Autor Thema: Tümpelübung in Schwarz-Weiß  (Gelesen 563 mal)

Marcus_S

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Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« am: Juli 07, 2020, 18:44:47 Nachmittag »
Moin!

In der Orientierungsphase muß man ja auch mal tümpeln. Oder so tun... Ich weiß nur noch nicht so recht, ob mich das endgültig fasziniert - von den ganzen Monstern, die da unter dem Deckglas rumschwimmen, da kriege ich wahrscheinlich auf die Dauer gruselige Träume und außerdem ist's hektisch, immer hinter den Tierchen hinterherzukurbeln. Vielleicht sollte ich mich eher an etwas meditativere Algen halten...

Aber irgendwie war es auch ganz witzig: aus einer "Kultur" aus dem "Fußbad" des Blumenkastens der Nachbarn ein Pröbchen des gebildeten Kahmhaut-Algen-Torffaser-Matschs beguckt. Im schrägen Durchlicht-Hellfeld mit einer 120° geöffneten Sektorblende anstelle einer Phasenblende schief beleuchtet. Alles verfügbare Licht der 30 W-Halogenlampe an die Kamera gegeben, wieder mit der SW-Astrokamera geknipst. Verstärkung moderat, Shutterzeit so kurz wie irgend möglich (Rädertierchen: 96 µs, 20er-Objektiv, 0,26 µm/px, Glockentierchen: 250 µs, 40er-Objektiv, 0,13 µm/px) eingestellt, aber so, daß das Histogramm bei der Aufnahme so ziemlich mittig ausgesteuert war. Beobachtet und die Aufnahme kontrolliert am Computermonitor. Bilder in Fitswork zurechtgeschnitten, leicht unscharf maskiert, leicht Gauß-geschärft und schließlich die Grauwerte am Histogramm verhübscht. Bild-Ausbeute beim Rädertierchen: etwa 5%...

Mal sehen, vielleicht übe ich weiter...


Viele Grüße von

Marcus

plaenerdd

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #1 am: Juli 07, 2020, 22:58:20 Nachmittag »
Hallo Marcus,
viele Wassermikroben sind hektisch, wenn sie frisch unter einem Deckglas eingesperrt sind. Wesentlich ruhiger geht es in einem Mikroaquarium zu, das über längere Zeit beobachtet werden kann.
5% Bildausbeute ist ja immerhin besser als nix. Ohne Blitzeinrichtung und Fußauslöser eher normal.
Mir gefallen Deine S/W-Bilder.
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: CZJ-Nf und AMPLIVAL mit Phv, Pol, DF, HF; Auflicht: VERTIVAL, Stemi: MBS-10, Technival; Inverses: Willovert mit Ph

Bob

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #2 am: Juli 08, 2020, 09:14:09 Vormittag »
Hallo Marcus,
mit der Astrokamera zeigst Du eine interessante Alternative zum Blitzen auf. 96ys, das sind ja 0,1ms, also 1/10000 Sekunde - beeindruckend! Das wäre mein Traum für das Foto auf dem Familienausflug: Schatz, dauert nur eine zehntausendstel Sekunde! ;

Die Fotos sind klasse geworden, dafür verwirft man die weniger gelungenen doch gerne.

Viele Grüße,

Bob

Alex H.

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #3 am: Juli 08, 2020, 10:47:32 Vormittag »
Hallo Marcus,

ich finde die Bilder prima! Sie lassen sehr viele Details erkennen. Ich wäre froh, wenn die besten 5% meiner Bilder so interessant anzusehen wären wie die Deinen.

Grüße
Alex
Ich befasse mich mit der Botanik, vorrangig mit der Morphologie der Blüten, Samen und Früchte der Spermatophyta und mit Kryptogamen.
Stereolupe: LZOS MBS-10; Mikroskop: bressergelabeltes, gut ausgestattetes LOMO Biolam

Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #4 am: Juli 08, 2020, 21:20:33 Nachmittag »
Moin Gerd, moin Bob, moin Alex!

Vielen Dank für Eure lobenden und hilfreichen Anmerkungen! Da krame ich doch gleich mal in den Dateien und hänge noch ein paar Monsterchen dran.

Gerd,
so ganz frisch eingesperrt waren die Tierchen nicht, so eine halbe Stunde habe ich die erstmal beguckt und dann erst geknipst. Ist bei Glockentierchen ja auch etwas einfacher, die sind ja festgebunden ;-) Und die Tierchen hatten auch Auslauf, plattgedrückt habe ich die nicht. Besonders ungern ließ sich aber das rädernde Rädertierchen knipsen, das wurde immer noch etwas hektischer, wenn ich die Mikroskopbeleuchtung ganz aufgedreht habe. Vielleicht ist das Vieh Licht- oder IR-scheu. Aber das mit dem Mikroaquarium klingt interessant und nur wenig aufwendig, muß ich mal bei Gelegenheit ausprobieren. Denn so ruhig wie in dem Video waren die Tierchen bei mir definitiv nicht.

Bob,
ja, mit der Astrokamera geht schon was. Und mir ist hinterher eingefallen: ich hätte auch den Tageslichtfilter noch wegnehmen können, das hätte noch ein paar Picosekunden gebracht. Und noch ein wenig an der Verstärkung schrauben, vielleicht ist mit dem 20er dann unter günstigen Bedingungen die 1/20000-Sekunden-Marke zu knacken.
Ich bin ja hier im Forum nicht allein als Astrokamera-Nutzer, aber keiner propagiert die so penetrant wie ich ;-)   Aber erstens ist die schon vorhanden und zweitens schätze ich die wegen der Vielseitigkeit und Empfindlichkeit und Schnelligkeit, war dann aber doch überrascht, wie gut die sich auch an Tümpeltierchen macht. Dabei muß man immer bedenken, daß die Kamera ein eher einfaches, aber recht flottes Gerät ist, durchaus kein Luxusteil und der bildeinsaugende Rechner dadran allenfalls untere Mittelklasse ist.
Ich vermute, daß zum guten Teil die ganz akzeptable Anpassung der Kamera und der Zwischenoptik an das 20er-Mikroskopobjektiv (1,7 Pixel/Beugungsscheibchen, die Kamera verschenkt also Auflösung) und zum anderen Teil das 20er selbst Ursache für die kurzen Belichtungszeiten ist, hat immerhin NA 0,75. Beim 40er sieht das ja etwas flauer aus, hier macht sich wohl auch der lichtschluckende Phasenring bemerkbar. Ein neues 40er ist bestellt... An den 30 W Halogendurchlicht kann es ja nicht liegen, das ist heutzutage ja eher ein Teelicht.

Alex,
wahrscheinlich ist das bei mir ganz banales Anfängerglück, das muß ich ja erstmal wiederholen können. Und es beginnt mich zu stören, daß ich nur gerade eben so ganz ungefähr weiß, was ich da geknipst habe. Da habe ich noch viel zu tun.


Und nun gibt's nochmal Nachschlag, alles aus dieser Session. Die Aufnahme und die Bearbeitung ist auch hier wie oben beschrieben, die Shutterzeiten stehen in dem Dateinamen mit drin. Und da sieht man dann (finde ich) auch ganz hübsch, daß bei 300 µs die Bildchen an Biß verlieren, obwohl identisches Präparat und Objektiv und Tagesform und Bearbeitung und...


- Glockentierchen als Pärchen
- nochmal das Rädertierchen
- ein anderes Rädertierchen

und...


Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #5 am: Juli 08, 2020, 21:25:05 Nachmittag »
...


- ein anderes Rädertierchen
- ein mittelgelungener Bauchhärling


Viele Grüße von

Marcus



Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #6 am: August 01, 2020, 00:32:22 Vormittag »
Moin!

Ich habe den Aufbau in der Zwischenzeit noch ein klein wenig verbessert: den Tageslichtfilter (KB-4) abgenommen, den braucht man für Schwarzweiß ja nicht, das Objektiv aufgebohrt und den Phasenring ausgebaut ;-) , nun also ein 40x/0,75 und die Verstärkung der Kamera auf noch immer erträgliche 25 % erhöht.

Und so knackt man auch ohne Blitz, nur mit 30 W Halogen-Durchlicht ganz bequem die 1/20000 s-Belichtungszeitmarke, trotz der Verringerung der Beleuchtungshelligkeit durch die für die schiefe Beleuchtung benötigte Sektorblende.

In dem gleichen Topf wie neulich fand sich ein gleiches (?) Rädertierchen, das Modell sitzen mußte. Auch dieses Mal alles Licht auf die Kamera gegeben, also am Bildschirm mikroskopiert. Bei jeder Auslösung habe ich ein 5er Serienbild aufgenommen, das dauerte etwa 0,4 Sekunden je 5er-Pack. Ein unkomprimiertes Bild hat so etwa 12 MB, die Festplatte füllt sich dann recht flott.

Ich hänge aus dem großen Haufen der Rohbilder mal ein (technisches) Bildchen mit dem 40er an, ein Ausschnitt in Originalauflösung, nur im Kontrast/in den Helligkeitswerten etwas verbessert, ansonsten völlig unbearbeitet. Man könnte daran auch noch herumschärfen... Shutter-Verschlußzeit 50 Mikrosekunden. Die Kameraanpassung ist nahe dem Optimum für Planetenfotos: etwa 3,4 Pixel/Beugungsscheibchen, der Bildmaßstab beträgt etwa 0,13 µm/Pixel.

Mit dem 40er wird die Sache natürlich schon ziemlich hektisch und das nicht festgeklemmte Tierchen windet sich doch recht schnell aus dem Gesichtsfeld der Kamera raus, da wäre ein etwas größerer Chip sicher hübsch, aber eben auch teurer und auch nicht sowieso schon vorhanden.

Mit dem 20er-Objektiv habe ich auch ein häßliches, aber richtig belichtetes Bildchen mit einer Belichtungszeit von 32 Mikrosekunden geschafft, dann ist aber auch Ende mit Licht und Ende mit der Kamera, schneller kann die nicht. Ist aber wahrscheinlich auch nicht unbedingt nötig.


Viele Grüße von

Marcus


Marcus_S

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #7 am: August 01, 2020, 00:32:22 Vormittag »
Moin!

Ich habe den Aufbau in der Zwischenzeit noch ein klein wenig verbessert: den Tageslichtfilter (KB-4) abgenommen, den braucht man für Schwarzweiß ja nicht, das Objektiv aufgebohrt und den Phasenring ausgebaut ;-) , nun also ein 40x/0,75 und die Verstärkung der Kamera auf noch immer erträgliche 25 % erhöht.

Und so knackt man auch ohne Blitz, nur mit 30 W Halogen-Durchlicht ganz bequem die 1/20000 s-Belichtungszeitmarke, trotz der Verringerung der Beleuchtungshelligkeit durch die für die schiefe Beleuchtung benötigte Sektorblende.

In dem gleichen Topf wie neulich fand sich ein gleiches (?) Rädertierchen, das Modell sitzen mußte. Auch dieses Mal alles Licht auf die Kamera gegeben, also am Bildschirm mikroskopiert. Bei jeder Auslösung habe ich ein 5er Serienbild aufgenommen, das dauerte etwa 0,4 Sekunden je 5er-Pack. Ein unkomprimiertes Bild hat so etwa 12 MB, die Festplatte füllt sich dann recht flott.

Ich hänge aus dem großen Haufen der Rohbilder mal ein (technisches) Bildchen mit dem 40er an, ein Ausschnitt in Originalauflösung, nur im Kontrast/in den Helligkeitswerten etwas verbessert, ansonsten völlig unbearbeitet. Man könnte daran auch noch herumschärfen... Shutter-Verschlußzeit 50 Mikrosekunden. Die Kameraanpassung ist nahe dem Optimum für Planetenfotos: etwa 3,4 Pixel/Beugungsscheibchen, der Bildmaßstab beträgt etwa 0,13 µm/Pixel.

Mit dem 40er wird die Sache natürlich schon ziemlich hektisch und das nicht festgeklemmte Tierchen windet sich doch recht schnell aus dem Gesichtsfeld der Kamera raus, da wäre ein etwas größerer Chip sicher hübsch, aber eben auch teurer und auch nicht sowieso schon vorhanden.

Mit dem 20er-Objektiv habe ich auch ein häßliches, aber richtig belichtetes Bildchen mit einer Belichtungszeit von 32 Mikrosekunden geschafft, dann ist aber auch Ende mit Licht und Ende mit der Kamera, schneller kann die nicht. Ist aber wahrscheinlich auch nicht unbedingt nötig.


Viele Grüße von

Marcus


plaenerdd

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Re: Tümpelübung in Schwarz-Weiß
« Antwort #8 am: August 01, 2020, 08:16:49 Vormittag »
Hallo Marcus,
irgendwie hast Du es heute Nacht geschafft, Deinen Beitrag gleich 2x zur gleichen Zeiot zu posten, aber das ist ja nicht so schlimm.
Das Ergebnis spricht für sich. Die Bilder sind ganz ordentlich.
Zitat
Und so knackt man auch ohne Blitz, nur mit 30 W Halogen-Durchlicht ganz bequem die 1/20000 s-Belichtungszeitmarke,
Es gibt aber trotzdem noch einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Verfahren: Deine Tierchen sind den gebündelten 30W die ganze Zeit ausgesetzt, beim Blitzen nur Millisekunden. Das mögen viele gar nicht und verhalten sich auch dementsprechend unnatürlich. Das Wasser unter dem Deckglas verdampft auch sehr viel schneller. Ich hoffe, Du hast wenigstens einen IR-Filter im Strahlengang. Auch manche optischen Bauteile wie z.B. Polfilter mögen so viel Strahlung nicht auf Dauer. Bei der visuellen Beobachtung wären auch Deine Augen in Gefahr, aber da regelt man ja sowieso herunter. Ein so helles Licht wäre sicher kaum erträglich. Ob Deine Kamera das Arbeiten an der Grenze ihrer technischen Möglichkeiten als Dauerbelastung verträgt kann ich nicht einschätzen. Der Chip könnte recht warm werden. Das ist aber eher eine wage Vermutung, kein gesichertes Wissen!
Beste Grüße
Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: CZJ-Nf und AMPLIVAL mit Phv, Pol, DF, HF; Auflicht: VERTIVAL, Stemi: MBS-10, Technival; Inverses: Willovert mit Ph