesen von Fotos- von vielen älteren Mikros (meist Auktionen von ebay bzw. von Kleinanzeigen.de), bei Leitz brauche ich dies nicht zu tun, da Wolfgang bereits super super unfangreich aktiv war!!
https://www.leitz-ortholux.de/forum/seriennummern.pdf

Daher sind die eigenen benötigten Interpolationen damit sicher relativ treffsicher!

Alternativen:
https://www.microscopemuseum.eu/serialnumbers.html
http://www.ernst-leitz-wetzlar.de/seriennummern.htm




Norman

beamish

In den WKI und Zwischenkriegszeiten sind die Datierungen der Seriennummern relativ unsicher. z.B. ist in Wolfgangs Liste der Nummer 165582 das Datum 20.02.1919 zugeordnet!
Ich frage deshalb, weil dieser Stativtyp in dem hier von mir zitierten Artikel von 1922:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=52472.msg381799#msg381799
als "neu" bezeichnet wurde.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

purkinje

Hallo werte Leitz-Historien-interessierte,
die Leitz-Niederlassung in London und in St. Petersburg war ab 1914 geschlossen; wann die Londoner Filiale wieder öffnete weiß ich nicht.
Die 1893 von Ludwig Leitz gegründete Leitz New York Niederlassung wurde 1917 (Kriegseintritt USA) mittels des "Trading with the Enemy Act of 1917" unter US-Zwangsverwaltung geführt (bis zum Friedensvertrag 1921), das obige könnte also eher aus den USA als dem UK stammen.
Beste Grüße Stefan

lumipan

Ich freue mich dass du deine Bilder eingestellt hast Norman, herzlichen Dank, ich könnte mir vorstellen, dass deine Version mit den vernickelten Knöpfen ebenso wie obiges für das Militär geliefert wurde, meines war in der Originalkiste und die ist in freundlichem Armeegrün gehalten, Bild anbei.

Grüße Dirk

andr_brno

#58
Zitat von: Lupus in Oktober 18, 2025, 14:01:09 NACHMITTAGSHallo Rolf,

ich habe auf der Internetseite des Geoportals Sachsen Anhalt    https://www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de/de/gdp-open-data.html
die historischen Luftbilder der Region Dessau 1928 ausgewählt    https://www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de/de/gdp-diglss-1928-junkers.html
und daraus zwei sich ausreichend überlappende Luftbilder einer Flugserie herunter geladen. Nach Zentrierung und Beschneidung auf gleichen Ausschnitt habe ich dann die Stereobilder als Anaglyphen und Kreuzblick-Bildpaar selbst erzeugt.
Die Auswahl optimal passender Bildpaare ist in diesem Fall etwas umständlich. Ich kenne die Methode relativ gut aus eigener Erfahrung, weil ich früher für Recherchezwecke direkten Zugriff auf solche (analogen) großformatigen Stereo-Befliegungsfotos in meiner Heimatregion hatte, die man dann mit einem Zeiss-Stereobildbetrachter auswerten konnte.

Es gibt wohl vereinzelt auch andere Luftbildarchive speziell über Zerstörungen aus dem 2. WK oder sonstige historische Aufnahmen, aber die sind vermutlich meist kostenpflichtig.

Hubert
Liebe Luftbildfreunde,
zwar schon recht weit weg vom ursprünglichen Thema, aber nahe an meiner beruflichen Tätigkeit, daher noch ein kleiner Exkurs in die Luftbildarchivierung und -auswertung in der Landesvermessung.
In Bayern gibt es auch ein Luftbildarchiv mit allen Bildern seit 1940, eine Übersicht ist hier zu finden: https://www.ldbv.bayern.de/vermessung/luftbilder/recherchestation.html
Die Bilder als Kopie sind dann aber kostenpflichtig.
Die Bilder zwischen 1940 und 1946 dokumentieren eindrucksvoll die Zerstörungen des 2. Weltkrieges, sie sind "aus der Hand" durch aliierte Aufklärungsflieger erzeugt worden, um den Erfolg des Flächenbombardements zu dokumentieren. Die Auflösung ermöglichte das präzise Zählen der Krater und damit die Ermittlung der Blindgängerquote - dazu werden diese Bilder heute noch vor Erschließungsmaßnahmen herangezogen. Das hocheffiziente Brandbombardement, das in den letzten Kriegswochen viele deutsche Großstädte auslöschte, benötigte diese Dokumentationen gar nicht.
In der Nachkriegszeit entwickelte sich aus diesen Erfahrungen die Luftbildmessung, die an mechanischen Apparaten wie dem anliegenden Zeiss Planigrafen (steht bei uns im Treppenhaus - wenn er von Leitz wäre, stünde er bei Wolfgang in der Gästetoilette😉) durchgeführt wurde. Darin werden Kipp-, Roll- und Scherwinkel des Luftbildpaares korrigiert und über luftsichtbar signalisierte Bodenpunkte absolute Messparameter bestimmt. Dadurch entsteht ein Stereobild beim Beobachter, in dem durch Aufsetzen einer virtuellen Messmarke auf die virtuelle Oberfläche jedes Objekt absolut und dreidimensional koordiniert werden kann. Genauigkeit wenige cm!
Ich wurde vor 35 Jahren auch kurz daran ausgebildet - nach wenigen Minuten brummte einem Anfänger der Schädel.
Von den professionellen Auswertern, die täglich viele Stunden an diesen Geräten saßen, gibt es viele Anekdoten: Einer lief im Schwimmbad mal gegen die Wand, weil er die Fliesenfugen stereoskopisch falsch verschnitt... nach einer Zwillingsvaterschaft würde ein Bildauswerter sicher ein paar Tage brauchen, bis er zwei Kinder in der Wiege erblickt.
Grüße Andreas

Stuessi