womit Fotoaufnahmen von Präparaten estellen ?

Begonnen von Jorge, Mai 28, 2012, 09:43:15 VORMITTAG

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Jorge

Hallo liebe Forumsmitglieder,

nach anfänglichen (Auslieferungs-)Schwierigkeiten mit meinem neuen (September 2011) Mikroskop


Breukhoven BMS D1 211 e Monokular mit Semiplan-Objektiven 4x 10x 40x 60x 100xÖl, Abbe-Kondensor höhenverstellbar mit verstellbarer Irisblende, 10x Weitfeldokular, LED-Beleuchtung ohne Köhlerfeldblende und Messokular.

mikroskopiere ich fleißig Sporen, Basiden, Zystiden, Hyphen etc. von Großpilzen; und wenn ich die Schnitte gut hinbekomme werde ich mit hervorragenden "Bildern" belohnt. Ich bin super zufrieden mit meiner Wahl.

Bei meiner Anschaffung habe ich mich jedoch bezüglich der Möglichkeit der problemlosen Erstellung von Fotos über den Tubus mittels meiner Fotokamera Panasonic Lumix FZ 100 getäuscht. Das geht so nicht, das Objektiv ist vermutlich zu groß, als daß man damit durch das Mikroskop Präparate Fotografieren kann. Mit meinem Händy funktioniert das auch nicht.

Viele meiner mykologischen Kollegen fotografieren jedoch mit ihren kleien Kompaktkameras und bekommen so aussagefähige Bilder.

Geht das nur mit den Kompaktkameras? Also nicht mit Handykameras, Bridge-Kameras (wie meine) oder Digital-Reflex-Kameras?

Sollte ich mir nun eine kleine Kamera extra zulegen? Die klassischen Digital-Mikroskopkameras sind mir zur Zeit zu teuer (ca. 150 Euro) wie z.B.

BMS tCAM 1.3 MikrOkular mit Auflösung von 1280x1008 Pixel.

Habt Ihr einen Rat?

Danke im Voraus


Jorge



Detlef Kramer

Hallo Jorge,

ich möchte asolut nicht unhöflich sein. Eines muss man aber feststellen dürfen: es gibt kaum ein Thema, dass so intensiv und erschöpfend diskutiert wird, wie Adaption von Kameras an das Mikroskop. Wenn Du also einmal die Diskussionen von ein paar Monaten rückwärts überfliegst, bekommst Du alle Informationen, die Du benötigst.

Konkret kann ich leider weder zu dem Mikroskop noch zu der Kamera etwas sagen, beides kenne ich nicht. Dass es mit der Lumix nicht geht, dürfte an der Pupillenlage liegen. Die Ausgangspupille des Okulars muss in der gleichen Ebene, wie die Eingangspupille des Foto-Objetivs, also dessen Irisblende, liegen. Das ist besonders bei den sog. Bridge-Kameras sehr schwer zu realisieren. Einige hier im forum haben gute Erfahrungen mit ganz preiswerten Kompaktkameras gemacht, z.B. ausführlich vor kurzem von Nomarski beschrieben.

Warum es mit dem Handy nicht gehen soll, verstehe ich nicht. Der Sache würde ich noch einmal nachgehen. Noch ein Tipp: eventuell wirst Du ein anderes Okular benötigen, eines für Brillenträger. Solche gibt es immer mal wieder preiswert gebraucht.

So viel mal zum Anfang. Wenn spezielle Fragen aufkommen, helfen wir Dir gerne!

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Jorge

Hallo Detlef,

vielen Dank für die Hinweise!

Bei Nomarski nachzuschauen ist über die Suchfunktion sehr schwierig; hat einfach zu viele Beiträge geschrieben um die entscheidenden Stellen zu finden.
Wenn ich etwas Glück habe meldet sich Nomarski ja noch selber  ;)

Werde das nit der Händy-Kamera noch einmal versuchen, ein Brillenträger-Okkular mit Augenmuschel (für ohne Brille) habe ich bereits ab Werk.

Nochmals Danke


Jorge

Detlef Kramer

Hallo Jorge,

schreib den Bernd ("Nomarski") doch einfach per PM an. Er ist sehr hilfsbereit. Ich finde seinen Artikel auf die Schnelle leider auch nicht.

Wenn Du die Augenmusschel entfernst oder umklappst, müsste es mit dem Handy auf jeden Fall gehen.

Detlef
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Detlef Kramer

Hallo Jorge,

schau mal hier nach: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=9804.0. Es war nicht Nomarski, obwohl der sich auch intensiv an der Diskussion beteiligt hat.

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Jorge

Hallo Detlef,

nochmals vielen Dank.

Ich werde das mit dem Handy beim nächsten Präparat noch einmal versuchen.

Danke auch für den Link, sehr aufschlußreich!

Werde auch mal Bernd (Nomarski) anschreiben.

Gruß

Jorge

Nomarski

Hallo Jorge,

ich habe gerade deine PM gelesen mit Verweis auf diesen Thread und bin untröstlich, daß ich ihn übersehen habe, nachdem mein Forumsname schon mehrfach gefallen ist. :-[ ( ;D)

Gehen wir mal systematisch an die Sache ran, zumal ich dein vorhandenes Mikroskop und die Kamera zwar nicht genau, aber vom groben Aufbau her kenne:
Du hast ein Mikroskop, mit dem du scheinbar gut umgehen kannst, sonst hättest du ja nicht geschrieben, daß du bereits mit hervorragenden Bildern belohnt wurdest. Zum anderen erwähnst du eine Lumix Kompaktkamera, also eine mit fest eingebautem Objektiv.
Der erste Schritt ist die Kamera mit voll geöffneter Blende mit dem Objektiv über das Okular zu halten, das geht vom festen Auflegen bis über ein paar cm Abstand unter der Beobachtung, wie sich das mikroskopische Bild im Display verhält.
Hat man dunkle Ränder, ist entweder das Objektiv in der Kamera abgeblendet oder die Austrittspupille des Okulares reicht nicht bis zur Eintrittspupille des Objektives.
Die Lage der Austrittspupille am Okular kannst du sichtbar machen, indem du beim eingestelltem Bild am Mirkoskop, irgegendein Präparat, 10er Objektiv, Hellfeld ein Blatt Papier aufs Okular legst. Man sieht einen Lichtfleck. Wenn man das Papier anhebt, verkleinert sich der Lichtfleck bis zu einem Lichtpunkt, der auch gleichzeitig die Austrittspupille ist.
Wie hoch liegt bei dir nun diese Austrittspupille über dem Okularrand? 5mm? 10mm? 20mm?

Viele Grüße
Bernd

Jorge

Hallo Bernd,

ufff, da stellst Du jemanden der nur mit "Intelligenter Automatik" fotografiert aber vor eine Aufgabe  :)

Wie beim Mikroskopieren bin ich bei der Fotografie noch rechter Anfänger.

Aber Super, denn vielleicht läßt sich ja mit meiner Kamera doch noch was machen!

Ich werde den von Dir beschriebenen Versuch - sobald ich diesen "verstanden habe" - mit dem nächten anstehenden Präparat durchführen.

Frage, kann die Eintrittspupille des Kamera-Objektivs auch hinter der Kamara-Linse liegen? (Bitte nicht lachen) Oder liegt diese immer außerhalb? Wenn ja, dann müßte es ja klappen wenn ich die Okkular-Austrittsquelle (mm über Okkular-Linse) kenne? Zerkratze ich eigentlich nicht die Linsen, wenn ich Sie aufeinander lege?

Ich werde mich umgehend melden wenn ich den Versuch durchgeführt habe. Ich werde mal schauen, ob ich heute noch einen Pilz (für ein Präparat) in der Stadt finde um es heute noch auszuprobieren.

Danke und bis bald  Jorge

Detlef Kramer

Hallo Jorge,

die Eintrittspupille liegt bei Foto-Objektiven stets innerhalb des Objektivs, nämlich da, wo die Irisblende und bei den Kompakten der Verschluss liegt. Das ganau ist es, was die Sache, besonders bei den Bridge-Kameras so schwierig macht. Aber, probier es aus. ABER: versuche, wenn irgend möglich, Glas/Glas-Kontakt zu vermeiden. Ich hatte solch ein kritisches System mit meiner Olympus 5050 - die hat jetzt drei wunderschöne Kratzer auf der Frontlinse!

Dennoch: viel Glück!

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Nomarski

#9
Hallo Jorge,

auf die Art des Präparates kommt es nicht so sehr an, es sollte eben nur ausreichend Licht durch das Okular lassen, so daß du nach der beschriebenen Methode die Austrisspupille des Okulars am Mikroskop sehen kannst. Ggf Gardinen zuziehen oder warten bis es draußen dunkel wird. ;D

Die Eintrittspupille vom Kamera-Objektiv liegt üblicherweise dort, wo die Irisblende angeordnet ist. Das ist irgendwo zwischen der Linsengruppe.
Bei Objektiven mit großem Zoombereich liegt sie meistens sehr tief, so daß sie mit der Austrittspupille vom Okular nicht nahe genug erreicht wird.
Man hat dann zwar eine superdolle Kamera für die Allgemeinknipserei, aber leider am Mikroskop nicht zu gebrauchen.

Und man ist aus mechanischen Gründen eben an einem Mindestabstand zwischen dem Okular und dem Kamera-Objektiv gebunden, schließlich dürfen sich die Linsen nicht berühren oder man hat es mit einer Fassung mit tiefliegender Frontlinse zu tun. Zur Not könnte was weggehobelt werden, wäre dann aber die Frage, ob das wirklich was bringen würde und nicht am Ende mit einer verhunzten Kamera oder Okular dasteht.

Viele Grüße
Bernd

Nachtrag:
ZitatAber, probier es aus. ABER: versuche, wenn irgend möglich, Glas/Glas-Kontakt zu vermeiden. Ich hatte solch ein kritisches System mit meiner Olympus 5050 - die hat jetzt drei wunderschöne Kratzer auf der Frontlinse!

Und auf der Augenlinse vom seltenen S-KPL wahrscheinlich auch, also kann man es nur noch für Dunkelfeld nehmen. :'(

Detlef Kramer

Lieber Bernd,

ZitatUnd auf der Augenlinse vom seltenen S-KPL wahrscheinlich auch, also kann man es nur noch für Dunkelfeld nehmen.

Dank für Deine Anteilnahme. Aber, ein KPL-S habe ich bis heute gar nicht und das betr. KPL blieb glücklicherweise unbeschädigt. Offenbar sind die Gläser der Kamerafrontlinsen besonders weich.

Herzliche Grüße
Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Jorge

Hallo noch einmal,

vielen Dank für Eure Ratschläge und Tipps.

Ich konnte das heute noch nicht ausprobieren; Meine Frau hat da heute Vorrang und ein passenden Pilz konnte ich auch noch nicht auftreiben.

Ich bleibe aber am Ball und werde mich melden wenn der Versuch geklappt hat.

Peinlich: habe heute noch versucht bei meiner Kamera die Blendeneinstellung zu finden,  :-[ noch ohne Erfolg, , bislang bringt die Intelligente Automatik bereits so gute Fotos, daß ich mich bislang nicht mit Blende und Belichtung eingearbeitet habe; muß wohl doch die Bedienungsanletung studieren  :-[

Also ich melde mich bald

Gruß  Jorge

Nomarski

Hallo Jorge,

die intelligente Automatik, so gute Fotos sie sonst auf liefern mag, hat leider wenig Ahnung von den Lichtverhältnissen am Mikroskop. Dazu muß man eben die Belichtungszeit und die Blende manuell einstellen können, was auch für den Fokus gilt: nämlich Unendlich oder Bergsymbol und kein Makro bzw. Tulpe. Ansonnsten hängt eben vieles vom Zufall ab.
Dazu mußt du eben wie schon angeführt in der Bedienungsanleitung der Kamera nachschauen, wie das einzustellen geht. Im Zeitautomatikmodus bei vorgewählter Blende (max. offen) müßte man dann aber die meisten Belichtunsfälle erschlagen können, sofern das mit den bereits erwähnten Pupillenlagen hinhaut.

@Detlef
ZitatDank für Deine Anteilnahme. Aber, ein KPL-S habe ich bis heute gar nicht und das betr. KPL blieb glücklicherweise unbeschädigt. Offenbar sind die Gläser der Kamerafrontlinsen besonders weich.
weil vielleicht aus Kuststoff? Deswegen lasse ich zwischen den Linsen von Objektiv und Okular immer eine gewisse Stützblende wirken, die manch anderer einfach achtlos rausbohrt.

Viele Grüße
Bernd

Jorge

Zitat von: Nomarski in Mai 28, 2012, 13:01:11 NACHMITTAGS
Der erste Schritt ist die Kamera mit voll geöffneter Blende mit dem Objektiv über das Okular zu halten, das geht vom festen Auflegen bis über ein paar cm Abstand unter der Beobachtung, wie sich das mikroskopische Bild im Display verhält.
Hat man dunkle Ränder, ist entweder das Objektiv in der Kamera abgeblendet oder die Austrittspupille des Okulares reicht nicht bis zur Eintrittspupille des Objektives.

Wie hoch liegt bei dir nun diese Austrittspupille über dem Okularrand? 5mm? 10mm? 20mm?

Hallo Bernd, hallo Detlef,

erst einmal vielen Dank für Eure Geduld im Voraus.

So, ich weiß jetzt wie man bei meiner Kamera die Blende voll öffnet (2,8)!

Mit meiner voll aufgeblendeten Blende (incl. UV-Filteraufsatz) sehe ich relativ viel Schwarz und in der mitte ein helles, wackelndes Feld. Das Wackeln liegt natürlich an der Kamerahaltung. Da ich einen UV-Schutz-Filter sowie ein Brillenträgerokular mit dem Gummirand der eingeklappten Augenmuschel habe kann ich ohne große Gefahr das Objektiv aufsetzen. Setze ich das Objektiv etwas schräg auf sehe ich im Display nach dem automatischen Scharfstellen mittels leichtem Druck auf den Auslöser - neben dem Schwarzen - einen hellen Kreis und tatsächlich auch etwas von meinem Präparat nur viel kleiner als in Realität.  Wenn ich dann jedoch auf den Auslöser drücke bekomme ich ein nur schneeweißes Loch fotografiert, wo vorher noch das Präparat zu sehen war.

Zum Test der Austrittspupille: das war recht einfach, sie liegt ca. 20mm über dem Okularrande des Brillenträgerokkulars bei eingeklappte Augenmuschel.


Gruß  Jorge

Rolf-Dieter Müller

Hallo Jorge,

so wie ich es mitbekommen habe, möchtest Du mit Deiner Panasonic FZ 100 Mikroaufnahmen machen.

Das kann ich verstehen, denn dieses ist eine sehr schöne Kamera mit einem noch besseren Objektiv.

Hierfür gibt es auch eine gute Lösung, die Dir weiterhilft. Überleg einfach mal über die Anschaffung eines Mikroskopes aus der Zeiss Unendlich-Reihe nach. Zum Beispiel würde hierfür das Axiostar vollkommen ausreichen und an dem lässt sich dann Deine Kamera mittels Okularadaption über den entsprechenden Zeiss-Kameraadapter anschließen.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter