Autor Thema: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate  (Gelesen 12484 mal)

detlef.q

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Hallo zusammen,

leicht genervt von einigen Diatomeen enthaltenden Frischwasserproben, die für mich schwer zu säubern sind, habe ich mich auf die Suche nach fossilen Diatomeen begeben, von deren Abbau ich in der Lüneburger Heide vor längerer Zeit gehört hatte.

In der Hoffnung leicht zu reinigendes Material (ohne organischen Anteil) zu finden, begann ich meine Suche hier im Forum. Durch einen Hinweis vom Forenmitglied Anne, die meine Motivation ein wenig verstärkt hat, fand ich den folgenden Thread im Archiv:

http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?1,45054,45054#msg-45054

Dort heißt es:
Zitat
…in die Lüneburger Heide, nach Oberohe bei Unterlüß gefahren. Dort gibt es einen Kieselgur-Lehrpfad in landschaftlich so reizvoller Lage, daß man sogar die Familie dazu überreden kann, mitzufahren. Kieselgur zu finden, ist aber gar nicht so einfach -- eigentlich beinahe unmöglich. Die Gruben sind entweder geflutet oder zugeschüttet und mit dichtem Kiefernwald bepflanzt. Nach eingehenden Befragungen zweier Einheimischer bin ich endlich in einer Waldschlucht fündig geworden. (Ganz merkwürdiger Fundort! Ausbeute: Ein Marmeladenglas weißer Gur)        
felix

Und:
Zitat
...im Juni 2006 war ich aus dem gleichen Grund in Neuohe. Dort konnte ich ohne Probleme rechts und links des Lehrpfades sowohl weiße als auch graue und grüne Kieselgur einsammeln.
W. Herwig

Im „www.“ habe ich die Homepage des Albert-König-Museum in Unterlüß gefunden. In dem Museum ist die Dauerausstellung "Kieselgur - Die Erlebnisausstellung" untergebracht.

http://www.albertkoenigmuseum.de/ausstellung_dauer.html

In dieser Ausstellung wird die Naturgeschichte der Gur und die dadurch gegebene Industrie- und Kulturgeschichte der Region erzählt.
Erst im 19. Jahrhundert wurde der Bodenschatz Kieselgur erkannt und der Abbau begonnen.
Als erstes wurde versucht, Kieselgur zum Düngen und zum Pfannkuchenbacken einzusetzen, allerdings ohne Erfolg. Als dann jedoch Kieselgur zur Herstellung von Dynamit verwendet und die Filtrierfähigkeit erkannt wurde, war der Grundstein für die Kieselgur-Industrie gelegt.

Hier in der Lüneburger Heide wurde Kieselgur an 11 Orten abgebaut, in Neuohe, wohin mein Weg mich führen sollte, von 1863 bis 1994.

Ende Mai fand ich Zeit um als erstes die Ausstellung im Albert-König-Museum zu besuchen. Auf meine Nachfrage hin, bekam ich von der freundlichen Dame an der Kasse, ein wenig Gur aus der Ausstellung. Meine Frage, ob in dem ehemaligen Abbaugebiet Kieselgur noch auffindbar ist, wurde verneint. Trotzdem machte ich mich bei strömenden Regen auf die Suche nach dem fossilen Material.

Gegenüber dem ausgeschilderten neuen Lehrpfad in Oberohe, gelangt man auf den alten Lehrpfad, in das ehemalige Abbaugebiet.



Enttäuschenderweise führte der Weg anfangs durch glattes bewaldetes Gebiet und eine Heidelandschaft. Im Anschluss an die Heidefläche verlief der Weg endlich an ein paar Mulden und Gräben entlang. Hier nahm ich eine erste Probe von einem intensiv gelben Material, welches sich später als reinen Sand herausstellte.



Neben dem Weg entdeckte ich letztendlich eine Stelle mit einem interessant aussehenden Material.



[



Nach dem Trocknen des Materials ließ sich beim Anfassen leicht erkennen, dass dieses kein Sand ist, obwohl auch Sand enthalten ist.
Das Schüttgewicht des Materials beträgt: 0,7 g/ml, die Dichte: 2,49 g/ml (HE-Pyknometer). Als Vergleich: Schüttgewicht gelber Sand: 1,48 g/ml.

Ein schneller Blick mit dem REM zeigte folgendes:



Dieses Material habe ich mit HCl, H2O2 und mehreren Siebdurchgängen aufgearbeitet. Eingebettet in Naphrax sind so meine ersten Diatomeen-Präparate entstanden.
Für den letzten Fertigungsschritt, dem Erzeugen des Lackringes, modifizierte ich eine ältere Zentrifuge.





Nachfolgend ein paar Bilder meiner ersten selbst hergestellten Diatomeen-Präparate. Leider ist sehr viel Bruch enthalten. Das Material besteht zu einem Großteil aus runden und länglichen Diatomeen.

Die Technik: Leitz Ortholux, LED Cree XM-L U2, Okular Leitz Periplan 10xBr, Adapter-Optik Zeiss Tessar 50mm/1:2.8, Kamera Canon EOS 1000D, Heine-Phasenkontrast, Objektive PV Apo L 40:1 und PV 20:1.
















Falls jemand an dem Rohmaterial interessiert ist, versende ich gerne etwas davon, so lange der Vorrat reicht.

Viele Grüße
Detlef





« Letzte Änderung: Juni 25, 2013, 17:40:38 Nachmittag von detlef.q »

Rolf-Dieter Müller

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #1 am: Juni 25, 2013, 19:50:14 Nachmittag »
Hallo Detlef,

soeben habe ich Deinen Beitrag mit Genuss gelesen.

Der gefällt mir, von der Fundstelle bis zum fertigen Präparat ist alles nachvollziehbar.

Viele Grüße
Rolf-Dieter

Herbert Dietrich

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #2 am: Juni 25, 2013, 20:23:15 Nachmittag »
Hallo Detlef,

Du hast eine PN von mir.

herzliche Grüße

Herbert

JoachimHLD

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #3 am: Juni 25, 2013, 20:30:18 Nachmittag »
Hallo Detlef,

sehr schöne Dokumentation!

Viele Grüsse
Joachim

detlef.q

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #4 am: Juni 25, 2013, 20:47:44 Nachmittag »
Hallo Rolf-Dieter, hallo Joachim,

es freut mich, dass Euch meine Dokumentation gefällt. Mir hat das Erstellen des Berichtes viel Spaß bereitet.

Ich hatte im Vorfeld allerdings Bedenken, dass er zu lang wir und damit nur Langeweile erzeugt.

So bin ich über die positiven Nachrichten, auch per PM angenehm überrascht.

Viele Grüße
Detlef

Florian Stellmacher

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #5 am: Juni 25, 2013, 20:59:40 Nachmittag »
Hallo Detlef,

dieser Beitrag ist doch ultimativ etwas für 1000 Places to see...! Dort würde er nicht untergehen. Vielleicht kopierst Du ihn auch dort noch einmal hin (mit Verweis nach hier, damit die Diskussion nicht leidet)?

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 40 (DL, Pol, AL-Fluoreszenz)
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Leitz Orthoplan (DL, DF, Pol, AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Klaus Herrmann

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #6 am: Juni 25, 2013, 22:44:56 Nachmittag »
Hallo Detlef,


Zitat
Ich hatte im Vorfeld allerdings Bedenken, dass er zu lang wir und damit nur Langeweile erzeugt.

ganz im Gegenteil: ein sorgfältig und anschaulich geschriebener "Erlebnisbericht" ist dir hier gelungen! Natürlich ist viel Schotter im Kieselgur, aber irgend eine Ecke ist immer gut in einem Streupräparat!

Am Besten hat mir folgender Satz gefallen:
Zitat
Ein schneller Blick mit dem REM zeigte folgendes:

 Klar bei solchen Exkursionen hat man natürlich - wie Lenzenweger seine 10fach-Lupe - immer sein RR (Reise-REM) dabei.  ;D


« Letzte Änderung: Juni 25, 2013, 23:01:28 Nachmittag von Klaus Herrmann »
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

detlef.q

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #7 am: Juni 25, 2013, 22:58:50 Nachmittag »
Hallo  Florian,

gute Idee. Ich habe den Bericht in die "1000 Places to see... " kopiert.


Hallo Klaus,

ja, ja ... der schnelle Blick mit dem REM... so etwas hat man doch bei seinen Exkursionen im Rucksack, oder?  :D

Schön wenn man so ein Gerät im Raum neben seinem Schreibplatz stehen hat, obwohl es schon ein älteres Modell ist.
Dann kann man mal schnell eben...

Viele Grüße
Detlef


Peter V.

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #8 am: Juni 25, 2013, 23:02:47 Nachmittag »
Halo Detlef,

ein sehr schöner Bericht.
Aber was mich auch erstant: Wieso steht ein REM neben Deinem "Schreibplatz"? Zuhause?

Herzliche Grüße
Peter
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TPL

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #9 am: Juni 25, 2013, 23:11:09 Nachmittag »
Hallo Detlef,
auch ich bin begeistert von Deinem schönen und sorgfältigen Beitrag. Ich finde es vorbildlich, dass Du Karte und Aufschlussbilder dazu gepackt hast. Keine Sekunde fand ich das langweilig!
Und die Bilder sind ja nun wirklich lohnenswert: wunderschön!

Danke für den Aufwand und herzliche Grüße in die Südheide
Thomas

detlef.q

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #10 am: Juni 26, 2013, 06:13:16 Vormittag »
Hallo Peter,

das REM steht natürlich nicht Zuhause, sondern bei meinem Arbeitgeber. Privat habe ich nur ein paar "normale" Mikroskope.
Entschuldigung, das habe ich wohl nicht exakt beschrieben.

Das Gerät steht im Raum neben dem Labor in dem ich sitze und ich arbeite an mehreren Stellen im Haus.

Herzliche Grüße
Detlef

schuppi

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #11 am: Juni 26, 2013, 08:33:33 Vormittag »
Hallo Detlef,

hihi, das mit dem "schnellen Blick mit dem REM" hat auch mi ein Schmunzeln entlockt.

Ansonsten herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag! Wir können auch gerne mal was fossilies tauschen.

Viele Grüße
Rainer
DFK 72AUC02 an
- Motic BA310 Trino LED
- Motic SMZ-168 Trino LED
Web-Site: http://www.mikroskopie-bilder.de

detlef.q

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #12 am: Juni 26, 2013, 09:05:27 Vormittag »
Hallo Rainer,

wenn Du möchtest schicke ich Dir etwas von dem Material, noch ist mein Bestand nicht aufgebraucht.
Schicke mir bei Bedarf Deine Adresse per PM.

Viele Grüße
Detlef

Jan Kros

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #13 am: Juni 26, 2013, 10:52:37 Vormittag »
Hallo Detlef,
ich schliesse mich Rolf-Dieter an
schoen gemacht
Jan

Eckhard F. H.

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Re: Das „weiße Gold“ der Südheide: Kieselgur – meine ersten Diatomeenpräparate
« Antwort #14 am: Juni 26, 2013, 21:56:59 Nachmittag »
Zitat
...das mit dem "schnellen Blick mit dem REM" hat auch mi ein Schmunzeln entlockt.

Hallo Detlev,
schmunzeln? Ich bin völlig irritiert!  :o
Gruß - EFH