Liebe Pflanzenfreunde,
die Schachtelhalme (Klasse Equisetopsida) sind heute nur noch mit der einzigen Gattung Equisetum vertreten, die 25 Arten umfasst. Die binsenartigen Stauden gehören zu dieser entwicklungsgeschichtlich alten Pflanzengruppe.
Botanisch gesehen gehört der Schachtelhalm zu den Farnen und ist uralt, er trat das erste Mal vor 375 Mio. Jahren auf.
Bild 01 Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Sie sind vorwiegend in der nördlichen Hemisphäre verbreitet, nur wenige finden sich in Afrika und Südamerika südlich des Äquators.
Der Schachtelhalm kommt in der planaren bis collinen Höhenstufe vor, erreicht im Schwarzwald aber auch Höhen bis 800 m und in den Alpen bis 1370 m. In den Allgäuer Alpen steigt er im Kleinen Walsertal im unteren Bärgunttal südwestlich Baad (Ort in Österreich) bis zu 1250 m Meereshöhe auf.
In Mitteleuropa unterscheidet man eine planare, kolline, montane und nivale Stufe. Die planare Stufe ist die unterste Höhenstufe. und reicht bis etwa 100 m Höhe. Bevor diese Region landwirtschaftlich genutzt wurde, wuchsen hier Buchen-Eichen-Wälder und Eichen-Kiefern-Wälder. Die kolline Stufe folgt auf die planare Stufe bis in eine Höhe von 500 m (max. 800 m).
Bild 02 Illustration, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Dieses Werk ist gemeinfrei.
1. Unterer Teil des Stängels mit zwei Ästen und einem Stück Wurzelstock.
2. Obere Hälfte eines Sprosses mit Blattscheiden und Sporenständer.
3. Stück eines Stängels im Querschnitt.
4. Sporenständer
5. Ein Blatt mit Sporenträger (leicht vergrößert).
6. Spore (stark vergrößert).
Systematik:
Klasse: Equisetopsida
Ordnung: Schachtelhalmartige (Equisetales)
Familie: Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae)
Gattung: Schachtelhalme (Equisetum)
Art: Winter-Schachtelhalm
Trivialnamen: Polirkannenkraut, Polirschachtelhalm, großer Schachtelhalm, Tischlerschachtelhalm, Winterschafthalm, Zinnpflanze und Zinnkraut.
Wissenschaftlicher Name: Equisetum hyemale
Englischer Name: horsetail
Der Name Schachtelhalm entstand, weil der halmartige Stängel aus einzelnen Abschnitten aufgebaut ist, die schachtelartig aufeinandersitzen.
Die Stängel sind hohl und nicht verholzt, aber sehr stabil - das hängt mit dem hohen Gehalt an Siliciumdioxid
zusammen. Der Siliciumdioxid -Gehalt bewirkt auch, dass sich Schachtelhalmkraut hervorragend zum Polieren von Metall eignet ("Zinnkraut"). Schachtelhalme bilden genauso wie Moose und Farne keine Früchte mit Samen, sondern Sporen.
Der Winter-Schachtelhalm gehört zu den stark wüchsigen Stauden, die sich durch diese Eigenschaft auch schnell ausbreiten.
Sie verfügen über lange unterirdische Rhizome, aus denen Luftsprosse von 10 bis 60 cm Größe treiben. Diese Triebe enthalten Chlorophyll.
Die Sprosse sind stark gerieft und bestehen aus dickwandigen Zellen mit eingelagerter Kieselsäure.
Sein Laub und seine Stiele erinnern an einen Bambus, sie sind grünlich und weisen hier und da schwarze Spuren auf, die das Gesamtbild ein wenig auflockern.
Der Winter-Schachtelhalm ist ein immergrüner Chamaephyt.
Chamaephyten: Lebensform bei Pflanzen, bei denen die Überdauerungsknospen in 1 – 50 cm Höhe über dem Boden liegen und damit in der Regel durch die Schneedecke geschützt sind.
Die harten, rauen, meist unverzweigten Sprosse erreichen eine Wuchshöhe bis 150 cm und einen Durchmesser von 5 bis 10 mm. Ährentragende und unfruchtbare Sprosse unterscheiden sich nicht; beide sind dunkelgrün und meist ohne Seitenäste. Die Stängelscheiden sind enganliegend und bis 8 mm lang mit früh abfallenden Zähnen. Die Sprosse haben 15 bis 25 Rippen; jede Rippe hat zwei Kanten, zwischen denen eine flache Vertiefung liegt. Die bis zu 18 mm lange Ähre läuft in einer kleinen Spitze aus; die Sporen werden von Juni bis August gebildet.
Bild 03 Ähre mit Sporenbehälter (Sporangien), Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Urheber: OpenCage
Der Winter-Schachtelhalm kommt oft in größeren Beständen in Auwäldern, Quellmooren, Gebüschen und an Waldsäumen vor, die von Grund- oder Sickerwasser geprägt und oft wechselfeucht sind. Er bevorzugt nährstoff- und basenreiche, milde bis mäßig saure Lehm- und Tonböden (Gleyböden) und ist ein tiefwurzelnder Wasserzugzeiger.
Der Schachtelhalm besteht aus zusammengesetzten Teilen.
Bild 04 Nodie, Internodie, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Diese Teile lassen sich gut voneinander abgrenzen. Bild 04 zeigt eine dieser Teile, sowie deren Verbindungsstellen. Man spricht von Internodien (grün gefärbt) und Nodien (schwarz gefärbt).
-amerik. Internode und Node; Node kann etwa mit Knopf übersetzt werden-.
Eine weitere Tatsache ist, dass sich die Teile (Internodien) der Äste optisch nicht von denen der Hauptachse unterscheiden. Sie wachsen aber deutlich langsamer als diese.
Der Winter-Schachtelhalm wurde vor der Erfindung von Schleifpapier im 19. Jahrhundert in der Holzbildhauerei zum finalen Glätten von Holzoberflächen verwendet. Der US-amerikanische Bildhauer David Esterly konnte dies bei Schnitzereien des Barock-Bildhauers Grinling Gibbons nachweisen, als er mit der Rekonstruktion von Schnitzereien beauftragt war, die beim Brand des Hampton Court Palace im Jahre 1986 verloren gegangen waren. Auf Grund der Struktur ihrer Stängel hinterlassen sie spezifische Kerbungen, die auf den Schnitzereien nachweisbar waren. Weitere Bildhauer, bei denen man sich sicher ist, dass sie in ähnlicher Weise den Winter-Schachtelhalm verwendeten, sind Michel Erhart, Veit Stoss und Tilman Riemenschneider.
Bei dem als Ackerunkraut, aber auch Heilpflanze und zum Zinn-Putzen bekannten Schachtelhalm handelt es sich nicht um Equisetum hyemale, sondern um den Acker-Schachtelhalm, Equisetum arvense.
Seit einigen Jahren werden Winter-Schachtelhalme in Gärtnereien für Trockensträuße verwendet („Schlangengras“). Auch als Zierpflanze an Gartenteichen wird die Art eingesetzt.
Die lettische Volksmedizin nutzt Equisetum hyemale bei Aszites.
Aszites: Ansammlung von Flüssigkeit in der freien Bauchhöhle; Bauchwassersucht.
Inhaltsstoffe:
Mindestens 0,3 % Gesamtflavonoide, 6 % lösliche Kieselsäure sowie Kalium- und Aluminiumchlorid, Silikate und Kaffesäurederivate wie Dicaffeoyl-meso-Weinsäure und Caffeoylshikimisäure
Nur in Spuren Alkaloid (Palustrin und Nikotin), keine Saponine wie früher angegeben.
Arzneilich verwendet wird nur der Acker-Schachtelhalm Equisetum arvense. Die Schulmedizin verwendet den Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale nicht.
Der Winter- Schachtelhalm wird in die Giftklasse 2 eingeordnet.
1. (+) = wenig giftig
2. + = giftig
3. ++ = stark giftig, kann zu schweren Vergiftungserscheinungen führen
4. +++ = sehr stark giftig, schon geringe Mengen lebensgefährlich
Querschnitt durch die Sprossachse eines Schachtelhalms
30 Mikrometer
Bild 05 Schnittproben in einem AFE-Gemisch, Equisetum hyemale

Bild 06 Schnittstelle, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Foto: H.-J_Koch
Bild 07 Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Foto: H.-J_Koch
Um die Stabilität der Pflanzenprobe beim Schneiden zu erhöhen habe ich den Hohlraum der Sprossachse mit transparenter Gießseife (Firma Gütermann) ausgegossen.
Die Seife lässt sich problemlos mit Wasser entfernen und verändert die Färbung nicht und die Schnittprobe wird beim Einspannen im Probenhalter nicht zusammengedrückt.
Vier ungefärbte Schnitte.
Bild 08 Übersicht (die Probe hat einen Durchmesser von 7mm), Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Bild 09 Detailaufnahme, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Bild 10 Autofluoreszenz, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nm
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 11 Autofluoreszenz, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nm
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Wacker 3 A - Färbung (
Acridinrot – Acriflavin - Astrablau)
1. Schnitte liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridiorot 8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest.
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) 15 Sekunden
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest.
7. Nachfärbung Astrablau 90 Sekunden
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %
10. Einschluss in Euparal
Fotos: Nikon D5000
Bild 12 Übersicht, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Bild 13 Detailaufnahme, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Bild 14 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale

Auflicht Beleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nm
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485
Bild 15 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale
