Autor Thema: Tümpelübung in Schwarz-Weiß  (Gelesen 1409 mal)

Marcus_S

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Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« am: Juli 07, 2020, 18:44:47 Nachmittag »
Moin!

In der Orientierungsphase muß man ja auch mal tümpeln. Oder so tun... Ich weiß nur noch nicht so recht, ob mich das endgültig fasziniert - von den ganzen Monstern, die da unter dem Deckglas rumschwimmen, da kriege ich wahrscheinlich auf die Dauer gruselige Träume und außerdem ist's hektisch, immer hinter den Tierchen hinterherzukurbeln. Vielleicht sollte ich mich eher an etwas meditativere Algen halten...

Aber irgendwie war es auch ganz witzig: aus einer "Kultur" aus dem "Fußbad" des Blumenkastens der Nachbarn ein Pröbchen des gebildeten Kahmhaut-Algen-Torffaser-Matschs beguckt. Im schrägen Durchlicht-Hellfeld mit einer 120° geöffneten Sektorblende anstelle einer Phasenblende schief beleuchtet. Alles verfügbare Licht der 30 W-Halogenlampe an die Kamera gegeben, wieder mit der SW-Astrokamera geknipst. Verstärkung moderat, Shutterzeit so kurz wie irgend möglich (Rädertierchen: 96 µs, 20er-Objektiv, 0,26 µm/px, Glockentierchen: 250 µs, 40er-Objektiv, 0,13 µm/px) eingestellt, aber so, daß das Histogramm bei der Aufnahme so ziemlich mittig ausgesteuert war. Beobachtet und die Aufnahme kontrolliert am Computermonitor. Bilder in Fitswork zurechtgeschnitten, leicht unscharf maskiert, leicht Gauß-geschärft und schließlich die Grauwerte am Histogramm verhübscht. Bild-Ausbeute beim Rädertierchen: etwa 5%...

Mal sehen, vielleicht übe ich weiter...


Viele Grüße von

Marcus

plaenerdd

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #1 am: Juli 07, 2020, 22:58:20 Nachmittag »
Hallo Marcus,
viele Wassermikroben sind hektisch, wenn sie frisch unter einem Deckglas eingesperrt sind. Wesentlich ruhiger geht es in einem Mikroaquarium zu, das über längere Zeit beobachtet werden kann.
5% Bildausbeute ist ja immerhin besser als nix. Ohne Blitzeinrichtung und Fußauslöser eher normal.
Mir gefallen Deine S/W-Bilder.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ "TECHNIVAL";
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Bob

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #2 am: Juli 08, 2020, 09:14:09 Vormittag »
Hallo Marcus,
mit der Astrokamera zeigst Du eine interessante Alternative zum Blitzen auf. 96ys, das sind ja 0,1ms, also 1/10000 Sekunde - beeindruckend! Das wäre mein Traum für das Foto auf dem Familienausflug: Schatz, dauert nur eine zehntausendstel Sekunde! ;

Die Fotos sind klasse geworden, dafür verwirft man die weniger gelungenen doch gerne.

Viele Grüße,

Bob

Alex H.

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #3 am: Juli 08, 2020, 10:47:32 Vormittag »
Hallo Marcus,

ich finde die Bilder prima! Sie lassen sehr viele Details erkennen. Ich wäre froh, wenn die besten 5% meiner Bilder so interessant anzusehen wären wie die Deinen.

Grüße
Alex
Ich befasse mich mit der Botanik, vorrangig mit der Morphologie der Blüten, Samen und Früchte der Spermatophyta und mit Kryptogamen.
Stereolupe: LZOS MBS-10; Mikroskop: bressergelabeltes, gut ausgestattetes LOMO Biolam

Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #4 am: Juli 08, 2020, 21:20:33 Nachmittag »
Moin Gerd, moin Bob, moin Alex!

Vielen Dank für Eure lobenden und hilfreichen Anmerkungen! Da krame ich doch gleich mal in den Dateien und hänge noch ein paar Monsterchen dran.

Gerd,
so ganz frisch eingesperrt waren die Tierchen nicht, so eine halbe Stunde habe ich die erstmal beguckt und dann erst geknipst. Ist bei Glockentierchen ja auch etwas einfacher, die sind ja festgebunden ;-) Und die Tierchen hatten auch Auslauf, plattgedrückt habe ich die nicht. Besonders ungern ließ sich aber das rädernde Rädertierchen knipsen, das wurde immer noch etwas hektischer, wenn ich die Mikroskopbeleuchtung ganz aufgedreht habe. Vielleicht ist das Vieh Licht- oder IR-scheu. Aber das mit dem Mikroaquarium klingt interessant und nur wenig aufwendig, muß ich mal bei Gelegenheit ausprobieren. Denn so ruhig wie in dem Video waren die Tierchen bei mir definitiv nicht.

Bob,
ja, mit der Astrokamera geht schon was. Und mir ist hinterher eingefallen: ich hätte auch den Tageslichtfilter noch wegnehmen können, das hätte noch ein paar Picosekunden gebracht. Und noch ein wenig an der Verstärkung schrauben, vielleicht ist mit dem 20er dann unter günstigen Bedingungen die 1/20000-Sekunden-Marke zu knacken.
Ich bin ja hier im Forum nicht allein als Astrokamera-Nutzer, aber keiner propagiert die so penetrant wie ich ;-)   Aber erstens ist die schon vorhanden und zweitens schätze ich die wegen der Vielseitigkeit und Empfindlichkeit und Schnelligkeit, war dann aber doch überrascht, wie gut die sich auch an Tümpeltierchen macht. Dabei muß man immer bedenken, daß die Kamera ein eher einfaches, aber recht flottes Gerät ist, durchaus kein Luxusteil und der bildeinsaugende Rechner dadran allenfalls untere Mittelklasse ist.
Ich vermute, daß zum guten Teil die ganz akzeptable Anpassung der Kamera und der Zwischenoptik an das 20er-Mikroskopobjektiv (1,7 Pixel/Beugungsscheibchen, die Kamera verschenkt also Auflösung) und zum anderen Teil das 20er selbst Ursache für die kurzen Belichtungszeiten ist, hat immerhin NA 0,75. Beim 40er sieht das ja etwas flauer aus, hier macht sich wohl auch der lichtschluckende Phasenring bemerkbar. Ein neues 40er ist bestellt... An den 30 W Halogendurchlicht kann es ja nicht liegen, das ist heutzutage ja eher ein Teelicht.

Alex,
wahrscheinlich ist das bei mir ganz banales Anfängerglück, das muß ich ja erstmal wiederholen können. Und es beginnt mich zu stören, daß ich nur gerade eben so ganz ungefähr weiß, was ich da geknipst habe. Da habe ich noch viel zu tun.


Und nun gibt's nochmal Nachschlag, alles aus dieser Session. Die Aufnahme und die Bearbeitung ist auch hier wie oben beschrieben, die Shutterzeiten stehen in dem Dateinamen mit drin. Und da sieht man dann (finde ich) auch ganz hübsch, daß bei 300 µs die Bildchen an Biß verlieren, obwohl identisches Präparat und Objektiv und Tagesform und Bearbeitung und...


- Glockentierchen als Pärchen
- nochmal das Rädertierchen
- ein anderes Rädertierchen

und...


Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #5 am: Juli 08, 2020, 21:25:05 Nachmittag »
...


- ein anderes Rädertierchen
- ein mittelgelungener Bauchhärling


Viele Grüße von

Marcus



Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #6 am: August 01, 2020, 00:32:22 Vormittag »
Moin!

Ich habe den Aufbau in der Zwischenzeit noch ein klein wenig verbessert: den Tageslichtfilter (KB-4) abgenommen, den braucht man für Schwarzweiß ja nicht, das Objektiv aufgebohrt und den Phasenring ausgebaut ;-) , nun also ein 40x/0,75 und die Verstärkung der Kamera auf noch immer erträgliche 25 % erhöht.

Und so knackt man auch ohne Blitz, nur mit 30 W Halogen-Durchlicht ganz bequem die 1/20000 s-Belichtungszeitmarke, trotz der Verringerung der Beleuchtungshelligkeit durch die für die schiefe Beleuchtung benötigte Sektorblende.

In dem gleichen Topf wie neulich fand sich ein gleiches (?) Rädertierchen, das Modell sitzen mußte. Auch dieses Mal alles Licht auf die Kamera gegeben, also am Bildschirm mikroskopiert. Bei jeder Auslösung habe ich ein 5er Serienbild aufgenommen, das dauerte etwa 0,4 Sekunden je 5er-Pack. Ein unkomprimiertes Bild hat so etwa 12 MB, die Festplatte füllt sich dann recht flott.

Ich hänge aus dem großen Haufen der Rohbilder mal ein (technisches) Bildchen mit dem 40er an, ein Ausschnitt in Originalauflösung, nur im Kontrast/in den Helligkeitswerten etwas verbessert, ansonsten völlig unbearbeitet. Man könnte daran auch noch herumschärfen... Shutter-Verschlußzeit 50 Mikrosekunden. Die Kameraanpassung ist nahe dem Optimum für Planetenfotos: etwa 3,4 Pixel/Beugungsscheibchen, der Bildmaßstab beträgt etwa 0,13 µm/Pixel.

Mit dem 40er wird die Sache natürlich schon ziemlich hektisch und das nicht festgeklemmte Tierchen windet sich doch recht schnell aus dem Gesichtsfeld der Kamera raus, da wäre ein etwas größerer Chip sicher hübsch, aber eben auch teurer und auch nicht sowieso schon vorhanden.

Mit dem 20er-Objektiv habe ich auch ein häßliches, aber richtig belichtetes Bildchen mit einer Belichtungszeit von 32 Mikrosekunden geschafft, dann ist aber auch Ende mit Licht und Ende mit der Kamera, schneller kann die nicht. Ist aber wahrscheinlich auch nicht unbedingt nötig.


Viele Grüße von

Marcus


Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #7 am: August 01, 2020, 00:32:22 Vormittag »
Moin!

Ich habe den Aufbau in der Zwischenzeit noch ein klein wenig verbessert: den Tageslichtfilter (KB-4) abgenommen, den braucht man für Schwarzweiß ja nicht, das Objektiv aufgebohrt und den Phasenring ausgebaut ;-) , nun also ein 40x/0,75 und die Verstärkung der Kamera auf noch immer erträgliche 25 % erhöht.

Und so knackt man auch ohne Blitz, nur mit 30 W Halogen-Durchlicht ganz bequem die 1/20000 s-Belichtungszeitmarke, trotz der Verringerung der Beleuchtungshelligkeit durch die für die schiefe Beleuchtung benötigte Sektorblende.

In dem gleichen Topf wie neulich fand sich ein gleiches (?) Rädertierchen, das Modell sitzen mußte. Auch dieses Mal alles Licht auf die Kamera gegeben, also am Bildschirm mikroskopiert. Bei jeder Auslösung habe ich ein 5er Serienbild aufgenommen, das dauerte etwa 0,4 Sekunden je 5er-Pack. Ein unkomprimiertes Bild hat so etwa 12 MB, die Festplatte füllt sich dann recht flott.

Ich hänge aus dem großen Haufen der Rohbilder mal ein (technisches) Bildchen mit dem 40er an, ein Ausschnitt in Originalauflösung, nur im Kontrast/in den Helligkeitswerten etwas verbessert, ansonsten völlig unbearbeitet. Man könnte daran auch noch herumschärfen... Shutter-Verschlußzeit 50 Mikrosekunden. Die Kameraanpassung ist nahe dem Optimum für Planetenfotos: etwa 3,4 Pixel/Beugungsscheibchen, der Bildmaßstab beträgt etwa 0,13 µm/Pixel.

Mit dem 40er wird die Sache natürlich schon ziemlich hektisch und das nicht festgeklemmte Tierchen windet sich doch recht schnell aus dem Gesichtsfeld der Kamera raus, da wäre ein etwas größerer Chip sicher hübsch, aber eben auch teurer und auch nicht sowieso schon vorhanden.

Mit dem 20er-Objektiv habe ich auch ein häßliches, aber richtig belichtetes Bildchen mit einer Belichtungszeit von 32 Mikrosekunden geschafft, dann ist aber auch Ende mit Licht und Ende mit der Kamera, schneller kann die nicht. Ist aber wahrscheinlich auch nicht unbedingt nötig.


Viele Grüße von

Marcus


plaenerdd

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #8 am: August 01, 2020, 08:16:49 Vormittag »
Hallo Marcus,
irgendwie hast Du es heute Nacht geschafft, Deinen Beitrag gleich 2x zur gleichen Zeiot zu posten, aber das ist ja nicht so schlimm.
Das Ergebnis spricht für sich. Die Bilder sind ganz ordentlich.
Zitat
Und so knackt man auch ohne Blitz, nur mit 30 W Halogen-Durchlicht ganz bequem die 1/20000 s-Belichtungszeitmarke,
Es gibt aber trotzdem noch einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Verfahren: Deine Tierchen sind den gebündelten 30W die ganze Zeit ausgesetzt, beim Blitzen nur Millisekunden. Das mögen viele gar nicht und verhalten sich auch dementsprechend unnatürlich. Das Wasser unter dem Deckglas verdampft auch sehr viel schneller. Ich hoffe, Du hast wenigstens einen IR-Filter im Strahlengang. Auch manche optischen Bauteile wie z.B. Polfilter mögen so viel Strahlung nicht auf Dauer. Bei der visuellen Beobachtung wären auch Deine Augen in Gefahr, aber da regelt man ja sowieso herunter. Ein so helles Licht wäre sicher kaum erträglich. Ob Deine Kamera das Arbeiten an der Grenze ihrer technischen Möglichkeiten als Dauerbelastung verträgt kann ich nicht einschätzen. Der Chip könnte recht warm werden. Das ist aber eher eine wage Vermutung, kein gesichertes Wissen!
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
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Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #9 am: August 04, 2020, 21:15:12 Nachmittag »
Moin Gerd,

dankeschön für Deine Anmerkungen, da ist viel für mich Bedenkenswertes dran.

Mit der Lebensdauer der Kamera sprichst Du einen interessanten Punkt an. Die schnelle Bildfolge wird ja nur beim Knipsen abgefragt, ansonsten "tuckert" die Kamera für das Livebild mit gemütlichen 15 bis 20 Bildern/s vor sich hin. Die Dauerbelastung schreckt mich ersteinmal nicht, zumindest aus den Hobbyastronomenkreisen ist mir noch kein Fall bekanntgeworden, in dem eine Kamera "ausgeleiert" wäre und es gibt ja keine bewegten Teile. Aber Dauerbetrieb und Chiptemperatur - da habe ich eben nochmal nachgesehen. Knapp 43 °C laut Protokolldatei, geht also gerade noch so, aber das geht natürlich auf's Rauschen. Da fehlt die nächtliche kühle Umgebungsluft unter dem Sternenhimmel... Bei solchen Aktionen habe ich (wahrscheinlich aber auch unbegründet) am meisten Sorge um die recht langsame Festplatte des Rechners, die das ja alles wegschaufeln muß.

Meine Augen haben mit solchen Belichtungsexperimenten aber kein Problem - bei 30 W Halogen gucke ich definitiv nicht ohne Schweißerbrille in die Okulare und der Trinotubus war auf 100 % Kamera geschaltet. Filter sind auch keine im Strahlengang, ich will ja alles Licht.

Für sehr viel berechtigter halte ich aber Deine Befürchtungen hinsichtlich der Langzeit- oder Dauerbestrahlung des Präparates. Und das vielleicht auch nicht nur im IR, sondern auch im visuellen Bereich. Die standardmäßig verbaute IR-Filterung im Beleuchtungsstrahlengang ist zwar ganz manierlich, ich werde aber zumindest probeweise mal nachfiltern, da habe endlich wieder eine neue Baustelle ;-) Auch wenn ich nicht die ganze Zeit das Präparat mit ganzer Lampenleistung bestrahlt habe (volle Leistung nur während des Fotografierens), sinnig könnte das Nachfiltern durchaus sein, denn das Rädertierchen wurde immer ein wenig nervös, wenn es wieder geknipst wurde. Aber der grundsätzliche Einfluß der IR-Strahlung auf Präparate ist mir sehr, sehr eindrücklich bewußt - ich erzähle hier besser nichts von Dampfblasenbildung unter dem Deckglas beim Untersuchen einer Rußdispersion mit 100W-Halogen-Durchlicht...

Ich denke nicht, daß solch eine (Ziemlichextrem-)Kurzeitbelichtung auf einem "Halogengrill" grundsätzlich eine Konkurrenz zum Blitzen ist. Ich wollte hier mal ausprobieren, wie weit man mit der Belichtungszeit kommen kann, wenn man so eine Kamera hat (und mir ist klar, sowas hat kaum jemand). Aber man kann so recht einfach und ohne Umbauten unter Beachtung der diskutierten Nebenwirkungen ziemlich kurze Belichtungszeiten erzielen. Und ob es wirklich 50 µs sein müssen oder nicht auch schon 100 µs reichen oder es sogar 150 µs sein dürfen, das müßte man probieren. Und dann sähe die Sache schon wesentlich entspannter aus.


Viele Grüße von

Marcus

Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #10 am: Februar 10, 2021, 21:16:43 Nachmittag »
Moin!

Am Wochenende habe ich mal nachgesehen, was sich denn in den Gurkengläsern auf der Fensterbank so tut.

In dem, was einmal eher leicht sauer-moorig gewesen sein dürfte, da fanden sich sehr viele Tierchen, die ich als Sonnentierchen (nach Bilderbuchmethode, DLiW: Actinophrys sol) bezeichnen würde.
Die Tierchen sind mir im Herbst noch nicht aufgefallen, jetzt fanden die sich nicht gerade in Massen, aber doch recht häufig. Ganz grob geschätzt drei einzelne und zwei "Pärchen" je Tropfen der Probe, Probe entnommen vom algigen Grund des Glases.
Die Bildchen hab ich geknipst wie immer: SW-Kamera, trockener Kondensor, schiefe Beleuchtung, bearbeitet mit imPPG 0.62, mit Irfanview ggf. verkleinert und zurechtgeschnitten und als jpg gespeichert.

Bild_1: zeigt wohl sowas wie eine Freßgemeinschaft, von der hier im Forum gelegentlich berichtet wurde? Aber warum sind dann die Kerne (?) (also die Knubbel in der Mitte der Tierchen) so eingedellt? Und warum zeigen die Dellen genau zueinander? Maßstab: 0,13 µm/px.

Bild_2: ist ein animiertes GIF eines kurzen Filmchens mit gekreuzten Polarisatoren. So richtig verschmolzen scheinen die Tierchen ja nicht zu sein, jedes Tierchen hat seine eigene Glitzerwolke.

Bild_3: ein einsames Tierchen. Maßstab: 0,13 µm/px.

Bild_4: wieder eine Freßgemeinschaft (?). Die haben wohl gerade eine Kieselalge verspeist. Diesmal keine verbeulten Kerne.
Ich mußte hier endlich mal ausprobieren, wie es sich mit Ölimmersion tümpelt. Wegen des mit Vaselinefüßchen festgepappten Deckglases ging das erstaunlich gut. Der Reliefeffekt der schiefen Beleuchtung kommt auch noch raus. Jaja, Brechungsindex der Probe und Schichtdicke und Auflösungsverlust und so, davon hab ich gehört. Gibt aber trotzdem ein Bild. Maßstab 0,17 µm/px, weil verkleinert.

Bild_5: wie Bild_4, nur ein wenig andere Schärfeebene.

Bild_6: Ausschnitt von Bild_5, in Originalgröße, also vor dem Verkleinern. Maßstab 0,087 µm/px. Fazit: Tümpeln mit Öl geht. :-)


geht gleich...

Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #11 am: Februar 10, 2021, 21:18:08 Nachmittag »
hier die Bilder 4, 5 und 6

Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #12 am: Februar 10, 2021, 21:19:42 Nachmittag »
...weiter.

In dem anderen Glas fand sich nur wenig Interessantes, bis sich dann dieser Riesenciliat durchs Blickfeld schlängelte. Das Tierchen war farblos, etwa 1200 µm (!) lang (blöd, wenn die Okularstrichplatte nur für einen Millimeter reicht...) und rangierte flott zwischen den ganzen Flocken vor und zurück und ließ sich recht schlecht knipsen. Also wieder auf kurze Belichtungszeiten (500 bis 250 µs) umgeschaltet, Licht genug war da. Alle Bilder mit dem 20er geknipst.

Auffällig fand ich die Perlenkette (der Knubbel des Kerns?) und das leere "Hinterteil". Der "Wassertropfen" läßt einen mit dem Problem der Bestimmung des Tierchens allein und äußerte sich nicht. Auch gut. Vielleicht irgendwas Richtung "Sumpfwurm".

Bild_7: Das Tierchen fast ganz. Auf 40% verkleinert, Maßstab 0,66 µm/px.

Bild_8: Vorderteil von der einen Seite. Originalauflösung, 0,26 µm/px.

Bild_9: Vorderteil von der anderen Seite. Originalauflösung, 0,26 µm/px.



Viele Grüße von

Marcus


plaenerdd

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #13 am: Februar 11, 2021, 00:50:10 Vormittag »
Hallo Marcus,
Du hast gute Fotos gemacht! Das kleine gif-Bild gefällt mir außerordentlich.
Mit Actinophrys liegst DU sicher richtig, aber wenn sich selbst die Prifis nicht auf die Art festlegen, sollten wir es nicht versuchen.
Bild 1 könnte auch eine Zellteilung zeigen.
Auch der Sumpfwurm kommt sicher hin, zumindest auch hier die Gattung Spirostomum. Wenn Deine GRößenangaben stimmen könnte es der große Sumpfwurm sein, aber da bin ich mir nicht sicher. Bin weser Wimperntierspezi noch Amöbenkenner, nur halbwegs erfahrener Hobby-Tümpler.
Wenn Du wirklich wissen willst, was Du gefunden hast, würde ich separate Fäden in der Bestimmungshilfe aufmachen, mit Deinen Vermutungen im Betreff oder dem Gruppennamen, bis zu dem Du Dir sicher bist, also "Wimperntier" oder "Sonnentier". Damit erhöt sich die Chanse, dass die Spezis sich das auch angucken. Die haben nämlich selten die Zeit, alles zu lesen, was das Forum her gibt.
Beste Grüße
Gerd
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Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #14 am: März 07, 2021, 12:19:57 Nachmittag »
Moin Gerd,

mit Betrübnis habe ich festgestellt, daß ich mich noch gar nicht für Dein Lob bedankt habe. Nun aber: vielen Dank für die Blumen und die detaillierten Anregungen und Hinweise. Das erfreut und motiviert und so habe ich auch heimlich ein wenig weitergeübt.

Dein Tip mit der Bestimmungshilfe-Ecke ist natürlich richtig, ich traue mich da aber noch nicht so richtig hin, ich kann die ganzen Vokabeln noch nicht und übe sicherheitshalber erstmal noch ein wenig die Technik. Bilder mit dem 10er sind eigentlich unproblematisch, mit den Bildern mit dem 20er bin ich einigermaßen zufrieden, beim 40er und höher ist mir der Eindruck auf dem Bild bei farblosen Präparaten vom Kontrast her immer noch ein wenig flau, da muß ich nochmal bei.

Mit dem "Wurm" könnte das ganz vielleicht ganz drollig sein. Ich hab ein wenig im Internet geblättert: ich finde bei Foissner nichts Erhellendes, auch die (auf einen Hinweis im Tümplerforum bei archive.org gefundenen) Bücher von Kahl schweigen sich aus. Aber der hier erwähnte Sumpfwurm
https://mikro-tuemplerforum.at/viewtopic.php?f=23&p=3071#p2453
sieht "meinem" für mein unkundiges Auge verdächtig ähnlich. Nun wäre es natürlich sehr schön gewesen, wenn dort auch die ungefähre Größe angegeben worden wäre. Mal sehen, wie das dort weitergeht und ob ich in meinem Gurkenglas noch so einen finde.


Viele Grüße von

Marcus