Autor Thema: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl  (Gelesen 7836 mal)

Florian D.

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Re: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl
« Antwort #30 am: August 29, 2022, 19:39:49 Nachmittag »
Glückauf!

Am Wochenende haben wir es endlich selbst auf den Kaiserstuhl geschafft!
Während einige Gesteine, wie Phonolith aus der noch aktiven Mine Hauri auf lange Winterabende warten, um geschliffen zu werden, ist ein 26g schweres Stück Carbonatit direkt in die Säure gewandert. Zurück blieben etwa 1g Erzkonzentrat, aus dem ich wenig Magnetit (oder Maghämit) mit dem Magneten aussortiert habe. Die verbleibenden 0.63 g bestehen nun tatsächlich aus Goethit, dem grünlichen Glimmer, bei dem es sich vielleicht um Barium-Phlogopit handelt, sowie den gesuchten Koppit Oktaedern, von denen die grössten immer noch kleiner als 1 mm sind. Aber wenigstens sind sie jetzt doch schön als Oktaeder zu erkennen!
Dieser Koppit ist nicht nur aufgrund seines Niob-Gehaltes interessant, sondern auch weil das Pyrochlorgitter sozusagen ein 3d-Äquivalent des Kagomégitters darstellt (uns Deutschen wohl besser als Wiener Geflecht von Omas Sesseln bekannt), das an der Front der Forschung unter dem Namen "Spin-Eis" untersucht wird.
Na ja, anbei Bilder der beiden Minerale.

Viele Grüsse
Florian

Heiko

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Re: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl
« Antwort #31 am: September 19, 2022, 20:38:20 Nachmittag »
Lieber Florian,

endlich ist auch mir ein Pröbchen Karbonatit vom Kaiserstuhl in die Finger geraten – seit Du die Zonierung abgebildet hast, liebäugele ich damit.
Nun benötige ich Interpretationshilfe: Zonarbau versus Kantenwachstum – was sehen wie hier? Die erste Aufnahme zeigt die Oberfläche, die zweite eine „untere“ Fokusebene.

Viele Grüße,
Heiko

PolMik

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Re: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl
« Antwort #32 am: September 19, 2022, 21:16:38 Nachmittag »
Glückauf Florian,
noch eine weitere Frage. Wie unterscheidet man Phlogopit von Biotit? Kannst Du mal ein konoskopisches Abbild des Phlogopits zeigen? Die einzig mögliche Unterscheidung unter dem Mikroskop wären die 2V-Winkel? Ich staune nebenbei gerade, dass in Strunz 8. Auflage auch Lepidolith und Zinnwaldit in die Biotit - Reihe kommen.
Viele Grüße
Michael

Florian D.

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Re: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl
« Antwort #33 am: September 20, 2022, 07:49:01 Vormittag »
Lieber Florian,

endlich ist auch mir ein Pröbchen Karbonatit vom Kaiserstuhl in die Finger geraten

Lieber Heiko,

hätt'ste mal gefragt, ich hätte Dich auch versorgen können. Ich kann auch nicht beurteilen, ob es sich in Deinem Bild um Zonen oder Kanten handelt. Wenn die Körnchen nur in Öl liegen und nicht eingedeckt sind, kannst Du sie vielleicht drehen? Ich habe Zonierung auch nur im Koppit aus einem Stück gefunden, die anderen waren alle unzoniert.

Viele Grüsse
Florian

Florian D.

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Re: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl
« Antwort #34 am: September 20, 2022, 07:55:26 Vormittag »
noch eine weitere Frage. Wie unterscheidet man Phlogopit von Biotit?

Glückauf Michael,

letztendlich gar nicht, weil Phlogopit ja ein Endglied der Biotitgruppe ist. Nachdem er aber kein, oder nur wenig Eisen enthält, ist er im Gegensatz zu den eisen- und titanhaltigeren Biotiten nur schwach gefärbt. Muskovit kommt bei dieser Paragenese nicht in Frage und wäre vom Typ I, während der Phlogopit vom Typ II ist. Dies bezieht sich auf die Lage der Achsenebene im Kristall. Dazu stelle ich noch gesondert Bilder ein. Nachdem in dem oben zitierten Artikel von bariumhaltigen Phlogopit die Rede ist, bin ich davon ausgegangen, diesen gefunden zu haben. Einen letzten Beweis, dass es sich nicht um exotischere Phyllite handelt, muss ich allerdings schuldig bleiben.

Viele Grüsse
Florian

PolMik

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Re: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl
« Antwort #35 am: September 20, 2022, 10:44:35 Vormittag »
Glückauf Florian,
das Problem, das ich mit meinen "Dunkelglimmern" bei den Betrachtungen unter dem Mikroskop hatte, war nämlich, dass alle 2V-Winkel um 0° hatten. Auch bei sehr dünnen Scheiben. Dabei sind auch welche, die Phlogopit sein sollen. Das wäre dann eher Biotit? Ich sehe gerade bei Wikipedia, dass Biotit seit 1999 nicht mehr als eigenständiges Mineral gilt. Die Nomenklaturen der Mineralogen sind verwirrend. Damit wäre die Frage nach der Unterscheidung von Biotit mit 2V-Winkeln zwischen 0° und 25° und Phlogopit mit 2V-Winkeln zwischen 16° und 20° auch geklärt. Meine Mineralogiebücher sind alle vor 1999 erschienen. Ich hatte nämlich gestern bei einem "Dunkelglimmer" mittels Refraktometer sehr klar einen Brechungsindex von 1,54 gemessen und im konoskopischen Bild einen Achsenwinkel von 0°. Das war der Hintergrund für meine Frage, die damit beantwortet ist.
Viele Grüße
Michael
« Letzte Änderung: September 20, 2022, 10:58:44 Vormittag von PolMik »

Florian D.

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Re: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl
« Antwort #36 am: September 20, 2022, 11:03:21 Vormittag »
Hallo Michael,

das mit dem Achswinkel ist bei Biotit (und wohl auch Phlogopit) so eine Sache. Die Kristalle sind ja Stapel feiner Plättchen und die sind oft gegeneinander verdreht, so dass der Achswinkel sich fast zu 0 mittelt.

Viele Grüsse
Florian

Heiko

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Re: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl
« Antwort #37 am: September 20, 2022, 19:01:17 Nachmittag »
Lieber Florian,

es ist dann wohl doch nur von Kantenwachstum auszugehen – zumal Du sagst, Zonierung sei nicht Pflicht.
Für das Foto habe ich das Präparat gedreht und durch den Objektträger fotografiert.

Viele Grüße,
Heiko

Florian D.

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Re: Dünnschliff Karbonatit vom Kaiserstuhl
« Antwort #38 am: September 20, 2022, 22:49:55 Nachmittag »
Sieht aber trotzdem toll aus!