Hauptmenü

Strukturfrage

Begonnen von Heiko, Februar 27, 2016, 10:37:58 VORMITTAG

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Miner

Hallo Olaf,
ein Kompensator, der für so ziemlich alle Wellenlängen mehr oder weniger zirkular polarisiertes Licht erzeugt. Wieso hat Heiko dann in den orthoskopischen Bildern einen schwarzen Hintergrund?
Weil er die Belichtungszeit so stark runtergedreht hat?
Grüße
Ole

Heiko

#31
Lieber Olaf,

die Welt ist manchmal nicht so kompliziert wie man vermutet, wird sie einem nur gescheit erklärt. Danke.

Deinen ,,Prolog" meine ich jetzt soweit verstanden zu haben, dass Aluminium- und Silicium-Ionen um die Zentralstellen der Tetraeder konkurrieren. Die entstehenden Präferenzen bei tieferen Temperaturen haben vermutlich mit den Ionenradien und/oder –ladungen zu tun. Hierzu hast Du nicht zufällig weitere Informationen?  ;D


Hallo Ole,

eigentlich alle meine Interferenz-Aufnahmen zeigen ein ,,verräterisches Blau", nur die letzte nicht ...


Viele Grüße,
Heiko

Miner

Hallo Heiko,
die Bilder vom 5. oder 8. März haben doch eigentlich einen recht schwarzen Hintergrund, finde ich. Das nennst du bläulich?
Gruß
Ole

Heiko

Hallo Ole,

die Isogyren meinte ich.

Gruß, Heiko

olaf.med

Lieber Heiko,

ZitatDie entstehenden Präferenzen bei tieferen Temperaturen haben vermutlich mit den Ionenradien und/oder –ladungen zu tun

Respekt! Es ist tatsächlich der Ionenradius, der das geringfügig größere Aluminium im "trägen Zustand" (also bei niedrigen Temperaturen) auf eine der Tetraeder-Positionen drängt, die aufgrund des Kristallgitters etwas bequemer ist als die anderen drei.

Lieber Ole,


eine Aufhellung mit dem λ/4-Kompensator siehst Du bei orthoskopischer Betrachtung. Im Konoskop verschieben sich die schwarzen Streifen (Isogyren) und es entsteht der "gezackte" Eindruck wie bei Heikos älteren Achsenbildern. Zur "richtigen" zirkularen Betrachtung, bei der es ja keine Isogyren mehr gibt, sondern nur noch schwarze Punkte an den Achsenaustritten, benötigt man ein zweites λ/4-Plättchen auf der anderen Seite des Objekts.

Herzliche Grüße,

Olaf

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Miner

Hallo Heiko und Olaf,
die Isogyren sind in der Tat hübsch blau, aber dann verstehe ich nicht, warum bei den orthoskopischen Bildern der Hintergrund so schwarz ist, wie er aussieht. Irgendeine Erklärung?
Ole

Heiko

Hallo Ole,

diese Aufnahme des Natriumthiosulfat-Pentahydrats kommt nun wieder mit deutlichem Isogyren-Blau daher – auch bei korrekter Orientierung des Filters. Als mögliche Ursachen habe ich die geringe Schichtdicke sowie die Dispersion selbst in Verdacht. Ich meine, die gekreuzte Dispersion bestätigt sich:



Der Hintergrund schlägt bei zu hoher Lichtintensität blau durch. Hier der Kristall ohne eingeschwenkte Bertrandlinse:




Lieber Olaf,

Klaus würde tadeln, ich insistierte. Recht hätte er.  :D
Weiß man, warum manche Tetraeder-Positionen ,,bequemer" als andere sind? Welches Verteilungsmuster nehmen die Aluminium-Ionen dann ein?
Eine hinkende Analogie aus der Chemie dazu ist vielleicht der Ligandenaustausch entsprechend der spektrochemischen Reihe.

Viele Grüße,
Heiko

olaf.med

Lieber Heiko,

ich glaube, dass in Deinem Strahlengang noch immer etwas faul ist. Die versetzten Isochromaten in Deinem letzten Interferenzbild sind sicher keine Auswirkung einer gekreuzten Dispersion, sondern einer Störung - leider. Hier musst Du noch weitere Ursachenforschung betreiben!

ZitatWeiß man, warum manche Tetraeder-Positionen ,,bequemer" als andere sind?

Jetzt geht's an's Eingemachte ;D Ja, man weiß, aber es ist nicht einfach zu beschreiben. Prinzipiell ist es so, dass nicht nur die erste Koordinationssphäre (in diesem Fall die Tetraeder) alleine betrachtet werden dürfen, sondern auch die Interaktion mit den weiter außen liegenden Ionen wichtig ist Diese verzerren die inneren Koordinationspolyeder. Im Falle des Kalifeldspats geschieht dies assymmetrisch, sodass beim Abkühlen der monoklinen Hochtemperaturform (Hochsanidin) mit vier gleichgroßen Tetraeder pro Formeleinheit verschieden große entstehen (3+1, Tiefsanidin/Mikroklin). Soviel kann ich mit "Bordmitteln" erklären. Isistierst Du weiter auf der Suche nach Erleuchtung, muss ich mich auf ein so hohes Temperaturniveau aufheizen, dass ich meinen passenden Ohrensessel verlassen kann, um in den unbequemeren Sitzmöbeln der Uni-Bibliothek nach harten Fakten zu suchen.

Herzliche Grüße,

Olaf

Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Heiko

#38
Lieber Olaf,

verbleibe bitte im Grundzustand – Du hast die Sachlage plausibel erklärt und zusätzliche Details würden die beobachteten Effekte vermutlich nicht weiter differenzieren ...

Die gekreuzte Dispersion des Thiosulfats scheint nun, Deiner Intervention entsprechend, nicht existent. Der leider nur singuläre Achsaustritt kommt mir hier symmetrisch vor:



Für meine Spielereien wirft das aber andere Fragen auf: Ist die Dispersion im monoklinen System ,,vorhersagbar". Ist sie bei ,,einfachen" Substanzen wie Citronensäure-Monohydrat oder Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat überhaupt zu erwarten? Weshalb tritt sie in Borax-Kristallen auf?

Auf ,,Bordmittel" hoffend, Deinen ,,angeregten Zustand" billigend in Kauf nehmend ...  ;D

Viele Grüße,
Heiko


Nachtrag beider Achsaustritte:






Berichtigung: Zitronensäure-Monohydrat ist rhombisch.

olaf.med

Lieber Heiko,

das sieht ja schon sehr viel besser aus, lediglich die eigenartige Krümmung der Isogyre in der Normalstellung an den Achsenausstichpunkten und der nach wie vor vorhandene Versatz beider Isogyren in der Diagonalstellung verraten, dass noch nicht alles 100%ig ist. Wenn Du nun so weit in die Materie eingestiegen bist, und offensichtlich ungetrübte Freude an Pol-Erscheinungen hast, solltest Du evtl. doch einmal die Anschaffung eines richtigen Pol-Mikroskops erwägen (z.B. ein Orthoplan-Pol ;D ;D ;D).

Ja, die Art der monoklinen Dispersion kann man voraussagen, denn sie ist ja direkt mit der optischen Orientierung gekoppelt. Daher kann man ja auch umgekehrt aus der Beobachtung der Dispersion die kristallographische Orientierung ableiten. Nicht vorhersagen kann man allerdings die Größe der Dispersion. In den meisten Substanzen ist sie ja leider so klein, dass man sie nicht oder nur sehr schwer erkennt. Hier nochmals kompakt zusammengestellt die verschiedenen Möglichkeiten, Bordmittel nutzend:



Herzliche Gtrüße,

Olaf

Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Heiko

Lieber Olaf,

nachdem Du erneut mein System bemäkelst,  ;)
dürfte auch die folgende Figur eines Glimmerplättchens Dein Missfallen erregen:



Da, wie Du angelegentlich schreibst, die Dispersionseffekte meist schwach ausfallen, verpflichte ich Dich hiermit auf individuelle Fallberatung – sagen wir für die nächsten einhundert Substanzen ...  :D

Viele Grüße,
Heiko

olaf.med

Zitatnachdem Du erneut mein System bemäkelst,  Zwinkernd
dürfte auch die folgende Figur eines Glimmerplättchens Dein Missfallen erregen:

Ja, definitiv, lieber Heiko. Ich sag' doch: Orthoplan-Pol ;D Alternativ: Pack Dein Mikroskop ein und komm' her; wir versuchen dann gemeinsam den Fehler zu finden.

ZitatDa, wie Du angelegentlich schreibst, die Dispersionseffekte meist schwach ausfallen, verpflichte ich Dich hiermit auf individuelle Fallberatung – sagen wir für die nächsten einhundert Substanzen ...

OK, gilt!

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Heiko

Ich hab' ja ein gescheites Gerät, lieber Olaf, nur stelle ich mich bei dessen Bedienung dusselig an:



Zur Beruhigung meines Gewissens bezüglich der verbogenen Thiosulfat-Isogyren bezichtige ich als Verursacherin nunmehr eine Zwillingslamelle in unmittelbarer Nähe. Direkt auf selbiger dann werden die Interferenzen infernalisch:









Viele Grüße,
Heiko

olaf.med

Na, lieber Heiko, jetzt bin ich aber richtig zufrieden und auch begeistert von Deinen infernalischen Bildern. So etwas findet man häufig an Zwillingsgrenzen. In "spezielle Erscheinungen, anomale und gestörte Bilder" findest Du weiter Beispiele solchen Verhaltens.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Heiko

Mir kommen schon wieder Zweifel, lieber Olaf.

Diese rhombische Zitronensäure erscheint mit zu ,,grießknattelig". Zwillingseffekte schließe ich aus. Die Schmelze zeigte große Flächen mit diesem Muster, teils noch deutlich ,,verbogener".
Die Schichtdicke des Präparats ist nicht ganz konstant – kann dies eine Erklärung sein?



Viele Grüße,
Heiko