Ich habe nachgedacht (oha)

Begonnen von rheinweib, Mai 03, 2016, 15:26:48 NACHMITTAGS

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rheinweib

und weiß jetzt noch weniger, als vorher......

Hallo zusammen,
zwei Sachen sind mir völlig unklar.

1. von wo bis wo misst man die Tubuslänge (160 oder 170mm).
Habe da schon die verschiedensten Sachen gelesen, von der
Frontlinse bis zur Augenlinse des Okulars...vom Objektivgewinde
bis zur Sensorebene usw.

2. die ganzen Standards usw. sind ja Endlichsysteme. Wieso
verwenden fast alle inzwischen ein Relayobjektiv? Das ist doch
eigentlich nur bei Unendlichsystemen nötig....oder sehe ich
das falsch?

Wenn man versucht, Infos zu bekommen, ist es wie immer,
10 Leute haben 20 verschiedene Meinungen.
Wenn es stimmt, das die Tubuslänge vom Objektivgewinde
bis zur Sensorebene gemessen wird, wie hält man dann die
160 oder 170mm ein? Ein Pancake ist platt wie eine Flunder,
ein 35mm Nikkor ist doppelt so dick.

LG
Heike

Osilu

Mikroskopie-Neuling und Optik-Freak

Für das Kleine: Zeiss Jena Lumiplan; Will Wetzlar BX-300, Leitz Stativ H
Für das Große: MEADE LX200-GPS 7" Maksutov-Cassegrain
Für das Normale: Canon 5D MKII, 50D, 70D
Für das Ferne:  Minox BD 10x58 BR ED, Nikon 10x50 Compass

rheinweib


Peter V.

#3
Liebe Heike,

laut Mikrobibel von Klaus Henkel ist es die Länge von der Anschraubfläche des Objektivs bis zur Auflagefläche des Okulars. Hier ein Bild von Jürgen Stahlschmidt:



Die Relaisoptik ist eine Möglichkeit, das Bild eines Okulars mit dem Kameraobjektiv (als "Augenersatz") aufzunehmen. Bei auskorrigierten Systemen wie den meisten UNendlichsystemen und dem endlichen CF-System von Nikon kannst Du auch direkt das Zwischenbild auf den Chip projizieren, kommst also ohne Okular und damit auch ohne Relaisaoptik aus. Bei Systemen, die eine Korrektur durch kompensierende Okulare benötigen wie eben die meisten Endlichsysteme benötigst Du* das Okular. Du musst also das Okularbild fotografieren und das geht am einfachsten mit einem Kameraobjektiv als "Relaisoptik".

Die Tubuslänge des Mikroskops hat mit der nachgeschalteten Optik z.B. der Kamera rein gar nichts zu tun.

Herzliche Grüße
Peter

*"Du" ist in diesem Falle eigentlich falsch. "Man" benötigt es normalerweise, "Du" zeigst ja oft, dass auch die Mißachtung aller optischen Gesetze zu wundervollen Ergebnissen führen kann.  ;) Du projizierst ja oft - "verbotenerweise" - das Bild des Objektivs ohne Okular direkt auf den Chip, wenn ich Deine Apparaturen recht in Erinnerung habe.
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

cuwohler

Hallo Heike,

danke für DIE Frage. Das mit der Relaisoptik hat mich auch sehr interessiert.

Hallo Peter,
was ist daran 'verboten', keine Relaisoptik zu verwenden?
Mehr Linsen machen doch nicht notwendigerweise ein besseres Bild.
Oder korrigiert die Relaisoptik die Fehler des Objektives?

Viele Grüße
Cai-Uso
Viele Grüße
Cai-Uso
mail@cuwohler.de

JB

#5
Zitat von: Rheinweib in Mai 03, 2016, 15:26:48 NACHMITTAGS
Wenn es stimmt, das die Tubuslänge vom Objektivgewinde
bis zur Sensorebene gemessen wird, wie hält man dann die
160 oder 170mm ein? Ein Pancake ist platt wie eine Flunder,
ein 35mm Nikkor ist doppelt so dick.

Hallo Heike,

Bei Objektiven mit endlicher Tubuslaenge sollte kein Kameraobjektiv direkt zwischen Objektiv und Kamera. Es sind nur folgende Aufbauten "korrekt":

1) Direkte Projektion des Zwischenbildes auf den Sensor.

- dabei platziert man das Objektiv im Zwischenbildabstand des Objektivs vom Sensor entfernt, also z.B. 147 mm bei Lomo Achromaten (160 mm Tubuslaenge) und 150 mm bei Nikon CF (160 mm Tubuslaenge)
- beste Ergebnisse nur bei Objektiven mit auskorrigierter CVD (Nikon CF) oder mit geringer CVD (schwache Achromate von Zeiss Jena, Lomo, und einige von Leitz)
- schwache Achromate sind im uebrigen gegen Schwankungen der Tubuslaenge nicht empfindlich, deshalb muss die Tubuslaenge nicht auf den mm eingehalten werden


2) Afokale Methode

- Objektiv + Okular (Tubuslaenge einhalten) + Kameraobjektiv auf unendlich gestellt
- funktioniert praktisch immer und bei allen Systemen
- beim Zeiss Standard mit Zeiss West-Objektiven ist dies die einzige Option
- die Laenge des Kameraobjektivs ist erst einmal egal, solange das Objektiv auf unendlich gestellt ist; allerdings kommt es bei langen Objektiven zu Vignettierungen, deshalb funktionieren Pancakes i.d.R. besser; ich habe das Nikkor 35 mm AF-D selbst ausprobiert, es hat bei mir gut funktioniert


3) Projektiv

- Objektiv + Okular (Tubuslaenge einhalten) + Kamera (ohne Objektiv) mit ausreichender Kameralaenge
- gab es von Olympus (FK und NFK-Projektive), Nikon (CF Projektive) und Zeiss Jena
- die Projektive von Zeiss West und Leitz funktionieren nicht so, sondern sind Photookulare (Option 2)

Beste Gruesse,

Jon

Peter V.

#6
Hallo Cai-Uso,

es ist nicht "verboten", keine Relaisoptik zu nehmen, aber es ist "verboten," bei einem objektivseitig nicht auskorrigierten System (dazu gehören alle Endlichsysteme außer dem CF-System von Nikon) das Bild ohne kompensierende Okulare direkt auf den Chip zu projizieren (was aber Heike mit Erfolg macht  :)). Aber auch eine Relaisoptik würde hier nicht helfen. Man benötigt korrekterweise immer ein Okular. Allerdings arbeitet Heike auch mit Auflicht und es ist mehr "Makrofotografie", da fallen die Fehler natürlich nicht so auf wie beim einem Objektmikrometer als Testobjekt im Durchlicht oder bei Diatomeen etc..

Herzliche Grüße
Peter

PS: Sehe gerade, dass Jon die korrekten Methoden zwischenzeitlich alle aufgelistet hat.
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

cuwohler

Hallo Peter,

dank' Dir. Na, dann bin ich ja auch auf dem richtigen Weg mit meinem Sand  :).

Viele Grüße
Cai-Uso
http://www.sandphoto.de
Viele Grüße
Cai-Uso
mail@cuwohler.de

rheinweib

Hallo,
kurioserweise wird das Bild (im seitlichen Auflicht) schlechter, wenn ich anstatt
dem leeren Tubus vom Epimic. den anderem vom Standard draufsetzte. Da steckt
ein Okular drin, und drüber ruht entweder ein Tessar oder ein 35mm Nikkor.
Klemme ich den Tubus wieder ans Standard und mache normale Durchlichtaufnahmen,
sind diese einwandfrei. Das finde ich schon etwas seltsam, eine Idee, warum das
so ist, habe ich nicht.

LG
Heike

Johannes Kropiunig

Hallo Heike,

Streulicht ?

Viele Grüße,
Johannes
Biologische Mikroskop: Zeiss Standard 16
Stereomikroskop: Lomo MBS 10
Kameras:  EOS 1100D, EOS 1000D, EOS 1000Da, und EOS 350Da Peltier gekühlt

Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen.
Laotse

rheinweib

Hallo Johannes,
was meinst Du mit Streulicht? Das Licht, das seitlich aufs Objekt fällt,
rauscht durchs Objektiv nach oben und da ist alles dicht. Dem Aufbau kann
es doch egal sein, wo die Lichtquelle steht (Durchlicht von unten oder
von oben), oder?

LG
Heike

Johannes Kropiunig

Hallo Heike,

bei der standardmäßigen Beleuchtung wofür diese Systeme entworfen sind, hast du eine Aperturblende. Diese wird soweit zugezogen bis das Sehfeld gerade noch gleichmäßig ausgeleuchtet wird. Beleuchtest du von der Seite, kann es sein, dass das Licht im Objektiv und Tubus auch dorthin gelangt wo es eigentlich nicht hin soll und unerwünschte Reflexionen erzeugt. Soweit zumindest meine Theorie.

Viele Grüße,
Johannes
Biologische Mikroskop: Zeiss Standard 16
Stereomikroskop: Lomo MBS 10
Kameras:  EOS 1100D, EOS 1000D, EOS 1000Da, und EOS 350Da Peltier gekühlt

Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen.
Laotse

rheinweib

Ok Johannes, das leuchtet ein, denn das Licht muss ja bei "Vollausstattung" durch
eine stattliche Menge Glas.

LG
Heike

rheinweib

Zitat von: JB in Mai 03, 2016, 19:23:56 NACHMITTAGS

1) Direkte Projektion des Zwischenbildes auf den Sensor.

- dabei platziert man das Objektiv im Zwischenbildabstand des Objektivs vom Sensor entfernt....


Hallo Jon, also das verstehe ich jetzt mal überhaupt nicht. Direkte Projektion ist doch genau das,
was ich im Auflicht mache....Objektiv...Luft....Sensor, das ist doch die direkte Projektion, oder nicht?

Und es erschließt sich mir immer noch nicht wirklich, wozu man ein stinknormales Fotoobjektiv vor ein
Okular schnallen sollte. Wenn ich nicht fotografiere, sondern nur gucken will, dann gucke ich ja auch nicht
durch die Hinterlinse eines 35mm Weitwinkel (z.Bsp.), sondern direkt durchs Okular. Wozu dieses Relay/Relais??

LG
Heike

smashIt

Zitat von: Rheinweib in Mai 04, 2016, 01:59:39 VORMITTAG
Und es erschließt sich mir immer noch nicht wirklich, wozu man ein stinknormales Fotoobjektiv vor ein
Okular schnallen sollte. Wenn ich nicht fotografiere, sondern nur gucken will, dann gucke ich ja auch nicht
durch die Hinterlinse eines 35mm Weitwinkel (z.Bsp.), sondern direkt durchs Okular. Wozu dieses Relay/Relais??

das okular macht aus dem reellen zwischenbild wieder ein virtuelles im unendlichen
wenn du dein auge vors okular hälst macht die linse deines auges daraus wieder ein reelles bild auf deiner netzhaut
willst du das bild auf den sensor deiner kamera werfen brauchst du wieder ein objektiv was dir aus dem virtuellen bild im unendlichen ein reelles auf dem sensor macht

im prinzip hast du hinter dem okular wieder einen unendlichen strahlengang wie bei einem unendlich-mikroskopen (nur stärker aufgefächert)
das objektiv übernimmt dann die rolle der tubuslinse
MfG,
Chris

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