Unterschiede Polfilter Qualität

Begonnen von othum, März 18, 2020, 22:36:35 NACHMITTAGS

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othum

Liebe Mitforisten,

zur Zeit kommt man ja recht gut dazu, sich mit seinen Mikroskopen zu beschäftigen.

Ich habe heute u. a. etwas mit Polarisationsaufnahmen rumexperimentiert. Einen für mich überraschenden Effekt wollte ich hier einmal teilen und fragen, ob das bekannt ist.

Gegeben ist ein botanischer Schnitt (nicht wirklich relevant, aber der Vollständigkeit halber: Weinrebe, 40µm, W3ASim I gefärbt, Euparal), bei dem ich verschiedene Mikroskopierverfahren getestet habe.
Das ganze u. a. an einem Axioskop 50 mit Auflicht HF/DF/DIC-Einrichtung, also (wenn gewünscht) mit vorhandenem Polarisations-Analysator auch im DL-Strahlengang.

Also auf die 50W Halogen-Lichtquelle als Polarisator Polfilter gelegt, die ich auch zum "normalen" Fotografieren verwende, in Kreuzstellung gedreht, alles gut.

ABER:
Wenn ich einen einfachen, preisgünstigen und schon etwas älteren Polfilter der Fa. Hama einsetze ("PL circular M77 (III)") erscheint der Hintergrund blau (siehe Bild 1).
Nehme ich stattdessen einen neueren, deutlich teureren Polfilter von B&W ("XS-Pro Digital slim 86mm") ist der Hintergrund wie erwartet schwarz und die Polarisationseffekte am Präparat deutlich ausgeprägter! (Bild 2).

Das hat mich doch sehr überrascht. Euch auch?

Bei den Bildern geht es übrigens nicht um einen Schönheitspreis. Weder ist das Präparat perfekt, noch die Bilder aufgehübscht....

Und ja, die Lambda/4 Seite der Polfilter ist jeweils auf der Seite der Lichtquelle....

Beste Grüße, Oliver
Zeiss Axiovert S100 HF/Ph/DF, Auflicht-FL
Zeiss Axioskop 50 HF/Ph/Pol, Auflicht-HF/DF/Pol
Kamera: Pentax K-1

Klaus Herrmann

ZitatDas hat mich doch sehr überrascht. Euch auch?

Nein wieso auch? Man nennt das Qualitätsunterschied. Von einem Noname Achromaten erwartest du doch auch nicht die Auflösung eines Plan-Neofluars?
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

CZJ-Mikrotec

Jetzt muss ich mal ganz dumm fragen :

Was ist denn die Lambda/4 Seite des Polfilters ?  :o

Gruß, Alex
No man is an island

othum

Zitat von: Klaus Herrmann in März 18, 2020, 22:42:44 NACHMITTAGS
ZitatDas hat mich doch sehr überrascht. Euch auch?

Nein wieso auch? Man nennt das Qualitätsunterschied. Von einem Noname Achromaten erwartest du doch auch nicht die Auflösung eines Plan-Neofluars?

Klar, aber so dramatisch?

Oliver
Zeiss Axiovert S100 HF/Ph/DF, Auflicht-FL
Zeiss Axioskop 50 HF/Ph/Pol, Auflicht-HF/DF/Pol
Kamera: Pentax K-1

othum

Hallo Alex,

Zitat von: CZJ-Mikrotec in März 18, 2020, 22:44:54 NACHMITTAGS
Jetzt muss ich mal ganz dumm fragen :

Was ist denn die Lambda/4 Seite des Polfilters ?  :o

Gruß, Alex

Zirkuläre Polfilter für die Fotografie haben auf der Objektivseite eine zusätzliche Lambda/4 Schicht, bei der aus dem linear polarisierten Licht zirkular polarisiertes Licht wird, weil sonst der Autofokus und der Belichtungsmesser von Spiegelreflexkameras nicht richtig funktionieren. Daher muss man für den hier gewünschten Effekt diese Seite des Filters an den Beginn des Strahlengangs setzen...

Beste Grüße, Oliver
Zeiss Axiovert S100 HF/Ph/DF, Auflicht-FL
Zeiss Axioskop 50 HF/Ph/Pol, Auflicht-HF/DF/Pol
Kamera: Pentax K-1

DR

Hallo Oliver,
unter Fotografen ein bekannter Effekt. Je teuerer die Folie (der Filter) desto neutraler das Bild. Du kannst es erkennen wenn Du 2 Filter gegen das Licht hälst und langsam verdrehst. Der Blauton kann sehr stark sein, man kann natürlich gegenfiltern i.d.R. taugt bei solchen Exemplaren das Glas aber auch nichts.
VG und bleib gesund
Dieter

othum

#6
Hallo Dieter

Zitat von: DR in März 18, 2020, 22:52:27 NACHMITTAGS
Hallo Oliver,
unter Fotografen ein bekannter Effekt. Je teuerer die Folie (der Filter) desto neutraler das Bild. Du kannst es erkennen wenn Du 2 Filter gegen das Licht hälst und langsam verdrehst. Der Blauton kann sehr stark sein, man kann natürlich gegenfiltern i.d.R. taugt bei solchen Exemplaren das Glas aber auch nichts.
VG und bleib gesund
Dieter

soweit klar und mir auch bekannt. Wenn ich den klassischen Test mache und den Filter vor einem Monitor betrachte und drehe wird der schon ziemlich schwarz. Dass der leichte Blaustich, den man dort auch sieht, in der Mikrofotografie einen solch dramatischen Effekt hat, hätte ich nicht gedacht...

Beste Grüße, Oliver
Zeiss Axiovert S100 HF/Ph/DF, Auflicht-FL
Zeiss Axioskop 50 HF/Ph/Pol, Auflicht-HF/DF/Pol
Kamera: Pentax K-1

CZJ-Mikrotec

Hallo Oliver

Das war mir so noch garnicht bekannt / bewusst. Danke für das Update  :)

LG, Alex
No man is an island

Linuxpenguin

Die Unterschiede kann ich sehr gut nachvollziehen.
Mikrotechnik:
- ZEISS Ultraphot III
Luminar Einrichtung, AL/DL (HF/DF),
POL, AL-DIK
Hiller LED, HAL, CSI, HBO
- SteMi IVb

Foto:
- StackUnit auf PhoMi-Basis
- SONY a7R II VF/APS-C
- CANON FL Balgen
- Linearschlitten: Z 0,0001mm

Interessen:
Mineralogie, Gemmologie, Petrographie

mikropit

Die Diskussion verstehe ich nicht. Man muss doch zwei lineare Polfilter in der Mikroskopie verwenden. Nur so bekommt man einen schwarzen Hintergrund bei Kreuzstellung. Mit einem cirkularen Filter klappt das doch gar nicht.
vG Peter
mikropit

Peter V.

Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

reblaus

Hallo -

wie Werner in dem gerade zitierten thread schon früher festgestellt hat, ist die Qualität der Polfilter zu einem großen Teil Glückssache.
Statistisch ist es zwar wahrscheinlicher für viel Geld einen besseren zu kriegen, aber sicher ist man da nicht unbedingt - es ist halt ähnlich wie beim Wein.

Gruß

Rolf

jochen53

Hallo,
im Laufe eines Amateur-Fotografenlebens sammeln sich so einige Polfilter verschiedener Hersteller/Vertreiber, verteilt auf diverse Filterdurchmesser an, sowohl lineare als auch circulare.
Ich habe sie mal ohne Präparat auf die Lichtaustrittsöffnung meines Standard 14 gelegt. Als Analysator diente der Original Carl Zeiss Analysator, der im Stativkopf fest eingeschraubt ist. Ich habe rein visuell den Farbeindruck in Löschungsstellung beurteilt.
Der älteste lineare von Soligor liefert nur ein sehr helles Blau, er wandert gleich in den Müll.
Die einzigen vier, mit denen ich ein sehr sehr dunkles neutrales Grau erhielt, waren der Original Carl Zeiss linear in der hellgrauen Metallfassung mit 32 mm Durchmesser, ein circularer von Soligor, ein ungefaßter lin. vom verstorbenen Herrn Göke und ein circularer von B&W. Gefühlsmäßig würde ich sagen, die von Zeiss und Göke ergeben das dunkelste Bild.
Filter von HAMA lin., HOYA lin. und ein no name lin. lieferten ein sehr dunkles Blau.
Ein weiterer lin. von HAMA und zwei circ. von Heliopan ergaben ein sehr dunkles, blaustichiges Grau.
Bei dieser Gelegenheit fiel mir übrigens so ganz nebenbei auf, daß das Bild im linken Okular meines Siedentopf-Bino-Tubus immer etwas heller ist als das im rechten.
Wie man sieht, sind Filter von "Billigmarken" (Soligor, HAMA) durchaus nicht immer schlechter als die von "Markenfirmen", alle genannten Vertreiber stellen mit Sicherheit keine eigenen Polfilterfolien her.
Viele Grüße, Jochen.

othum

Hallo Peter.

Zitat von: Peter V. in März 19, 2020, 09:27:01 VORMITTAG
Hallo Peter

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=35022.msg255989#msg255989


Herzliche Grüße
Peter

Danke für den Link, den Thread hatte ich gestern übersehen. Bestätigt ja meine Erkenntnisse... Ich hab jetzt halt mal zwei Beispielfotos beigetragen ;)

Beste Grüße, Oliver
Zeiss Axiovert S100 HF/Ph/DF, Auflicht-FL
Zeiss Axioskop 50 HF/Ph/Pol, Auflicht-HF/DF/Pol
Kamera: Pentax K-1

Silber_und_Licht

Moin!

Polfilter unterschiedlicher "Qualität" ist eigentlich ein alter Hut. Nur sind das nicht unbedingt Qualitätsunterschiede im Sinne von (mangelhafter) Fertigungsqualität. Es gibt im Photohandel seit eh und je Polfilter geringerer, "normaler" Löschung, weil diese erstens den in der herkömmlichen Photographie gewünschten Effekt, nämlich die Löschung von Reflexen auf nichtmetallischen Oberflächen, hinreichend erbringen, zum zweiten aber einen möglichst nicht zu hohen Lichtverlust mit sich bringen. Hier war vor allem zu Filmzeiten immer die Neutralität der Farbdurchlässigkeit ein wirklich wichtiges Kriterium. Offensichtlich auch nicht ganz einfach zu erfüllen, warum weitgehend farbneutrale Polfilter auch vergleichweise teurer sind obschon sie auch keine "bessere" Löschung bieten.

Dagegen kenne ich schon seit dem Ende der 1970er Jahre, seitdem ich mich mit Stereo-(Raumbild-) Photographie und vor allem der zugehörigen Projektionstechnik beschäftige, hochlöschende Polfilter zum Trennen der erforderlichen 3D-Halbbilder auf der metallisierten Leinwand. Diese wurden natürlich nicht für die paar Stereoknipser angeboten, die diesem Hobby frönten, sondern ganz allgemein für technische Anwendungen. Diese Filter waren/sind nicht nur in Kreuzstellung richtig schwarz und verhindern damit "Geisterbilder" im Projektionsbild, sondern kosten zusätzlich ordentlich Licht, weil die molekularen Zwischenräume zwischen den in der Pol-Folie eingelagerten und ausgerichteten "polarisierend wirkenden Molekülen" eingefärbt sind und so unpolarisiertes Restlicht sperren. Solche Filter(-folien) waren/sind nicht nur im Photohandel weniger üblich sondern waren früher auch im Verhältnis teurer, in gefasster Form sogar sehr teuer. Trotzdem diese Filter in Kreuzstellung das sichtbare Licht recht weitgehend sperren, lassen manche jedoch Infrarot-Strahlung durch.

Freundliche Grüße

Wolfgang
"Du" fänd' ich ganz in Ordnung.

das Schönste: ZEISS Lumipan
das Liebste: LEITZ Panphot II, Ortholux
das Beste: ZEISS Axiomat

eine etwas umständliche Vorstellung: www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=28652.0