Kondensorlinse planschleifen oder polieren?

Begonnen von Peter Reil, Februar 02, 2015, 22:31:16 NACHMITTAGS

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Peter Reil

Hallo Technikkenner,

an einem Kondensor muss die Frontlinse einiges mitgemacht haben. Sie sieht aus wie eine gut genutzte Eislauffläche:



Gibt es eine Möglichkeit, die Linse neu plan zu schleifen oder zu polieren?
Evtl. sogar im do it yourself - Verfahren?

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

CMB

Moin,

Das sieht ja wirklich übel aus. Unter dem Stichwort micromesh  findet man Schleifgewebe mit einer Feinheit des Korns von 12000. Das wurde entwickelt, um Kratzer in militärischen Pilotenkanzeln herauszupolieren. Ich nutze es, um Mikrofossilien nach dem Einschluss in Eis abzuschleifen, um innere Strukturen schrittweise freizulegen. Dieses Schleifmaterial ist  auch für solche Probleme wie verkratzte  Linsenoberflächen gut geeignet. Es bleibt nur der Hauch einer Trübung auf der Oberfläche nach. Eine etwaige Vergütung ist natürlich weg. Im Do it yourself  -Schleifen von astronomischen Spiegeln gibt es gleichfallls solch hochwertiges Schleifmaterial, was weiterhelfen kann.

Grüsse sendet

CMB

piu58

Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

CMB

Moin,

Mit dem Immersionsöl kann es auch funktionieren... Aber wahrscheinlich sind die dicken Kratzer zu tief.

... Versuch macht klug...

Grüsse sendet

CMB

piu58

> Aber wahrscheinlich sind die dicken Kratzer zu tief

Die Astronomen schleifen spiegel selbst, es gibt ohne große Probleme Schleif- und Poliermittel.

Aaaber:
- Die Fläche der Kondensorlinse ist sehr klein. Ohne eine Vorrichtung, nur aus der Hand, wird das schwierig. Die zu schleifenden Spiegel liegen typischerweise zwischen 4 und 20 Zoll im Durchmesser
- Es ist sehr schwierig, eine Planfläche zu schleifen. Nicht nur im Bastelkeller, auch für die Industrie. Bei Kugelflächen bedeutet eine winzige Änderung des Radius nix, da ist eben die Brennweite eben ein klein wenig anders. Aber eiene Brennweite Unendlich braucht nur wenig Abweichungen für eine prozentual große Brennweitenänderung
- Ich weiß nicht, ob Kondensoren vergütet sind. Diese Vergütung ist wohl nur noch in Resten vorhanden, sie wäre dan ganz weg.

Wenn das reine Öl nicht hilft, würde ich ein Deckglas aufkitten. Für einen Kondensor ist diese Änderung der Apertur sicher zu verschmerzen. Im ersten Versuch kann man das Gläschen mit Öl aufkleben und ausprobieren, ob man die Kratzer ausfüllen kann. Kleben in diesem Fall wohl besser mit einem Material, was man wieder lösen kann, wie Kandabalsam.
Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

Herbert Dietrich

Hallo Herr Reil,

bei einer totalzerkratzten Objektivlinse habe ich mir mit einem Tröpfchen verdünnten Caedax geholfen.
Groß Putzen ist da zwar nicht mehr drinn, aber die Abbildungsqualität hat sich sprunghaft verbessert.

Herzliche Grüße
Herbert

Peter Reil

Liebe Mithelfer,

vielen Dank für die Ratschläge. Nach sehr zeit- und muskelintensiven Bemühungen habe ich mit Lackpolitur schon etwas an Verbesserung herausgeholt.



Jetzt ist das Teil unterwegs zu einer Fachwerkstatt. Ich hoffe, die "geben der Linse den Rest".

Freundliche Grüße
Peter

Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

the_playstation

Hallo Peter,
Meinen Teleskopspiegel hatte Ich damals mit Schleifpulvern von Merck geschliffen. Statt Autopolitur könnte auch Stahlfix Classic helfen. Der Weg zu einer Fachwerkstatt ist natürlich der beste Weg. Aber deine Arbeit hat schon Früchte getragen. :)
Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

liftboy

Äh.....
habt Ihrs schon mal mit Zahnpasta versucht?
Auch ein seehr feines Korn.

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Gerd Schmahl

Hallo Wolfgang,
ich hoffe doch sehr, dass die Zahnpastaschleifkörner nicht die Moos-Härte 7 haben, die mindestens nötig ist, um Glas zu schleifen.
ZitatMeist wird Kalziumkarbonat, Kreide, Meersalz oder Kieselsäure als Putzkörper verwendet.
Zitat aus: http://zahnweissinfo.com/zahnpasta-inhaltsstoffe/
Na, ja, mit der Kieselgur könnte es vielleicht klappen, aber ein Poliermittel, bei dem ich weiß was genau drin ist wäre mir trotzdem lieber.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Eckhard F. H.

ZitatÄh.....
habt Ihrs schon mal mit Zahnpasta versucht?
Auch ein seehr feines Korn.
Hallo Wolfgang,
Hab´ich und viele andere Mittelchen auch. Polieren allgemein und im Besonderen von Glas auf gewohnte Oberfläche ist eine interessante, fesselnde, zeitraubende und überaus erkenntnisreiche und ungeheuer frustrierende/beglückende Tätigkeit.  ;D Jedenfalls ist das meine Erfahrung.
Gruß - EFH

piu58

> schon mal mit Zahnpasta versucht?

Zahnpasta greift Glas nicht an. Im Gegenteil: Es ist eine Geheimwaffe gegen trübe, beschlagene Linsen. Damit poliert werden sie wieder klar. Ajona geht am besten.
Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

Robert Weichsel

Hatte auch mal so ein Problem mit einer Glasoberfläche

Für Glas eignet sich (meine Meinung) am besten Ceroxid als Poliermittel

Gruss Robert

wilfried48

Hallo,

bevor der Faden zu sehr in "Wie poliere ich am besten eine Glasoberfläche ?" abdriftet, hätte ich noch eine Frage zu den Auswirkungen
an einer Kondensorfrontlinse.
Waren denn die Auswirkungen der zerkratzten Kondensorfrontlinse auf die Bildqualität so gravierend ?
Also bei einer Objektivfrontlinse abbildungsseitig kann ich mir das vorstellen, aber beleuchtungsseitig ?
Peter, könntest du bitte mal ein Bild einstellen wo man das sieht ?
Und war die Bildqualität nach der Politur dann zufriedenstellend ?
Offensichtlich nicht, sonst würdest du ihn ja nicht wegschicken.

viele Grüsse
Wilfried
vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Axiophot,  AL/DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Axiovert 35, DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Universal Pol,  AL/DL
Zeiss Stemi 2000 C
Nikon Labo-/Optiphot mit CF ELWD Objektiven

Sammlung Zeiss Mikroskope
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

Peter Reil

Hallo Wilfried,

die oben gemachten Bilder waren durchs Okular mit dem 4er Objektiv auf die Kondensorlinse scharf gestellt.

Im mikroskopischen Bild machten sich die Kratzer beim abgeblendeten 4er Objektiv deutlich bemerkbar. Es gab keinen homogenen Hintergrund. Daraufhin hatte ich nach der Ursache gesucht und diese auch gefunden.
Meine Polierversuche hatten eine Verbesserung gebracht, aber keine Zufriedenstellung.

Wenn ich das Teil zurück habe, werde ich berichten.

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom