Autor Thema: Parasit: Sphaerophrya doliolum PENARD 1920  (Gelesen 392 mal)

M.Butkay

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Parasit: Sphaerophrya doliolum PENARD 1920
« am: Mai 20, 2020, 14:49:29 Nachmittag »
Liebe Tümpelfreunde,

auf einem Aufzuchtdeckglas habe ich folgende Entdeckung gemacht. Im ersten Moment, als ich diese Viecher sah, dachte ich an eine Mondlandekapsel im Anflug, Abb.1. Bei genauerer Betrachtung erinnerten sie mich an Schwärmer von Sauginfusorien, also Parasiten. In der Probe konnten an die 10 Stück, mit dem Gleichen sackförmigen Aussehen gefunden werden, Länge zw. 22 und 30 µm, Abb. 3. Der Körper war mit 3 weit auseinander gestellten Cilienreihen (Ci) umstellt, Abb.4. Das Hinterende des Schwärmers war, wenn ich mich nicht verzählt habe, mit 8 bis 10, ich nenne sie mal Saugnäpfe, nicht gekopfte Tentakeln (Te), wie bei Sphaerophrya stentoris, umstellt, Abb. 1,2,5. In der Mitte befand sich ein großer, runder Makronucleus (Ma) und ein kleiner Mikronucleus (Mi). Am Rand 1 kontraktile Vakuole (cV), Abb.2.



Bild 1. Der Schwärmer erinnert sehr an einer "Sojus" Mondlandekapsel...




Bild 2. Der Parasit hat eine Länge von 28µm; Ma= Makronucleus, Mi= Mikronucleus, Te= dicke Tentakel, cV= Kontraktile Vakuole




Bild 3. Im Anflug auf das nächste Opfer, Parasiten als Schwärmer getarnt, ...




Bild 4. Die 3 deutlich weit auseinander stehenden Cilienreihen, sind ein sehr gut erkennbares Bestimmungsmerkmal.




Bild 5. Im Landeanflug können sehr gut die dicken Tentakeln erkannt werden.



Als ich dann einen Stentor roeseli entdeckt habe Abb. 6, konnte ich an seinem Peristom 5 dieser Parasiten, angeheftet sehen. Der Stentor, hat verzweifelt ein Eindringen zu verhindern und durch „kräftige Bewegungen“ versucht, diese los zu werden. In der Literatur wird der parasitäre Schwärmer in S. roeseli als Sphaerophrya stentoris zitiert.




Bild 6. Stentor roeseli versucht verzweifelt die Eindringlinge loszuwerden.


In der Literatur: Suctoria und Urceolariidae (Peritrichia), von Dieter Matthes, Walter Guhl, Gerhard Haider; Gustav Fischer Verlag 1988; pp. 176-177, werden zwei Arten von Parasiten in Stentoren vorgestellt. Da es sich hier um nur zwei Arten von Parasiten handelt, ist die Bestimmung für den Tümpler recht einfach, da sich die beiden Parasiten durch ihr Aussehen, leicht unterscheiden lassen, in der Abb. 110, Seite 176, dargestellt.



Bild 110. Zeigt das einzige Bild mit den beiden Schwärmern. Abb. a., mit zwei cV und Abb. c-d., mit einer cV und seinen 3 typischen weit auseinander stehenden Cilienringen. cV= Kontraktile Vakuole


Sphaerophrya stentoris gehört als Parasit zu Stentor roeseli, Parasit mit zwei cV und Sphaerophrya doliolum zum Stentor niger mit einer cV, was auch zu meinem Fund passt. Nur macht der Parasit keinen Unterschied, ob es sich hier um S. roeseli oder S. niger handelt. Wirt ist gleich Wirt und so habe ich Sph. doliolum massenhaft im Stentor polymorphus gefunden, Abb. 7 und 8.



Bild 7. Sphaerophrya doliolum macht auch vorm Stentor polymorphus nicht halt. Hauptsache WIRT! Gut zu erkennen ist auch, dass die Zoochlorellen im Bereich der Parasiten, deutlich abnimmt.




Bild 8. Im Wirt schnell hintereinander Schwärmerbildung durch äußere Knospung. Oben im Bild: Zwei Schwärmer sind dabei ihre Basis zu verlassen...


Wie soll nun der Fund heißen, wenn es dem Parasiten egal ist, welchen Wirt er gerade bevorzugt. Halten wir uns an das, was uns die Literatur hergibt, dann handelt es sich hier um den Fund: Sphaerophrya doliolum und nicht Sphaerophrya stentoris, obwohl die Artbeschreibung „stentoris“ hier besser passen würde.


--> Martin Kreutz hat in diesem Forum  https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=30793.0  Sphaerophrya stentoris vorgestellt. Irgendwie sehen die sich sehr ähnlich!

--> Bernd hat auch über parasitische Sauginfusorien in Paramecium berichtet  https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=33175.0


Gibt es hier schon neuere Erkenntnisse, bin auf eure Meinung und Anregungen gespannt?

Herzliche Grüße,
Michael


Alle Aufnahmen wurden am BX60 mit U- DICT unter schwersten Bedingungen, zu dicker Wassertropfen, aufgenommen und mit der Canon R festgehalten.
« Letzte Änderung: Mai 24, 2020, 21:21:20 Nachmittag von M.Butkay »
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Martin Kreutz

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Re: Parasit: Spharophrya doliolum PENARD 1920
« Antwort #1 am: Mai 20, 2020, 20:13:11 Nachmittag »
Hallo Michael,

erstmal meinen Glückwunsch zu Deinem Fund und den super Fotos von dem kleinen Vieh (trotz Schichtdicke)! Besonders die Aufnahme der 3 Cilienreihen des Schwärmers gefällt mir. Ich habe mir die Beschreibungen im Matthes jetzt auch nochmal zu Gemüte geführt. Dein Fund zeigt eindeutig Sphaerophrya doliolum! Und mein damaliger Fund (Du verweist auf meinen Beitrag) zeigt auch Sphaerophrya doliolum. D.h. im Klartext, dass meine damalige Zuordnung falsch war und Deine korrekt ist! Ich werde meinen damaligen Beitrag entsprechend ändern. Tatsächlich bin ich auf den "falschen Wirt" reingefallen. Ich habe mich vorschnell zu der Bestimmung Sphaerophrya stentoris verleiten lassen, weil angeblich nur dieser Suktor Stentor roesili parasitiert. Aber offensichtlich ist diese Wirtsspezifität nicht mehr zu halten. D.h., wenn man einen parasitierenden Suktor in Stentor findet (egal welche Art) dann kann man diesen nur über seinen Schwärmer bestimmen und nicht über den Wirt (wie ich es getan habe). Macht die Sache dann nicht einfacher. Aber wir Tümpler sind ja Kummer gewohnt!

Martin

M.Butkay

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Re: Parasit: Sphaerophrya doliolum PENARD 1920
« Antwort #2 am: Mai 21, 2020, 13:13:28 Nachmittag »
Hallo Martin,

Danke für die Glückwünsche! Nach unserem Telefonat habe ich mir nochmal den Matthes in Ruhe vorgenommen und die Bilder in Ruhe studiert. Matthes hätte hier die Bebilderung etwas genauer Differenzieren müssen und nicht zwei Arten in einem Bild zusammenfügen. Fakt ist aber: Das es dem Parasiten egal ist, ob sein Wirt: Stentor roeseli, S. niger oder S. polymorphus heißt, Hauptsache er kann sich vermehren. Und was wichtig ist für uns Tümpler: Der Parasit kann nur sicher als Schwärmer identifiziert werden.

In diesem Sinne wie von Dir erwähnt:
"Wir Tümpler sind ja Kummer gewohnt"!

Herzliche Grüße und bis bald,
Michael
« Letzte Änderung: Mai 24, 2020, 21:19:46 Nachmittag von M.Butkay »
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M.Butkay

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Re: Parasit: Sphaerophrya doliolum PENARD 1920
« Antwort #3 am: Mai 24, 2020, 20:52:20 Nachmittag »
Hallo Tümpler,

ich habe nochmal in der feuchten Kammer nach den Parasiten geschaut. Sie sind verschwunden, aber im Stentor polymorphus haben sie überhand genommen. Ich dachte, er ist kurz vor dem Platzen. Fotos habe ich keine mehr gemacht, da das Deckglas überzogen war mit, ich denke, "Eisenoxid", oder so ähnlich. Zumindest alles kleine ausgefranzte braune Flecken. Vielleicht kennt ja einer von euch diese Phänomen? Den S. roeseli habe ich in der Probe wiedergefunden, wurde aber nicht befallen, da unter dem Deckglas nicht die "Umweltbedingungen" herrschen, wie in einem Mikroaquarium, so wie sie von unserem Michael M. immer anlegt werden.

Herzliche Grüße,
Michael
« Letzte Änderung: Mai 24, 2020, 21:20:10 Nachmittag von M.Butkay »
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